Boxen

Wochenend-Punktzettel

Schnelles und wohl endgültiges Ende für Zab Judah (r.). Foto: washtimes.com.

Woche für Woche wird auf dem gesamten Globus geboxt. Damit ihr nicht den Überblick verliert und allzeit auf dem Laufenden seid, wirft GroundandPound für euch regelmäßig einen Blick auf die wichtigsten Boxkämpfe des vergangenen Wochenendes.

Danny Green vs. Antonio Tarver

Erfolgreiches Debüt im Cruisergewicht für Antonio Tarver (l.). Foto via news.com.au.

Nicht am Wochenende, sondern schon am Mittwoch standen sich Danny Green und Antonio Tarver in Australien gegenüber. Tarver, der frühere Halbschwergewichtsweltmeister, feierte hier nach einem kurzen Ausflug ins Schwergewicht sein Debüt im Cruisergewicht. Favorit Green sah von Beginn an keine Sonne und musste nach der neunten Runde von seinen Betreuern aus dem Kampf genommen werden.

Das Cruisergewicht entwickelt sich – vor allem für uns Europäer – zu einer der derzeit interessantesten Gewichtsklassen im Boxen. Mit Marco Huck, Steve Cunningham und Yoan Pablo Hernandez sind allein bei Sauerland Event drei Titelträger unter Vertrag. Hinzu kommen junge Talente wie Alexander Frenkel (ebenfalls Sauerland) und Rachim Tschachkijew (Universum); alte Hasen wie Denis Lebedev, und überraschende Quereinsteiger wie Antonio Tarver, den vor einigen Wochen noch niemand so recht auf der Rechnung hatte.

GroundandPound-Wertung: Die größte Überraschung der Woche – macht noch mehr Lust auf die Cruisergewichtsklasse.

Anthony Dirrell vs. Kevin Engel

Foto: fightnews.com

War der Hauptkampf von ESPN Friday Night Fights in der vergangenen Woche noch eine ausgeglichene und hochspannende Schlacht, präsentierte man den Zuschauern in dieser Woche ein extrem einseitiges (und entsprechend kurzes) Duell. Während Anthony Dirrell (23-0-0, 20 KO), der jüngere Bruder vom einstigen Super Six-Teilnehmer Andre Direll, erst vor drei Wochen im Ring stand und dementsprechend top in Form war, erfuhr sein Gegner Kevin Engel erst elf Tage vor der Veranstaltung von dem Kampf. Innerhalb dieser kurzen „Galgenfrist“ musste der 31-jährige knapp elf Kilo abnehmen und sich auf einen bisher ungeschlagenen Gegner einstellen, der in seinen Fights zu allem Überfluss auch noch mit Vorliebe die Auslage wechselt.

Das Ende kam wie erwartet schnell. Nach einer krachenden Rechten Dirrels musste Engel schon in der zweiten Runde zu Boden – fing sich zwar, war aber fortan nicht mehr als eine bewegliche Zielscheibe für Dirrell, der das Ende von da ab riechen konnte. Mit einem linken Aufwärtshaken schickte er Engel kurz darauf erneut auf die Bretter. Engel bemängelte einen Tiefschlag – und die Wiederholung in Zeitlupe gab ihm Recht – doch Referee Lou Moret wertete den Schlag als regelkonform und zählte Engel aus.

GroundandPound-Wertung: Tiefschlag hin oder her – dieser Kampf war eine Fehlpaarung und wäre sowieso bald vorüber gewesen.

Derek Chisora vs. Tyson Fury

Foto via beatsboxingmayhem.com.

Noch vor wenigen Tagen tauchte Tyson Fury (15-0-0, 10 KO) in unserer Liste der zehn größten Nachwuchstalente im Schwergewicht auf. Am Samstag sicherte er sich den Britischen Schwergewichtstitel indem er Dereck Chisora (14-1-0, 9 KO) über 12 Runden dominierte. Chisora scherzte im Vorfeld des Kampfes, Fury sei ein „Klitschko für Arme“ – und hatte damit gar nicht so Unrecht. In bester Klitschko-Manier hielt sich Fury den deutlich kleineren Chisora mit Führhänden vom Hals, attackierte mit Doppel-Jabs, gefolgt von einer rechten Geraden und clinchte sobald sein Kontrahent im zu nahe kam.

Chisora wirkte übergewichtig und außer Form, bereits in Runde sieben atmete er tief und arbeitete wenig. Gelegentlich gelangen ihm einige harte Treffer – doch stürmte er, um die zu landen, viel zu offen in den Mann. Wladimir Klitschko – gegen den er in den letzten zehn Monaten schon zweimal in den Ring steigen sollte – hätte hier Kleinholz aus ihm gemacht.

Die Punktrichter werteten mit 118-111 und zweimal 117-112 für Fury, der sich damit den Britischen Titel sichern und einen weiteren großen Schritt in seiner Karriere tun konnte. Für einen Klitschko-Kampf wäre es aber auch für ihn noch viel, viel zu früh.

GroundandPound-Wertung: Ein „Klitschko für Arme“ – Fury hat Potential, braucht aber noch einige Kämpfe bis er oben mitspielen kann.

Orlando Salido vs. Kenichi Yamaguchi

Orlando Salido (36-11-2, 24 KO) verteidigte seinen World Boxing Organization-Federgewichtstitel am Samstag gegen einen mutigen, aber überforderten Kenichi Yamaguchi (17-2-2, 4 KO). Yamaguchi konnte keine einzige Runde für sich entscheiden und wurde vom heranstürmenden Salido nach Strich und Faden auseinandergenommen, bevor Ringrichter Roberto Ramirez Jr. ihn in der elften Runde nach 2:50 Minuten aus dem Kampf nahm.

Für Salido steht nun ein Rückkampf gegen Juan Manuel Lopez an, dem er den Gürtel im April überraschend abnehmen konnte.

GroundandPound: Ein einseitiges, aber durchaus actionlastiges Duell.

Amir Khan vs. Zab Judah

Fast ebenso einseitig, nur deutlich kürzer, war der WM-Vereinigungskampf zwischen Amir Khan (26-1-0, 18 KO) und Zab Judah (41-7-0, 28 KO). Der wohl größte Fight dieses Wochenendes endete mit einem Körperhaken Khans in der fünften Runde.

Judah berief sich sofort auf einen Tiefschlag – und tut es bis heute – obwohl verschiedene Zeitlupenwiederholungen gezeigt haben, dass er von einem regelkonformen Treffer auf die Bretter gegangen ist. Nach dieser Vorstellung dürfte „Superjudah“ am Ende seines Weges im Profi-Sport angelangt sein.

Wie es mit Amir Khan weitergeht ist bislang unklar. Namen wie Erik Morales, Kell Brook und vor allem Floyd Mayweather Jr. stehen im Raum. Morales wäre der einzige der drei Genannten, die sich in Khans Gewichtsklasse befinden, würde aus sportlicher Sicht aber kaum Sinn machen. Zwar zeigte der mexikanische Veteran in seinem letzten Kampf gegen Marcos Maidana, dass er durchaus noch einige sehenswerte Fights in sich hat, ein junger überragender Techniker wie Amir Khan wäre aber ein denkbar schlechter Gegner ihn.

Am sinnvollsten für Khan wäre also ein sofortiger Wechsel vom Halb-Welter- ins Weltergewicht. Ein solcher stünde früher oder später sowieso ins Haus. Kell Brook ist ein ungeschlagenes britisches Talent und im Moment wohl die wahrscheinlichste Variante. In seiner Heimat ist Khan ein Star und füllt riesige Arenen – ein Kampf gegen Brook wäre eine interessante Übergangslösung.

Ein Floyd Mayweather Jr. wäre ein riesiger Sprung für den jungen Khan und vor Mitte 2012 sowieso nicht verfügbar. Er muss im September erst einmal gegen den frischgebackenen World Boxing Council-Weltmeister Victor Ortiz in den Ring.

GroundandPound-Wertung: Wie zu erwarten war, eine recht einseitige Demontage Judahs, der gegen den jüngeren, schnelleren und aggressiveren Khan hoffnungslos unterlegen war.

Geheimtipp der Woche: Joseph Elegele vs. Aaron Martinez

Unser Geheimtipp der Woche war der Co-Hauptkampf von ESPN Friday Night Fights. Mit nur einer Woche Vorbereitungszeit nahm Aaron Martinez (15-1-1, 3 KO) einen Kampf gegen das bislang ungeschlagene Nachwuchstalent Joseph Elegele (12-1-0, 10 KO) an – einen Boxer der nicht nur deutlich größer, sondern obendrein auch noch ein Rechtsausleger ist. Sein Mut wurde belohnt. Schon am Ende der ersten Runde konnte er Elegele am Seil stellen, mit unzähligen kurzen Haken anklingeln und schließlich auf die Bretter schicken.

Elegele kam in den darauffolgenden Runden stark zurück und kontrollierte den Kampf aus der Distanz, ließ sich aber immer wieder auf Schlagwechsel mit dem wilden Martinez ein. Unterhaltsam für die Zuschauer, aber kaum die richtige Taktik für den größeren Mann. Im siebten Durchgang wurde er erneut gehörig angeklingelt, schaffte es aber in die Pause.

In der achten und letzten Runde beendete ein versehentlicher Kopfstoß und dabei entstandener riesiger Cut auf der Stirn von Martinez das Duell leider etwas früher als gedacht. Der Ringrichter winkte das Duell nach 1:41 Minuten ab. Die Punktrichter hatten nun zu entscheiden und werteten mit 76-75 und zweimal 77-74 für den Außenseiter, aber klaren Sieger Aaron Martinez.

GroundandPound-Wertung: Kämpfer mit Herzblut und jede Menge Action – so muss Boxen sein!