Boxen

Aydemir nach WM-Gewinn: Ich werde mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen!

Glücklich nach dem IBF-Jr.-WM-Titelgewinn: Ilhami Aydemir (m.) und Trainer Fazli Vural (r.).

Ilhami Aydemir (12-1, 7 K.o.) gehört zu den aufstrebenden Nachwuchstalenten in Nordrhein-Westfalen. Der Kölner mit türkischen Wurzeln erfüllte sich einen Traum, als er im Februar dieses Jahres um die Weltmeisterschaft boxen durfte. Der 24-Jährige besiegte den deutlich erfahreneren Georgier Irakli Jeranashvili (14-8-5, 8 K.o.) einstimmig nach Punkten und durfte sich daraufhin den IBF Jr. WM-Titel im Weltergewicht um die Hüfte schnallen. Wir sprachen mit dem frischgebackenen Weltmeister.

GNP1: Ilhami, lass uns zu allererst auf deine Anfangszeit eingehen. Erzähl den Lesern – und besonders denjenigen, die dich noch nicht kennen, wie du zum Boxsport gekommen bist.
Ilhami Aydemir: Ich kam 2005 zum Boxen. Damals ging ich mit Freunden durch die Stadt spazieren, als ich ein Plakat von meinen damaligen und inzwischen verstorbenen Trainier Stefan Raaff sah. Es hat mich so beeindruckt, dass ich kurz darauf zum Kampfsportcenter Frechen ging, mich ihm vorstellte und ihn bat mich Boxen zu lehren, um eines Tages auch auf einem dieser Plakate zu stehen, als Kämpfer.

Wo trainierst du aktuell?
Ich trainiere unter dem ehemaligen Universum Boxprofi Fazli Vural.

Wer waren (oder sind) deine Vorbilder?
Meine Vorbilder sind Julio Cesar Chavez und mein jetziger Trainier Fazli Vural, weil die Boxstile mir sehr gefallen. Das nach vorne Marschieren und aus der Oberkörperbewegung zu schlagen. Der mexikanische Boxstil fasziniert mich allgemein und finde, dass er zu mir passt.

Hast du versucht seinen/ihren Boxstil nachzuahmen?
Ja, ich versuche jeden Tag etwas dazuzulernen von meinem Trainier und durch Videos von Chavez. Ich versuche, dass ich manche Aktionen oder Taktiken in meinen eigenen Boxstil mit einbaue.

Wie ist dir deine Karriere als Amateurboxer in Erinnerung geblieben?
Wie gesagt, ich fing 2005 mit dem Boxen an. 2008 entschied ich mich dann in den Ring zu steigen und Kämpfe zu bestreiten. Bis 2014 boxte ich als Amateur und habe 80 kämpfe auf dem Konto. Es war eine spannende Zeit. 2014 entschied ich mich dann zu den Profis zu wechseln, weil es schon immer mein Traum war, vor großem Publikum zu stehen und große Titel zu holen.

Deine Profi-Karriere verlief bisher sehr erfolgreich, aus 13 Kämpfen hast du nur einen verloren. Bist du zufrieden?
Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Dennoch stört mich diese eine Niederlage schon etwas.

Die Niederlage gegen Zoltan Szabo, die dein erster WM-Titelkampf war, welche Erinnerung hast du daran?
Ich will ehrlich sein. Es war eine große Enttäuschung, als die Hand meines Gegners gehoben wurde und ihm dann der Titel umgehangen wurde. Für mich brach in diesem Moment die Welt zusammen. Mein Team und ich waren der Meinung, dass die ersten fünf Runden und auch die letzte Runde an mich gingen. Ich hatte zudem Heimvorteil. Wir waren uns sehr sicher, dass der Titel uns gehört. Wir können das Urteil bis heute immer noch nicht verstehen.

Willst du eine Revanche?
Ich bin sehr heiß auf einen Rückkampf und bin mir sicher, dass ich hin vorzeitig besiegen und sein Leben im Ring zur Hölle machen würde.

Im Boxen sind Aufbaugegner Gang und Gebe. Stört es dich, dass all deine Gegner vor 2017, bis auf Mucahit Oezcan eine Negativbilanz hatten? Oder gehört das zum Sport dazu?
Jeder Profiboxer bestreitet die ersten 10-20 Kämpfe gegen Aufbaugegner. Egal ob Muhammad Ali, Mike Tyson oder Floyd Mayweather. Mich stört es nicht. Es gehört dazu, weil man langsam Schritt für Schritt ans Profigeschäft herangeführt wird und sich wohlfühlen muss im Ring. Selbstbewusstsein tanken sozusagen. Außerdem sagt die Bilanz oft nichts über den Gegner aus. Es gibt sehr viele Boxer mit einer schlechten Bilanz, die aber sehr starke Boxer sind. Andersherum gibt es manche, mit einer 10-0-Bilanz, aber nicht mal eine Rechte gerade schlagen können.

Im Angriffsmodus: Ilhami Aydemir

Man wächst mit seinen Aufgaben, sagt man. Das ist dir am 11. Februar gelungen, als du den deutlich erfahreneren Georgier  Irakli Jeranashvili schlagen konntest. Wie stolz bist du über diesen Sieg?
Ich bin schon stolz auf mich, dass ich so einen erfahrenen Gegner klar und deutlich nach Punkten geschlagen habe und Weltmeister in einem der größten Weltverbände geworden bin. Es bedeutet mir wirklich sehr viel. Ich habe jahrelang hart trainiert und für diesen Sport gelebt. Für diese Momente quält man sich durchs Training.

Was hältst du von innerdeutschen Duellen? Ist es deiner Meinung nach sinnvoll, dass sich die besten Kämpfer des Landes im Ring treffen oder fändest du es ergiebiger, wenn man sich internationaler Konkurrenz widmet und im eigenen Land zusammenhält?
Ich finde, es ist eigentlich egal, gegen wen man boxt. Man sollte das tun, was einen weiter nach vorne bringt, die Karriere ausbaut. Im Boxen muss man etwas egoistisch sein und an sich und seine eigene Karriere denken. Man kann nicht als Team oder Nation arbeiten und sich aus dem Weg gehen. Jeder will der Beste sein. Und natürlich ist es der Traum von jedem Boxer internationale Kämpfe zu bestreiten und große Kämpfe zu machen, wie zum Beispiel in England oder in den vereinigten Staaten.

Du hast dich in der Vergangenheit bereits über „große Klappen“ geäußert. Wie ist deine Meinung zum „Trashtalk“ im Kampfsport?
Jeder sollte so sein, wie er ist. Ich bin kein Mensch, der sich verstellt und eine Show abzieht. Ich bin eher der ruhige Typ, der die Fäuste im Ring sprechen lässt. Solange man respektvoll miteinander umgeht und seine Vorbildsfunktion nicht negativ nutzt, ist alles ok.

Glaubst du, dass ein Mike Tyson, ein Roy Jones, ein Floyd Mayweather oder ein Muhammad Ali aufgrund ihres großen Mundwerks zu Legenden wurden – oder rein aufgrund ihrer im Ring erbrachten Leistung? Die Klitschkos oder Gennady Golovkin zum Beispiel genießen nicht den gleichen Status bei vielen Boxfans und Experten, trotz einer grandiosen Kampfbilanz.
In erster Linie sind sie meiner Meinung nach durch ihre großen und legendären Kämpfe bekannt geworden. Das andere kommt in zweiter Reihe, finde ich. Weil, wer nicht boxen kann, kann so viel reden, wie er will. Sobald er im Ring Schläge abbekommt oder eine schlechte Leistung abliefert, ist er schnell weg vom Fenster und wird uninteressant. Einen Muhammed Ali oder Mike Tyson kann man nicht mit den Boxern heutzutage vergleichen. Sie haben diesen Sport populär gemacht. Natürlich nicht nur durch ihr Boxen. Sie haben polarisiert und damit wurden viele Menschen auf den Sport aufmerksam. Jetzt versucht sie jeder nur nachzumachen.
Und zum Thema Klitschko: Sie werden zwar von sehr vielen kritisiert und für langweilig gehalten, aber die Gebrüder haben alles erreicht. Besonders Wladimir, der alle Titel gehalten hat.

Zurück zu dir. Wie geht es mit dir weiter? Wann ist der nächste Kampf geplant und wie sehen deine weiteren Ziele aus? Gibt es Gegner, die du gerne vor die Fäuste bekommen willst?
Ich werde wahrscheinlich meinen Titel diesen Sommer verteidigen. Aber vor der Verteidigung würde ich gerne noch einen Kampf bestreiten, um am Ball zu bleiben und keine lange Kampfpause habe. Einen bestimmten Gegner haben wir noch nicht. Es ist mir eigentlich egal wer kommt, denn ich kämpfe gegen alle. Und eins ist klar, ich möchte mich nicht nach dem IBF-Jr.-WM-Erfolg auf meinen Lorbeeren ausruhen, sondern weiter internationale Titel gewinnen, auch bei den Senioren.

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