Boxen

Joshua schlägt Whyte schwer K.o.

Geschichten wiederholen sich manchmal nicht. 2009 standen sich Anthony Joshua und Dillian Whyte schon einmal im Ring gegenüber. Bei den Amateuren war es Whyte, der den späteren Olympiasieger Joshua nach Punkten bezwingen konnte. Am späten Samstagabend des 12. Dezember wollte der Mann mit jamaikanischen Wurzeln in der O2 Arena in London dieses Kunststück wiederholen. Sieben Runden brauchte der 26-Jährige Joshua um diesen Traum zunichte zu machen. Am Ende beendete er das durchaus ansehnliche Gefecht mit einem Aufwärtshaken, der den bis dahin ungeschlagenen Whyte zu Boden sinken ließ.

Viele Experten hatten sich vor dem Kampf festgelegt. Der ehemalige Olympiasieger Anthony Joshua gilt seit einiger Zeit als einer der kommenden Superstars in der Schwergewichtsszene. Alle seine vierzehn Kontrahenten konnte der 1,98 Meter große Mann aus Watford vorzeitig nach Hause schicken, nie musste er dabei über die dritte Runde gehen. Dillian Whyte sollte ihn vor schwerere Aufgaben stellen, aber einen Sieg traute dem 27-Jährigen keiner zu.

Zunächst war es der Favorit, der den Kampf dominierte. Joshua konnte die erste Runde für sich entscheiden, löste aber mit einem Schlag zum Ringgong einen Tumult im Ring aus. Im zweiten Durchgang wollten beiden Kontrahenten den schnellen Knockout, zunächst traf dabei Joshua besser und klingelte seinen Bezwinger von 2009 an. Der revanchierte sich und nutzte die offene Deckung. Joshua wirkte erstmals in seiner Profikarriere schwer angeschlagen und rettete sich in die Rundenpause. Danach dominierte wieder der Watforder, auch wenn Whyte weiter mitboxte und seinem Spitznamen „Body Snatcher“ alle Ehre machte, in dem er immer wieder gute Körpertreffer an den Mann brachte. In Runde sieben dann der Ausbruch. Joshua gelang ein Schlag aufs Ohr seines Gegners, der sichtlich angeschlagen sich zu retten versuchte. Ein unmögliches Unterfangen wie sich kurz danach herausstellte. Mit einem Aufwärtshaken beendete die Schwergewichtshoffnung der Insel, Anthony Joshua das Duell.

Kevin Mitchell wollte schon immer einen WM-Gürtel einer der großen Verbände um seine Hüften schnallen. Am gestrigen Abend konnte er einen ersten Schritt in diese Richtung machen. Beim Duell mit Ismael Barroso ging es um den Interimsgürtel der WBA. Mitchell hatte in der Vergangenheit schon mehrmals versucht nach den Gürteln zu schnappen, aber sowohl Michael Katsidis, Ricky Burns, als auch zuletzt Jorge Linares waren zu viel für den Mann aus Essex, der dabei drei vorzeitige Niederlagen kassierte.

Das gleiche Schicksal ereilte den 31-Jährigen auch gestern. Dem Venezolaner Barroso gelang in der vierten Runde der erste Niederschlag. Eine Runde später gelang dies erneut. Mit einer Linken und damit mit dem dritten Niederschlag beendete der ungeschlagene Mann aus El Tigre das Duell und dürfte damit alle Chancen Mitchells auf einen WM-Titel in naher Zukunft zunichte gemacht haben.

Ein schweres Erbe hat Chris Eubank Jr.. Der Sohn von Chris Eubank ist selbst ein guter Boxer, wird aber immer an den Erfolgen seines Vaters gemessen. Am gestrigen Abend traf der 26-Jährige auf Gary O´Sullivan. Dabei offenbarte der Mann aus Brighton einige seiner Schwächen aber auch seiner Stärken. Eubank Jr. blieb oft zu lange, zu offen stehen und gab dadurch seinem Kontrahenten die Chance harte Schläge anzubringen. Andererseits wirkte er variabel und konnte so viele gute Treffer setzen, die im Laufe der Kampfdistanz dazu führten, dass O´Sullivan immer weniger Gegenwehr zeigte. Nach Runde 7 hatten die Trainer des Iren genug gesehen und nahmen ihren Schützling aus dem Kampf.

Tony Bellew und Paul Malignaggi können sich nun Europameister der EBU nennen. Tony Bellew hatte dabei ein schweres Stück Arbeit zu leisten. Gegen den Polen Mateusz Masternak musste er all sein Können auspacken um am Ende eine einstimmige Punktrichterentscheidung für sich zu generieren. Masternak hielt über die gesamte Kampfdistanz gut mit und stellte, den Briten immer wieder vor schwere Aufgaben. Die löste dieser und konnte am Ende fast noch vorzeitig gewinnen, nachdem er in der letzten Runde viele harte Hände traf, doch der 28-Jährige Kontrahent aus Wroclaw rettete sich ins Ziel, ein Sieg sprang für das Cruisergewicht dabei aber nicht raus.

Weniger Probleme hatte der ehemalige Weltmeister im Leichtgewicht und US-Amerikaner italienischer Abstammung Paul Malignaggi mit seinem Kontrahenten Antonio Moscatiello, den er über zwölf Runden dominierte.

Spaß am Boxen scheint Dereck Chisora wieder zu haben. Nachdem er erst in der letzten Woche bei der Sauerland Gala im Ring stand und vorzeitig gewann, trat er gestern wieder auf. Jakov Gospic war dabei nicht mehr als ein Aufbaugegner und wurde nach drei Runden durch den Bad Boy von der Insel gestoppt. Gestoppt wurde auch der bisher ungeschlagene Olympiasieger von 2012 Luke Cambpell, der gegen Yvan Mendy per Mehrheitsentscheid nach Punkten verlor.

Im Überblick die Ergebnisse der Kampfnacht:

Bad Intentions: Anthony Joshua vs. Dillian Whyte
12. Dezember 2015
O2 Arena (Millenium Dome) Greenwich, London, Vereinigtes Königreich

(vakanter) Britischer-, WBC-International und Commonwealth-Titel im Schwergewicht
Anthony Joshua bes. Dillian Whyte via T.K.o. in Rd. 7

Interim-WBA-Weltmeisterschaft im Leichtgewicht
Ismael Barroso bes. Kevin Mitchell via T.K.o. in Rd. 5

WBC-International-Weltmeister im Leichtgewicht
Yvan Mendy bes. Luke Cambpell via Mehrheitsentscheid

(vakante EBU-Europameisterschaft im Cruisergewicht)
Tony Bellew bes. Mateusz Masternak einstimmig nach Punkten

(vakante EBU-Europameisterschaft im Weltergewicht)
Paul Malignaggi bes. Antonio Moscatiello einstimmig nach Punkten

Dereck Chisora bes. Jakov Gospic via T.K.o. in Rd. 3
Chris Eubank Jr. bes. Gary O´Sullivan via T.K.o. in Rd. 7