Boxen

Großer Doping-Skandal in deutschem Boxverband?

Skandal im deutschen Profi-Boxen: Boxer Jürgen Doberstein erhebt schwere Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit Dopingtests gegen den Box-Verband GBA und Veranstalterin Eva Rolle.

Am 27. Februar boxte der IBF-Europameister im Mittelgewicht, Cagri Ermis (18-9, 5 K.o.), in der Universal Hall Berlin gegen den Saarländer Jürgen Doberstein (17-2, 4 K.o.) und sicherte sich mit einem klaren Punktsieg nebenbei noch den IBF-Mittelmeer-Titel. Doch der eigentlich gut geführte Kampf bleibt im Schatten, die Schlagzeilen bestimmt ein Skandal um einen Dopingtest.

Der 26-jährige Doberstein äußerte sich, dass er vor seinem Kampf an die Promoterin Rolle 1.000 Euro für angebliche Doping-Kontrollen der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland) bezahlen musste.

„Es kam mir alles komisch vor", so Doberstein. "Ein junger Typ mit einer Kappe bedrängte mich, ich solle schnell machen. Statt in zwei Glasflaschen (A und B Probe), musste ich in einen Plastikbecher urinieren."

Das Protokoll zu der Probe erhielt das Team Dobersteins erst nach wiederholter Nachfrage. Einige Tage nach der Kontrolle fragte ein Betreuer Dobersteins bei der NADA nach, ob alles in Ordnung sei. Und nun der Skandal: Die NADA erklärte, dass sie nichts von dieser Veranstaltung wisse und nie Kontrollen mit der GBA durchgeführt habe. Auch die Unterlagen der Doping-Kontrolle seien wohl nicht die aktuellen gewesen, sondern noch vom letzten Jahr.

„Wir übergaben das Geld dem Präsidenten des ausrichtenden Verbandes GBA, Jörg Milcke, der uns das auch quittierte“, so die Sprecherin von Doberstein.

Die GBA äußerte sich dazu: „Herr Milcke hat die 1.000 Euro an Veranstalterin Frau Eva Rolle weitergereicht. Die Beweise dafür liegen in unserem Tresor. Frau Rolle wurde am 18. März bereits die Promoter-Lizenz entzogen“.

Der Weltverband IBF zog bereits seine Konsequenzen und beendete die Zusammenarbeit mit der GBA. Wenn dies alles der Wahrheit entspricht, dürfte es ein trauriger und gleichwohl schwerer Schlag für den deutschen Profi-Boxsport sein, denn theoretisch gab es bei der GBA bei allen IBF-Titelkämpfen keine Doping-Kontrollen.

Ein Statement von Veranstalterin Rolle steht noch aus.