Thai/Kickboxen

TBC Fight Night 4: D'Effremo überragend

Am vergangenen Samstag gab es in Singen am Bodensee die vierte Auflage der TBC Fight Night. Gleich sieben Titelkämpfe und eine Reihe von sehr interessanten Superfights sollten für ein wahres Mammutprogramm sorgen.

WMC-Intercontinental Titel: D'Effremo schickt Liangprasirt schlafen
Gerade bei dem Kampf, den man am ehesten als Punktentscheid eingeplant hatte, sollte man eines Besseren belehrt werden. Zwischen Lokalmatadorin Saska D'Effremo und der Thailänderin Hongmorokot Liangprasirt stand der Interconti-Titel des WMC auf dem Spiel. Schon im ersten Duell in Thailand konnte Liangprasirt via Punktentscheidung die Oberhand behalten. In Singen sollte es dann aber ganz anders kommen. In der Auftaktrunde studierten sich beide Kämpferinnen, um die Lücken beim Gegenüber auszumachen. In der zweiten Runde wurde das Duell dann intensiver und genau just in diesem Moment knallte D'Effremo eine brachialen Ellenbogen an den Kopf und schickte die Thailänderin damit nicht nur zu Boden, sondern knipste ihr mit dieser Technik auch die Lichter aus. Ein Paukenschlag, mit dem so nicht zu rechnen war und welcher D'Effremo unter frenetischem Jubel der Fans den WMC-Interconti Titel einbrachte.

ISKA-WM: Olejnik behauptet sich auch im Rückkampf
Bei der Amateur-WM in Athen in diesem Jahr standen sich Alexander Olejnik und "fast" Lokalmatador Selahatin Sahin im Finale bereits gegenüber. Der Ukrainer konnte die Oberhand behalten und Sahin wollte unbedingt die Revanche. Diese bekam er auch und es stand zudem der WM-Titel der ISKA auf dem Spiel. Olejnik überzeugte zunächst mit harten Körpertreffen und diese sollten ihre Wirkung nicht verfehlen. Denn schon früh im Kampf wurde Sahin eine Rippe angeknackst und das machte sich dann auch in seinen Aktionen bemerkbar. Diese konnte er nicht wie sonst mit Druck abfeuern und Olejnik nutzte das natürlich bestens aus und konnte vor allem mit seinen boxerischen Fähigkeiten hier die Akzente setzen. Das sahen dann auch die Punktrichter so, welche mit 49-46, 49-45 und 48-47 zu Gunsten von Alexander Olejnik werteten.

ISKA-Junioren WM: Bedjeti siegt dominant
Er wollte den WM-Titel unbedingt und entsprechend motiviert ging Lokalmatador Besnik Bedjeti gegen seinen Gegner Iker Valderrama zu Werke. Dass der Spanier dabei drei mal so viele Kämpfe auf dem Buckel hatte, war für Bedjeti kein Problem. Dieser legte los wie die Feuerwehr und übte mit seinen schnellen Aktionen gehörig Druck auf seinen Gegner aus. Valderrama sollte hier kein Rezept finden um Bedjeti mehr entgegen zu setzen. In allen fünf Runden zeigte sich ein nahezu identisches Bild. Die Punktrichter hatten hier wenig Mühe und waren sich allesamt einig - drei Mal mit 50-45 hieß es für Besnik Bedjeti.

ISKA-Europameisterschaft: Demirörs gewinnt vorzeitig
Im Kampf um die Europameisterschaft der ISKA kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Lokalmatador Ümüt Demirörs und dem Schweizer Daniel Ruchti. War Demirörs in der Auftaktrunde noch zu verkrampft, konnte der Singener in der Folgezeit seine Reichweitenvorteile immer besser ausspielen und wirkte dabei auch konditionell wesentlich besser eingestellt, als es bei Ruchti der Fall war. Schon in der dritten Runde musste dieser einen Gang zurück schalten und öffnete Demirörs damit die Möglichkeit, noch offensiver zu arbeiten. Das sollte sich dann in der vierten Runde bemerkbar machen, als Ruchti nach mehreren Treffern aus dem Kampf genommen werden musste. Eine gute Entscheidung und der EM-Titel für Ümüt Demirörs.

ISKA-Europameisterschaft: Yerko lässt da Graca keine Chance
Das es auch mal nicht so läuft wie gewünscht, musste Lokalmatador Amorim da Graca in seinem EM-Titelkampf gegen Mykhailo Yerko aus der Ukraine erfahren. Mit 134 Siegen aus 149 Kämpfen konnte Yerko eine beeindruckende Bilanz vorweisen und wurde dadurch seiner Favoritenrolle voll und ganz gerecht. Zunächst verschlief da Graca den Auftakt - bei einem auf fünf Runden angesetzten Kampf auch kein Problem. Doch was immer er auch versuchte, Yerko hatte die passende Antwort sofort parat. Dieser konnte sich dank seines variablen Kampfstils in den Augen der Punktrichter mit drei mal 50-45 erfolgreich behaupten.

ISKA-Deutsche Meisterschaft: Müller mit nächstem Titelerfolg
Kurzfristig eingesprungen und dennoch einen großen Kampf geliefert, so könnte das Fazit des Heddesheimer Marius Groß lauten, welcher gegen Tim Müller im Ring stand. Müller übernahm von Beginn an das Kommando im Ring und lies Groß erst gar nicht in den Kampf finden. Dieser ließ sich trotz aller Offensivaktionen von Müller nicht unter kriegen und versuchte, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen, an diesem Abend sollte es allerdings nichts werden. Müller war in seinen Aktionen zu abgeklärt und lies Groß so nicht zur Entfaltung kommen. Während sich Müller seinen nächsten Titel bei den Profis sichern konnte und darüber hinaus als erster Teilnehmer für den K-1 Max Deutschland Grand Prix 2018 bestätigt wurde, sollte Groß mit seinen 21 Jahren den Kopf nicht hängen lassen.

ISKA-Internationale Deutsche Meisterschaft: Goitom entführt Titel nach England
Die Jüngsten sollten an diesem Abend für mehr Action sorgen, als es bei so manchen Arrivierten der Fall war. Zwischen Elias Musso aus Langenargen und Nils Goitm aus Manchester stand der internationale Deutsche Titel auf dem Spiel und das Goitom nicht zum verlieren gekommen war konnte man von Anfang an sehen. Mit taktischen Spielchen hielten sich beide Kämpfer nicht lange auf und es war ein hin und her, bei dem es augenscheinlich schwer war, einen Favoriten auszumachen. Und wie eng es in diesem sehr spannenden Kampf zur Sache ging sah man bei den Wertungen der Punktrichter. Während der erste Goitom zunächst mit 49-47 in Front sah, wertete der zweite mit 49-46 für Musso. Der dritte und letzte Offizielle sah mit 48-47 denkbar knapp Nils Goitom in Führung welcher den Gürtel des Siegers um die Hüften bekam.

Selbst in den Superfights sollte es richtig zur Sache gehen. Im Muay Thai konnte sich "The Brain" Juri Kehl auch im Rückkampf gegen Yokkao-Veteran Chris Whittle aus Manchester behaupten. War der erste Kampf noch über drei Runden angesetzt, ging es nun über die volle Distanz von fünf Runden. Kehl legte zu Beginn ein extrem hohes Tempo vor und versuchte, Whittle damit in Bedrängnis zu bringen. Wer dachte, dass der Engländer hier einknicken würde - weit gefehlt. Je länger der Kampf ging, desto besser sollte es für Whittle laufen. Allerdings waren dessen Bemühungen in den Augen der Punktrichter nicht genug um den Kampf zu gewinnen und diese sprachen ihn einstimmig Juri Kehl zu.

Fast spielerisch sollte sich Thai-Star Jack WMC Samui gegen den Spanier Paul Ilana behaupten. Egal, was der Iberer an diesem Abend auch versuchte, sein Kontrahent war schneller, präziser und auch wesentlich variantenreicher und packte so die eine oder andere Technik aus, welche man sonst im traditionellen Muay Thai in Deutschland nicht zu Gesicht bekommt. Der einstimmige Punktsieg für den Thailänder war dann auch im höchsten Maße verdient. 

GnP-Fight Night Awards:
Kampf des Abends: Juri Kehl vs. Chris Whittle
K.o. des Abends: Saska D`Effremo vs. Hongmorokot Liangprasirt

TBC Fight Night IV
4. November 2017
Münchriedhalle, Singen


WMC-Intercontinental Titelkampf / Muay Thai
Saskia D`Effremo bes. Hongmorokot Liangprasirt durch K.o. in Runde zwei

ISKA-Weltmeisterschaft / K-1
Alexander Olejnik bes. Selahatin Sahin durch einstimmite Punktentscheidung

ISKA-Junioren Weltmeisterschaft / K-1
Besnik Bedjeti bes. Iker Valderrama durch einstimmige Punktentscheidung

ISKA-Europameisterschaft / K-1
Ümüt Demirörs bes. Daniel Ruchti durch T.k.o. in Runde vier

ISKA-Europameisterschaft / K-1
Mykhailo Yerko bes. Amorim da Graca durch einstimmige Punktentscheidung

ISKA-Deutsche Meisterschaft / K-1
Tim Müller bes. Marius Groß durch einstimmige Punktentscheidung

ISKA-Internationale Deutsche Meisterschaft / K-1
Nils Goitom bes. Elias Musso durch geteilte Punktentscheidung

K-1
Oskar Sokolowski bes. Rinor Latifaj durch einstimmige Punktentscheidung
Matas Milaunas bes. Charlie Feike durch einstimmige Punktentscheidung
Pavel Magureanu bes. Qaisar Amer Chel durch geteilte Punktentscheidung
Yannik Heiz bes. Stefan Mössle durch T.k.o. in Runde zwei
Lorenz Mehr bes. Tobias Horn durch einstimmige Punktentscheidung
Mert Dastelen bes. Anas Amrani durch Aufgabe in Runde zwei
Ajmeer Bahrami bes. Robin Ostrowski durch einstimmige Punktentscheidung
Sebastian Laski bes. Andrej Betschart durch T.k.o. in Runde eins

Muay Thai
Juri Kehl bes. Chris Whittle durch einstimmige Punktentscheidung
Jack WMC Samui bes. Paul Illana durch einstimmige Punktentscheidung
Umar Davlatov bes. Ömer Kocak durch einstimmige Punktentscheidung

MMA
Andris Galaida bes. Johannes Linster durch Tap Out nach 4:16 in Runde eins
Ervins Galaida bes. Nico Cybis durch einstimmige Punktentscheidung