Boxen

Huck fällt den argentinischen Riesen

Marco Huck (l.) fällt den argentinischen Riesen Rogelio Rossi. Fotos: Dorian Szücs/GroundandPound.

Ganz im Zeichen der nächsten Generation junger Boxer stand der Sauerland- Kampfabend in der Arena in Ludwigsburg. Die Nachwuchshoffnungen Dominik Britsch und Kubrat Pulev konnten dabei jeweils Punktsiege einfahren, vor allem Britsch tat sich stellenweise aber recht schwer. Im Hauptprogram verteidigte World Boxing Organization-Weltmeister Marco Huck obendrein zum achten Mal seinen Cruisergewichtsgürtel, indem er den „argentinischen Riesen“ Rogelio Rossi in der sechsten Runde ausknockte.

Nach einer recht ereignislosen ersten Runde wurde Marco Huck (34-1-0, 25 KO) im Laufe der Zeit lockerer und landete öfter. Am Ende der vierten Runde schickte er Rogelio Omar Rossi (17-3-1, 11 KO) deutlich nach der Pausenglocke mit einer Kombination auf die Bretter und bekam zur Strafe zwei Punkte abgezogen. Im darauffolgenden Durchgang begann er aggressiv und schickte Rossi im Rundenverlauf gleich zweimal zu Boden. In Runde sechs machte er den Sack komplett zu und beförderte den argentinischen Riesen mit einer krachenden rechten Geraden ins Reich der Träume.

Dominik Britsch (26-0-0, 9 KO) verteidigte im Co-Hauptkampf des Abends zum ersten Mal seinen International Boxing Federation Interkontinental-Titel. Der Herausforderer Billy Lyell (24-10-0, 5 KO) war der bislang härteste Gegner, der dem Baden-Württemberger Lokalmatador dabei im Ring gegenüberstand. Der Amerikaner bestimmte das Tempo und marschierte pausenlos nach vorn. Britsch zeigte sich überwiegend im Rückwärtsgang, setzte zu Beginn aber trotzdem die klareren Treffer. Lyell verkaufte sich dennoch gut, machte konstant Druck und landete selbst die eine oder andere harte Hand.

Dabei schien dem Amerikaner nie die Luft auszugehen, er gab bis zur letzten Minute Gas. Britsch schien dagegen ein wenig abzubauen und nahm gegen Ende mehr Treffer als zuvor. Der Kampf wurde knapper, was sich letztlich auch auf den Punktzetteln zeigte. Nach einer sehr starken Schlussphase beider Boxer wertete das Punktgericht den Kampf 114-114 sowie 117-111 und 116-113 für den alten und neuen Titelträger Dominik Britsch. Eine Mehrheitsentscheidung, die vertretbar ist, aber auch zeigt, dass Britsch hier alle Hände voll zu tun hatte.

Britsch hatte die besseren Treffer, Lyell war der aggressivere Mann und hatte den höheren Output an Schlägen. Im Interview nach dem Kampf nannte Britsch Konzentrationsprobleme als Grund für seine Schwächephase. Sein Gegner Billy Lyell war selbstverständlich enttäuscht über das Punkturteil, war sich sicher, neun Runden gewonnen zu haben, und hätte gern einen Rückkampf. Ob es dazu kommen wird ist jedoch fraglich.

Knapp gewonnen: Dominik Britsch (r.) gewinnt engen Fight gegen Billy Lyell.

Der Amateur-Europameister im Superschwergewicht von 2008, Kubrat Pulev (14-0-0, 6 KO), wollte sich seinen ersten Gürtel bei den Profis verdienen und boxte gegen den US-Amerikaner Travis Walker (38-7-1, 30 KO) um den vakanten Interkontinental-Titel der IBF. Von Beginn an agierte er dabei sehr selbstbewusst und locker – zu locker möchte man meinen, denn er vernachlässigte immer wieder die Deckungsarbeit, was sich im dritten Durchgang rächte. Eine rechte Overhand des Amerikaners klingelte Pulev ordentlich an. Ab Runde vier dreht er den Spieß jedoch wieder um und traf Walker mehrfach hart. Walker baute zusehends ab, so dass ab der Mitte des Kampfes ausschließlich Pulev das Heft in der Hand hatte und ein Kampfabbruch zu seinen Gunsten nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien.

Im siebten Durchgang wurde Pulev von einer „Kombination“ Walkers, aus Haken und Ellenbogen getroffen und ein Cut öffnete sich über seinem rechten Auge. Referee Allen Huggins wertete die Aktion jedoch als unbeabsichtigten Kopfstoß. Auch in den folgenden Runden kam von Walker außer berechenbaren Einzelaktionen nicht mehr viel und ein nun wütender Pulev deckte den 32-Jährigen immer weiter mit Schlägen ein. Am Ende von Runde elf hatte Pulev seinen Kontrahenten am Rande eines Knockouts, doch die Pausenglocke rettete den Amerikaner.  Am einstimmigen Punksieg Pulevs, mit 119-109, 118-109 und 117-110, bestand nach 12 Runden dennoch kein Zweifel mehr.

Schmutziges Duell: Kubrat Pulev (r.) besiegte Travis Walker nach Punkten.

In einer „Generalprobe“ für den geplanten EM-Kampf gegen den Russen Alexander Alexeev stieg Enad Licina (21-3-0, 11 KO) gegen den britischen Rechtsausleger Hari Miles (6-4-0, 2 KO) in den Ring. Er hatte dabei keine größeren Probleme und attackierte den deutlich unerfahreneren Miles immer wieder mit der tief hängenden Führungshand. Wirklich glänzen konnte er dabei zwar nicht, war aber auch zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr. An einigen Lücken in der Deckung sollte der 31-Jährige aber dennoch arbeiten, die weiß Alexeev sicher besser zu nutzen als der Grünschnabel Miles. Alles in allem aber eine solide Vorstellung des Berliners Licina, der sich mit 78-74, 79-73 und 78-76 letztlich verdient nach Punkten durchsetzte und nun auf eine baldige EM-Chance hoffen kann.

Generalprobe bestanden: Enad Licina (l.) besiegte Hari Miles.

Österreichs derzeit wohl größte Nachwuchshoffnung, das 21-jährige Mittelgewicht Marcos Nader (13-0-0, 2 KO), hatte mit dem Italiener Lorenzo Cosseddu (27-7-5, 3 KO) den nächsten Prüfstein seiner noch jungen Karriere vor sich, passierte ihn allerdings mit Bravour. Er war deutlich schneller als der 34-Jährige, ließ ihn immer wieder ins Leere laufen und wartete bedächtig auf Lücken. Im zweiten Durchgang nutzte er eine solche und konnte den Italiener mit einer rechten Geraden und einem darauffolgenden Aufwärtshaken gehörig anklingeln, der vorzeitige Sieg gelang ihm jedoch nicht. Die mangelnde Schlagkraft ist Naders einzige große Schwäche. Geschadet hat das aber nicht, er nahm Cosseddu mit technischer Überlegenheit systematisch auseinander und siegte, trotz eines letzten Aufbäumens des Italieners, nach acht Runden einstimmig nach Punkten.

Marcos Nader (l.) hatte keine Probleme mit Lorenzo Cosseddu.

Der Eröffnungskampf des Abends endete schnell. Robert Woge (6-0-0, 5 KO) hatte keine Probleme mit dem Iren John Waldron (5-6-0, 2 KO) und nahm kaum einen einzigen Treffer. In Runde zwei Traf er Waldron mit einer rechten Geraden, der signalisierte Probleme mit dem Auge und wurde daraufhin angezählt und aus dem Kampf genommen.

Next Generation
22. Oktober 2011
Arena in Ludwigsburg, Baden-Württemberg

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck bes. Rogelio Omar Rossi via KO in Rd. 6

IBF Interkontinental-Meisterschaft im Mittelgewicht
Dominik Britsch bes. Billy Lyell mehrheitlich nach Punkten (114-114, 117-111, 116-113)

IBF Interkontinental-Meisterschaft im Schwergewicht
Kubrat Pulev bes. Travis Walker einstimmig nach Punkten (119-109, 118-109, 117-110)

Vorprogramm
Enad Licina bes. Hari Miles einstimmig nach Punkten (78-74, 79-73, 78-76)
Marcos Nader bes. Lorenzo Cosseddu einstimmig nach Punkten
Robert Woge bes. John Waldron via TKO nach 2:00 in Rd. 2