Kolumnen

GNP1-Matchmaker: Die Rückkehr der Könige

Hat Geschichte geschrieben: Georges St. Pierre ist jetzt der vierte Kämpfer, der UFC-Titel in zwei Gewichtsklassen gewonnen hat (Foto: Florian Sädler).

Nach einem eher durchwachsenen Jahr für die UFC erinnerte der zweite Ausflug des Octagons in den New Yorker Madison Square Garden daran, warum der MMA-Sport so schnell so populär geworden ist. Enttäuscht hat keiner der elf Kämpfe, von hammerharten Knockouts über Drei-Runden-Schlachten bis hin zu historischen Titelgewinnen war alles dabei im Big Apple. Und nicht nur kurzweilige Action gab es – die Ergebnisse von UFC 217 eröffnen der Liga auch eine ganze Reihe spannender Optionen für das kommende Jahr.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Georges St. Pierre

Mit dem vergangenen Wochenende hat sich Georges St. Pierre endgültig als einer der größten MMA-Kämpfer manifestiert. Die Karriere des Kanadiers war schon vor vier Jahren fraglos der Hall of Fame würdig. Nach einer derart langen Pause zurückzukommen und – per Finish – den Titel in einer höheren Gewichtsklasse zu gewinnen, ist etwas, das „Rush“ lange Zeit niemand nachmachen wird.

Die Kritiker werden anführen, dass St. Pierre zwischenzeitlich konditionell nicht elitär aussah, dass er Michael Bisping nicht durchweg dominiert hat, dass dieser ohnehin nie ein allzu überzeugender Champion gewesen ist und St. Pierre kaum über längere Zeit Teil der Mittelgewichtsklasse bleiben wird. Laut dem neuen Weltmeister allerdings ist er vertraglich verpflichtet, seinen Gürtel gegen Interims-Champion Robert Whittaker zu verteidigen.

Wenn es nach der besten Geschichte geht, und danach sucht die UFC mittlerweile sehr gerne, dann wäre eine Rückkehr ins Weltergewicht jedoch die bessere und vermutlich ohnehin langlebigere Option. Nicht nur würde man damit endlich Champion Tyron Woodley in einen verkäuflichen Kampf setzen können, für St. Pierre wäre es die ultimative Errungenschaft, nach diesem Wochenende auch noch den Titel zurückzuholen, den er neun Mal verteidigt und nie im Octagon verloren hat.

Laut Dana White steht Whittaker vorne in der Schlange, und die Chancen stehen wohl sehr gut, dass St. Pierre als nächstes in die gewohnte Position des Titelverteidigers übergeht. Ebenso wenig sollte man sich allerdings wundern, wenn er auch seinen nächsten Ausflug in den Käfig als Herausforderer angeht. Nächster Gegner: Tyron Woodley

T.J. Dillashaw

Was für ein Kampf. All das böse Blut, das die ehemaligen Teamkollegen Cody Garbrandt und T.J. Dillashaw in ihren Bantamgewichtstitelkampf mitgenommen haben, schien beinahe schon in Runde eins überzukochen, als Garbrandt seinen Rivalen böse anknockte. Es schien nur der Rundengong gewesen zu sein, der Dillashaw vor der Erstrundenniederlage rettete – im zweiten Durchgang kam der Ex-Champion zurück und holte sich seinen Titel mit einem Headkick und harten Folgeschlägen zurück.

Nicht zuletzt der spannende Verlauf des Kampfes verspricht mindestens einen weiteres Duell zwischen den beiden. Allerdings werden die beiden Kalifornier wohl nicht gleich als nächstes wieder gegeneinander antreten – nicht nur hat Garbrandt seinen Titel nie erfolgreich verteidigt, auch gibt es zu viele andere spannende Optionen für den alten neuen Champion.

Da wäre zum einen der Super-Kampf gegen Fliegengewichtschampion Demetrious Johnson, für den man sich aus ähnlichen Gründen wie für St. Pierre vs. Woodley starkmachen kann. Zum anderen werden sich im Dezember Ex-Champion Dominick Cruz und Top-Bantamgewicht Jimmie Rivera gegenüberstehen. Der Sieger dieses Duells wäre ein perfekter Plan B, sollte der Kampf gegen „Mighty Mouse“ am Geld oder am Gewicht scheitern. Nächster Gegner: Demetrious Johnson

Rose Namajunas

Komplettiert wurde das Titelwechsel-Trio in New York von Rose Namajunas, die eine brillante Leistung hinlegte und Thaibox-Abrissbirne Joanna Jedrzejczyk mit einem einzigen Schlag ausknockte. Mit 25 Jahren ist die gelernte Grapplerin nun bereits auf dem Zenit angekommen, die Herausforderung für die in der Vergangenheit nicht immer konsistente Namajunas wird es jetzt sein, ihren Gürtel über längere Zeit zu halten.

Lange amtierende Champions bekommen in der UFC oft direkte Rückkämpfe, selbst, wenn der Tielverlust sehr deutlich war. Das könnte auch der nächste Schritt für Joanna Jedrzejczyk sein, die 2015 wenige Monate nach Eröffnung der Strohgewichts-Klasse den Titel holte und ihn fünf Mal dominant verteidigte.

Falls die Polin den harten Gewichtscut nicht mehr absolvieren will und hoch ins Fliegengewicht geht, stünden einige andere Namen für Namajunas bereit, u.a. Karolina Kowalkiewicz, die Namajunas erst vergangenes Jahr besiegte. Ansonsten kann es gut sein, dass "Joanna Champion" die Chance bekommt, sich ihren Spitznamen zurückzuverdienen. Nächste Gegnerin: Joanna Jedrzejczyk