Boxen

Marco Huck vs. Ran Nakash

Das Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen ist ein geschichtsträchtiger Ort für WBO Cruisergewichtschampion Marco Huck, denn dort feierte er im August 2009 den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Mit einem Sieg über Argentinier Victor Emilio Ramirez sicherte sich der Sauerland-Boxer seinen ersten Weltmeistertitel. Nun kehrt er an seine alte Wirkungsstätte zurück und setzten jenen Titel aufs Spiel. Sein Gegner: der Israeli Ran Nakash.

Ran Nakash (25-0-0, 18 KO) ersetzt den ursprünglichen Gegner Giacobbe Fragomeni, der den Titelkampf gegen Huck aufgrund einer Cut-Verletzung kurzfristig absagen musste. Nakash ist zwar bislang relativ unbekannt in Europa, doch in seinen bislang 25 Kämpfen ungeschlagen. Hauptberuflich bildet er israelische Elite-Einheiten in der Nahkampfdisziplin Krav Maga aus, ein harter Hund also. „Vielleicht ist Nakash sogar stärker als Fragomeni“, glaubt Huck-Coach-Ulli Wegner – und könnte damit recht haben.

Ex-Weltmeister Fragomeni war einst ein sehr gefährlicher Boxer, doch ist mit 41 Jahren heute weit über seinen Zenit hinaus. Nakash auf der anderen Seite, ist 32 und verbrachte den Großteil seiner Karriere als Schwergewicht. Erst einmal boxte er im Cruisergewichtslimit. Mit 1,78 Meter ist er jedoch selbst dafür fast zu klein und noch immer fast 10 Zentimeter kleiner als Marco Huck. Erst einmal stand er in einem für 12 Runden angesetzten Kampf, die volle Distanz ging er dabei aber nicht. Dreimal boxte Nagash in einem 10-Runder, zweimal musste er alle zehn Runden gehen. Zuletzt in seinem letzten Kampf, als er Victor Barragan in den USA einstimmig nach Punkten besiegte. Huck ist der mit Sicherheit beste Gegner seiner bisherigen Karriere.

Marco Huck (31-1-0, 23 KO) gewann seinen WBO-Cruisergewichtstitel 2009 und verteidigt ihn am kommenden Samstag bereits zum sechsten Mal. Zuletzt stand er gegen den Russen Denis Lebedev im Ring und konnte sich hier nur knapp nach Punkten durchsetzen. Huck lebt von seiner enormen Physis und seiner Aggressivität, vernachlässigt dafür aber gern mal die Deckung und wirft die komplette Taktik von Coach Wegner aus dem Fenster. Der kurzfristige Gegnerwechsel wird laut Wegner keine Einfluss auf die Performance seines Schützlings haben: „Da ich kein Freund von einer zu speziellen Vorbereitung bin, darf das eigentlich keine Rolle spielen und keinen Raum für Ausreden bieten“, so der Coach.

Die Frage ist eher, wie leicht (oder schwer) Huck diese Titelverteidigung nimmt, denn nach einem Brocken wie Lebedev, könnte er ein Gegner wie Nakash durchaus auf die leichte Schulter nehmen – eine Einstellungen, die schon vielen Favoriten das Genick gebrochen hat. Huck scheint sich dessen bewusst zu sein: „Das heißt aber nicht, dass so ein Kampf ungefährlich ist. Gegen (Frantisek) Kasanic (der 2008 ebenfalls kurzfristig als Gegner einsprang, Anm. d. Red.) zog ich mir damals zum Beispiel einen Kieferbruch zu – gewann aber trotzdem. Ich darf Ran Nakash nicht auf die leichte Schulter nehmen. Er stand im Training und ist unbesiegt. Gerade solche Boxer sind sehr motiviert. Ich muss seinen Willen brechen, um zu gewinnen.“

Sauerland Event hat auch das Vorprogramm des großen Kampfabends mit einigen sehenswerten Paarungen gespickt. So stehen neben der Titelverteidigung Marco Hucks im Gerry Weber Stadion noch zwei weitere Titelkämpfe auf dem Plan: Im Schwergewicht bekommt es der 27-jährige WBO-Intercontinental Champion Robert Helenius mit dem früheren WBC-Schwergewichtsweltmeister Samuel Peter zu tun. Im Halbschwergewicht stehen sich der 25-jährige Deutsche Artur Hein und der Franzose Tony Averland um die vakante EU-Meisterschaft gegenüber. Die Shootingstars Dominik Britsch und Dustin Dirks dürfen sich ebenso beweisen – genau wie Thomas Ulrich, der nach langer Auszeit eine neue Chance vom Berliner Boxstall bekommen hat.

Robert Helenius (r.) vs. Samuel Peter

Für Schwergewichtshoffnung Robert Helenius (14-0-0, 9 KO) bedeutet der Kampf gegen Peter einen großen Schritt nach vorn. Sollte es ihm gelingen, den „Nigerian Nightmare“ zu schlagen, würde er sich damit für einen baldigen Weltmeisterschaftskampf empfehlen – doch muss man sich fragen, ob es dafür nicht schon etwas zu früh ist. Am kommenden Samstag wird man es bei der Feuertaufe sehen. „Ich glaube, das ist schon eine psychische Belastung für Robert. Samuel Peter, das ist ein großer Name. Peter schickte einst Wladimir Klitschko dreimal zu Boden. Er stand auch schon gegen Vitali Klitschko im Ring und war WBC-Weltmeister. Deshalb ist das eine große Bewährungsprobe, die Robert konsequent nutzen sollte“, so Coach Ulli Wegner.

Samuel Peter (34-4-0, 27 KO) hat mehr als doppelt so viele Profikämpfe hinter sich, wie „Nordic Nightmare“ Robert Helenius. Drei seiner vier Niederlagen kamen dabei gegen die Klitschko-Brüder. Soll heißen: Samuel Peter ist noch immer ein hochgefährlicher Boxer und gehört nach wie vor zur oberen Riege des Schwergewichts. Er stand zuletzt im vergangenen September zum zweiten Mal gegen Wladimir Klitschko im Ring und ging in der zehnten Runde KO. Dementsprechend motiviert wird er am Samstag in den Ring steigen. Der Nigerianische gegen den Nordischen Alptraum – es wird sich zeigen, für wen der beiden es ein böses Erwachen geben wird.

Artur Hein (14-1-0, 8 KO) greift am Samstag erstmals in seiner Profilaufbahn nach einem Titel.  Gegen Tony Averlant (15-5-1, 3 KO) geht es um den momentan vakanten EU-Titel im Halbschwergewicht.  „Ich glaube fest daran, dass ich für größere Aufgaben bereit bin“, versichert er. Seine bislang einzige Niederlage kassierte Hein im Juni 2010. Im Kampf gegen den Amerikaner Demetrius Davis zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Sein Coach Karsten Röwer warf daraufhin in der vierten Runde das Handtuch. Seitdem konnte Hein zwei Siege einfahren, eine Punktentscheidung gegen Josip Jalusic und einen TKO-Sieg über Sam Couzens.

Shootingstar Dominik Britsch (21-0-0, 7 KO) wird im Mittelgewicht auf Jozsef Matolcsi (29-13-0, 20 KO) treffen. Ein klarer Aufbaukampf für den jungen Britsch, der bei Sauerland als ganz große Hoffnung gilt und hier versuchen wird, sich für einen baldigen EU-Titelkampf zu empfehlen. „Dominik Britsch hat in den letzten Jahren wirklich die beste Entwicklung in meiner Trainingsgruppe genommen“, erklärt Ulli Wegner. „Ihn im Ring zu sehen, das ist eine Augenweide. Aber ich muss bemängeln, dass dies in den Medien nicht genügend gewürdigt wird. Ich kann das nicht verstehen. Er bringt wirklich alles mit. Wenn er weiter so akribisch arbeitet und so bodenständig bleibt, gehört ihm die Zukunft.“

Huck vs. Nagash
02. April 2010
Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen, Nordrhein-Westfalen


WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck vs. Ran Nakash

WBO Intercontinentalmeisterschaft im Schwergewicht
WBA Intercontinentalmeisterschaft im Schwergewicht

Robert Helenius vs. Samuel Peter

EBU Europameisterschaft im Halbschwergewicht
Artur Hein vs. Tony Averlant

Vorprogramm
Dustin Dirks vs. Roberto Cocco
Dominik Britsch vs. Jozsef Matolcsi
Thomas Ulrich vs. Sergej Rozvadovskij
Ashley Sexton vs. TBA
David Graf vs. Olegs Lopajevs

Unser Chefredakteur Mark Bergmann wird am Samstagabend live in Halle/Westfalen vor Ort sein und alle Ergebnisse des Abends twittern. Folgt ihm unter @MarkBergmann.