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Vorschau: Klitschko vs. Sosnowski

Vitali Klitschko vs. Albert Sosnowski - Wer hat Samstag wen am Schlafittchen?

Am kommenden Samstag wird Vitali Klitschko (39-2, 37 KO), der Ältere der beiden Schwergewichtskönige, auf den Polen Albert Sosnowski (45-2-1, 27 KO) treffen. Auf Grund der vorbildlichen Medienarbeit der Brüder und ihrer eigenen Promotion- und Managementfirma ist zumindest ein wirtschaftlicher Erfolg des Kampfabends dabei beinahe garantiert. Mit einer 70.000 Menschen fassenden Veltins Arena auf Schalke und 10 Millionen erwarteten Zuschauern vor dem Fernsehschirm, beweisen die Ukrainer, dass ihr Mythos in Deutschland nach wie vor ungebrochen ist. Doch Herausforderer Sosnowski lässt sich davon  nicht beirren:

„Niemand rechnet wirklich mit mir, aber ich habe nichts zu verlieren und werde die Boxwelt überraschen“, so Sosnowski. „Es ist Zeit für Vitali Klitschko, abzutreten. Er hat die Schwergewichtszene lange genug dominiert.“ 

In der Tat ist das Geschehen in der Schwergewichtsszene in den letzten Jahren eher mäßig interessant für die Freunde des Boxsports gewesen. Seit 2008 ist Vitali Klitschko bereits WBC Schwergewichtschampion. Ebensolange hält sein jüngerer Bruder die vereinigten IBF und WBO Gürtel. Alle Gegner der letzten Monate und Jahre wurden vor dem Kampf glaubhaft verkauft, hielten jedoch nicht was sie versprachen. Die Schwergewichtsszene ist tot, murrten viele. Die Klitschko-Präsenz in den USA schwindet, vom Ruhm, den die Brüder in Deutschland genießen, gibt es im Boxmekka Amerika keine Spur mehr. Der einzige verbliebene Gegner für das Zweigestirn, der derzeit einen Kassenschlager produzieren könnte, ist WBA-Titelträger und persönlicher Erzfeind der Klitschkos, David Haye. Doch der lässt auf sich warten.

Sosnowski sieht sich indessen keineswegs in der Rolle des kleinen Appetithappens zwischendurch. Er will als erster Pole überhaupt Schwergewichtsweltmeister in einem der vier großen Verbände werden – und ist überzeugt das auch zu schaffen. „Vitali ist technisch betrachtet ein ungeschickter Boxer“, so der Pole. „Er macht viele Fehler und die werde ich erbarmungslos ausnutzen. […] Seine Schlagkraft ist natürlich beeindruckend, aber frühere Gegner standen oft einfach nur da und haben sich verprügeln lassen. Das ist definitiv nicht mein Weg.“

„Der Drachen“, so der Kampfname Sosnowskis, ist kein Unbekannter. 45 von 48 Kämpfen konnte er bislang gewinnen, besiegte im Dezember vergangenen Jahres den Italiener Paolo Vidoz und sicherte sich so den Europameistertitel der EBU. Mit 48 Kämpfen auf dem Buckel ist er theoretisch der Erfahrenere der Beiden, doch den Druck der ganz großen Kämpfe kannte er bislang nicht. Aggressiv und schnell will er kämpfen, die Grobmotorik seines Gegners ausnutzen.

Sosnowski ist dreizehn Zentimeter kleiner. Dafür aber acht Jahre jünger – und hungrig. Doch wird er gegen die Übermacht des Dr. Eisenhammer bestehen können? Experten sagen nein.

Fans mahnten zuletzt die Eintönigkeit der Klitschko-Kämpfe, bemängelten fehlenden Einsatzeifer, trotz noch immer beeindruckender KO-Quoten von über 90 Prozent. Die Hilflosigkeit der Gegner und die teils behäbig wirkende Arbeit mit dem variablen Jab, für den die Brüder bekannt sind, ist unattraktiver, vor allem für den Gelegenheitszuschauer. Ein Knaller muss her. Nimmt Klitschko sich die Kritik zu Herzen und beendet den Kampf mit seinem Stahlhammer so früh wir möglich? Oder wird er erneut versuchen, den Fans und Prominenten auf Schalke eine möglichst lange Show zu bieten? Oder gelingt dem polnischen Schwergewicht Sosnowski gar das Unglaubliche, nämlich den König vom Thron zu stoßen? Der Samstag wird es zeigen.

Klitschko vs. Sosnowski
29.Mai 2010
Veltins Arena, Gelsenkirchen

WBC Schwergewichtstitelkampf
Vitali Klitschko vs. Albert Sosnowski

NABF Schwergewichtstitelkampf
Jonathon Banks vs. Jason Gavern

Nendad Borovcanin vs. Raymond Ochieng


Der Rest der Vorkämpfe ist bislang nicht bekannt