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Umstrittener Sieger

"Wenn man diesen Kampf gesehen hat, bin ich verdammt noch einmal froh, dass der Zweite Weltkrieg nicht von Punktrichtern entschieden wurde"... Das war das Statement eines Box-Experten, der dann sogleich auch namentlich nicht genannt werden wollte. Die Diskussionen um das Urteil des Kampfes Sturm vs. Macklin waren kontrovers.

Zwei Punktrichter hatten WBA-Super-Champion Felix Sturm vier Runden vorn, der Dritte den Iren Matthew Macklin mit zwei Runden. Am Ende war der neue also auch der alte Weltmeister im Mittelgewicht, welcher vor 18.000 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess-Arena von Köln die Arme siegreich in den Himmel streckte. Es bleibt aber ein böser Beigeschmack.

In den ersten Runden war Sturm auf jeden Fall deutlich zu passiv, und auch seine Schläge kamen nicht ins Ziel. Schon am Anfang des zweiten Durchgangs war durch eine große Rötung in der Milz-Gegend zu erkennen, dass Macklins Körpertreffer Wirkung zeigten. Auch der Aufforderung von Trainer Fritz Sdunek, doch mehr zu tun, kam der Weltmeister nur sporadisch nach. Erst als seine Ecke ihm mitteilte, dass es sehr eng wird, tat Sturm die letzten beiden Runden mehr.

Am Ende bleibt die im Boxen typische Diskussion - was zählt eigentlich mehr? Aktivität oder klare Treffer? Denn während der Herausforderer Macklin sicher mehr tat, hatte Sturm deutlich die besseren Treffer. Dies konnte man auch an den Gesichtern nach dem Kampf sehen. Während der Deutsche einigermaßen "unbeschadet" aussah, konnte man dies vom Iren nicht gerade behaupten.

Und auch in Amerika wird heiß diskutiert über den Kampf. Der eine Teil sieht Macklin um den Sieg betrogen, ein anderer meint klar, dass der Bessere am Ende verdient gewonnen hat - wenn auch äußerst knapp. Promoter Lou Di Bella äußerte sich allerdings sehr negativ über das Urteil. Für ihn seien genau solche Urteile der Grund, warum sein Schützling - WBC-Diamond-Champion Sergio Martinez - niemals in Deutschland boxen werde.

Damit dann sicherlich auch keine zu große und lange Diskussion aufkommt, hat Felix Sturm auch noch im Ring seinem Kontrahenten einen Rückkampf versprochen. Zwar wollte er nicht auf der von Macklins Trainer Joe Callagher angebotenen Serviette unterschreiben, aber ein erneutes Duell der beiden wird es sicherlich geben.

Etwas Positives gibt es aber von der Quotenfront zu berichten. So verlor Sturm zwar im Vergleich zu seinem letzten Auftritt rund 200.000 Zuschauer, dennoch sind 4,55 Millionen für Sat.1 ein sehr starkes Ergebnis. Zumal der Sender in der Primetime gerade einmal 1,61 Millionen Zuschauer dazu bewegen konnte, einzuschalten. Erst als ran: Boxen los ging, erhöhte sich der Marktanteil deutlich.