Boxen

Boxsport 2009: Top 3

Ein großer Knall, ein paar Kids, die begeistert schreien: „Oh toll – noch mal!!!“, ja so wird man Mittwoch um ca. zwölf Uhr aus dem Bett geschmissen. Ein kurzer Blick raus aus dem Fenster und man sieht ne kleine Rasselbande um ihren Daddy herumlaufen, der die gerade im Supermarkt erworbenen Böller aus Fernost schon jetzt hochgehen lässt. Gleich dahinter trägt Herr Schmidt, im Schlepptau seine Frau (oder ist das seine Geliebte? Zumindest sieht sie bedeutend jünger aus als er…), eine Wanne mit einem Karpfen drin, zum Auto. Spätestens hier ist einem klar – Silvester steht vor der Tür und das Jahr 2009 neigt sich dem Ende entgegen. Das ist traditionell dann auch immer die Zeit, wo ein kleines Resümee gezogen wird und gute Absichten für das kommende „Anno“ gemacht werden.

Generell wird mir persönlich 2009 äußerst positiv in Erinnerung bleiben. Viel ist passiert – ne menge Gutes und ein bisschen was schlechtes natürlich auch… Weitet man den Rückblick nun auf GnP aus, dann wird jeder feststellen, dass sich - Deutschlands Kampfsportportal Nummer 1 - enorm weiter entwickelt. Kurz vor dem Jahreswechsel also präsentieren wir unseren Lesern ein neues Layout und wie mir, wird es sicherlich dem Großteil gehen – Es ist schick geworden und ein neues Gesicht tut auch ganz gut. Denn es steht für den Fortschritt von GroundandPound. Unser Magazin hat sich inzwischen längst in der Kampfsportszene etabliert und vor kurzem haben wir mit dem Journal noch einen draufsetzen können. Und wer weiß was noch alles kommen wird… ;o)

Aber darum soll es jetzt hier gar nicht gehen. Es geht um einen kleinen eigenwilligen Jahresrückblick im Bereich Boxen. Ja der längst totgesagte Faustkampf nach Queensberry-Regeln hat wieder einmal ein bewegtes Jährchen hinter sich gebracht und nun ist es also Zeit auf die drei Tops und Flops von mir zu schauen. Da wir bei GnP ja gnadenlose Optimisten sind, fangen wir auch gleich mit den positiven Erlebnissen an, bevor wir dann morgen in Teil 2 ein paar Dinge madig machen werden...

RTL

Tja, darüber wird wohl diskutiert werden. Was bildet sich wohl der Verfasser dieses Beitrages eigentlich ein, den Privatsender RTL hier als positive Erscheinung 2009 festzuhalten? Eine Frechheit werden die einen sagen, Unangemessen die anderen und wieder andere werden eventuell gleich die Männer mit den weißen Westen anrufen. Aber bevor jetzt die Leser und User von GnP sich im Forum heiß reden und darüber verhandeln, ob sie mich lieber steinigen, vierteilen oder mich mit dem Jagdgewehr des befreundeten Försters um die Ecke bringen, lasst mich erklären.

Denn heute flatterte eine nicht ganz unbedeutende Pressemitteilung ins Haus. Und zwar geht es um die Quotenkönige des Jahres. Und wie immer werden die Top 5 besonders erwähnt. Und man mag es kaum glauben, aber darunter befinden sich zwei Box-Fights! Ja man liest richtig – zwei Stück. Also mehr als Fußball-Spiele dort vertreten sind, aktuelle Filme aus Holly- oder Bollywood und andere nette kleine Dinge, die den ganzen Tag so auf der Flimmerkiste laufen.

Beide hat RTL dick aufgezogen. Es handelt sich um den Kampf Vitali Klitschko gegen Kevin Johnson (11,18 Millionen) und Vitali gegen Juan Carlos Gomez (10,86 Millionen). Und das ist nicht zwangsläufig der Draw-Power des Ukrainers zu verdanken! Nein, es ist dem zu verdanken, was RTL aus ihm macht! Denn würde ein Vitali Klitschko bei ARD oder ZDF seine Duelle austragen, dann wären es bedeutend weniger!

Man mag die Kameraführung kritisieren, weil sie Augenkrebs verursachen könnte. Man mag sich wünschen, der Erfinder des weißen Ringbodens würde in der Hölle direkt neben Saddam Hussein seinen Platz finden und man mag das ganze Promi drum herum mit der Tsunami-Katastrophe von 2004 vergleichen. Fakt ist aber eines: Das Konzept der Medienmacher bei RTL geht auf und zeigt Platzhirschen wie Universum oder durchaus auch der MMA-Organisation UFC, wie man es in Deutschland machen muss. Bei Einschaltquoten von mehr als zehn Millionen steht auf jeden Fall fest: Der Boxsport ist alles andere als tot und schafft es in Good Old Germany weiterhin die Massen vor die Bildschirme zu locken und RTL hat das Patentrezept anscheinend dafür!

Marcos Rene Maidana Kämpfe

Ja auch bei Punkt zwei wird sich eventuell der ein oder andere fragen – was soll das? Aber wenn eines in diesem Jahr die Bezeichnung „Weltklasse“ verdient hat, dann waren es Kämpfe des 1,75 Meter großen Argentiniers, der beim Hamburger Boxstall Spotlight unter Vertrag steht.

Generell wird mit dem Wort „Weltklasse“ im Sport viel zu inflationär umgegangen, aber alle drei Fights von „El Chino“ waren es! Angefangen hat es im Februar in der Stadthalle der Hansestadt Rostock. In einem atemberaubenden Gefecht gegen Stallkollege Andreas Kotelnik musste er sich am Ende nach Punkturteil geschlagen geben. Davor gab es zwölf Runden lang Boxen von einem anderen Stern! Wie Klaus-Peter Kohl später anschließend treffend bemerkte: „Das war der beste Kampf, den ich je gesehen habe“. Und ja dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, wenn da nicht der Fight am 27. Juni im Staples Center von Los Angeles gewesen wäre.

Im Duell um die Interims-WM im Halbweltergewicht gegen Golden Boy-Mann Victor Ortiz musste man sich schon kräftig die Augen reiben, um ihnen anschließend zu trauen. Gleich in der ersten Runde ging nämlich der Argentinier auf die Bretter und war kräftig angeschlagen, aber kaum war der Fight wieder freigegeben, da schickte „El Chino“ seinen Gegenüber auf eben jene. Es folgten weitere spektakuläre fünf Durchgänge, bei denen der Spotlight-Boxer ein paar mal seinen Sabber auf den Ringboden verbreitete, aber schließlich konnte er den Kampf drehen und sich zum Weltmeister aufschwingen!

Ein letztes Mal in diesem Jahr im Seilquadrat aktiv, war Maidana im letzten Monat, wo er William Gonzales in der dritten die Lichter ausmachte und seine sensationelle KO-Quote weiter verbesserte.

Einziger Wehrmutstropfen an dieser Geschichte ist, dass nicht ein einziger Kampf des Mannes übertragen wurde. Nicht einmal Ausschnitte gab es vom Februar-Duell gegen Kotelnik im ZDF zu sehen. Schade dass diese Gewichtsklasse und dieser erstklassige Boxer keine Bedeutung in der Berichterstattung in diesem Jahr fand. Dennoch halten wir fest: Auch 2010 dürfen wir uns über „El Chino“ freuen!

Uli Wegner

Ich hätte es wahrscheinlich selbst nicht gedacht, dass ich Uli Wegner in die Top 5 des Jahres aufnehme. Seine Art verursacht einen wahren Schüttelfrost bei mir und ich kann nicht mal erklären warum. Aber über seine Arbeit darf es keine zwei Meinungen geben. Und ich möchte diese mit nur einem seiner Boxer in Verbindung bringen – Marco Huck!

Was Uli Wegner aus diesem untalentierten Streetfighter macht, ist Wahnsinn. Wer diesen klassischen Nicht-Boxer zum Weltmeister macht, der hat größtes Lob verdient. Ohne wirkliche „Geraden“, mit einem Aufwärtshaken der diese Bezeichnung nicht verdient, mit einer Beinarbeit bei der man höchstens beim Supertalent als Lachnummer was wird und einer quasi nicht vorhandenen Ringintelligenz ist aus dem Bielefelder im Cruisergewicht doch echt ein Titelträger geworden! Und man muss ihn sogar ernst nehmen! Und das ist Uli Wegner zu verdanken, der sich der kaum vorhandenen boxerischen Stärken von Marco Huck bedient und sie dermaßen konzentriert bündelt, dass Huck den Gürtel den er jetzt sein Eigen nennen darf, echt verdient. Meine Hochachtung Herr Wegner!

Ja, das waren also meine ganz persönlichen Top 3 Box-Ereignisse 2009. Und es wird wohl kaum jemanden geben, der genau die gleichen auf seinem Zettel haben wird. Ja und sicherlich weiß ich, dass einige Dinge leider beiseite gefallen sind in diesem Artikel. Sei es das Super Six Turnier, sei es Arthur Abraham, sei es Jack Culcay, der Deutschland endlich wieder einen Amateur-Boxweltmeister geschenkt hat, sei es der Pole Thomaz Adamek oder der Wirbelwind Manny Pacquiao und viele Dinge mehr.

Aber ich mach Sachen nun mal anders als andere. Ich fahr in einem Auto ohne Bremslichter (Wer braucht die schon), richte meine Bude seit Monaten nicht ein, obwohl der IKEA nur 5 Kilometer entfernt ist und wenn ich meinen Chef auf Arbeit begegne frage ich ihn immer: „Was machst du eigentlich hier?“.

Und da ja jeder seine eigenen Top 3 haben wird, hat GnP ja das Forum erfunden. Und in diesem möchte ich dann doch mal glatt von unseren Usern hören, welche Geschehnisse ihnen 2009 das Wasser im Mund zerlaufen lassen hat...

Und morgen gibt es dann wie versprochen die Flops und wer weiß, wie die Aussehen werden. Also in diesem Sinne: Sport Frei!