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GnP Awards 2010: Boxer des Jahres national

Über zwei Drittel unserer Leser stimmten für Wahl-Berliner Huck.

Der GnP Award für den besten Boxer des Jahres national 2010 geht an: Marco Huck.

Für die einen - vor allem für den eigentlichen Protagonisten selbst - war es ein Heldenstück. Für andere eher ein Skandal, wie er in Box-Deutschland nicht zum ersten Mal passierte. Die Rede ist natürlich von Hucks letzten Kampf im Jahre 2010. Dennoch reichte es für den begehrten GnP Award. Am Ende stimmte wohl zum größten Teil die erstgenannte Fraktion der Boxfans bei der Wahl ab - da hat Marco Huck noch mal Glück gehabt!

Zwischen Heldenstück und Skandal

Mitte Dezember bezwang Huck via geteiltem Punkturteil den Russen Denis Lebedev. Angeblich gelang dem Cruisergewichts-Weltmeister das Ganze mit einer gebrochenen Rippe. Um dem Publikum in der Halle und den Zuschauern am Ring so etwas mitzuteilen, wartet ein wahrer Champion nicht auf ein ärtzliches Artest! Nein - "ein wahrer Mann, der zum kämpfen geboren wurde", der weiß das und kürt sich gleich selbst zum Größten. Wie sich später rausstellen sollte, war die Rippe letztlich aber gar nicht wirklich gebrochen. Ob er sich mit derartigen Aussagen in die Herzen der Fans geboxt hat?

Trotz des zweifelhaften Sieges und der nicht gebrochenen Rippe schaffte es Marco Huck bei GroundandPound zum nationalen Boxer des Jahres 2010. Eine Auszeichnung, für die zuletzt Arthur Abraham eine Dauerkarte hatte. Somit stellt sich eine Frage: Ist Huck Boxer des Jahres, weil er sich diese Auszeichnung durch Leistung und große Fights erkämpft hat? Oder konnte der Sauerland-Schützling nur auf diesen Thron klettern, weil es in Good Old Germany einfach an Alternativen fehlt? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir also nicht nur auf den letzten Kampf des Bielefelders, sondern auf seine gesamte Karriere.

 

 

Endlich Anerkennung

Die sportlichen Vorbilder Marco Hucks sind Muhammad Ali und Mike Tyson. Beide Boxer wurden von Fans geliebt und von Experten geschätzt. Sie galten in ihrer Glanzzeit als unumstritten und waren zu das Beste, was das Boxen zu bieten hatte. Ali galt als wahnsinnig schnell für einen Schwergewichtler und Tyson machte mit seinem pendelnden Oberkörper und seiner unglaublichen KO-Power auf sich aufmerksam.

Marco Huck aber, hatte es bei den Experten schwer - und auch beim Publikum. Zwar gelangen dem ehemaligen Kickbox-Weltmeister schnell viele vorzeitige Siege, aber selbst bei seinem Trainer galt Huck nicht gerade als Boxtechniker. Unsauber, überstürzt, eine "Beinarbeit" die das Wort nicht verdient und dazu noch offen wie ein Scheunentor bei gegnerischen Angriffen. Huck bekam bei Fachleuten keinen Fuss auf die Erde. Und als der damalige Weltmeister Steve Cunningham ihm die Abreibung seines Lebens verpasste, fühlten sie sich alle bestätigt.

Huck selbst suchte nach Ausreden, sein Vater sah den Fehler bei Trainer Uli Wegner. Dass Huck in der Wettkampfvorbereitung die Nächte zum Tag gemacht hatte und täglich um die Häuser zog (wie er uns selbst verriet), wusste der Vater wohl nicht. Eine ganz kurze Odysee zu Boxlehrer Manfred Wolke ging völlig in die Hose. Der versuchte dem Sauerland-Schützling das "Boxen" beizubringen - ein Versuch, der wohl von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.

Zurück bei Uli Wegner ging es dann wieder schnurstracks auf Hucks Ziel zu: Er wollte, trotz aller Kritik und Rückschläge, Weltmeister in seiner Gewichtsklasse werden. Er wollte es sich, seinen Fans und vor allem den ständigen Mecker-Köpfen zeigen. Das Vorhaben sollte schon nach etwas mehr als einem Jahr gelingen. Huck kürte sich im Gerry-Weber-Stadion, in Halle/Westfalen, zum neuen WBO-Champion im Cruisergewicht. Dennoch wollten die kritischen Stimmen noch immer nicht verstummen.

Im Jahr 2010 wandelte sich allerdings das Bild des 26-Jährigen. Und das zu Recht! Wegner verstand es, die Stärken des Bielefelders zu bündeln und gezielter einzusetzen. Statt untalentiert und unbelehrbar, hieß es nun, Huck sei ein offensiver, explosiver und aggressiver Boxer. Einer der es schafft, bereits ab der ersten Runde seine Gegner zu beeindrucken und im Ring förmlich zu zerstören.

Das mussten mit Adam Richards im März, Brian Minto im Mai und Matt Godfrey im August gleich drei Amerikaner feststellen. Huck gewann jeden dieser Kämpfe vorzeitig und die Fans fingen an, den Stil Hucks immer mehr zu schätzen. Galten die Zuschauer in Deutschland früher immer als Fans des "Kuschelboxens", so zeigten sie nun den Promotern und Fachleuten, dass Sie auch einen Boxer mögen, der ausser dem Ringrichter im Seilquadrat nichts neben sich duldet.

 

Erneuter Größenwahn

Gegen Ende des Jahres schien Huck es also geschafft zu haben. Endlich erhielt er die Anerkennung, die er wollte. Aber bei all dem Lob darf man nicht vergessen, dass seine Gegner auch nicht gerade die Creme de la Creme des internationalen Boxsports darstellten. Das hielt den Champion jedoch nicht davon ab, bereits vor seiner bislang schwersten Titelverteidigung von zukünftig großen Kämpfen zu sprechen. Dafür war ihm seine Gewichtsklasse schon nicht mehr groß genug. Dort wollte er nur kurz aufräumen, um sich danach die Klitschkos oder David Haye im Schwergewicht zu schnappen.

Das Hochmut aber Bekanntlich vor dem Fall kommt, musste dann auch Huck feststellen. Gegen Denis Lebedev wurde es der erwartet schwere Kampf. Boxerisch wies ihn der Russe in die Schranken und zeigte, dass mit der richtigen Taktik die Angriffe von Huck an Explosivität verlieren. So gewann er auf Punktzetteln einige Runden. Am Ende stand ein knapper Kampf, der wie erwähnt zu Gunsten Hucks gewertet wurde.

Für Huck reichte das knappe Urteil, um sich selbst zu einem "wahren Champion" zu küren. Aber für die Kritiker war es wieder an der Zeit aus Ihren Löchern zu kommen und von einem Skandalurteil zu reden.

 

Zu Recht Boxer des Jahres

Nicht so knapp war nun Hucks Wahl zum Boxer des Jahres bei GroundandPound. Die Leser votierten mit fast 40 Prozent recht klar für Ihn. Dennoch sei nach den Glückwünschen für diese Auszeichung - die er zu Recht erhielt - erwähnt, dass es in Deutschland klar an Alternativen fehlt.

Huck hat ein sehr gutes Jahr hinter sich und zeigte sich im Ring stark verbessert. Seine Leistung sollte durch einen knappen Kampf nicht herabgewürdigt werden. Auch mit dem Wort Skandal sollte man vorsichtig umgehen. Ein Skandal ist ein Kampf dann, wenn der klare Gewinner zum Verlierer erklärt wird. Und Lebedev war eines ganz sicher nicht: der klare Gewinner. Er war bei vielen knapp vorn, wieder andere sahen aber auch Heim- und Weltmeistervorteil bei Huck.

Dennoch zeigt die Wahl Hucks zum Boxer des Jahres, wie sehr die Spitze in Deutschland zusammengeschrumpft ist. Es gibt in der Bundesrepublik, bei nüchterner Betrachtung, nicht einen Faustkämpfer, der das Prädikat "Weltklasse" verdient hat. Der einst hochgelobte und zur Gottheit erklärte Abraham weilt inzwischen längst wieder unter den Normalsterblichen. Der hinter Huck platzierte Sylvester mag zwar ein Boxer vom internationalem Format sein, aber mehr auch nicht. Zu oft hat uns Felix Sturm gezeigt, dass er nicht in die Weltspitze gehört. Und Sebastian Zbik muss und sollte erst gegen die Spitze seiner Gewichtsklasse boxen, bevor wir über ihn wirklich urteilen können.

Daher ist die Wahl von Marco Huck, zum Boxer des Jahres, ohne Wenn und ohne Aber gerechtfertigt. Er ist der Kämpfer in Deutschland, der sich am meisten verbessern konnte und bei großen Aufgaben zumindest mithalten kann. Daher Gratulation an den Sauerland-Mann! In der Hoffnung, dass wir uns in den nächsten Jahren den Kopf zerbrechen mögen, wen wir aufgrund von Klasse-Leistungen diesen Titel geben können - und uns nicht fragen, wer denn der Beste des Mittelmaßes ist!

In unserem exklusiven Interview äußert sich Marco Huck zum Gewinn des GnP Awards, seinem Kampf gegen Lebedev und vielem mehr.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Marco Huck (Berlin) 37,2%
2. Sebastian Sylvester (Greifswald) 23,1%
3. Sebastian Zbik (Neubrandenburg) 15,7%
4. Jack Culcay (Darmstadt) 9,1%
5. Alexander Frenkel (Würzburg) 8,3%
6. Robert Stieglitz (Magdeburg) 6,6%