Boxen

"Das ist wie Feuer gegen Feuer"

Der von Meistertrainer Michael Timm betreute Rachim Tschachkijew (4-0-0 4)) wird nur eine Woche nach seinem Duell in Magdeburg erneut in den Ring klettern. Der russische Goldmedaillen-Gewinner von Peking bekommt in seinem fünften Kampf den Slowaken Slavomir Selicky (15-6-1 (6)) vor die Fäuste. Cruisergewicht Tschachkijew möchte nun auch in seiner Wahlheimat Hamburg seine K.o.-Quote von 100 Prozent halten. Denn alle seiner bisherigen vier Kämpfe unter dem Universum-Banner gewann er vorzeitig, den letzten am vergangenen Samstag gegen Rene Huebner durch T.K.o in Runde 5.

Indessen ist der Gegner von WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer in Hamburg gelandet. Der Schweriner verteidigt seinen Titel im Halbschwergewicht gegen Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky (16-3-0 (8)), die aktuelle Nr. 8 der WBO-Rangliste. Plotinsky, der im März 2009 Thomas Ulrichs Karriere durch einen K.o. in Runde 11 beendet hatte, ist mittlerweile in Hamburg gelandet. Das Flugverbot über Deutschland wegen der Vulkan-Wolke ist Schuld an der Verspätung des Brähmer-Herausforderers. Zuletzt hatte Jürgen Brähmer in seiner Heimatstadt Schwerin am 19. Dezember seinen Gürtel gegen den Russen Dmitry Sukhotsky verteidigt und gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist. In Runde 10 hatte der Mecklenburger einem harten Schlaghagel des Russen widerstanden, war auf beeindruckende Weise zurückgekehrt und hatte am Ende klar nach Punkten gesiegt.

Der unbequeme Südamerikaner Plotinsky, der den Spitznamen „El Demoledor“ (zu Deutsch: Zerstörer) trägt, ist den Box-Experten aus dem Kampf gegen Thomas Ulrich bekannt. Jürgen Brähmer freut sich nun, wieder in den Ring zurückzukehren. Der WBO-Champion aus Schwerin: „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich schon im Februar wieder im Ring stehen können, so hatte ich eine lange Vorbereitung – das war gut. Zum Teil habe ich sogar ein bisschen viel gemacht, und deshalb mal 2-3 Tage pausiert. Das Sparring ist gut gelaufen – ich gehe zuversichtlich in den Ring am Samstag. Ich konnte mich dieses Mal komplett auf meine Vorbereitung konzentrieren und wurde nicht, wie beim letzten Kampf, durch meine Gerichtsverhandlungen abgelenkt oder belastet.“ Coach Michael Timm: „Jürgen übertreibt manchmal und macht eigenständig zusätzliches Programm. Er geht manchmal 1,5 Stunden laufen oder Fußball spielen, aber wir haben die Kurve bekommen, ihn auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Wir gehen gut vorbereitet in diesen Kampf!“

Die Live-Übertragung im Zweiten beginnt um 23.15 Uhr mit einem absoluten Top-Kampf des Frauenboxens: Die unbesiegte „Killer Queen“ (26-0-0 (16)) trifft auf die ebenfalls noch unbesiegte Herausforderin Nadia „The Beauty Beast“ Raoui (11-0-1 (3)) aus Herne, die Weltmeisterin im WIBA-Verband ist. Damit muss Susi Kentikian die nächste harte Prüfung im Ring bestehen. Schon in 2009 konnte die Hamburgerin Elena Reid und Ex-Weltmeisterin Julia Sahin zwei sehr starke Rivalinnen aus dem Weg räumen. Das Duell um die WBA, WIBF und WBO-Gürtel im Fliegengewicht gegen die ebenso hübsche wie schlagstarke Raoui wird Susi Kentikians erster Auftritt als erste Live-Hauptkämpferin im ZDF sein. Susi Kentikian: „Ich freue mich, es ist etwas Besonderes für mich, wieder Hauptkämpferin zu sein – vor allem jetzt beim ZDF. Meine Gegnerin ist stark. In meinen letzten vier Kämpfen habe ich nur gegen starke Gegnerinnen gekämpft. Ich weiß genau, wie sich das anfühlt und konnte mich auch jetzt wieder darauf einstellen. Ich freue mich auf die Gegnerin, die bis zum Umfallen kämpfen wird. Das ist wie Feuer gegen Feuer. Ich muss mehr Feuer haben. Ich freue mich auf Samstag, es wird ein toller Kampf – vor allem hier in Hamburg zu boxen ist für mich immer ein schönes Gefühl!“ Magomed Schaburow wie immer zuversichtlich: „Susi ist fit wie nie. Ich bin nicht sicher, ob Nadia die ganze Distanz überhaupt durchhalten wird. In Sölden habe ich Susi richtig gequält. Schlagkraft und Schnelligkeit haben wir speziell verbessern können.“

Gegnerin Nadia Raoui präsentierte sich heute äußerst gelassen und vor allem selbstbewusst: „Es ist die größte Herausforderung in meiner Karriere. Ich bin definitiv sehr gut vorbereitet und freue mich auf den Kampf am Samstag! Susi hat sich sehr weiterentwickelt und starke Gegnerinnen geboxt – und auch ich werde nicht einfach werden! Meine Vorbereitung habe ich in der Heimat absolviert. Wie immer habe ich mich auf zehn Runden und ein hohes Tempo vorbereitet. Ich bin vor jedem Kampf nervös – so auch dieses Mal. Das muss doch auch so sein. Der Körper stellt sich auf den Kampf ein. Ohne Nervosität würde etwas nicht stimmen.“ Auch Raoui-Trainer Dietmar Berg sieht gute Chancen für seine Athletin: „Wir bereiten uns auf jeden Kampf sehr, sehr gründlich vor. Auch in diesem Fall haben wir keinen großen Unterschied gemacht. Bei uns machen wir zum Abschluss ein 20-Runden-Sparring und wenn sie das durchsteht, schafft Nadia es auch im Kampf zehn Runden Druck zu machen. Ich bin auch gespannt, wie Susi mit Nadias Druck umgehen wird. Susi ist für ihre Schlagkraft bekannt, beide sind wohl die schnellsten Boxerinnen in dieser Gewichtsklasse. Mal sehen, wer besser in den Kampf reinkommen wird – letztendlich wird das den Ausschlag geben.“

Klaus-Peter Kohl freut sich auf das starke Programm für den 24. April. Der Universum-Promoter: „Plotinsky ist ein gefährlicher Gegner, den darf man nicht unterschätzen. Ich bin froh, dass Jürgen seine Form wieder gefunden hat, die er für diesen Kampf brauchen wird. Das Interesse an Jürgen wird immer größer. Ich glaube, Jürgen wird sich zu einem Top-Fighter in Deutschland entwickeln. Und das Duell Kentikian gegen Raoui wird ein echtes Spitzenduell. Und ein sehr Hübsches noch dazu!!“

Insgesamt finden acht hochklassige Kämpfe am Samstag statt. Deutschlands größtes Box-Talent Jack Culcay (2-0-0 (1), erster deutscher Amateur-Champion nach 14 Jahren, feiert seine Hamburg-Premiere. Culcay hatte im Januar seinen ersten Profi-Kampf vorzeitig gewonnen. Er schaltete den Letten Dmitrijus Sidorovicius durch technischen K.o. in Runde eins aus. Sein nächster ist nun der deutlich erfahrenere Brasilianer Isak Tavarez (15-8-0 (5)). Culcay sagt: „Ich bin gespannt auf meinen nächsten Kampf. Meine ganze Familie wird mit dem Bus anreisen. Für mich ist es eine große Umstellung vom Amateur- ins Profilager. Das Interesse an meiner Person und auch die Trainingsintensität haben stark zugenommen, aber es macht viel Spaß – vor allem mit meinem neuen Trainer Michael Timm.“ Mit Arthur Matern (4-0-0 (3)) wird ein weiterer Jungprofi im Halbmittelgewicht seinen nächsten Kampf bestreiten. Gegner ist der Litauer Jurijs Boreiko (16-21-1 (12)). Außerdem kommt es zu einem spannenden Stallduell im Schwergewicht zwischen dem Düsseldorfer Markus Tomala (6-1-0 (3)) und dem Wahl-Hamburger Christian Hammer (5-1-0 (3)). Im Januar war der Kampf an einer Verletzung Tomalas gescheitert. Außerdem haben die Boxer Antonio Moscatiello (7-0-0 (6)) aus Italien gegen Yacine Medjou (4-4-2 (2)) aus Frankreich und Dariusz Sek (6-0-0 (2)) aus Polen gegen Christian Pohle (3-1-0 (0)) einen Gastauftritt.