Boxen

Abraham dominiert Bouadla

Arthur Abraham war am Samstagabend der glückliche Gewinner. (Foto: Dorian Szücs/GroundandPound)

Arthur Abraham hatte eine Überraschung parat. Der gebürtige Armenier war früher vor allem für seine abwartenden Kampfbeginne bekannt, bei dem er sich hinter seine Doppeldeckung stellte. Nicht so im Kampf um den WBO-Titel im Supermittelgewicht gegen Mehdi Bouadla. Offen und von Beginn an aggressiv überraschte er seinen französischen Gegner. Ein TKO-Sieg in Runde acht war der verdiente Lohn für einen taktisch verbesserten Arthur Abraham.

Wer hätte das gedacht? Arthur Abraham wurde nach seinem erfolglosen Auftreten beim Super-Six-Turnier vorgeworfen, dass er keinen Biss mehr habe. King Arthur stand vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Ende 2012 steht er wieder unter den besten zehn Boxern im Supermittelgewicht.

Von Beginn an zeigte sich der ehemalige IBF-Weltmeister im Mittelgewicht als der aktivere Boxer. Mit wilden Schlagserien traf er seinen Gegner immer wieder gut. Mehdi Bouadla, die Nummer 13 der WBO, versuchte gezielt zu Kontern, traf allerdings deutlich seltener als Abraham.

Im Gegensatz zu früheren Kämpfen setzte Abraham auch in den nächsten Runden weiter nach. Dabei versteckte er sich nicht hinter seiner Doppeldeckung sondern agierte sehr beweglich in seinem Oberkörper. Mit immer wiederkehrenden Schlagserien setzte er dem Franzosen zu, der aber auftretende Schwächen in Abrahams Deckung zu nutzen wusste und diesem zeigte, dass er nicht ganz so offen in den Mann rennen darf.

Abraham gewann so die ersten fünf Runden, auch wenn viele seiner Schläge in der Luft und nicht am Gegner landeten. In Runde sechs nahm sich der Berliner eine kleine Auszeit und Bouadla kam besser in den Kampf. Es sollte die einzige Runde sein, die man zugunsten des Franzosen werten konnte.

In Runde sieben knüpfte Abraham wieder da an, wo er angefangen hatte. Immer häufiger traf er mit seinen Schlagserien. Dabei öffnete sich ein Cut unterm Auge Bouadlas, was den Ringrichter dazu veranlasste, diesen durch einen Doktor zu prüfen lassen.

In Runde acht war es schlussendlich zu viel. Der Franzose konnte kaum noch was sehen und wurde von wilden Schlagserien des WBO-Weltmeisters eingedeckt, woraus er sich nicht mehr befreien konnte. Der Ringrichter hatte genug gesehen und nahm ihn aus dem Kampf. Für Abraham ein erfolgreicher Abschluss des Jahres 2012.

Bevor er in einem Rückkampf gegen Robert Stieglitz antreten kann, muss er zunächst erstmal einen Pflichtherausforderer boxen. Mit George Groves oder James Degeale stehen dort größere Kaliber in der Auslosung.

Im Vorprogramm der Veranstaltung ging es gut zur Sache. Aus deutscher Sicht dabei der wichtigste Kampf, war wohl das Duell zwischen Jack-Culcay Keth und Jean-Michel Hamilcaro um den Inter-Continental Titel im Halbmittelgewicht der WBA. Der Amateur-Weltmeister fand gut in den Kampf. Er zeigte dabei seine große Schnelligkeit und setzte immer wieder gute Kombinationen. Hamilcaro fand einfach kein Mittel gegen den beweglichen Goldenen Jack. Er versuchte mitzuboxen, kassierte dabei aber Kontertreffer. So schaffte es Keth, die ersten vier Runden für sich zu entscheiden. In Runde fünf merkte man dem Franzosen an, dass ihm der Darmstädter den Zahn gezogen hatte. Mit einer Dublette schaffte es Keth, seinen Gegner das erste Mal zu Boden zu schicken. Wenig später setzte er nach und schaffte es mit Treffern zum Kopf und zur Leber, seinen Gegner so anzuklingeln, dass der Ringrichter den Kampf abbrechen musste. Der 14. Sieg für den Mann der irgendwann Weltmeister werden will und deren Hauptziel eine baldige EM-Chance sein sollte.

Im Kampf um die EBU-Europameisterschaft im Cruisergewicht schaffte es Mateusz Masternak sich den vakanten Titel zu sichern. Haapoja konnte den Polen dabei nie gefährden. Dieser fand gut in den Kampf und bestimmte ihn über die gesamte Distanz. Allerdings überkam dem Mann aus dem Sauerland-Stall dabei aber der zweiten Kampfphase ein wenig Übermut. Er ließ seine Deckung immer mehr fallen, was sein finnischer Kontrahent jedoch nicht nutzen konnte. Zu schnell und technisch versiert war der neue EBU-Europameister, der sich mit diesem einstimmigen Punktsieg seinen ersten großen Titel sichern konnte. Als Nachfolger des verletzten Alexander Alekseev sieht er nun in eine Zukunft, die innerhalb der nächsten drei Jahre einen WM-Kampf beinhalten soll.

Für eine große Überraschung sorgte Michael Sprott im Schwergewicht. Im Rückkampf mit Edmund Gerber schaffte er die Revanche. Im letzten Kampf der beiden verlor der erfahrene Brite noch via TKO in Runde vier und sorgte danach für einen großen Aufreger, als er den Ringrichter angriff. Dieses Mal sah es anders aus. Zu Beginn gingen beide Kontrahenten verhalten in den Kampf. Beide hatten Respekt voreinander. In der zweiten Runde wurde Sprott aktiver. Gerber konnte zwar zum Ende der Runde einen guten Konter anbringen verlor die Runde aber. Gerber wirkte müde und hatte vor dem Kampf auch gesagt, dass er müde sei. Der Brite war der Mann der den Kampf bestimmte, Gerber versuchte mit Kontern und Angriffen zum Ende der Runde zu punkten. In Runde fünf öffnete sich ein Cut auf der Nase von Gerber, der zwar besser in den Kampf fand, aber deutliche Probleme mit einem gut eingestellten Sprott hatte. Beide Kämpfer kämpften daraufhin weiter mit offenem Visier und konnten gute Treffer setzen. Am Ende mussten die Punktrichter entscheiden. Aufgrund der besseren Arbeitsrate schaffte es Sprott seinen ersten Sieg nach vier Niederlagen zu besiegeln. Die Punktrichter werteten den Kampf mit 97:94, 97:94 und 95:95 geteilt für den Briten. Für die große Sauerland Hoffnung im Schwergewicht ein großer Rückschlag. Dieser zeigte deutliche Schwächen und musste diese erste Niederlage seiner Karriere einstecken.

Besser lief es für die ganz junge Garde. Tyron Zeuge bestritt seinen fünften Profikampf. Nachdem er beim letzten Mal noch über die Runden gehen musste, besiegte er dieses Mal seinen Gegner Vasile Dragomir im Schongang. Eine Linke zum Kinn des erfahrenen Rumänen brachte diesen zum ersten Mal zu Boden. Kurz darauf traf der Berliner die Rippen des Gegners, der somit das zweite Mal zu Boden musste. Zeuge setzte weiter mit Schlägen zum Körper und Kopf seines Gegners nach, der verteidigungsunfähig in der Ringecke eingekesselt wurde. Zuviel für den Ringrichter, der den Kampf abbrach. Ein überzeugender Sieg für den aufstrebenden Supermittelgewichtler!

Im Halbschwergewicht kämpfte ein bekannter Berliner: Enrico Kölling. In seinem dritten Profikampf traf er auf Attila Baran. Ähnlich wie in seinem bisherigen Auftritten bestimmte der Olympiateilnehmer auch dieses Mal den Kampf. Er traf gute Hände und zeigte sich sehr konzentriert. Der KO wollte dem jungen Talent aber auch dieses Mal nicht gelingen, sodass auch in seinem dritten Kampf die Punktrichter entscheiden musste. Diese erklärten Kölling zum klaren Punktsieger, der damit weiter positiv auf sich aufmerksam macht.

Laut wurde es in Nürnberg als Wanik Awdijan zum Ring kam. Der erst 17 Jahre alte Profiboxer hat keine Amateurausbildung hinter sich und stieg direkt ins Profigeschäft ein. Dort konnte er bisher einen Sieg verbuchen. Der gebürtige Nürnberger musste gegen den Ungarn Achilles Szabo ran. Schnell schaffte es der Awdijan seinen Gegner mit einer Rechten zu Boden zu bringen. Ansonsten setzte er mit wilden Schlägen weiter nach. Technisch unversiert, aufgrund der fehlenden Ausbildung, gingen dabei natürlich auch viele Schläge daneben. Am Ende stand ein klarer Punktsieg für das jüngste Sauerland-Talent vor heimischen Publikum.

Im folgenden nochmal die Ergebnisse im Überblick:

Abraham vs. Bouadla
15. Dezember 2012
Arena Nürnberger Versicherungen in Nürnberg

Weltmeisteschaftskampf der WBO im Supermittelgewicht
Arthur Abraham besiegte Mehdi Bouadla via TKO in Runde 8

Inter-Continental-Titelkampf der WBA im Halbmittelgewicht
Jack-Culcay Keth besiegte Jean-Michel Hamilcaro via TKO in Runde 5

Europameisterschaftskampf der EBU im Cruisergewicht
Mateusz Mastermak besiegte Juho Haapoja nach Punkten (einstimmig)

Michael Sprott besiegte Edmund Gerber nach Punkten (Mehrheitsentscheid)
Tyron Zeuge besiegte Vasile Dragomir via KO in Runde 1
Enrico Kölling besiegte Attila Baran nach Punkten (einstimmig)
Wanik Awdijan besiegte Achilles Szabo nach Punkten (einstimmig)