Boxen

"Ich will die Nummer eins sein, ein Symbol für die Jugend!"

(Fotograf: Alex Janetzko Agentur Standart)

Groundandpound.de sprach exklusiv mit dem jungen Kölner Box-Talent Deniz Ilbay. Der erst 19-jährige Profi konnte sich schon die GBC- und IBO-Junioren-Weltmeisterschaft schnappen und sprach mit uns über seine Zukunft und die aktuelle Box-Szene.

Groundandpound.de: Deniz, du hast dein Profi-Debüt 2011 mit 16 Jahren bestritten. Wie bist du zum Boxen gekommen?
Ich habe, als ich vier Jahre alt war, mit Kick- und Thaiboxen angefangen. Dort habe ich über 60 Kämpfe bestritten, sowohl A-, B- und C-Klasse-Kämpfe, und lediglich zwei Niederlagen. Mit 16 Jahren sollte ich einen Kampf gegen einen 15 Kilo schwereren Gegner bestreiten. Mein Vater war allerdings völlig dagegen. Der Veranstalter wollte mich aber unbedingt kämpfen sehen und bot mir einen reinen Boxkampf an. Den Kampf habe ich auch gewonnen und somit Blut geleckt. Bei meiner Entscheidung war meine Gesundheit aber auch einer der Gründe, weshalb ich zum Boxen gewechselt bin.

Inzwischen konntest du dich schon zum GBC- und IBO-Junioren-Weltmeister im Weltergewicht krönen. Was sind deine weiteren Ziele?
Mein größtes Ziel ist es, die Nummer eins zu werden. Aber zu diesem großen Ziel gehören viele kleinere dazu. Mein Traum ist es, als erster Boxer alle Junioren-Titel der vier Weltverbände zu vereinen. Das hat bis jetzt noch keiner vor mir geschafft. Ein weiteres Ziel, viel mehr ein Traum von mir ist es, all den Jugendlichen dort draußen zu zeigen, dass auch ein normaler junge, wie ich es war, zu einem Symbol werden kann.

Im Weltergewicht der Junioren ist Rico Müller derzeit die absolute Nummer eins in Deutschland. Steht ein Kampf gegen ihn zur Debatte?
Rico Müller ist nicht umsonst die Nummer eins. Er ist gut, boxt eine strukturierte Linie, hat aber auch Fehler, die man nur entdecken muss. Ich wünsche ihm viel Erfolg bei seinem nächsten Titelkampf, sollte der zustande kommen. Ob es zu einem Kampf zwischen ihm und mir kommen könnte? Ja, das muss es früher oder später, denn es kann nur eine Nummer eins geben!

In Deutschland sind die schwereren Jungs aufgrund der Klitschkos, Brähmer, Huck, Abraham, Sturm und Stieglitz bekannter. Das Weltergewicht bleibt eher auf der Strecke und ist in der Masse nicht so populär. Ist es dein Ziel dies zu ändern?
Felix Sturm hat das Boxen leider nicht populär gemacht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass meine Gewichtsklasse populär wird. Es ist die aggressivste, schnellste und dennoch technisch höchste Gewichtsklasse. Es ist nicht nur mein Ziel, sondern auch das Ziel meines Freundes, Felix Lamm, den schweren Jungs zu zeigen, dass auch unser Boxen schön ist.

Im Boxsport gilt das Weltergewicht als momentan bestbezahlte Gewichtsklasse. In den Vereinigten Staaten treiben sich dort die großen Namen herum. Glaubst du, dass sich der Trend auch in Europa und sogar in Deutschland durchsetzten wird?
Ich denke schon, dass sich dieser Trend auch hier durchsetzen wird. Aber es wird noch etwas dauern. Dafür gibt es in Europa noch zu wenig Boxer im Weltergewicht, die den Jungs in Amerika das Wasser reichen können. Ich bin auch noch nicht auf diesem Niveau, aber ich gebe jeden Tag mein Bestes, um irgendwann dort zu sein.

Die besten Weltergewichte der Welt sind Floyd Mayweather und Manny Pacquiao. Gerüchten zufolge könnte es 2015 endlich zu deren lang ersehnten Aufeinandertreffen kommen. Wer würde das gewinnnen?
Ich denke nicht, dass es zu einem Kampf zwischen "Pacman" und "Money" Mayweather kommen wird. Pacquiao wird vielleicht noch einen Kampf bestreiten oder zwei und dann aufhören. Aber wenn es so wäre, würde man einen Kampf offensiv vs. defensiv sehen. Floyd würde den Kampf gewinnen.

Was hältst du von MMA, K-1 und Thaiboxen?
Meine Wurzeln liegen beim Thaiboxen. Ohne meine Thaibox-Karriere wäre ich heute nicht der, der ich bin. Ich war letztes Jahr im Oktober kurz davor einen MMA-Kampf zu bestreiten. Doch dann habe ich das Angebot bekommen gegen Steffen Sparboth auf einer SES-Veranstaltung um einen SES-Vertrag zu boxen. Zu einem Vertrag kam es niemals, trotz meines K.o.-Siegs in Runde sechs.

Dein Trainer Garip Ilbay ist gleichzeitig dein Vater. Erschwert so eine Beziehung manchmal das Training und die Kämpfe oder ist es eher von Vorteil?
Wir haben mal hier und dort unsere kleinen, ich sage mal: Boxereien (lacht). Aber ich bin froh ihn zu haben. Ohne ihn wäre ich niemals der Deniz, der ich heute bin. Du bist nur so gut wie dein Trainer es ist. Ich wünsche jedem jungen, jedem Mädchen so einen Vater, wie ich ihn habe. Ich sehe ihn in keiner Weise als Nachteil. Im Gegenteil, wer kann seinen Sieg unmittelbar nach dem Kampf mit Papa und Trainer feiern?

Wer sind deine Helden im Boxsport?
Meine Helden sind Marco Antonio Barrera und natürlich Floyd „Money“ Mayweather. Ein Kampf zwischen den beiden, zur Glanzzeit von jedem, wäre der Kampf des Jahrhunderts geworden. Schade, dass Barrera nicht mehr boxt.

Wie geht es mit dir weiter? Wann sieht man dich wieder im Ring?
Ich kann so viel sagen: Mein nächster Kampf wird eine Junioren-Weltmeisterschaft in einem der vier Weltverbände. Entweder Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres. In den nächsten Wochen werden wir mehr preisgeben.