Boxen

Amerikas neuer Star?

Amerikas große Schwergewichtshoffnung: Seth Mitchell. (Foto:beatsboxing)

Amerika sucht händeringend nach einem Schwergewichtsstar fürs Boxen. Die Zeiten wo die Boxer aus Übersee klar das Geschehen in der Königsklasse beherrschten, sind längst vorbei. Inzwischen regieren hier die Klitschkos einsam und auch ihre potenziellen Herausforderer kommen nicht aus den USA. Doch damit soll Schluss sein und der 29-jährige Seth Mitchell soll diese Durststrecke beenden.

Es waren die goldenen Jahre des Schwergewichts - die 70er. Zeiten in denen Legenden wie Muhammed Ali, Joe Frazier, Ken Norton oder George Foreman hier den Ton angaben und sich denkwürdige Schlachten im Ring lieferten. Und auch danach kam die "Musik"  in der Königsklasse des Faustkampfes aus Amerika. Ob Mike Tyson oder Riddick Bowe, ob Evander Holyfield oder Michael Moorer - stets kamen die ganz großen aus den USA. Doch seit über einem Jahrzehnt schon ist Schluss damit!

Inzwischen sagen andere Nationen wo es lang geht - die Vereinigten Staaten sind zumeist aussen vor. Ihre Schwergewichte haben nicht viel zu melden und halten sich in den hinteren Reihen der Top 10 auf. Es sind Namen wie Tony Thomson, Eddie Chambers und Chris Arreola. Sie alle bekamen bereits die Chance auf die Goldkrone der Klasse und sie alle sind vorzeitig in die Knie gegangen, ohne überhaupt am Thron gewackelt zu haben.

Ein ehemaliger All-American Linebacker des Michigan State University Football-Teams soll nun aber wieder für Belebung sorgen, soll die Nation wieder mit Stolz erfüllen. Seth Mitchell gilt als große Zukunftshoffnung der Amerikaner, jemand der nicht mehr weit davon entfernt ist, nach dem Titel zu greifen.

Am Wochenende bekam er es, im Vorkampf des Amir Khan Fights, mit dem Usbeken Timur Ibragimov zu tun. In Durchgang zwei musste der ehemalige Olympiateilnehmer den Ringboden etwas genauer inspizieren - zum ersten Mal ging dieser frühzeitig unter die Dusche. Ein beeindruckender Sieg. Ein Erfolg der Lust auf mehr macht.

Wie die Feuerwehr stürmte Mitchell am Samstag aus der Ecke. Genauso wie er es die letzten zwei Jahre im Schwergewicht tat. Es war sein neunter Kampf in 16 Monaten. Jeder seiner Gegner erlebte die letzte Runde nicht mehr. Insgesamt waren es in diesen Gefechten sogar bloß 20 Durchgänge die er absolvierte.

Und mit jedem Erfolg wuchsen auch die Aufgaben. Ibragimov passte als Gegner perfekt in die Entwicklung. Es war der bisher härteste Brocken und Mitchell hat diesen Brocken beeindruckend aus dem Wege geräumt. Und nun träumen sie also in Amerika ihren neuen Schwergewichtstraum.

Erst mit 25 Jahren kam der in Virginia Beach geborene Mitchell zum Boxen. Eigentlich viel zu spät. Doch es ist wie er selbst sagt, sein sportliches Talent, was ihn soweit und so schnell nach oben bringt. Nach zehn Amateurkämpfen stand dann auch Golden Boy Promotions bei ihm vor Tür und sicherten sich seine Dienste.

Mitchell hatte es allerdings am Anfang schwer bei den Profis. Seine Auftritte waren nicht immer souverän. Die erste große Delle in seiner Karriere gab es schon im dritten Duell. Gegen Alvaro Morales kam er nicht über ein Unentschieden hinaus. Viele meinten sogar er habe den Kampf verloren gehabt.

Aber Mitchell arbeitete an sich. Seine sonst eher kaum vorhandene Beintechnik, seine schlechte Oberkörperbewegung schien sich mit jedem Aufeinandertreffen zu verbessern. Schlagkraft hatte er von Anfang an mitgebracht, aber es galt sie gekonnt an den Mann zu bringen. Dies gelang dann immer mehr und inzwischen schlägt er variabler.

Mit seiner Unterschrift beim einflussreichen Berater Al Haymon gelang Mitchell zudem auch abseits des Rings die richtige Entwicklung. Haymon gilt als Kenner der Szene, jemand der Kontakte hat und darüber hinaus sehr wohl weiß wie man Boxer in Ruhe nach oben bringt. Somit hat der Amerikaner jemanden an seiner Seite, der sich um den Aufbau und um die künftige Gesamtausrichtung kümmert.

Ist Mitchell nach seinem Sieg am Wochenende nun eigentlich schon weit genug um einen der Klitschkos zu boxen? Er selbst meint es fehlen noch drei bis vier Kämpfe. Anfang 2013 soll es dann soweit sein. Aber bis dahin hat er einige Baustellen abzuarbeiten.

So sehr er im Moment gehypt wird, so sehr schaut man auch an seinen augenscheinlichen Schwächen vorbei. Er ist unglaublich anfällig für den Jab, seine Führhand hängt zu niedrig und blockt zu wenig Schläge.  Auch scheint ihm hin und wieder das Distanzgefühl zu fehlen und vor allem fehlt ihm das Lesen eines Kampfes. Es ist sicherlich beeindruckend wie er seine Gegner vorzeitig besiegt, aber ihm würden längere Fights gut tun, um eben an jenen Schwächen zu arbeiten.

Bei Seth Mitchell wird es im nächsten Jahr stark auf das Matchmaking ankommen. Wen wird er nach Ibragimov nun boxen? Ein weiterer ernster Test wäre erforderlich. Ein Veteran des Ringes - wie zum Beispiel ein Michael Grant - wären ein guter Prüfstein. Aber so oder so eines steht  für die Amerikaner fest - Sie haben wieder einen guten Jungen für das Schwergewicht!