Boxen

Die Rückkehr von Jürgen Brähmer

Nach fast zwei Jahren Ring-Abstinenz wird Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer am kommenden Samstag im Hamburger Grand Elysee-Hotel sein Comeback feiern. Universum bietet dabei all seine Talente auf, Firat Arslan, Denis Boytsov, Rakhim Chakhkiev, Ina Menzer und Ruslan Chagaev werden im Vorprogramm zu sehen sein. Ungewöhnlich: Mit Dima Weimer wird auch ein Kickboxweltmeister in den Ring steigen.

Mit Jürgen Brähmer (36-2-0, 29 KO) ist es so eine Sache. Das talentierte Nordlicht machte, trotz WM-Titel, seine größten Schlagzeilen bisher immer mit Aktionen außerhalb des Rings. Ob Gerichtsverfahren oder wiederholte Kampfabsagen, richtig ruhig wollte es um den 33-Jährigen nicht werden. Nun will er aber all das vergessen machen, ein neuer Vertrag mit dem Hamburger Traditionsstall Universum ist nach langem Hin und Her unterschrieben, das Comeback steht am Samstag an.

„Die Vorbereitung lief besser als erwartet, ich habe mich ja auch die ganze Zeit über fit gehalten“, so Brähmer über seine erste Wettkampfvorbereitung seit einem Jahr. „Natürlich war die erste Woche Sparring etwas holprig. Ich wollte anfangs zu viel mit der Kraft arbeiten, dann wurde das Timing aber schnell besser.“

Auch Brähmers neuer Chef, Universum-Geschäftsführer Waldemar Kluch, freut sich über die Rückkehr des einstigen WBO-Champions:

„Wir haben viel zu lange Anwälte sprechen lassen, aber wir haben uns jetzt zusammengesetzt. Nach zwanzig Minuten waren wir uns einig. Ich bin wirklich froh und stolz, dass Jürgen bei uns boxt“, so Kluch.

Brähmer trifft auf den Spanier Jose Maria Guerrero (29-2-1, 11 KO), ein Aufbaugegner mit ansehnlicher Bilanz, der dem Universum-Boxer helfen soll, wieder in die Spur zu finden. Brähmer und Guerrero hatten in Mario Veit einen gemeinsamen Gegner. Brähmer besiegte den Cottbusser 2007 durch KO in Runde vier, Guerrero unterlag ihm 2003 nach Punkten.

„Mario ist explosiver, dafür ist der Spanier beweglicher im Oberkörper“, zieht Brähmer Bilanz. An einer erfolgreichen Rückehr des früheren Halbschwergewichtsweltmeisters sollte dennoch kein Zweifel bestehen – außer, er macht kurz vor dem Kampf wieder einen Rückzieher, mögen böse Zungen unken.

Den Co-Hauptkampf bestreitet die russiche Kampfmaschine Rakhim Chakhkiev (11-0-0, 9 KO). Der Olympiasieger von 2008 trifft auf seinen Landsmann Alexander Kotlobay (21-2-1, 15 KO). Laut Universum soll dies der letzte 10-Runden-Kampf des Cruisergewichtlers werden, bevor man „the machine“ in Richtung eines WM-Kampfes pushen möchte.

Ebenso wie Denis Boytsov (29-0-0, 24 KO), der ebenfalls bal nach einem großen Titel greifen soll. Auch er ist ein schlaggewaltiger Russe, der nach langen Querelen mit einer ständig verletzten Hand nun endlich richtig angreifen möchte. Er trifft auf den Amerikaner Darnell Wilson (24-13-3, 20 KO), der im vergangenen September überraschend Juan Carlos Gomez besiegen konnte (der, wie sich später herausstellte, im Kampf eine Schulterverletzung erlitten hatte). Ansonsten ist Wilson wenig mehr als ein weiteres Opferlamm für Boytsov, der sich so langsam über bessere Gegner freuen würde.

„2011 war ein wirklich hartes Jahr für mich. Im März musste ich erneut an der Hand operiert werden, weil ich wieder starke Schmerzen hatte. Das waren wieder sehr harte Monate für mich. Aber ich habe nie aufgegeben und mich zurück gekämpft. 2012 wird definitiv mein Jahr“, so Boytsov. Wenn er verletzungsfrei bleibt, besteht daran in der Tat kein Zweifel.

Die Hauptakteure vom kommenden Samstag vor dem Hamburger Grand Elysee Hotel.

Leider nicht live übertragen wird der Kampf von Firat Arslan (31-5-1, 20 KO). Der einstige Cruisergewichtschampion hat seinen Weg zu Universum zurück gefunden und wird im ersten Kampf seines neuen Vertrages auf den Argentinier Orlando Antonio Farias (23-10-0, 12 KO) treffen. Der 41-jährige „Löwe“ Arslan ist nicht der talentierteste, aber definitiv einer der ehrgeizigsten Boxer der deutschen Szene und möchte nun, da er wieder mit Universum im Boot sitzt, wieder nach der WM greifen:

Ich bin mit Universum Weltmeister geworden, und ich glaube, dass ich es wieder schaffen kann“, glaubt Arslan, und Universum-Geschäftsführer Dietmar Poszwa bestätigt: „Unser weg für Firat heißt, möglichst schnell eine WM zu organisieren.“

Ex-Schwergewichtschampion Ruslan Chagaev (27-2-1, 17 KO) ist erst im August letzten Jahres in einem WM-Fight gegen Alexander Povetkin gescheitert. Das Duell war spannend, Chagaev wirkte jedoch, als Fehle ihm ein wenig der nötige Biss. Mit einem Kampf gegen Kertson Manswell (22-3-0, 17 KO) kann kann er sich nun rehabilitieren.

„Manswell ist der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe lange nicht geboxt und der Kampf geht gleich über acht Runden. Das ist eine gute Prüfung“, so Chagaev.

In weiteren Vorkämpfen präsentiert Universum die früheren Weltmeister Ina Menzer und Vitali Tajbert, sowieso Nachwuchstalente wie Marcel Meyerdiercks. Etwas ungewöhnlich an der Veranstaltung: Man wird auch den Hamburger Kickboxweltmeister Dima Weimer in den Ring schicken. Er verteidigt seinen Gürtel gegen Bartosz Pacco Koscielniak.

Alles in Allem ist es schön zu sehen, dass Universum wieder auf die Beine zu kommen scheint. Dies wird nun, nach September 2011, die zweite Show unter der neuen Geschäftsleitung sein – leider wieder ein Spektakel, bei dem man die eigenen Hoffnungsträger ausschließlich gegen ausrechenbare Aufbauhilfen stellt. Einige Sportler aus dem Hause Universum haben durchaus das Potential zum Weltmeister, man darf deren Aufbau nur nicht zu lange hinauszögern.

Als Fan freut man sich langsam auf richtige Kämpfe, vor allem für imposante Talente wie Boytsov, Chakhkiev und Co.

Die komplette FightCard im Überblick:

Universum Fight Night
28. Januar 2012
Grand Elysee Hotel an der Moorweide in Hamburg

Hauptkämpfe (ab 22:00 Uhr auf Sport1)
Jürgen Brähmer vs. Jose Maria Guerrero
Rakhim Chakhkiev vs. Alexander Kotlobay

Hauptkämpfe (ab 20:30 Uhr auf Bild.de)
Denis Boytsov vs. Darnell Wilson
Ruslan Chagaev vs. Kertson Manswell

Firat Arslan vs. Orlando Antonio Farias
Ina Menzer vs. Milena Koleva
Rafael Bejaran vs. Daniel Urbanski

WKN Weltmeisterschaft im Mittelgewicht
Dima Weimar vs. Bartosz Pacco Koscielniak

Vorkämpfe
Vitali Tajbert vs. Jose Luis Graterol
Marcel Meyerdiercks vs. Roberto Santos de Jesus
Vladimir Tereshkin vs. Evgeny Orlov
Evegny Tishchenko vs. Igor Pilipenko