Boxen

Gestatten, Stefan Härtel.

GnP stellt den deutschen WSB-Kader der Leipzig Leopards vor. (Fotos: Sabine Ziran/GroundandPound)

Der 23-jährige Normalausleger Stefan Härtel wird die Leipzig Leopards im WSB-Mittelgewicht bis 73 Kilo verstärken. Er wohnt bei seinen Eltern in Berlin und boxt dort für den Erstligisten Hertha BSC, en er als Kapitän in die Saison 2011/2012 führt. Härtel ist bereits dreifacher Deutscher Meister und für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert.

GroundandPound: Stefan, wie bist zum Boxsport gekommen?
Stefan Härtel: Mein Papa ist Boxtrainer und nachdem ich bei Fußball und Judo nicht so erfolgreich abgeschnitten hatte, bin ich aus Mitleid einfach mal bei ihm mitgegangen. Am Anfang wollte ich ihn nicht enttäuschen und bin dabeigeblieben. Mir hat das zunächst nicht so viel Spaß gemacht, weil er sehr viel Wert auf Technik gelegt hat, als aber irgendwann auch die Erfolge gekommen sind, ist Boxen mein Leben geworden. Heute gehe ich da voll drin auf.

Wie bist du auf die WSB aufmerksam geworden?
Mein Kumpel Enrico Kölling hatte bereits in der WSB geboxt, so habe ich das natürlich mit Interesse verfolgt. Da Deutschland nun ein eigenes WSB-Team hat, ist es eine super Plattform, eine tolle Erfahrung, die man sammeln kann, und natürlich auch eine Ehre da mitzuboxen. Dass ich jetzt direkt am ersten Kampftag mitmachen darf, ist natürlich was feines.

Wie ist es denn zu deiner Berufung in den WSB-Kader gekommen?
Hauptsächlich hat man ja die erste Nationalmannschaft berufen. Und da ich ich dort der erste Mann bis 75 Kilo bin, hat man mich gefragt, ob ich für die WSB auch 73 schaffen würde. Ich habe gesagt, ich werd's versuchen.

Das Team der Leipzig Leopards für den ersten Heimkampf am 12. November (v.l.n.r.): Cornelius Sheehan (+91 Kilo), Kevin Künzel (-85 Kilo), Stefan Härtel (-73 Kilo), Artur Bril (-61 Kilo) und Edgar Walth (-54 Kilo).

Wo siehst du persönlich die Vor- und Nachteile am Konzept WSB?
Ein Vorteil ist, dass es sehr wahrscheinlich publikumswirksamer ist und wir jetzt nicht ständig vor leeren Hallen boxen müssen. Was Nachteile sein könnten, muss man sehen. Ich habe ja selbst noch nicht dort geboxt. Ich habe ein bisschen Respekt vor den Kopfstößen, bisher hat der Helm immer vor Cutverletzungen geschützt, wenn ein Gegner mal mit dem Kopf voranstürmt.

Das neue Team ist in Leipzig stationiert, die Heimkämpfe finden in Halle/Saale statt. Trainieren werdet ihr aber selten im Team, sondern in euren eigenen Heimatvereinen. Stört dich das?
Das ist kein Problem, wir sind es ja von der Nationalmannschaft gewöhnt, dass jeder an seinen Stützpunkten trainiert und wir vor den Höhepunkten zusammengeführt werden. Letztendlich ist jeder sein eigener Chef. Wir sind Boxer und können uns im Ring nicht auf den Anderen verlassen, da ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.

Wie groß ist die Mehrbelastung durch die WSB-Duelle, angesichts deiner Verpflichtungen in der Bundesliga?
Ich sehe das nicht problematisch, wenn jemand das nicht mehr schafft, kann er es ja sagen und aussteigen. Wir haben obendrein genug Boxer in jeder Gewichtsklasse, um uns abwechseln zu können.

Hast du vor deiner WSB-Verpflichtung über einen künftigen Wechsel ins Profilager nachgedacht?
Ein Thema ist das natürlich immer. Wenn man sieht was die Profis so treiben denkt man sich schon manchmal, dass man das genauso gut kann oder gar besser. Im Amateurboxen ist es aber noch so, dass zwei ebenbürtige Gegner im Ring stehen und das ist es, was mich antreibt. Wenn man der Beste sein will, muss man sich auch mit den Besten Messen.

Und das ist im Profibereich nicht so?
Ja, das ist zur Zeit schwierig. Da geht es viel um Politik.

Natürlich tritt man immer an um zu gewinnen, jeder Anfang ist aber schwer. Wo siehst du die Leopards am Ende ihrer ersten Saison?
Natürlich wird jeder sein Bestes geben, wir werden versuchen, die Kämpfe zu rocken. Wo wir am Ende stehen werden, wird man sehen. Man sollte sicher nicht mit zu großen Erwartungen herangehen, aber man muss sich auch nicht kleiner machen als man ist.

Die World Series of Boxing ist ein innovatives Format, das es den Sportlern ermöglicht, unter Profibedingungen internationale Wettkämpfe zu bestreiten – ohne dabei ihr Recht auf die Teilnahme an „klassischen“ Amateurwettkämpfen, wie Weltmeisterschaften oder auch den Olympischen Spielen zu verlieren. Geboxt wird ohne Schutzhelm und Leibchen, sowie in fünf Gewichtsklassen (Bantam-, Leicht-, Mittel, Halbschwer- und Schwergewicht). Die Kampfdistanz beträgt fünf mal drei Minuten.Wir stellen euch das Team der Leipzig Leopards in dieser Interview-Serie vor.