Boxen

König gestürzt

Gibt es einen dritten Kampf zwischen Robert Stieglitz und Arthur Abraham? (Fotos: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

Nach dem spektakulären WM-Titelgewinn von Robert Stieglitz, am vergangenen Samstag, rufen nun alle nach einem weiteren, alles entscheidenden Duell der beiden Super-Mittelgewichte. Alle, außer SES-Chef Ulf Steinforth.

Das schöne am Box-Sport ist seine Unberechenbarkeit. Als Arthur Abraham im vergangenen August in der Berliner O2 Arena zum ersten Mal gegen den damaligen Weltmeister Robert Stieglitz in den Ring stieg, tat er das praktisch als Außenseiter. Nach einem gescheiterten Lauf im Super Six-Turnier und zwei nur mäßig überzeugenden Aufbaukämpfen, rechnete kaum jemand mit einer Glanzleistung des einstigen Mittelgewichts-Champions. Doch Abraham fuhr einen deutlichen Punktsieg ein, rettete seine Karriere, war erneut Weltmeister.

Mit "King" Arthur zurück auf dem Thron, hatte nun kaum jemand Robert Stieglitz auf der Rechnung, als der am vergangenen Samstag vor heimischem Publikum in der Magdeburger GETEC Arena zum Rückkampf gegen Abraham antrat. Und wieder gab es eine Überraschung: Stieglitz attackierte von Beginn an erbarmungslos, boxte, anders als im August, aggressiv und taktisch clever, und stoppte Abraham nach nur drei Runden. Das linke Auge des Champions war dermaßen zugeschwollen, dass ein Weiterkämpfen unmöglich war - der Ringrichter winkte den Kampf auf Anraten des Ring-Arztes zu Beginn der vierten Runde ab (GnP berichtete).

„Ich habe die Taktik meines Trainers gut umgesetzt und Arthur hat mitgespielt“, so der frischgebackene Champion Stieglitz auf der Abschlusspressekonferenz in der Nacht zum Sonntag. „Wir wollten ihn brechen und das haben wir geschafft.“

Glückliches Duo: Weltmeister Robert Stieglitz und Trainer Dirk Dzemski.

„Ich konnte nichts mehr sehen. Ich habe noch nie so eine Verletzung gehabt. Das Augenlicht ist das wichtigste im Leben, der Ring-Arzt hat alles richtig gemacht“, erklärte Abraham anschließend. „Jetzt sollten wir einen dritten Kampf machen und der Sieger wird zwei zu eins gewinnen.“

In der Tat steht es nach zwei Kämpfen nun eins zu eins zwischen den beiden Super-Mittelgewichten. Schon direkt nach dem Kampf wurden im Ring erste Rufe nach einem dritten, alles entscheidenden Aufeinandertreffen von Stieglitz und Abraham laut. Auf der Pressekonferenz nach dem Event war das natürlich das zentrale Thema:

„Das hört sich ja an, als wäre Arthur heute schwer K.o. gegangen“, beschwerte sich Manager Wilfried Sauerland. „Das war eine Verletzung, so was passiert im Boxen eben. Und jeder weiß, dass Arthur ein Spätstarter ist, und seine Zeit ab Runde sechs gekommen wäre. [...] Wir hoffen, dass Robert so fair ist, und uns eine Revanche gibt.“

Stieglitz selbst scheint bereit, für einen weiteren Rückkampf gegen Abraham, wie er bereits im Ring und später noch einmal vor der Kamera von Groundandpound-TV bestätigte:

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Auch Abraham-Promoter Kalle Sauerland zeigte sich davon überzeugt, dass ein dritter Kampf, quasi die Revanche zur Revanche, nun einfach folgen müsse. Nach einem Kampf wie vom Samstag, sei die Geschichte für ein drittes Aufeinandertreffen praktisch schon geschrieben, so Sauerland im Interview mit Groundandpound-TV:

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Einzig Stieglitz-Promoter Ulf Steinforth schien, zumindest direkt im Anschluss an den Kampf, wenig begeistert von einem weiteren Duell seines Boxers gegen Arthur Abraham:

„Ich mag Ideen, denn ich bin ein offener Mensch“, so Steinforth, angesprochen auf Stieglitz-Abraham 3. „Aber ich werde heute Abend nicht über einen dritten Kampf sprechen. Heute wird gefeiert und wir feiern Robert Stieglitz. Den Phönix aus der Asche.“

Das gesamte Interview mit Ulf Steinforth:

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Letztlich scheint ein drittes Duell zwischen Robert Stieglitz und Arthur Abraham bereits jetzt beschlossene Sache und auch ein skeptischer Promoter Ulf Steinforth wird einsehen, dass dieses Duell für alle beteiligten Parteien die derzeit beste Option und logische Konsequenz darstellt. Für Stieglitz wäre dies ein weiterer großer und lukrativer Fight im Fokus der Öffentlichkeit – und noch dazu eine lösbare Aufgabe. Für Abraham ist Stieglitz der derzeit einzige noch mögliche große Gegner - ein Weltmeister noch dazu. Die Alternative wären bedeutungslose Kämpfe gegen obskure Gegner, entfernt von der Spitze. Eine weitere Niederlage gegen Stieglitz würde jedoch praktisch einem Karriere-Ende gleichkommen.

Es bleibt also spannend im deutschen Super-Mittelgewicht, so dass es auch kaum stört, dass derzeit weder Stieglitz selbst, noch sein Promoter Steinforth die anderen großen Champions der Gewichtsklasse, Carl Froch, Mikkel Kessler und Andre Ward, auf dem Radar haben. 

Und so wird sicher bald das dritte Kapitel der Geschichte Stieglitz-Abraham geschrieben werden.