Boxen

Tomasz Adamek siegt umstritten

Adamek vs. Cunningham II

Vier Jahre nach dem ersten Duell sollte es zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. 2008 lieferten sich Tomasz Adamek und Steve Cunningham einen großen Kampf, bei dem der Amerikaner der bessere Boxer und der Pole der bessere Puncher war. Aufgrund von vier Niederschlägen war es damals Adamek, der den Kampf für sich entschied. Am gestrigen Abend schien es Cunningham gelungen, das Duell an sich zu reißen. Die Punktrichter sahen dies anders und werteten den Kampf geteilt für den ehemaligen Schwergewichts-WM-Herausforderer.

Im Vorgang des Kampfes schienen alle Punkte zu Gunsten des ehemaligen Halbschwergewichts- und Cruisergewichtsweltmeisters zu sprechen. Beim Wiegen 20 Pfund schwerer als sein gegenüber, hatte der 36-Jährige schon mehr Erfahrung im Schwergewicht. Cunningham bestritt erst ein Gefecht in der neuen Klasse und trat dabei nicht besonders überragend auf. Außerdem schaffte er es noch nicht, sein Gewicht seiner neuen Aufgabe anzupassen.

Trotz allem war es der Mann aus Philadelphia, der besser in den Kampf startete. In einer abwartenden ersten Runde war er es, der mit seinem Jab wenige Treffer landen konnte. In Runde zwei nutzte er seine Geschwindigkeit. Von der Mitte des Rings bearbeitete er einen aktiver werdenden Polen mit seinem Jab.

In der dritten und vierten Runde schaffte es Adamek weiter nicht, die Distanz zu verringern und er wurde weiter von Cunninghams Jab bearbeitet. Diesem gelang während der dritten Runde mit einer Geraden der beste Treffer der Begegnung.

Im fünften Umlauf war es der in den USA lebende Pole, der endlich besser ins Gefecht fand. Nun konnte der Weltmeister zweier Gewichtsklassen die Distanz überbrücken und Treffer landen, fing sich dabei aber auch von einem als schwachen Puncher bekannten Cunningham eine weitere Gerade.

Nachdem auch die siebte Runde zugunsten des Mannes aus New Jersey verlief, fing sich Cunningham in Runde acht wieder ein wenig. Er besann sich mehr auf seine Stärken und konterte Adamek einige Male, der allerdings aktiver war als zu Beginn des Kampfes.

Adamek gelang in Runde neun ein guter linker Haken, durch den sich eine Schwellung am Auge Cunninghams bildete. Bis zu einem Kopfstoß in Runde zehn, der zu einer Verschlimmerung der Schwellung führte, schaffte es Cunningham, den Kampf wieder in seine Bahnen zu lenken. Danach ließ er wieder nach.

Am Ende spürten beide Kämpfer, dass ihnen jeweils eine Hälfte des Duelles gehörte, und die beiden Ex-Weltmeister versuchten den Knock-out zu erzielen. So bildete sich ein offener Schlagabtausch, aus dem keiner den nötigen Ertrag herausholen konnte. Es war Sache der Punktrichter, zu entscheiden, wer diesen ansehnlichen Kampf gewonnen hatte.

Nachdem einer der Richter fälschlicherweise zuerst ein Unentschieden deklarierte, änderte er das Ergebnis noch, sodass zwei der Punktrichter für Adamek und einer für Cunningham wertete. Wieder einmal musste sich der US-Amerikaner dem Polen geschlagen geben, auch wenn das Ergebnis so zumindest nicht eindeutig ist.

Da dieser Kampf ein IBF-Herausforderer-Duell war, sicherte sich der in Zywiec geborene ehemalige Halbschwergewichtsweltmeister einen Titelkampf gegen Wladimir Klitschko. Cunningham muss sich dagegen weiter unten anstellen, bewies allerdings mit diesem Gefecht seine Klasse.

Im Folgenden die restlichen Ergebnisse der Kampfnacht:

Adamek vs. Cunningham II.
22. Dezember 2012
Sands Casino Resort in Bethlehem, Pennsylvanien, USA

Tomasz Adamek bes. Steve Cunningham nach Punkten (geteilt)
Naim Nelson bes. Osnel Charles nach Punkten (einstimmig)
Vyacheslav Glazkov bes. Tor Hamer via T.K.o. in Rd. 4
David Williams vs. William Miranda endete Unentschieden
Jerome Rodriguez bes. Edwardo Stith via T.K.o. in Rd. 2
Julio Dejesus vs. Korey Sloane endete Unentschieden