Boxen

GnP Awards 2009: Boxer des Jahres international

Knapp war die Entscheidung! Nur hauchdünn konnte sich Vitali Klitschko bei den GnP-Awards 2009 in der Kategorie "Boxer des Jahres international" durchsetzen. Mit 37,2 Prozent der Stimmen hatte er am Ende aber die Nase vorn und verwies den philippinischen Wirbelwind Manny Pacquiao auf den zweiten Rang.

Dass Vitali Klitschko die Auszeichnung vollkommen verdient hat, darüber wird es wohl kaum zwei Meinungen geben. Beeindruckend kam er im Oktober 2008 zurück und sicherte sich sofort den Schwergewichtstitel der WBC. 1400 Tage nach seinem Rücktritt führte er den damaligen Titelträger Samuel Peter in der Berliner O2 World nach allen Regeln des Faustkampfes vor. Als Peter dann in die neunte Runde mit dem 2,02 Meter Riesen aus Kiew sollte, blieb er lieber gleich sitzen. Damit sicherte sich Klitschko zum dritten Mal die Krone in der Königsklasse des Boxens. Etwas, das zuvor nur Muhammed Ali, Evander Holyfield und Lennox Lewis gelang.

Dieser dritte Titel sollte die Grundlage für Vitali Klitschkos erfolgreiches Jahr 2009 sein. Sofort wollte der Wahl-Hamburger nachlegen. Lange Pausen hatte er die letzten Jahre genug gehabt, nun mussten die Schlachten im Seilquadrat folgen, die ihn endgültig zu einem der besten Schwergewichte aller Zeiten machen sollten.

Nächstes Opfer (nicht Gegner) war der Exilkubaner Juan Carlos Gomez. Gomez, früher wohl der dominanteste Cruisergewichtsweltmeister aller Zeiten, kannte die Klitschkos noch aus gemeinsamen Zeiten bei Universum. Damals zeigte er den großen weißen Schwergewichtshoffnungen, wie schnell die kubanische Schule sein konnte. Mehrmals soll Gomez Sparring mit wirklichem Fight verwechselt haben. Er sei viel zu schnell für die Ukrainer, betonte er immer wieder.

Interessant machte das Duell auch der Hintergrund im Privatleben. Gomez war früher mit der Tochter von Fritz Szdunek zusammen und habe sich des Öfteren auf seine ganz eigene Art und Weise daneben benommen. Inzwischen sind die Tochter von Szdunek und Ahmet Öner ein glückliches Paar. Öner ist bekanntlich der Promoter von Gomez. Und dass Vitali Klitschko der absolute Lieblingsschüler von Fritz Szdunek ist, ist sicherlich auch kein großes Geheimnis.

Die Pflichtverteidigung am 21. März hatte also genug Brisanz für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und Ahmet Öner tat alles im Vorfeld, um diese auch bis zuletzt hochzuhalten. Dennoch nutzte alles Geplänkel am Ende nichts. Gomez wehrte sich zwar tapfer, war am Ende aber chancenlos. Nur sein Stolz hielt ihn bis zur neunten Runde auf den Beinen. Dann war Schluss und Gomez musste unter Tränen die Dominanz von Vitali Klitschkos anerkennen.

Nach diesem Sieg folgten Lobeslieder auf den damals 37-Jährigen. So kürte die WBC ihn zum größten Knockouter aller Zeiten. 36 seiner 37 Siege waren vorzeitig. Eine Quote, die es in der Geschichte des Schwergewichts noch nie gegeben hat. Auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof war der Ukrainer erfolgreich. So setzte er durch, dass er nicht gegen den Russen Oleg Maskajew als nächstes kämpfen musste. Der ehemalige Weltmeister wäre nur unnötiger Zeitverlust gewesen und da Vitali Klitschko inzwischen seinen Körper sehr gut kennt, weiß er: Jeder Kampf könnte inzwischen sein letzter sein!

Der auch in der Politik sehr erfolgreiche Weltmeister hatte anderes im Kopf, denn dieser wurde ihm und seinem Bruder in einer Fotomontage abgeschnitten und von David Haye wie eine Trophäe auf einem T-Shirt präsentiert. Daher wollte der Große der Klitschkos Rache. Schon bei Wladimirs letztem Kampf gerieten beide vor laufenden Kameras bei RTL aneinander. Allerdings kam dieses Duell aus fadenscheinigen Gründen seitens des Briten nicht zu Stande, so dass der Ukrainer eine Ausweichlösung finden musste.

Dieser Ersatz war Chris Arreola. Der in zuvor 27 Profikämpfen ungeschlagene Amerikaner galt als die große Hoffnung von Übersee. Und Klitschko tat etwas, was ihm gar nicht hoch genug angerechnet wurde. Um den Fight nämlich interessant zu machen, ging er quasi in die Höhle des Löwens - in die Heimat von Arreola: Los Angeles. Aber auch der Heimvorteil sollte dem Ami nichts nutzen. Nach 301 Treffern war Schluss in der Pause zur elften Runde.

Das war es allerdings noch nicht von Vitali Klitschko im Jahre 2009. Denn RTL hatte mit K2 vertraglich vereinbart, dass es 2009 vier Kampfabende mit den beiden Ukrainern geben würde. Da Wladimir gesundheitlich nicht kämpfen konnte, trat Viatli, nur kurze Zeit nach seinem Kampf gegen Arreola, gegen Kevin Johnson an.

Johnson selbst war eine absolute Notlösung für K2. Leider fand dies bei den meisten Boxfans keine Beachtung, die meinten, die Klitschkos suchen sich nun nur noch leichte Gegner. Aber dieser Johnson erwies sich als kleiner Spielverderber. Nur in der Defensive boxend, ließ er kaum Treffer zu, machte auch selbst nie den Anstand, in die Berliner PostFinance-Arena gekommen zu sein, um Weltmeister zu werden. Nach zwölf Durchgängen dann dementsprechend ein Urteil, bei dem Vitali Klitschko jede Runde gewann.

Drei erfolgreiche Titelverteidigungen, sensationelle Quoten bei RTL, eine Rangelei im Stadtparlament von Kiew und Auszeichnungen ohne Ende - das ist das Jahr von Vitali Klitschko. Kein Wunder also, dass die Leser von GnP diese Leistungen nun noch mit dem GnP-Award krönen wollten!

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Vitali Klitschko (Ukraine) 37,2%
2. Manny Pacquiao (Philippinen) 36,1%
3. Chad Dawson (USA) 7,8%
4. Paul Williams (USA) 7,5%
5. Yonnhy Perez (Kolumbien) 6,4%
6. Koki Kameda (Japan) 5,0%