Boxen

Nach Kritik am Urteil: De La Hoya schreibt offenen Brief an die Fans

Oscar de la Hoya (Foto: Boxing-Guru.com)

Auch nach den Runden 13 bis 24 zwischen Saul „Canelo“ Alvarez und Gennady „GGG“ Golovkin scheint es immer noch keinen klaren Sieger zwischen den beiden zu geben, auch wenn dieses Mal der Mexikaner den Zuschlag der Punktrichter bekam. Während vielerorts der enge und spannende Kampf der beiden gepriesen wurde, stören sich erneut zahlreiche Fans am Ergebnis. Dazu hat Oscar de la Hoya, Alvarez Promoter nun in einem offenen Brief Stellung genommen.

In diesem offenen Brief, der im Original als Pressemitteilung im Ring Magazine veröffentlicht wurde, freut sich Oscar de la Hoya anfangs, dass der Kampf die Erwartungen erfüllen konnte und Fans mit dem Aufeinandertreffen der zwei besten Athleten ihrer Sportart verwöhnt wurden. Danach lobt er Alvarez für die Leistung seines Lebens, die er unter massivem Druck abgerufen habe.

So habe Alvarez nach der Kritik am ersten Duell wieder „mexikanischer“ gekämpft, nach den zwei positiven Doping-Tests 20 negative Proben abgegeben und nach dem ersten Urteil, wofür er nichts gekonnt habe, in einer Must-Win-Situation einen nahezu fehlerfreien Kampf abgeliefert.

„Aber es wäre nicht Boxen, wenn nicht schon Stunden und Tage, nachdem Canelo sein Vermächtnis als Legende zementiert hat, tausende von Keyboard-Warriors kompletten Unsinn quatschen (und tweeten) würden“, schreibt de la Hoya. „Viele haben mir gesagt, ich soll die Hater ignorieren, dass ich nicht gewinnen kann. Aber auch wenn ich nur wenige überzeugen kann, würde ich dem Sport einen Bärendienst erweisen, wenn ich zulasse, dass sie den Kampf des Jahres, ein Mega-Event mit Millionen Zuschauern und eine virtuose Performance eines Weltklasse-Boxers beschmutzen.“

Golden Boy wurde etwa vorgeworfen, die Punktrichter bezahlt zu haben. Dazu erklärt de la Hoya, dass das Punktgericht aus einem Pool an Punktrichtern gebildet wurde, den beide Lager abgesegnet hatten, nachdem das Urteil des ersten Kampfes viel Kritik nach sich gezogen hatte. Darüber hinaus gehe es beim Boxen nicht darum, nur mehr Schläge zu landen, sondern klare Treffer zu setzen, den Ring zu kontrollieren, effektiv aggressiv zu sein und eine gute Verteidigung zu haben, um eine Runde zu gewinnen. „Ich bin offensichtlich ein Promoter, aber in den vier Bereichen, die im Boxen wirklich zählen, kann ich keinen finden, in welchem GGG der Sieger war.“

Nach der Niederlage Golovkins hatte dessen Promoter Tom Loeffler erklärt, sein Schützling könne wahrscheinlich nie eine Punktentscheidung in Las Vegas gewinnen. De La Hoya zeigte sich enttäuscht über dieses Statement und erklärte, Golovkin könne natürlich auch in Las Vegas nach Punkten gewinnen. Wenn er aber mehr als 20.000 Menschen anlocken wolle, müsse er sich bessere Gegner als Dominic Wade, Willie Monroe oder Vanes Martirosyan suchen und dann klar besser sein, um sich im Mekka des Boxens einen Punktsieg zu sichern.

Am Ende schließt de la Hoya seinen offenen Brief mit einer Bitte an die Fans ab: „Jeder hat das Recht auf seine Meinung, vor allem im Boxen. Aber lasst uns einen Moment innehalten und anerkennen, was uns Canelo und GGG am Samstag gegeben haben und darauf hinarbeiten, dass solche Events öfter stattfinden. Zum Wohle des Sports, den wir alle so sehr lieben.“

Alvarez hatte sich in der Nacht zum Sonntag im Rückkampf gegen Gennady Golovkin mehrheitlich nach Punkten durchgesetzt. In einem spannenden Duell mit sehr vielen engen Runden sicherte sich der Mexikaner am Ende den Sieg und damit Golovkins WM-Titel. Das Urteil wurde erneut kritisiert, zahlreiche Experten werteten das Duell für Golovkin oder Unentschieden.