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Totes Schwergewicht?

Neue Stars braucht die Gewichtsklasse – wir wollen zehn Boxer vorstellen, die vor dem Durchbruch stehen.

Einsam regieren Sie in der Königsklasse des Boxens: Die Klitschkos sind unangefochten die Meister der Schwergewichtsszene. Seit Jahren zieht jeder der versucht, sich ihnen in den Weg zu stellen, verbeult davon.

Zuletzt traf es Großmaul David Haye, der zwar vollmundig in den Ring stieg, aber am Ende nach Entschuldigungen suchte. Als nächstes wird der Pole Tomas Adamek versuchen, die Dominanz der ukrainischen Brüder zu brechen. Seine Erfolgsaussichten sind allerdings gering bis fast gar nicht vorhanden.

Keine Frage, dass Schwergewicht hat Probleme. Den Klitschkos gehen die Gegner aus. Nach den letzten "Opfern" schaut nun alles auf Povetkin, Chisora und vor allem Helenius. Was aber kommt nach Ihnen? Wer sind die Fighter, die sich gerade in der Gewichtsklasse der schweren Jungs einen Namen machen und die man im Auge behalten sollte?

GroundandPound ging der Frage nach und möchte ganz kurz zehn Boxer vorstellen, von denen wir glauben, dass Sie in ein paar Jahren den Ton mit angeben könnten.

Edmund Gerber

Der Mann mit der Retro-Frisur der 80er Jahre und dem gewaltigen Dampf in den Fäusten schickt sich an, Nachfolger des legendären Max Schmelling zu werden. Ja - wir wissen auch, dass dies schon über sehr viele deutsche Boxhoffnungen gesagt wurde. Allerdings könnte es dem Mann aus Schwerin ernsthaft gelingen.

Vor gerade einmal 22 Jahren erblickte er das Licht der Welt und wird bei den Profis von Karsten Röwer trainiert. In bisher 16 Duellen war er stets der Mann, der siegreich die Arme in den Himmel heben durfte. Ganze zehnmal schickte er dabei seine Gegner auf den Ringboden. Sein bisher wohl größtes Duell gewann er im Januar vergangenen Jahres. Niemand geringes als Rene Dettweiler wurde von ihm in Runde zwei ausgeknockt und nach Hause geschickt.

GnP-Prognose:
Edmund Gerber kann die Zukunft gehören. Die Betonung liegt auf kann. Denn Gerber muss sich vor allem technisch weiter entwickeln. Sein größtes Manko ist wohl sein physischer Nachteil. Mit gerade einmal 1,90 Meter ist er recht klein für die Königsklasse. Dennoch: bei weiterhin gutem Matchmaking und der nötigen Ruhe, werden die deutschen Fans noch einigen Spass an ihm haben.

Mike Perez

Der in Irland trainierende Kubaner begeistert seit einiger Zeit immer mehr die Boxexperten. Zuletzt überzeugte der 25-jährige beim "Prizefighter-Turnier" am 5. Mai in London. Gegen drei Gegner konnte er sich an diesem Abend durchsetzen und durfte am Ende ein Preisgeld von 32.000 Pfund einsacken.

Perez wird nachgesagt, vor allem in den ersten Runden gewaltig auszuteilen. Bei bisher 16 erfolgreichen Fights beendete "The Rebel" zehn Kämpfe in Durchgang eins. Gerüchten zufolge könnte demnächst ein Duell mit Ex-Europameister Audley Harrison winken, was ein ernster Test für Perez werden könnte.

GnP-Prognose:
Perez folgt der kubanischen Tradition: er ist vor allem technisch sehr stark, verbunden mit der nötigen Schlagstärke. Glaubt man Fans und Experten, dann gehört Ihm die Zukunft. Allerdings wirkt Perez auch wie ein körperlicher Klon von Mike Tyson. Gerade einmal 1,83 Meter misst der bei Matchroom unter Vertrag stehende Boxer. Auch gab es für die Kondition von Perez noch keinen wirklichen Test. Zwar sind auch wir sicher, dass Perez in ein paar Jahren in der Schwergewichtsszene ziemlich weit oben anzutreffen sein wird, allerdings wirkt "The Rebel" nicht so, als würde er noch lange warten wollen, bevor er ganz oben angreift. Und ob das der richtige Weg ist?

Kubrat Pulev

Der in Berlin lebende Bulgare hat sich enorm schnell einen Namen machen können. Und das war auch bitter nötig, denn der von Otto Ramin trainierte Pulev ist schon stolze 30 Jahre alt. Im Schwergewicht eigentlich kein Problem, allerdings gab Pulev vor gerade einmal zwei Jahren sein Debüt bei den Profis! Seitdem folgten 12 Siege. Der nächste soll am 16. Juli in München eingeheimst werden. Dort tritt er gegen Maksym Pediura an.

Beeindruckend ist vor allem welch renommierte Namen Pulev bisher geboxt hat. Unter anderem mussten Leute wie Matt Skelton, Paolo Vidoz, Gbenga Oloukun oder auch Derric Rossy gegen Ihn den Kürzeren ziehen.

GnP-Prognose:
Pulev bleibt nicht viel Zeit. 30 ist ein gutes Alter für einen Boxer, aber man kann und darf bei ihm nicht zu lange warten. Kein Wunder also, dass auch sein Trainer Otto Ramin das Matchmaking für verwegen hält, es aber dennoch als notwendig ansieht. Pulev bringt vieles für den letzten Durchbruch mit, sowohl körperlich, als auch boxerisch. Ob es aber für ganz oben reicht?

David Price

Zuletzt war Price Sparringspartner von David Haye, für dessen Fight gegen Wladimir Klitschko. Der Grund dafür lag auf der Hand: Der 28-jährige Riese aus Liverpool ist über zwei Meter gross und ähnelt vor allem in der Reichweite "Dr. Steelhammer". Der Engländer beendete seine Amateurkarriere im Jahre 2008 mit Bronze bei den Olympischen Spielen. Seither versucht er sich im Profilager.

Vor allem mit seinen Auftritten in diesem Jahr schien David Price bei den Profis angekommen zu sein. Zuletzt folgte ein wichtiger KO-Sieg über Tom Dallas. Damit sicherte sich Price das Recht, um die britsche Meisterschaft im Schwergewicht anzutreten.

GnP-Prognose:
David Price hat wirklich ein gutes Jahr hinter sich. Zudem bringt der Engländer einfach die körperlichen Voraussetzungen mit, die für ein Top-Schwergewicht nötig sind. Auch technisch boxt David Price mehr als solide. Ansehnlich, wie er den Jab bringt und mit der Rechten Kämpfe beenden kann. Ob David Price im Konzert der ganz Großen mitspielen wird, hängt nur von einer Frage ab, die noch nicht ganz geklärt ist: Wie stark ist sein Kinn?

Seth Mitchell

Auf Ihn müssen wir in den oberen Regionen nicht mehr lange warten. Mitchell befindet sich praktisch auf den letzten Metern seines Weges. Der ehemalige All-American Linebacker des Michigan State University Football-Teams scheint bereit für den nächsten Schritt in seiner Karriere und das bedeutet nun unter die Top 20 zu kommen.

Langsam wurde die Hoffnung des amerikanischen Schwergewichts aufgebaut. Immer wieder war Mitchell in Vorkämpfen von Golden Boy Promotions zu finden, aber damit soll nun Schluss sein. Im August möchte man ihn einem größeren TV-Publikum vorstellen. Vor allem Kevin Johnson würde gern gegen den 29-Jährigen antreten und Ihn entsprechend testen.

GnP-Prognose:
In einer Hinsicht ist Seth Mitchell schon einmal den richtigen Weg gegangen: Mit seiner Unterschrift beim Berater Al Haymon unterschrieb er bei einem der sicherlich Einflussreichsten Manager im Box-Geschäft. Haymon wird genau um das Potenzial seines Schützlings wissen und entsprechend cleveres Matchmaking betreiben. Das wird er auch nötig haben, denn den ganz großen Wurf trauen wir Ihm nicht zu. Zu spät fing er intensiv mit dem Boxen an, was man hin und wieder auch bei ihm bemerkt.

Deontay Wilder

Achtung: Geheimtipp! Wilder hat sicherlich noch nicht jeder auf dem Zettel. Und das trotz 17 Siegen in 17 Fights – noch dazu alle durch KO. Das Problem dabei: Wilder hatte bisher noch keinen echten Prüfstein. Dennoch bringt er alles mit, was ein Großer braucht. Mit 25 Jahren liegt seine Zukunft zudem noch vor ihm.

Bereits bei den Amateuren machte Wilder auf sich aufmerksam. So wurde er 2007 Golden Gloves Champion und erboxte sich bei den Olympischen Spielen 2008 Bronze. Kein Wunder also, dass Golden Boy Promotions ihn unter Vertrag hat und ihn kontinuierlich aufbaut.

GnP-Prognose:
Wilder ist teilweise wirklich beeindruckend. Er ist über zwei Meter groß, dafür allerdings wahnsinnig schnell. Zudem ist er austrainiert, athletisch und verfügt über eine enorme Reichweite. Zu guter Letzt schlägt Wilder sehr unorthodox und unglaublich hart. Er kann den Fight aus der Ringmitte führen oder von aussen. Allerdings hat Wilder auch Defizite, die ihm zum Verhängnis werden könnten. Seine Deckung hängt zu tief und bei Angriffen wird er auch selbst oft getroffen. Bisher hatte er nur noch keine Gegner die in der Lage waren, dies entsprechend auszunutzen. Das Wilder aber einmal Weltmeister werden kann, davon sind wir überzeugt.

Denis Boytsov

Was hat eigentlich Denis Boytsov in dieser Liste zu suchen? Ganz einfach: Boytsov ist über den Status dieser Liste einfach noch nicht hinaus gekommen. Hype hin oder her, der 25-Jährige gehört realistisch betrachtet nicht in die Top 20. Er mag bereits 2009 World Boxing Association Intercontinental-Champion gewesen sein, dennoch fehlen in seinem Lebenslauf richtige Prüfsteine.

Mit der sich abzeichnenden Erholung bei Universum, könnte es nun aber auch für Boytsov wieder aufwärts gehen. Wichtig ist hierbei aber auch, dass Boytsov keine handverlesenen Gegner bekommt, sondern Fighter, die ebenfalls in den Top 30 zu finden sind.

GnP-Prognose:
Boytsov ist ganz klar ein Mann für die Zukunft, der auch in der Lage sein könnte, dass Publikum von sich zu begeistern. Der noch recht junge, aber schon sehr erfahrene Boxer lebt vor allem von seiner Schlagkraft. Und wenn er an seinen Schwächen noch etwas arbeitet, dann wird er einer für ganz oben.

Vyacheslav Glazkov

Dürfen wir vorstellen: Vyacheslav Glazkov. 26 Jahre alt, geboren in der Ukraine und seit 2009 bei den Profis. Bisher stehen neun Siege auf seinem Konto, wobei vor allem der letzte davon Glazkov ins Rampenlicht brachte. Im März konnte er in Russland Denis Bakthov klar nach Punkten besiegen.

Glazkov hat zudem eine durchaus gute Amateurkarriere hinter sich. In dieser traf er zum Beispiel auf David Price, Kubrat Pulev oder Odlanier Solis. Auch olympisches Bronze darf er unter anderem sein Eigen nennen.

GnP-Prognose:
Glazkov hat noch einen weiten Weg vor sich. Es ist einfach noch zu früh um zu sagen, wohin seine Reise gehen kann. Körperlich wirkt er etwas zu klein und zu schmächtig, um zum Beispiel mit einem Robert Helenius fighten zu können. Dennoch ist Glazkov technisch gut und besitzt die gewisse Ringinteligenz, es fehlt ihm aber auch an der Knockout-Power.

Tyson Fury

Der 23-jährige Engländer rückt bereits jetzt vermehrt ins Rampenlicht. Dabei lässt sein Alter schon erahnen, dass es viel zu früh ist, um über einen Klitschko-Fight zu reden. Fury ist bereits mit 20 zu den Profis gekommen und hat sich dort bisher vierzehnmal ins Seilquadrat begeben. Selbstverständlich konnte er alle Duelle siegreich gestalten.

Bewundernswert ist, dass Fury bisher kaum Fallobst geboxt hat. Der weit über zwei Meter große Mann aus Manchester hat unter anderem Namen wie Marcelo Luiz Nascimento und Rich Power schlagen können. Auch bei ihm folgte zudem der typische Zack Page-Check. Er konnte den US-amerikanischen Schwergewichts-Gatekeeper klar nach Punkten bezwingen.

GnP-Prognose:
Lieber Tyson Fury, bitte lasse die Hände von dem in naher Zukunft sicher winkenden Klitschko-Kampf! Bei Fury hat man das Gefühl, dass er nun ganz schnell die Karriereleiter höher klettern will, nur dass dabei immer die Gefahr des Absturzes besteht. Klar, wer einen John McDermott ausknockt ist kein schlechter, dennoch ist Tyson Fury noch nicht bei den Top 30 angekommen. In nicht allzu ferner Zeit trifft Fury nun auf Dereck Chisora, auf den Gewinner hat Wladimir Klitschko bereits ein Auge geworfen. Schon gegen Chisora hat man ein wenig das Gefühl, dass dieses Duell zu früh kommt. Dennoch, von Tyson Fury wird man in ein paar Jahren sicher noch etwas hören.

Manuel Charr

Lange musste überlegt werden, ob wir Manuel Charr in diese Liste aufnehmen. Am Ende kam er hinein, weil man ihn nicht ignorieren kann. Charr hat zuletzt mit zwielichtigen Autogeschäften auf sich aufmerksam gemacht – die endgültige Klärung der Vorfälle steht noch aus. In Promoter Felix Sturm scheint er aber jemanden gefunden zu haben, der weiterhin hinter ihm steht.

Charr ist seit mehr als sechs Jahren bei den Profis und mehr als einmal war sein Ende, damals noch bei Universum, beschlossen. Allerdings überraschte der 26-Jährige dann immer wieder alle. So bezwang er Gbenga Oloukun durch KO und konnte sich auch gegen Sherman Williams durchsetzen. Zuletzt folgte ein vorzeitiger Sieg über Danny Williams, der sich in jedem Kampfrekord gut liest.

GnP-Prognose:
Manuel Charr ist dort angekommen, wo er maximal hingehört, Charr hat nichts in den Top 20 zu suchen und wird dort auch nie hinkommen! Zack Page offenbarte schon viele Schwächen des in Hamburg lebenden Libanesen. Er mag hart schlagen und auch einiges vertragen, dennoch ist Charr einfach viel zu limitiert für die Weltklasse.