Boxen

Huck verteidigt Titel zum sechsten Mal

Marco Huck bestimmte mit Aufwärtshaken den Kampf und verteidigte seinen Weltmeistertitel gegen einen zähen Herausforderer. Fotos by Sabine Ziran/GroundandPound.

Das Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen bot die Kulisse für einen gut besetzten Boxabend mit einigen spektakulären Kämpfen. Während sich aufstrebende, neue Talente, wie Dominik Britsch und vor allem Robert Helenius, weiter ihren Weg nach oben arbeiteten, hatten alte Hasen wie Thomas Ulrich und Samuel Peter das große Nachsehen. Im Fokus stand aber natürlich einer ganz besonders: der World Boxing Organisation-Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck (32-1-0, 23 KO), der seinen Gürtel in einer Neuauflage der "Schlacht am Teutoburger Wald", wie sein Coach Ulli Wegner den Kampf im Anschluss titulierte, gegen Herausforderer Ran Nakash verteidigen konnte.

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht: Marco Huck vs. Ran Nakash
Ran Nakash (25-1-0, 18 KO) verkaufte sich gut und machte von Beginn an Druck. Huck brauchte seine Zeit, um sich darauf  einzustellen. Mit Aufwärtshaken versuchte er immer wieder, den heranstürmenden Nakash auszukontern und boxte stark aus der Rückwärtsbewegung. Der Israeli ließ sich jedoch nicht beirren und marschierte immer weiter vorwärts. In Runde sechs zahlte sich das aus, eine harte Rechte schlug beim Weltmeister ein und ließ ihn kurz wackeln. Huck fing sich jedoch schnell und wurde im Laufe der Runden immer aggressiver. Der Aufwärtshaken blieb dabei die Waffe seiner Wahl. Nakash baute ab Runde acht merklich ab und musste immer häufiger Treffer vom Weltmeister nehmen. Er schaffte es dennoch über die Runden, obwohl Huck in der letzten Runde noch einmal Vollgas gab und vor quasi heimischem Publikum in letzter Sekunde den KO holen wollte. Es wurde trotzdem ein Punktsieg – aber ein deutlicher. Mit 118-110, 118-110 und 116-112 hat Marco Huck seinen Weltmeistertitel damit ein sechstes Mal erfolgreich verteidigt.

Roberto Cocco vs. Dustin Dirks
Der Italiener Roberto Cocco (10-8-1, 5 KO) zeigte eine solide Doppeldeckung. Dustin Dirks (19-0-0, 13 KO) machte von Beginn an Druck und knackte die Deckung ein ums andere Mal. Immer und immer wieder kamen harte Seit- und Aufwärtshaken durch. Zwar musste Dirks im zweiten Durchgang nach einem rechten Haken zu Boden, doch schien keine große Schlagwirkung dahintergesteckt zu haben, denn er fing sich sofort wieder und machte nach dem Anzählen weiter wo er zuvor aufgehört hatte. Das Ende kam in Runde sechs. Nach einer langen, harten Schlagserie von Dirks war Cocco sichtlich angeschlagen, blutete aus der Nase. Nach einem Arzt-Check winkte der Ringrichter den Kampf zu Recht ab.

WBO, WBA Intercontinental-Meisterschaft im Schwergewicht: Samuel Peter vs. Robert Helenius
Nach der Kämpfervorstellung durch Ansager-Legende Michael Buffer ging der Co-Hauptkampf des Abends in die erste Runde. Der deutlich kleinere Peter (34-5-0, 27 KO) versuchte natürlich hauptsächlich den Körper von Helenius (15-0-0, 10 KO) zu attackieren, der hielt ihn sich allerdings mit dem langen Jab vom Hals. Peter kam ab und an zwar dennoch mit schönen Treffern durch, ließ im Allgemeinen aber die Schnelligkeit vermissen, mit der er noch vor einigen Jahren seine geringe Körpergröße ausgleichen konnte. Doch wenn er traf, dann traf er hart. Im fünften Durchgang konnte er Herelius am Seil stellen und mit einigen harten Händen eindecken – der blieb jedoch im Kampf und blieb seiner Linie treu, auch ein harter Tiefschlag von Peter in Runde sechs brachte ihn nicht aus dem Konzept. Durch den unerlaubten Treffer angestachelt konnte er Peter seinerseits mit harten Treffern eindecken und mit einem linken Haken einen Cut im Gesicht des Nigerianers öffnen. Helenius arbeitete weiter gut mit seinen langen Händen, stand aber oftmals zu unbeweglich und kassierte deshalb immer wieder auch klare Treffer von Peter, der dabei aber auch immer wieder Konter nehmen musste. Einer dieser Konter, ein linker Haken, schickte ihn in Runde neun schließlich zu Boden. Nach dem Anzählen war Peter noch immer deutlich angeschlagen und ging nach einer rechten Geraden, gefolgt von einem weiteren linken Haken, erneut auf die Bretter, wo er bewusstlos liegen blieb. Der Ringrichter winkte den Kampf sofort ab.

Robert Helenius (l.) schlug Samuel Peter in der neunten Runde KO.

EBU EU-Meisterschaft im Halbschwergewicht: Tony Averlant vs. Artur Hein
Artur Hein (14-1-1, 8 KO) hatte sich vorgenommen, gegen den Franzosen Tony Averlant (15-5-2, 3 KO) den vakanten EBU Halbschwergewichtstitel zu holen. Es wurde zunächst ein zäher Fight, der überwiegend in der Halbdistanz und am Mann geführt wurde. Verlief das Duell zu Beginn noch ausgeglichen, gewann der Franzose ab der fünften Runde immer mehr die Oberhand. In der letzten Runde drehte Britsch noch einmal gehörig auf, zum Sieg reichte es jedoch nicht. Der Kampf endete mit 112-116, 115-113, 114-114 unentschieden.

Vorprogramm

Jozsef Matolcsi vs. Dominik Britsch
Der ungeschlagene Shootingstar Dominik Britsch (22-0-0, 7 KO) versuchte, einem Europameisterschaftskampf einen weiteren Schritt näher zu kommen und war dem Ungarn Jozsef Matolcsi (29-14-0, 20 KO) dabei in Sachen Schnelligkeit und Explosivität um Lichtjahre voraus – sowohl auf den Beinen, als auch mit den Fäusten. Flink bewegte er sich stets aus der Gefahrenzone hinaus und suchte sich seine Lücken. Die Fand er bereits in Runde eins und schickte den Ungarn mit einer rechten Geraden auf den Boden. Matolcsi erwies sich jedoch als harter Hund und blieb weiter im Kampf. Im fünften Durchgan musste er nach einer harten Kombination aus linkem Haken, rechter Gerade und einem weiteren linken Haken erneut zu Boden. Britsch wurde etwas übermütig und fing sich in der folgenden Runde selbst einen linken Haken seines Gegners und saß plötzlich auf dem Allerwertesten. Auch er blieb jedoch im Kampf. Matolcsi bewies eine Menge Herz und machte bis zum Ende Druck, doch Britsch ließ sich da Heft nicht mehr aus der Hand nehmen. Nach acht Runden gewann er mit 78-74, 77-74 und 78-71 einstimmig nach Punkten.

Dominik Britsch (r.) schickt Gegner Jozsef Matolcsi auf die Bretter.

Sergej Rozvadovskij vs. Thomas Ulrich
Ex-Europameister Thomas Ulrich (32-6-0, 22 KO) wollte sein großes Comeback wagen, tat sich mit dem Litauer Sergej Rozvadovskij (5-0-2, 4 KO) aber deutlich schwer. In der zweiten Runde musste er zum ersten Mal zu Boden. Im Laufe des Kampfes konnte Ulrich zwar auch selbst gute Treffer setzen, Rozvadovskij teils heftig anklingeln, musste aber in der siebten Runde erneut auf die Bretter. Dieses Mal setzte Rozvadovskij nach dem Anzählen nach und schickte Ulrich erneut auf die Knie. Der Ringrichter sprang dazwischen und winkte den Kampf ab.

Olegs Lopajevs vs. David Graf
Im Opener des Abends machte Profi-Debütant David Graf (1-0-0, 1 KO) kurzen Prozess mit seinem lettischen Gegner Olegs Lopajevs (0-2-0, 0 KO) und knockte ihn in der ersten Runde aus.

Im Anschluss an den Hauptkampf zwischen Marco Huck und Ran Nakash gab es noch ein Duell im Fliegen- und eines im Schwergewicht. Bei den "Schweren Jungs" setzte sich der Australier Kali Meehan mit einem TKO gegen Valeri Semiskur aus Estland durch. Bei den Fliegengewichten besiegte der Brite Aschley Sexton den Bulgaren Salim Salimov einstimmig nach Punkten.

Boxen: Huck vs. Nakash
02. April 2011
Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen, Nordrhein-Westfalen

Kali Meehan bes. Valeri Semiskur via TKO in Rd. 2
Ashley Sexton bes. Salim Salimov einstimmig nach Punkten

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck bes. Ran Nakash einstimmig nach Punkten (118-110, 118-110, 116-112)

Dustin Dirks bes. Roberto Cocco via KO in Rd. 6

WBO, WBA Intercontinental Meisterschaft im Schwergewicht
Robert Helenius bes. Samuel Peter via KO nach 1:50 in Rd. 9

EBU EU-Meisterschaft im Halbschwergewicht
Tony Averlant vs. Artur Hein endete unentschieden (112-116, 115-113, 114-114)

Vorprogramm
Dominik Britsch bes. Jozsef Matolcsi einstimmig nach Punkten (78-74, 77-74, 78-71)
Sergej Rozvadovskij bes. Thomas Ulrich via TKO nach 1:49 in Rd. 7
David Graf bes. Olegs Lopajevs via KO in Rd. 1