Boxen

"Es wird ein hammerhartes Duell"

Am kommenden Samstag wird ein weiteres Kapitel deutscher Box-Geschichte geschrieben. Die Fans können sich auf das bislang siebte deutsch-deutsche Duell um einen WM-Gürtel in der Box-Historie freuen. Dazu steigt ein weiterer Deutscher zu einem Weltmeisterschaftskampf in den Ring und die Fans bekommen außerdem noch den letzten Olympiasieger im Schwergewicht in der Magdeburger Bördelandhalle zu sehen.

Im ersten TV-Hauptkampf der deutschen WM-Nacht steigt der Rückkampf zwischen WBC-Interims-Weltmeister Sebastian Zbik (28-0-0 (10)) und Domenico „Vulcano“ Spada (30-2-0 (15)). Der Mecklenburger Sebastian Zbik hatte sich am 11. Juli 2009 am Nürburgring nach einer Energieleistung gegen den 29-jährigen Italiener im Kampf um den Interims-Gürtel im Mittelgewicht knapp behaupten können.

Sebastian Zbik sagte bei der Auftakt-Pressekonferenz der Kampfwoche im altehrwürdigen Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums von Magdeburg über seinen ersten ZDF-Live-Hauptkampf: „Ich werde beweisen, dass ich besser bin und der schlechte erste Kampf an meiner Verletzung lag. Ich blicke ungern auf das erste Duell zurück. Damals gab es ein gesundheitliches Problem an meinem Trommelfell. Dieses Mal gehe ich topfit in den Fight. Es wird einen ganz anderen Kampf geben. Ich werde Spada klar besiegen! Danach ist mein Wunsch, endlich gegen Kelly Pavlik anzutreten. Die Fans brauchen Klarheit. Ich hoffe, Kelly will das auch!“

Trainer Artur Grigorian, der „Zbiker“ nun zu 100 Prozent von Altmeister Fritz Sdunek übernommen hat: „Wir sind in Polen auf den Spuren des Tigers gewandelt. Dariusz war auch oft in Zakopane. Das kann ein gutes Omen sein.“

Domenico Spada, der mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch angereist war: „Vergangenheit ist Vergangenheit. Jetzt konzentriere ich mich auf den bevorstehenden Fight am Samstag. Und diesmal will ich ihn gewinnen.“ Die Stimmung in den verschiedenen Boxerlagern war bei der Pressekonferenz sehr angespannt. Domenico Spada griff nach seinem Statement noch einmal zum Mikrofon und fauchte hinein: „Ich bin der Meinung, dass ich den letzten Kampf gewonnen hatte. Es ist mein Gürtel und ich werde ihn dieses Mal nach Italien mitnehmen. Verstehst du, Sebastian?!“

Robert Stieglitz wird vom Gifhorner Eddy Gutknecht gefordert

Als zweiten Hauptkampf können sich die Fans auf Lokalmatador und WBO-Weltmeister Robert Stieglitz (37-2-0 (23)) und ein wirklich geschichtsträchtiges Duell freuen. Der Champion wird im bislang erst siebten deutsch-deutschen Duell der Box-Historie um einen WM-Gürtel vom ungeschlagenen Gifhorner Eduard „Eddy“ Gutknecht (18-0-0 (7)) gefordert. Stieglitz, der amtierende Champion im Supermittelgewicht zeigt Respekt vor dem von der WBO zum Pflichtverteidiger benannten Gutknecht: „Ich kenne Gutknecht gut, habe selber mit ihm Sparring gemacht. Ein sehr guter Mann, technisch gut ausgebildet und anspruchsvoll zu boxen. Es wird ein hammerhartes Duell, schließlich ist es eine Pflichtverteidigung. Aber ich werde meinen Gürtel behalten. Da bin ich mir sicher.“ Auch heute im Historischen Museum mauerten beide Lager in punkto Training und Taktik, mieden so gut es geht ging den Augenkontakt beim Fotoshooting vor der großen Kaiser-Statue des ersten deutschen Kaisers Otto I.

Gutknecht hat sich mit einem Überraschungssieg am 5. Dezember 2009 in Sölden gegen Ex-Weltmeister Karoly Balzsay auf Platz 2 der WBO-Rangliste hochgearbeitet. Nun steht der 27-jährige Vater von zwei Söhnen vor dem größten Kampf seines Lebens. Eduard Gutknecht: „Der Kampf ist eine große Herausforderung für mich. Ich boxe gegen den Stärksten der WBO in dieser Gewichtsklasse. Wir kennen uns beide schon sehr lange, sind im Ring aber Rivalen und den Gürtel will ich haben – das steht außer Frage. Robert hat sich die letzten Jahre stark verbessert, aber ich werde herausfinden wie gut er wirklich ist. Das ist der wichtigste Kampf meines Lebens, darauf habe ich 14 Jahre hin gearbeitet.“

Gutknecht-Trainer Magomed Schaburow: „Wir brauchen keine Tricks für den Kampf, aber ich habe zur Not genug in meinem Zauberkoffer. Wir respektieren Robert als guten Boxer. Aber wir wollen einen Sieg einfahren und den Gürtel mitnehmen. Wir haben in den drei Trainingslager-Wochen in Sölden die konditionelle Grundlage für ein ganzes Boxjahr gelegt, nicht nur für 12 Runden.“

Doch sein Gegenüber Torsten Schmitz hält dagegen: „Wir haben in den letzten vier Wochen hart gearbeitet. Das wird sich auszahlen. Ich kann Eduard Gutknecht versprechen, dass Robert enormen Druck ausüben wird. Entscheidend wird sein, wer nach hinten raus die meiste Kraft hat. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass Robert gewinnen wird.“

Olympiasieger Tschachkijew freut sich auf Magdeburg

Das ohnehin schon hochwertige Programm von der Magdeburger Box-Gala wurde um den Kampf eines Olympiasiegers erweitert. Cruisergewichts-Sensation Rachim Tschachkijew (3-0-0 (3)) steigt in den Ring. Der russische Gold-Medaillengewinner von Peking 2008 feiert somit Magdeburg-Premiere und will auch im vierten Kampf einen vorzeitigen Sieg erringen und so seine ständig wachsende Fan-Gemeinde erfreuen. Der Gegner des von Meistertrainer Michael Timm trainierten Tschachkijew ist Rene Huebner (25-15-2 (11)) aus Eisenhüttenstadt. Bei seinem letzten Einsatz am 19. Dezember hatte Tschachkijew den Ukrainer Igor Pilipenko in Runde zwei vorzeitig besiegt, und ist somit seiner hundertprozentigen Knockout-Quote treu geblieben.

Ebenfalls in den Ring steigen wird der ungarische Shootingstar Pal „Pimpa“ Bedak (6-0-0 (4)), der im Fliegengewicht mit seiner beherzten Kampfweise und seinem harten Punch für Furore sorgt. Gegner des sympathischen Ungars ist Edgar Jimenez (8-3-1 (6)) aus Mexico. Außerdem wird Federgewichtler Marcel Meyerdiercks (15-0-0 (7)) aus Wismar seinen 16. Profi-Kampf gegen den Italiener Emiliano Salvini (13-10-1 (2)) aus Rom bestreiten. Außerdem werden zwei Gastboxer mit Christina Hammer (3-0-0 (3)) aus Dortmund und Mateusz Masternak (18-0-0 (13)) aus Polen in den Ring steigen. Ihre Gegner werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Ulf Steinforth, Promoter von Stieglitz, freut sich auf eine hochwertige Veranstaltung:

„Sportlich gesehen haben wir eine großartige Veranstaltung in Magdeburg – ein Highlight für Magdeburg. Es ist auch der Kampf zweier Box-Promotoren: SES vs. Universum. Das verlangen die Zuschauer. Beide kennen sich zwar, aber die Freundschaft muss für 12 Runden ruhen. Und es wird nicht einfach sein, den Champion vom Thron zu stoßen. In dem Duell steckt auf jeden Fall viel Brisanz. Das wird nicht leicht für Robert. Gutknecht hat mit Schaburow einen absoluten Trainerfuchs in der Ecke. Da müssen wir aufpassen.“