Boxen

Sturm krönt sich gegen Chudinov zum fünften Mal zum Weltmeister

Am 20. Februar fand der mit Spannung erwartete Rückkampf zwischen Felix Sturm und Fedor Chudinov statt. In einer ausverkauften König-Pilsener-Arena in Oberhausen stand nicht nur der WBA-Weltmeistertitel des Russen auf dem Spiel, sondern auch Sturms Karriere. Der Deutsche sprach im Interview mit uns davon, bei einer Niederlage, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Ein brisanter Kampf, bei dem es für Deutschlands ersten und einzigen Vierfachweltmeister um alles ging. Am Ende des Abends schrieb er erneut Geschichte und krönte sich ein sensationelles fünftes Mal zum Boxweltmeister.

Sturm ging konzentriert zur Sache, zwang Chudinov in den ersten Runden zum Rückwärtsgang und nutzte die Ringmitte geschickt. Chudinov schaltete in den Kontermodus und ließ Sturm kommen. Doch dieser traf hart, besonders am Ende der zweiten Runde wurde der Russe durchgerüttelt.

Nach den ersten drei Runden wurde Sturm statischer, wurde langsamer, schien etwas steif – Chudinov hingegen hob das Tempo an, sah seine Chance. Jetzt war es Sturm, der den WBA-Titelträger kommen ließ. Er wartete, ließ ihn angreifen und konterte dann mit harten Händen. Die Schlagfrequenz stieg damit beim Russen, da Sturm sich auf Konter beschränkte, was sich auch auf den Punktrichterkarten zeigen sollte.

Chudinov boxte unsauber, stützte sich auf Sturm auf, schlug beim „Break“ zu. Das brachte Sturm offenbar aus dem Konzept, denn er suchte den harten Volltreffer und blieb bei Einzelangriffen. Kombinationen fehlten.

In Runde sieben kam es zu einem unbeabsichtigten Kopfstoß. Chudinov wurde ermahnt. Danach drehte Sturm wieder auf. Er erkämpfte sich wieder einige Runden und rüttelte Chudinov mit einer harten Rechten durch. Trotzdem waren die Runden knapp, die Führungshand von Sturm kam selten. Mit dieser hatte er jedoch teilweise großen Erfolg, wenn sie denn kam. Im 10. Durchgang prallten beide Boxer erneut mit den Köpfen aneinander, was zu einer Platzwunde an der rechten Augenbraue von Sturm führte.

Während Chudinov die 11. Runde gewann, war es Sturm, der im finalen Durchgang nochmal zum Endspurt ansetzte. Wenige hatten ihm diese Energieleistung im Vorfeld zugetraut. Die Begegnung ging über die Zeit und wurde von den Zuschauern mit stehenden Ovationen quittiert.

Das Ergebnis der Punktrichter: 114:114, 115:113 und 115:113 für den neuen WBA-Superchampion, der zu Tränen gerührt war. Eine enge Partie, die durch eine Runde entschieden wurde.

„Vielleicht war es mein letzter Kampf“, ließ Sturm daraufhin verlauten, der seit 26 Jahren boxt. „Ich bräuchte eine längere Auszeit. Erstmal lasse ich alles sacken. Das war so viel Druck von außen, (es gab) so viele Besserwisser. Es gibt Leute, die verstecken sich hinter Zeitungen und Mikrofonen.“

Einer seiner schärfsten Kritiker, Axel Schulz, stieg daraufhin in den Ring und zeugte Sturm Respekt, indem er seine Mütze (sinnbildlich für einen Hut) vor ihm zog.

Im Vorprogramm konnte Francesco Pianeta wieder auf die Siegerstraße zurückkehren. Der 31-Jährige bezwang Hasan Olaki vorzeitig durch T.K.o., während Ibrahim Guemues und Konni Konrad ebenfalls Erfolge feiern konnten.