Boxen

Frustrierter Weltmeister

Am Ende durch ein Unentschieden weiter Weltmeister - Felix Sturm (Foto: Reuters)

WBA-Superweltmeister Felix Sturm bleibt Champion. Allerdings war seine nun elfte Titelverteidigung alles andere als überzeugend. Gegen den Briten Martin Murray reichte es in Mannheim nur zu einem Unentschieden.

„Es ist frustrierend, wenn solche Urteile kommen. Ich war der bessere Mann“, so der alte und neue Weltmeister Felix Sturm nach seinem Duell mit dem britischen Champion im Mittelgewicht – Martin Murray. „Ich bin maßlos enttäuscht. Sehr schade für das Boxen.“ Zuvor hatten die drei Punktrichter den Kampf 116:112 für Sturm, 115:113 für Murray und 114:114 Unentschieden gewertet. Aufgrund dessen konnte der Deutsche den Gürtel erfolgreich verteidigen.

Die 10.000 Zuschauer in der nicht ausverkauften SAP-Arena in Mannheim sahen zuvor einen ausgeglichenen Kampf, an dessen Ende der Weltmeister allerdings knapp vorn gelegen haben dürfte. Dennoch ist dieser Ausgang alles andere als ein deutliches Fehlurteil.

Von Beginn an gelang es Felix Sturm nicht, sich den Schlägen des Herausforderers zu entziehen, er nahm immer wieder viele Treffer. Die Klasse von einst scheint dem 32-Jährigen abhanden gekommen zu sein. Schließlich ist Martin Murray alles andere als einer der besten Mittelgewichtler der Welt.

„Gegen die Besten der Welt boxen zu wollen und sich dann gegen den Dritten aus England so einen abzuquälen - das bedarf keiner weiteren Kommentare“, befand Sturms Landsmann und potentieller Gegner Sebastian Zbik. In der unabhängigen Weltrangliste wurde Martin Murray vor dem Aufeinandertreffen sogar bloß auf Platz 32 gewertet.

Für Sturm war es nun die vierte Titelverteidigung unter eigenem Banner. Bisher durfte er sich dabei die Gegner immer alle selbst aussuchen. Nicht einer seiner Kontrahenten im Ring war unter den Top 10 im Mittelgewicht. Und mit der fehlenden Klasse seiner Gegner nimmt auch die boxerische Klasse des Deutschen anscheinend zunehmend ab.

„Ich denke ich habe noch 10 – 12 Kämpfe in mir“, so der World Boxing Association-Superchamp. Wenn er nach diesen möglichen Duellen allerdings weiter Weltmeister sein möchte, dann müssten die Gegner auch Stück für Stück schlechter werden. Denn das Felix Sturm mit den besten der Welt nicht mehr mithalten kann, hat er an diesem Freitag in Mannheim nun einmal selber wieder unter Beweis gestellt.

Damit scheint auch mehr als fraglich, welchem Gegner sich der Deutsche als nächstes stellen wird. Ein Rückkampf gegen Martin Murray scheint noch am besten geeignet zu sein. Nach dem Unentschieden hat Sturm hier noch eine Rechnung offen. Gegen die anderen Weltmeister im Mittelgewicht wird er wohl kaum antreten. Diesen wirft er immer wieder Geldgier vor, vergisst aber anscheinend, dass diese nicht für Kleingeld nach Deutschland reisen werden, wo die Urteile schon des Öfteren mehr als zweifelhaft zu Stande gekommen sind.

Zudem geht Felix Sturm seit November 2009 dem eigentlichen Pflichtherausforderer Gennady Golovkin hartnäckig aus dem Weg. Für alle Experten wäre der 32-Jährige hier inzwischen auch krasser Außenseiter. Und ohne Titel wäre er sicherlich nur schwer vermarktbar, da seine letzten Kämpfe schon alles andere als überzeugend waren.

Bleibt eventuell ein lukratives Aufeinandertreffen mit Arthur Abraham. Der gibt demnächst sein Comeback im Mittelgewicht und würde für große Aufmerksamkeit beim deutschen Publikum sorgen. Allerdings schob Felix Sturm solchen Spekulationen schon einen Riegel vor. „Er wäre chancenlos und würde von mir deklassiert werden“, so der Weltmeister.

Nach so einem erneut schwachen Auftritt schon wieder derartig große Töne von sich zu geben, scheint fast schon Weltfremd.

Alles andere als schwach war dafür die Einschaltquote des Duells. Insgesamt waren 22,7 Prozent und 4,34 Millionen Zuschauer dabei und bescherten SAT.1 sehr gute Werte für einen Freitagabend. Der Spitzenwert der Live-Übertragung lag sogar  bei 4,92 Millionen Zuschauern.