Boxen

Die Abrechnung

Lange redeten Felix Sturm und Sebastian Zbik nur über die Presse über- und nicht miteinander. Immer vom Argwohn geprägt und mit ein bisschen Zorn vermischt, waren die Aussagen der Beiden. Über ein Duell wurde lange lamentiert – aber nie wirklich konkretes hervorgebracht. Nachdem sich beide Lager aber bereits Anfang Februar auf ein Gefecht einigten, gab nun auch der Weltverband WBA grünes Licht.

Endlich könnte man denken – Endlich treffen die Beiden aufeinander. Vorbei die Redeschlachten über die Medien. Vorbei auch das voreinander weglaufen und mit dem Wort war ja eh jeder der Gewinner in einem Phantasie-Fight. Zum Glück werden im kriselnden Boxgeschäft aber die Kämpfe im Ring noch mit den Fäusten entschieden und nicht abseits des Seilquadrats. Aber so schön die Meldung des bestätigten Kampfes auch ist, so hat Sie doch einen bitteren Beigeschmack und schon im Vorfeld einen großen Verlierer.

Wer jetzt denken mag, endlich stellt sich Felix Sturm den großen Namen und Boxern, so wie er es bei der Gründung seiner eigenen Promotion versprochen hat, der fällt auf einen simplen Trick des so talentierten Boxers herein. Denn Sturm wählt mit Zbik das für sich kleinere Übel.

Das Übel hat auch einen Namen: Gennady Golovkin. Seit Jahren (genauer gesagt November 2009!!!) ist der Kasasche Pflichtherausforderer von Felix Sturm. Seitdem fällt dem deutschen Superweltmeister der WBA ein Grund nach dem anderen ein, einem möglichen Kampf aus dem Wege zu gehen. Inzwischen hat Sturm seinen Titel (Für den er bei Übertragung dessen nicht eine Vorrassetzung erfüllte) vier freiwillige Verteidigungen vorgenommen. Mit Sebastian Zbik folgt Nummer fünf.

Und mit wohl keinem anderen Gegner hätte er Golovkin wohl mehr aus dem Wege gehen können. Titelvereinigungen kommen aufgrund der Zahlungsmoral Sturms nicht zustande. Auch scheut dieser das Ausland, wo er der Aussenseiter bei den Punktrichtern ist. Bleibt der deutsche Markt und dieser ist überschaubar.

Sebastian Sylvester hat unlängst seinen Titel unschön verloren, auch hat Sturm diesen im Ring schon schlagen können. Abraham verfehlt weiterhin das Gewicht und auch im Vorfeld hatte Sturm immer ein mögliches Aufeinandertreffen abgewiegelt. Ein Arthur Abraham sei eh chancenlos und würde deklassiert werden. Eine höchst zweifelhafte Aussage, von jemandem der mit dem Mittelmass seiner Gewichtsklasse in letzter Zeit erhebliche Probleme hatte.

Bleibt also Sebastian Zbik, oder halt doch Golovkin boxen? Allerdings sind sich Experten in der Boxszene seit Jahren schon einig, dass der Kasache wohlmöglich der stärkste Boxer des Mittelgewichts ist. Sergio Martinez hin oder her. Dies ist auch Sturm nicht entgangen und auch sein Trainer Sdunek sprach regelrecht in Interviews immer davon, dass man diesem solange wie möglich aus dem Wege wohl gehen wird – wenn gleich er betonte, dass dies nicht ewig machbar ist.

Nun also holte Sturm zum letzten großen Ass heraus und einigte sich mit Zbik auf einen Kampf. Dieser sagte zuvor seinen EM-Kampf gegen Proska ab. Grund war auch das Geld, welches er erhalten sollte. Von 70.000 Euro war die Rede.

Pikant: Das Duell zwischen Zbik und Proska ersteigerte zuvor Felix Sturm. Auf Anfrage von GnP was der Mecklenburger davon halte, dass sein Kampf von einem möglichen Kontrahenten ersteigert wurde, antwortete er kurz und trocken „Gar nichts!“

Aber er schob dann auch noch zu möglichen Beweggründen Sturms nach: „Das ist die beste Methode um gefährliche Gegner zu umgehen. Außerdem muss er Sat1 ja einige Kampfabende bieten, und da er selbst keine Boxer hat...“

Für Zbik lief mit Abgabe und dem Gewinn der Auktion von Sturm Promotions einiges falsch. Sein eigener Arbeitgeber Universum gab nur per Fax ein Gebot ab. Dies ist gar nicht erlaubt und fiel von daher gleich von der Bieterliste. „Keine Glanzleistung“ wie Zbik trefflich bemerkte.

Inzwischen aber sind sich beide Parteien einig, auch wenn davon am Anfang des Jahres nicht auszugehen war. Auch die Börse wird Sturm angehoben haben, im Januar äusserte sich Zbik uns gegenüber nämlich noch wie folgt: „Wenn er mir schon angeblich nicht aus dem Weg geht, dann versucht er mich billig abzuspeisen... aber der Kampf wäre für alle Boxfans in Deutschland ein Knaller, da brauch er mir keine Standardbörse wie für seine Mittelklasseengländer anbieten.“

Inzwischen also stimmt das Angebot von Sturm Promotions. Einzig und allein der Weltverband WBA musste dem deutsch-deutschen Duell noch zustimmen und wieder mal Gennady Golovkin beiseite schieben. Dies ist nun geschehen und dem Kampf am 12. April steht nichts mehr im Wege.

Nach einem Zwischenstopp zuletzt in Las Vegas – wo Zbik auch den UFC 143 Event verfolgte – ist er nun in Polen beim Trainingslager angekommen.

Zwar wurde mit Gennady Golovkin wieder der eigentliche Herausforderer beiseite geschoben, dennoch dürfen sich die Fans mit dem Kampf Felix Sturm vs Sebastian Zbik auf eines der sportlich brisantesten Duelle der letzten Jahre in Deutschland freuen.