Vorurteile

Im Laufe der Jahre haben sich gegenüber dem MMA-Sport einige Vorurteile angesammelt, die sich zu Teilen bis heute halten. Wir liefern Ihnen die Gegendarstellungen, die – im Gegensatz zu den Vorurteilen – der Wahrheit entsprechen.

„Die Käfigkämpfer prügeln sich ohne Regeln!“

Das entspricht nicht der Wahrheit. Seit dem 3. April 2001 existiert in den USA ein offizielles Regelwerk, welches von den staatlichen Sportkommissionen erarbeitet wurde: die „Unified Rules of Mixed Martial Arts“. Dessen deutsche Übersetzung finden Sie auf unserer Webseite, ebenfalls eine Übersicht über die wichtigsten Regeln. Die „Unified Rules“ enthalten unter anderem Angaben zur Kampffläche, Rundenlänge, den Möglichkeiten zum Sieg sowie eine lange Liste an Aktionen, deren Ausführung während eines Kampfes verboten sind, z.B. Stiche in die Augen, Kopfstöße oder Angriffe gegen den Unterleib.

Diesem Vorurteil liegt die Werbestrategie in der Anfangszeit der UFC zugrunde.  Anfang der Neunzigerjahre vermarktete die UFC ihre Veranstaltungen als „regellos“ – und das, obwohl es in Wahrheit seit der allerersten Veranstaltung ein Regelwerk gab, das immer wieder angepasst wurde. Trotz der Einführung der „Unified Rules“ glauben viele Menschen nach wie vor die Mär von den „regellosen Kämpfen“.

„Die Käfigkämpfer sind doch bloß hohle Straßenschläger!“

Der MMA-Sport ist viel zu komplex, als dass ihn jemand ohne jahrelanges professionelles Training ausüben könnte. Die Sportler müssen eine Vielzahl an unterschiedlichen Kampfstilen beherrschen, vom Boxen über das Ringen bis zum Bodenkampf. In der Regel bereiten sie sich acht bis zwölf Wochen auf einen Kampf vor. Neben dem rigorosen Training halten sie sich an eine strikte Diät, um das für ihren Kampf erforderliche Gewichtslimit zu erreichen.

In den vergangenen 20 Jahren haben etliche Athleten aus anderen Sportarten den Wechsel zum MMA-Sport gewagt. Darunter 12 Goldmedaillengewinner, 13 Silbermedaillengewinner, 4 Bronzemedaillengewinner und 11 Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in den Disziplinen Ringen, Judo und Boxen. Aktuell sind aus dieser Liste bei der UFC unter Vertrag: Yoel Romero (Silber, Ringen, Olympia 2000; außerdem fünf WM-Medaillen) Ronda Rousey (Bronze, Judo, Olympia 2008), Sara McMann (Silber, Ringen, Olympia 2004) sowie Dan Henderson (10. und 12. Platz, Ringen, Olympia 1992 und 1996) und Daniel Cormier (4. Platz, Ringen, Olympia 2004). Hinzu kommen unzählige Welt-, Europa- und Landesmeister aus den Einzeldisziplinen Kickboxen, Thaiboxen, Boxen, Judo, Ringen und brasilianischen Jiu-Jitsu.

Unter den besten MMA-Kämpfern aus Deutschland befinden sich ein KFZ-Meister, ein Sportwissenschaftler, ein IT-Systemkaufmann und Studenten aller möglichen Fachrichtungen. In der UFC haben ca. 80 % der Sportler einen Universitätsabschluss oder eine andere Art von höherer Bildung. Dort kämpfen unter anderem Ingenieure, Banker, Lehrer, Psychologen, Soldaten, Fitness-Trainer und Feuerwehrmänner.

„Käfigkämpfer schlagen auf wehrlos am Boden liegende Gegner ein!“

Nur weil jemand auf dem Boden liegt, bedeutet das nicht, dass er wehrlos ist. Bodenkampfkünste wie das brasilianische Jiu-Jitsu enthalten Techniken, die nur dann anwendbar sind, wenn man selbst auf dem Rücken liegt. MMA-Kämpfer, die auf dem Boden liegen, haben nicht nur die Möglichkeit, ihre Gegner aus dieser Position zur Aufgabe zu zwingen. Es gibt auch eine Vielzahl an Techniken, durch die sie ihren Gegner drehen („sweepen“) können, sodass sie selbst aus der Oberlage agieren können.

Darüber wird jeder Kampf von einem Ringrichter überwacht. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Kämpfer zu schützen. Ist er der Ansicht, dass sich ein Kämpfer nicht mehr intelligent verteidigen kann, geht er dazwischen und bricht den Kampf ab. Damit bewahrt er den unterlegenen Kämpfer vor weiterem Schaden durch Treffer.

„Die Käfigkämpfer begeben sich bei ihren Kämpfen in Lebensgefahr“

MMA-Kämpfer bereiten sich auf einen Kampf monatelang vor und sind physisch und psychisch in Bestform, wenn sie dazu antreten. In der Vorbereitung müssen sie sich einem umfangreichen medizinischen Check unterziehen – erst dann erhalten sie ihre Kämpferlizenz. Dieser Check beinhaltet eine allgemeine sportmedizinische Untersuchung, eine augenärztliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung (HIV, Hepatitis), eine MRT vom Kopf sowie bei Frauen einen Schwangerschaftstest. Zusätzlich werden die Sportler am Tag vor einem Kampf erneut auf ihre Sporttauglichkeit hin untersucht.

Während einer Veranstaltung sind Ringärzte zugegen, die sich im Falle einer Verletzung sofort um den betroffenen Sportler kümmern können. Des Weiteren stehen für den Notfall immer mehrere Rettungswagen bereit. Jeder Sportler wird direkt nach dem Kampf von einem Arzt untersucht.

„Boxen ist doch viel sicherer als MMA!“

Das Gegenteil ist der Fall. In einer staatlich regulierten MMA-Organisation hat es bis heute weder einen Todesfall noch eine ernsthafte Verletzung gegeben. Eine wissenschaftliche Studie der John Hopkins University School of Medicine hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit eines Knockouts in einem MMA-Kampf geringer ist als in einem Box-Kampf, womit sich das Risiko ernsthafter Verletzungen minimiert. In einem Box-Kampf stecken die Sportler bis zu 36 Minuten lang andauernd Schläge auf den Kopf ein, während die Sportler in einem MMA-Kampf nur 15 bis 25 Minuten kämpfen. Häufig verbringen sie einen erheblichen Teil dieser Zeit auf der Matte im Bodenkampf, wo die Schlagwirkung bei weitem nicht so hoch ist wie im Standkampf.

„Die Zuschauer wollen nur Blut sehen!“

Die Zuschauer wollen spannende und unterhaltsame Kämpfe sehen. Die Faszination der Menschen am MMA-Sport ist in seiner Vielseitigkeit begründet. Es gibt so unglaublich viele Möglichkeiten, einen Kampf zu beenden, dass er in jeder Sekunde zu Ende sein kann. Jeder Sportler hat einen einzigartigen Kampfstil, kein Kampf gleicht dem anderen. MMA-Kämpfe sind vielfältig, actionreich und turbulent. Eine Platzwunde bei einem der Sportler trägt in keiner Weise zum Unterhaltungswert bei.