Boxen

Nachtwolf zerstört Sturms WM-Traum

Felix Sturm wollte deutsche Boxgeschichte schreiben. Am Samstagabend in der Frankfurter Festhalle hatte er die Chance auf seine fünfte WM. Erstmals ging es dabei um einen Gürtel im Supermittelgewicht. Nach zwölf Runden blieb viel Ernüchterung. Der 36-Jährige, der nach seiner Leistung gegen Robert Stieglitz als klarer Favorit ins Seilgeviert stieg, fand nie ein Mittel gegen den 27-Jährigen Fedor Chudinov. Damit sicherte sich der Russe, der mit einer Lederjacke der Nachtwölfe zum Ring kam, einen geteilten Punktsieg über den deutlich erfahrenen Sturm und den vakanten WBA-Gürtel im Supermittelgewicht.

„The Fighter“ Felix Sturm überraschte sehr viele Experten. Der gebürtige Leverkusener, der für seine variable Kampfweise bekannt ist, versteckte sich hinter einer Doppeldeckung in direkter Nahdistanz zum Russen Chudinov. Dieser nutzte die taktische Ausrichtung des viermaligen Weltmeisters und konnte immer wieder Treffer anbringen. Insgesamt schlug der 27-Jährige deutlich häufiger als Sturm, der zu selten seine variablen Hände anbrachte und damit Chudinov traf. Schnell sicherte sich der neue WBA-Weltmeister einen Vorsprung auf den Punktzetteln. In der zehnten Runde wollte er es nochmal wissen und setzte dem angeschlagenen Deutschen mächtig zu, der sich aber rettete. Nach zwölf Runden mussten die Punktrichter entscheiden. Zwei davon werteten den Kampf eindeutig für den Rocker, einer zur Freude der Fans, aber zum Unmut der Experten für Sturm, der nach dem Kampf zugab, das seine Taktik nicht aufgegangen ist.

Was bleibt, sind staunende Gesichter. Dieser Felix Sturm hatte nix mit dem Sturm aus dem Kampf gegen Robert Stieglitz zu tun. Mit seiner ganzen Erfahrung hätte der Kölner seine Taktik umstellen müssen. Der geplante und von allen Fans gewollte Kampf mit Arthur Abraham ist damit auch fraglicher geworden. Erstmal wird es eventuell zum Rückkampf kommen. Diesen bot der 27-Jährige Russe seinem unterlegenen Kontrahenten an.

Interimsweltmeister der WBA im Halbmittelgewicht kann sich seit Samstagabend Jack Culcay-Keth nennen. Der ehemalige Junioren-Weltmeister konnte seinen Gegner Maurice Weber nach Punkten schlagen. Dabei hatte der Sauerland-Boxer aber mehr Probleme als erwartet und wurde in der dritten Runde angezählt. Das Gefecht hatte im Vorgang für Diskussionen gesorgt. Maurice Weber ist in unabhängigen Rankings weit unten angesiedelt und mit Erislandy Lara ist der übergeordnete Champion aktiv, sodass ein Interim-Titel eigentlich sinnlos war. Trotz allem kann sich Culcay nun Interimsweltmeister nennen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Felix Sturm vs. Fedor Chudinov
9. Mai 2015
Festhalle, Frankfurt am Main

WBA-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht
Fedor Chudinov bes. Felix Sturm geteilt nach Punkten

WBA-Weltmeisterschaft im Halbmittelgewicht
Jack Culcay bes. Maurice Weber einstimmig nach Punkten

Konni Konrad bes. Vasyl Kondor via T.K.o. in Rd. 5
Adnan Redzovic bes. Bekim Pagg via T.K.o. in Rd. 3
Andreas Reimer bes. Mazen Girke via T.K.o. in Rd. 3
Alex Born vs. Ionut Damian endete Unentschieden