Boxen

Die Nachwehen von Abraham vs. Bozic

Wie geht es weiter für die Sieger und Verlierer vom Wochenende?

Sauerland-Superstar Arthur Abraham konnte am vergangenen Wochenende nach über einjähriger Durststrecke endlich wieder einen Sieg einfahren. Doch wie viel ist der Wert, angesichts der größten Herausforderung Abrahams bisheriger Karriere? Ebenfalls erfolgreich waren am Samstag der Kubaner Yoan Pablo Hernandez und US-Cruisergewicht Steve Cunningham. Der eine hat einen Titel gewonnen, der andere sein Gold verteidigt – was hält die Zukunft für beide bereit? Unsere Nachbetrachtung zum großen Boxabend.

Arthur Abraham besiegt Stjepan Bozic

Der Kampf lässt natürlich nur begrenzt Raum für Spekulationen zur Form beider Boxer, denn bereits in der zweiten Runde signalisierte Bozic, nicht mehr weiterkämpfen zu können. Bei einem Schlag auf Abrahams Ellenbogen brach er sich Hand, mutmaßte der Kroate. Röntgenbilder zeigten mittlerweile, dass dies nicht der Fall war, beendet wurde das Duell am Samstag aber dennoch. Die Frage ist nun: Haben wir Fortschritte bei Abraham gesehen?

Fakt ist, dass der gebeutelte Sauerland-Boxer ebenso verhalten in den Kampf startete, wie man es auch in der Vergangenheit schon von ihm gewohnt war – eine Eigenschaft, die viel kritisiert wurde und vor allem gegen Carl Froch der Genickbruch war. Zwar attackierte der Wahlberliner mit einigen sehenswerten Körperhaken, machte aber für einen „Aufbaukampf“,  in dem er Selbstvertrauen und Mut sammeln wollte, zu wenig. Am 14. Mai wartet Andre Ward, im Halbfinale des Super Six World Boxing Classic-Turniers. Ein Boxer der derzeit, nicht zuletzt wegen seiner Eigenschaft, Gegner sprichwörtlich mit dem Rücken an die Wand zu zwingen, in aller Munde ist. Der typische, passive Stil Abrahams (32-2-0, 26 KO), bei dem er sich hinter der Doppeldeckung verschanzt und auf Powerpunches wartet, spielt dem aktiven, nach vorn drängenden Ward in die Karten. Andererseits muss man sagen, dass Abraham auch nicht wirklich viel Zeit hatte, aufzublühen und nach vorne zu gehen, denn der Kampf war nach rund fünf Minuten vorbei.

Doch nicht nur von Abraham selbst hätte man gerne mehr gesehen. Bozic (24-5-0, 15 KO) wurde als Aufbaugegner geholt und bekam aus diesem Grund eindeutig zu wenig Respekt von Fans und Medien gleichermaßen. Der Kroate ist keineswegs Fallobst, im europäischen Raum bewegt er sich im guten Mittelfeld und musste sich in den letzten fünf Jahren nur Haudegen wie Dimitri Sartison, Vitaliy Tsypko und David Gogiya geschlagen geben. Böse Zungen behaupten, er hätte seine Handverletzung vorgeschoben, weil ihm die Körpertreffer Abrahams zu sehr zugesetzt hatten. Die Zeitlupe zeigte jedoch deutlich einen Treffer auf den Ellenbogen, was immer eine schmerzhafte Sache ist - Bruch hin oder her. Wer Bozic kennt, weiß obendrein, dass er ein harter Hund ist und Kämpfe nicht leichtfertig verschenkt. Wie es für ihn in nächster Zeit weitergeht, ist schwer zu sagen, da er offenbar noch immer unter Schmerzen leidet und sich in ärztlicher Behandlung befindet.

Steve Cunningham besiegt Enad Licina

Licina verkaufte sich wie ein würdiger Pflichtherausforderer und gestaltete den Kampf mit seinen ausgewählten, aber enorm harten Schlägen sehr interessant. Champion Cunningham traf zwar weniger hart, dafür aber öfter, und boxte technisch besser, was ihm letztlich den Sieg sicherte.

Cunningham (24-2-0, 12 KO) wirkte in all seinen letzten Kämpfen nicht mehr so souverän wie noch vor zwei oder drei Jahren, dennoch steht er noch immer zu Recht an der Spitze des Cruisergewichts. Durch die recht dünne Besetzung der Gewichtsklasse sind die Optionen für ihn rar. Marco Huck will seit langem einen Rückkampf, da Cunningham mittlerweile aber auch bei Sauerland unter Vertrag ist, ist dieses Rematch erst einmal mehr als unwahrscheinlich – zumindest solange das oft diskutierte Cruisergewichts-Super Six-Turnier nicht wirklich stattfindet. Eher vorstellbar wäre ein Rückkampf gegen Troy Ross. Den besiegte Cunningham im vergangenen Juni umstritten durch TKO in der fünften Runde. Grund war ein Cut bei Ross, der bis dahin sehr gut aussah und Cunningham in der vierten Runde sogar auf den Boden schicken konnte.

Was Licina angeht, so musste der lange auf diese Titelchance warten. Da er sich aber tatsächlich recht gut präsentiert hat und Sauerland sicher immer auf der Suche nach solide boxenden aber schlagbaren Herausforderern ist, wäre es durchaus vorstellbar, dass Promoter Frank Warren seinen Schützling zum Beispiel in einem EM-Kampf gegen Alexander Frenkel unterbringt. Auf einen WM-Kampf wird er wohl erst einmal noch etwas warten können.

Yoan Pablo Hernandez besiegt Steve Herelius

Hernandez (24-1-0, 13 KO) hat sich hier einen Lebenstraum erfüllt. 2005 flüchtete er beim Chemiepokal in Halle an der Saale von seiner kubanischen Staffel. Er wollte ein besseres Leben in Deutschland – und er wollte Weltmeister werden. Nun hat er den Interimstitel auf beeindruckende Art und Weise durch KO gewonnen, indem er den Franzosen Steve Herelius gleich zweimal mit einer krachenden Linken auf die Bretter schickte. Wie viele kubanische Boxer besitzt Hernandez ein enormes technisches Niveau, da er eine lange und erfolgreiche Amateurkarriere hinter sich hat. Sein Kinn ist allerdings nicht das Beste, seine einzige Niederlage war ein KO gegen Wayne Braithwaite.

Er wartet nun natürlich auf einen Kampf gegen den tatsächlichen Weltmeister Guillermo Jones. Der war in den vergangenen Jahren jedoch nicht allzu aktiv und denkt seit längerem laut über einen Wechsel ins Schwergewicht nach. Sollte dieser Kampf also nicht zustande kommen (was wahrscheinlich ist), ist es durchaus denkbar, dass man ihm den „echten“ Gürtel im Laufe des nächsten halben Jahres einfach am grünen Tisch überreicht.

Wie es für Herelius weiter geht (21-2-1, 12 KO) bleibt zu sehen. Seit seinem Wechsel ins Cruisergewicht wirkte er recht spritzig und konnte sich in der europäischen Cruisergewichtsszene recht gut behaupten. Für die Spitze reicht es jedoch nicht, selbst bei seinem Titelgewinn gegen Firat Arslan sah er bis zum dessen Kollaps nicht allzu gut aus. Die Gewichtsklasse ist jedoch, wie erwähnt, nicht allzu gut besetzt, so dass man ihm nach zwei oder drei Siegen vielleicht eine weitere Chance auf einen Weltmeistertitel geben wird.

 

Mark Bergmann ist Chefredakteur bei GroundandPound und Sportredakteur bei Fighters Only Deutschland. Folgt ihm auf Twitter und sagt ihm eure Meinung!