Boxen

Der GnP Jahresrückblick 2012: Boxen national

Eine Rückblende auf den Faustkampfsport in Deutschland. Abgebildet: Arthur Abraham nach seinem Titelgewinn im August. (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)

Mit 2012 ist ein turbulentes Jahr für den deutschen Box-Sport zu Ende gegangen. Neben der zu erwartenden Dominanz der Klitschko-Brüder, gab es überraschende Comebacks, bittere Niederlagen, den Niedergang eines einstigen Giganten sowie, nicht zuletzt, die Olympischen Spiele in London.

Im Schwergewicht nichts Neues

Auch im Jahr 2012 gelang es keinem Herausforderer, die Könige der Schwergewichtsklasse zu entthronen. Nach wie vor sind die Gebrüder Klitschko das Maß aller Dinger im Schwergewichtsboxen. Mit gemeinsam fünf dominanten Titelverteidigungen behalten die beiden ukrainischen Faustkämpfer immer noch alle bedeutenden Weltmeistertitel im Kreis der Familie. Während der jüngere Wladimir mit Jean-Marc Mormeck, Tony Thompson und Mariusz Wach kaum ernstzunehmende Konkurrenz vor die Fäuste bekam und problemlos seinen 50. K.o.-Sieg einfahren konnte, hatte es der ältere Vitali nicht ganz so einfach.

Zwar fertigte er Manuel Charr im September recht reibungslos ab, doch der englische Bad Boy Dereck Chisora zeigte im Februar eine durchaus hitzige Schlacht – in und außerhalb des Rings. Nachdem Chisora den Champion schon beim Wiegen vor dem Event geohrfeigt und Bruder Wladimir noch im Ring angespuckt hatte, lieferte er sich auf der Pressekonferenz nach dem Kampf eine handfeste Schlägerei mit dem als Kommentator anwesenden David Haye. Die Folge: Eine Geldstrafe und Sperre für „Del Boy“ und ein überaus lukrativer Kampf gegen Haye.

Nächster Klitschko-Herausforderer wird nun vermutlich Alexander Povetkin, der als regulärer WBA Champion Pflichtgegner für Super-Champ Wladimir ist.

Der King ist zurück

Arthur Abraham (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)Nach den Seuchenjahren 2010 und 2011 konnte Sauerland-Zugpferd „King“ Arthur Abraham 2012 mit vier Kämpfen, vier Siegen und einem neuen WM-Titel erneut seinen Thron besteigen. Der Mai 2011 bildete mit einer Super Six-Turnierniederlage gegen Andre Ward den vorläufigen Tiefpunkt in der Karriere des gebürtigen Armeniers. Mit einem Aufbausieg gegen den Argentinier Pablo Oscar Natalio Farias meldete er sich im Januar zurück.

Nach einem weiteren Sieg über den Polen Piotr Wilczewski und der Absage von WBO-Pflichtherausforderer George Groves, war Abraham der neue Pflichtgegner für WBO Weltmeister Robert Stieglitz. Den konnte er im August in der Berliner o2 World nach Punkten besiegen – und sich damit den zweiten WM-Titel, in der zweiten Gewichtsklasse seiner Karriere sichern.

Den Titel verteidigte Abraham im Dezember problemlos gegen Mehdi Buadla. Im neuen Jahr könnte nun bereits im März ein Rückkampf gegen Stieglitz anstehen, zumindest wenn man dem Ex-Weltmeister glauben schenken darf, der die Paarung kürzlich exklusiv bei GroundandPound-TV verkündete.

Durchwachsenes Jahr für Huck

Marco Huck (Foto: Mark Bergmann/GroundandPound)Mit drei Kämpfen, doch nur einem Sieg kann man das Box-Jahr 2012 für Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck nur als durchwachsen bezeichnen. Und um das wirklich zu verstehen, reicht ein Blick auf die Bilanz allein nicht aus. Denn überraschenderweise konnte der 28-Jährige während seiner Niederlage am meisten glänzen, beim Sieg aber vielleicht am wenigsten.

Im Februar wagte Huck zum ersten Mal in seiner Karriere den Sprung ins Schwergewicht und stellte sich seinem Stallgefährten, dem WBA-Weltmeister Alexander Povetkin. Nach zwölf Runden verlor Huck einen mehrheitlichen Punktentscheid, konnte dem Champion aber stark zusetzen und zeigte jede Menge Herz.

Weniger überzeugen konnte er ein Vierteljahr später im Rückkampf gegen Pflichtgegner Ola Afolabi, den er schon 2009 nach Punkten besiegen konnte. Gegen ihn reichte es nur zu einem mehrheitlichen Unentschieden. Gegen den „Löwen“ Firat Arslan siegte Huck im November – äußerst umstritten – nach Punkten. Inzwischen hat er dem geprellten Arslan einen Rückkampf angeboten. Obendrein zeigte Huck mehrfach Interesse an einem weiteren Ausflug ins Schwergewicht – und zwar gegen einen der Klitschko-Brüder.

Die Ruhe nach dem Sturm

Ex-Mittelgewichtsweltmeister Sebastian „Hurrikan“ Silvester beendete, nach zwei herben Niederlagen im Jahr 2011, im März vergangenen Jahres offiziell seine Karriere als Berufsboxer. Sylvester war zwei Jahre lang Weltmeister, bevor er den Gürtel im Mai 2011 an Daniel Geale abgeben musste.

Eben jener Geale entthronte im vergangenen September den WBA-Super Champion Felix Sturm in einem Titelvereinigungskampf – ein Schocker für Sturm, der sich damit urplötzlich im Zwielicht seiner Karriere befindet. Noch im April konnte er Sebastian Zbik in einem Hassduell vorzeitig besiegen, nun steht das Box-Zugpferd von Sat. 1 ohne Titel da.

Im kommenden Februar bekommt Sturm eine weitere Chance, sich zu einem WM-Gürtel hochzuarbeiten. In Düsseldorf geht es in einem IBF-Eliminatorkampf gegen Sam Soliman. Amtierender Champion der IBF ist jedoch noch immer Daniel Geale – ob es also zu einem Rückkampf der beiden kommt, wird das neue Jahr zeigen.

Vier Deutsche für Olympia

Vier deutsche Faustkämpfer haben die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London geschafft und die Reise in die englische Hauptstadt angetreten. Superschwergewicht Erik Pfeifer und Weltergewicht Patrick Wojcicki schieden bereits in ihren ersten Kämpfen aus, der Berliner Enrico Kölling schaffte es jedoch bis ins Achtelfinale, musste dort aber die Segel streichen. Am weitesten schaffte es GroundandPound-Olympiablogger Stefan Härtel, der im Mittelgewichtsturnier bis ins Viertelfinale kam, dort aber dem späteren Bronzemedaillengewinner Anthony Ogogo unterlag.

Alles in allem dennoch ein großer Erfolg für den deutschen Box-Sport, der mit den Siegen von Kölling und Härtel die ersten olympischen Triumphe im Boxen seit acht Jahren feiern durfte.

Absturz eines Dinosauriers

Einer der traditionsreichsten deutschen Box-Promoter, die Hamburger Universum Box-Promotion, hat im vergangenen Jahr vermutlich seine letzten Atemzüge getan. Nachdem der neue Geschäftsführer Waldemar Kluch, gemeinsam mit einigen gewichtigen Investoren, das Unternehmen eigentlich retten wollte, wurde nun im November 2012 bekannt: Universum meldet Insolvenz an.

Grund für das Konkursverfahren war u.a. Ex-Weltmeister Sebastian Zbik, der seinen alten Arbeitgeber auf 250.000 Euro ausstehende Kampfbörse verklagt hatte, sowie einige „seltsame Rechnungen“, so Kluch – Altlasten aus der Klaus-Peter Kohl-Ära von Universum. Kluch habe nun mit Universum abgeschlossen, das Unternehmen sei „nicht mehr zu retten“.

Das aufregende Jahr 2012 hat gezeigt: Boxen bleibt spannend - auch im Jahr 2013!