Vorberichte

Zwölf Kämpfe am Freitag in Florida

Der Rückkampf zwischen Mighty Mouse und Uncle Creepy.

Der Kampf zwischen Demetrius Johnson und Ian McCall ist der Rückkampf ihrer Begegnung in Australien, die in einem kontroversen Unentschieden endete. An diesem Freitag werden die beiden um das Recht kämpfen, gegen Joseph Benavidez um den Fliegengewichtstitel der UFC antreten zu dürfen.

In zwei Weltergewichtskämpfen wird sich auf dem Hauptprogramm außerdem zwischen Erick Silva und Charlie Brenneman entscheiden, wer von ihnen als der nächste vielversprechende Newcomer bis 77 Kilo angesehen werden könnte, während Mike Pyle und Josh Neer unter sich ausmachen werden, welcher der beiden langjährigen Veteranen noch einmal in die höheren Regionen der Gewichtsklasse aufsteigen kann.

Außerdem auf dem Programm stehen der in Deutschland sehr populäre Brasilianer Carlos Eduardo Rocha, der für seine spektakulären Kämpfe bekannte Fan-Liebling Leonard Garcia, Ultimate Fighter-Veteran Dustin Pague und viele andere.

In den USA wird UFC on FX 3 wird auf dem gleichnamigen Sender und auf Facebook übertragen; in Deutschland kann man den Event dort und auf ufc.tv anschauen.

Demetrius Johnson vs. Ian McCall

Die beiden Fliegengewichtler Demetrius "Mighty Mouse" Johnson (14-2-1) und Ian "Uncle Creepy" McCall (11-2-1) werden am Freitag zum zweiten Mal in drei Monaten gegeneinandern antreten. Bereits bei UFC on FX 2 in Australien trafen die beiden in der ersten Runde des UFC-Fliegengewichtsturniers aufeinander, das die beiden Herausforderer auf den vakanten Titel der neu eingeführten Gewichtsklasse bestimmen sollte.

Vonseiten der UFC wurde mit der Option auf eine vierte Runde im Falle eines Unentschiedens nach drei Durchgängen eigentlich alles getan, um die nötigen Entscheidungen an diesem Abend zu sichern - der zuständige Offizielle machte den Plänen jedoch im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung, indem er die Wertungen der Punktrichter falsch zusammenzählte. Bruce Buffer verkündete aus diesem Grund einen Sieg für Johnson, der eigentlich ein Unentschieden war und deswegen eine weitere Runde nötig gemacht hätte.

Als der Fehler auffiel, war es dafür selbstverständlich zu spät - Dana White tobte, konnte an dem unglücklichen Ereignissen aber auch nichts mehr ändern und war gezwungen, die Entscheidung des Fliegengewichtsturniers nach hinten zu verschieben und einen Rückkampf anzusetzen.
Dieser wird nun am Freitag in Sunrise, Florida, stattfinden und endgültig den neben Joseph Benavidez zweiten Bewerber um den neuen Fliegengewichtstitel der UFC festlegen.

Johnson würde mit einem Sieg die zweite Chance auf einen UFC-Titel in drei Kämpfen bekommen. Im vergangenen Oktober ging es für ihn bereits um Dominick Cruz' Bantamgewichtstitel, nachdem er im selben Jahr schon "Kid" Yamamoto und Miguel Torres besiegen konnte. Cruz besiegte Johnson nach Punkten; dieser begrub seine Titelhoffnungen aber nicht und beschloss, sein Glück ab dem neuen Jahr in der Fliegengewichtsklasse zu versuchen, in die er körperlich besser hineinpasst.

Für McCall war die Begegnung mit Johnson sein UFC-Debüt. Zuvor baute er sich allerdings mit Siegen, u.a. gegen Dustin Ortiz und Jussier da Silva, den Ruf als bester Fliegengewichtler der Welt auf. Am Freitag wird er gegen Demetrius Johnson die zweite Chance bekommen, den ersten Schritt zur endgültigen Verifizierung dieses Status zu gehen, indem er sich einen UFC-Titelkampf verdient.

Erick Silva vs. Charlie Brenneman

Erick Silva (13-2-0(1)) ist der jüngste der zur Zeit fünf Silvas im UFC-Kader und ein sehr aggresiver Kämpfer, der im Käfig immer das vorzeitige Ende sucht. Silvas UFC-Debüt ist nicht einmal ein Jahr her: Im August 2011 war er in Rio de Janeiro zum ersten Mal im Octagon zu sehen, wo er nur 40 Sekunden brauchte, um Luis Ramos bewusstlos auf der Matte zu hinterlassen.

Dieser Sieg brachte ihm einen Platz auf der zweiten brasilianischen UFC-Veranstaltung im Januar 2012 ein. Seinem Gegner, Carlo Prater, erging es dabei kaum anders als Ramos, denn auch ihn schlug Silva nach weniger als einer Minute TKO. Ringrichter Mario Yamasaki meinte jedoch, mehrere Schläge auf den Hinterkopf Praters gesehen zu haben, die ihn dazu veranlassten, den Kampf als Disqualifikation an Prater zu geben, der benommen auf dem Ringboden sitzend seinen "Sieg" zur Kenntnis nahm, während Silva vor 12.500 buhenden Brasilianern gegen die kontroverse Entscheidung protestierte.

Inoffiziell hat Silva also seine beiden ersten UFC-Kämpfe in einer Gesamtzeit von nur 69 Sekunden gewonnen, was die Verantwortlichen dazu veranlasst haben dürfte, ihm in seinem ersten Kampf außerhalb seines Heimatlandes in den zweiten Hauptkampf zu stellen, wo er am Freitag auf Charlie "The Spaniard" Brenneman (15-3) treffen wird.

Brenneman bewegte sich bis zum Juni letztes Jahres noch unter dem Radar der meisten Fans. Bei der vierten UFC on Versus-Veranstaltung in Pittsburgh sorgte das Chaos um Nate Marquardts nicht bestandenen Gesundheitstest letztendlich jedoch dafür, dass Brenneman sich wenige Tage vor der Veranstaltung in dessen Co-Main Event wiederfand, wo er auf Rick Story treffen sollte.
Überraschenderweise lieferte Brenneman in seinem Heimatstaat dann auch noch eine überzeugende Vorstellung ab und punktete seinen Gegner über 15 Minuten aus. Dieser Sieg über Story, der zuvor u.a. Dustin Hazelett, Johny Hendricks und Thiago Alves bezwungen hatte, rückte Brenneman schlagartig in ein weit größeres Licht, dass seither zwar nach einer weiteren Statistik von einem Sieg und einer Niederlage schon wieder etwas abgeschwächt ist, aber mit einem Sieg gegen Erick Silva am Freitag heller als jemals zuvor scheinen könnte.

Mike Pyle vs. Josh Neer

Dieser Weltergewichtskampf zeigt zwei Veteranen des Sports: Mike "Quicksand" Pyle (22-8-1) und Josh "The Dentist" Neer (33-10-1). Beide haben während ihrer Karrieren Höhen und Tiefen durchlebt, scheinen sich momentan aber wieder auf einer Welle des Erfolgs zu befinden.

Pyle hatte einen recht schwierigen Start in der UFC; in zwei seiner ersten drei Kämpfe wurde er von Brock Larson und Jake Ellenberger vorzeitig besiegt. Von diesen Niederlagen erholte sich Pyle jedoch mit beeindruckenden Siegen über Jesse Lennox, Ricardo Almeida und – am prestigeträchtigsten – gegen John Hathaway. Auf diese Serie folgte zwar eine eindeutige Erstrundenniederlage gegen Rory MacDonald, auch diesen Rückschlag ließ Pyle jedoch Anfang des Jahres mit einem Erstrundensieg seinerseits gegen Ricardo Funch hinter sich.

Josh Neer ist seit zwei Kämpfen wieder in der UFC zu sehen. Der Veteran war zwar zuvor schon zehn Mal im Octagon aktiv, hatte zu der Zeit allerdings nie langanhaltenden Erfolg. Trotz Siegen gegen Melvin Guillard, Joe Stevenson, Mac Danzig und andere, kämpfte Neer in den letzten Jahren daher auch oft in kleineren Organisationen, wo er fast jeden seiner Gegner vorzeitig nach Hause schicken konnte. Eine Serie von vier Erstrundensiegen brachte "The Dentist" dann im letzten Jahr eine weitere Chance in der UFC ein, und mit vorzeitigen Siegen gegen Keith Wisniewski und Duane Ludwig hat Neer bis dato das beste daraus gemacht.

Eddie Wineland vs. Scott Jorgensen

Dieser Kampf war einer von dreien, den die Fans im Internet auf das Hauptprogramm von UFC on FX 3 wählen konnten. Neben Seth Baczynski vs. Lance Benoist und Mike Pierce vs. Carlos Eduardo Rocha machte die Begegnung zwischen Wineland und Jorgensen dann letztlich das Rennen, weshalb sich beide Kämpfer trotz Niederlagen in ihren letzten Kämpfen auf dem Hauptprogramm wiederfinden.
Wineland (18-8-1) wurde für sein Debüt im März 2011 direkt ins kalte Wasser geworfen: Während die meisten ehemaligen WEC-Kämpfer – sogar frühere Stars – ihre UFC-Karrieren in den Vorprogrammen starteten, kämpfte Wineland im Co-Main Event von UFC 128 gegen den ehemaligen WEC-Champion Urijah Faber.

Nach einer starken ersten Runde von Wineland drehte Faber in den beiden folgenden Durchgängen jedoch auf und tat in den Augen der Punktrichter genug, um die zweite und dritte Runde zu gewinnen. Im August desselben Jahres bekam Wineland die Chance, sich am Team Alpha Male zu rächen, als  er gegen Fabers Trainingspartner Joseph Benavidez angesetzt wurde. Benavidez gelang aber, wie Faber, eine einstimmige Punktentscheidung gegen den 27-jährigen Texaner.

Scott Jorgensen (13-5) war, wie Wineland, oft in der WEC und bisher zweimal in der UFC zu sehen. Beim TUF 13 Finale debütierte Jorgensen nach 15 Profikämpfen schließlich im Octagon  und schlug dort Ken Stone beeindruckend in dessen Guard KO. Außerdem dominierte er im Oktober Jeff Curran über drei Runden, bis zu einer einstimmigen Punktentscheidung. Als sein nächster Gegner wurde wenig später Renan Barao angekündigt, der bis dahin Cole Escovedo und Brad Pickett besiegen konnte.

In der ersten Runde dieses Kampfes sah es dann so aus, als würde der Brasilianer Jorgensen noch in der ersten Runde abfertigen können; Jorgensen zeigte jedoch Herz und hielt alle drei Runden durch – an der einstimmigen Punktentscheidung für Barao gab es allerdings zu kaum einem Zeitpunkt einen Zweifel.

Vorprogramm

Neben den vier Hauptkämpfen werden im BankAtlantic Center am Freitag acht weitere Kämpfe zu sehen sein. Besonders interessant ist aus deutscher Sicht der Kampf von Carlos Eduardo Rocha. Der Brasilianer hat über viele Jahre in Deutschland gelebt und sich mittlerweile in Los Angeles niedergelassen, wo er u.a. mit dem Black House Team trainiert.

Angeführt wird das Vorprogramm von den in letzter Zeit sehr erfolgreichen Weltergewichtlern Seth Baczynski (15-6) und Lance Benoist (6-0). Baczynski machte seinen Weg über das TUF-Haus in die UFC. Im Finale der elften Staffel verlor er gegen Brad Tavares, was im Juni 2010 seine Entlassung verursachte. Danach gewann er zwei Kämpfe in den ersten beiden Runden und wurde im Sommer 2011 erneut verpflichtet. Seitdem konnte er sich sowohl gegen Clay Harvison als auch gegen Matt Brown durchsetzen.

Lance Benoist debütierte im letzten September gegen Matt Riddle, dem er zwei von drei Runden abnehmen und sich damit die Punktentscheidung sichern konnte. Seine vorherigen Kämpfe beendete Benoist alle in der ersten Runde.

Zuvor wird, ebenfalls im Weltergewicht, der ehemals in Deutschland beheimatete Brasilianer Carlos Eduardo "Ta Danado" Rocha (9-1) zurückkehren. Rocha gab sein erfolgreiches Debüt bei UFC 122 in Oberhausen und sprang wenige Monate später kurzfristig für einen Kampf gegen Jake Ellenberger ein. Bei UFC 126 konnte Rocha seinen Gegner in Runde eins beinahe zur Aufgabe bringen, musste sich jedoch letztlich einer geteilten Punktentscheidung geschlagen geben und war seit diesem Kampf im Februar 2011 verletzungsbedingt nicht mehr aktiv zu sehen.

Sein Gegner am Freitag wird Mike Pierce (13-5) sein. Der Ringer aus Oregon trägt den Spitznamen "Split Decision" nicht umsonst, denn seine letzten drei Kämpfe endeten auf diese Weise. Da Pierce sich jedoch gegen Johny Hendricks und Josh Koscheck am falschen Ende der Entscheidung befand und in der Zwischenzeit lediglich gegen Paul Bradley gewinnen konnte, wird er am Freitag gegen Rocha unter Druck stehen.

Pierces Art, mit diesem Druck umzugehen, ist dabei etwas ungewöhnlich. Offenbar hat der 31-Jährige sich ein Beispiel am berühmt-berüchtigten Mittelgewichtsherausforderer Chael Sonnen genommen, denn nach dem Koscheck-Kampf forderte er die brasilanischen Weltergewichtler in der UFC heraus, indem er sie als einfach zu besiegende Gegner bezeichnete. Diese Aussage gefiel Rocha ganz und gar nicht – er bat seinerseits um den Kampf gegen Pierce, und das Resultat darf am nächsten Freitag begutachtet werden: Dann wird sich zeigen, ob Pierce mit seinen Aussagen Recht behalten wird oder ob er "Ta Danado" damit zu Höchstleistungen angeregt hat.

Außerdem auf dem Programm stehen die Federgewichtler Leonard Garcia (15-8-1) und Matt Grice (14-4), die beide ihren jeweils letzten Kampf verloren haben. Garcia gab im letzten Herbst in einem Rematch mit Nam Phan eine Punktentscheidung ab, während Grice einige Monate zuvor von Ricardo Lamas TKO geschlagen wurde.

Auch die zwei vor Garcia und Grice startenden Bantamgewichtler, Dustin Pague (10-5) und Jared Papazian (14-7-0(1)), verloren in ihrem jeweils letzten Auftritt. Pague wurde, für viele überraschend, in der ersten Runde seines Kampfes gegen John Albert während des Ultimate Figher 14-Finales TKO geschlagen. Papazian dagegen gab im Januar nach einem spannenden Kampf eine knappe Punktentscheidung an Mike Easton ab.

Zwei Gewichtsklassen höher, im Leichtgewicht, wird entweder Tim Means (17-3-1) oder Justin Salas (10-3) eine Siegesserie in der UFC starten. Beide Kämpfer debütierten bei UFC on Fuel TV 1 und konnten ihren jeweiligen Gegner nach Punkten bezwingen.

Vor dem Kampf zwischen Means und Salas wird Buddy Roberts (11-2) seine zweite Chance auf einen Sieg in der UFC bekommen. Roberts hat seinen ersten Auftritt allerdings nicht verloren – er kam gar nicht erst zustande, da sein Gegner sich wenige Minuten vor Beginn während des Aufwärmens verletzte. Gegen den ebenfalls debütierenden Nova Uniao-Kämpfer Caio Magalhaes (5-0) wird Roberts aber nun voraussichtlich doch noch die Gelegenheit bekommen, sich im Octagon zu beweisen.

Zuvor steigt Henry Martinez (8-2) ins Octagon, der nach seinem kurzfristig zustandegekommenen Debüt und der damit einhergehenden Niederlage gegen Weltergewichtler Matt Riddle wieder in seiner eigentlichen Gewichtsklasse, dem Leichtgewicht, antreten wird. Dort wird Bernardo Magalhaes (11-2) auf ihn warten, der sein Debüt in der Organisation ebenfalls verloren hat.

Im ersten Kampf des Abends wird es für Jake Hecht (11-3) und Sean Pierson (11-6) möglicherweise um ihren Verbleib in der Organisation gehen. Hecht war die meiste Zeit seiner bisher zwei Kämpfe andauernden UFC-Karriere auf der Verliererstraße unterweges, konnte in seinem ersten Auftritt allerdings in Runde zwei doch noch den überraschenden Sieg gegen Rich Attonito sichern. Gegen TJ Waldburger gelang ihm dieses Kunststück im März dieses Jahres allerdings nicht: Der BJJ-Spezialist zwang ihn bereits in der ersten Runde zur Aufgabe.

Pierson dagegen überzeugte zwar in seinem Debüt, einer einstimmigen Punktentscheidung gegen Matt Riddle, wurde danach allerdings sowohl von Jake Ellenberger brutal KO geschlagen als auch von Dong Hyun Kim ausgepunktet, weshalb er in der UFC zur Zeit einen noch kritischeren Stand hat, als Jake Hecht.

Das gesamte Programm lautet wie folgt:

UFC on FX 3
8. Juni 2012
BankAtlantik Center in Sunrise, Florida, USA

Hauptkämpfe
Demetrius Johnson vs. Ian McCall
Erick Silva vs. Charlie Brenneman
Mike Pyle vs. Josh Neer
Eddie Wineland vs. Scott Jorgensen

Vorkämpfe
Seth Baczynski vs. Lance Benoist
Mike Pierce vs. Carlos Eduardo Rocha
Leonard Garcia vs. Matt Grice
Dustin Pague vs. Jared Papazian
Tim Means vs. Justin Salas
Buddy Roberts vs. Caio Magalhaes
Henry Martinez vs. Bernardo Magalhaes
Jake Hecht vs. Sean Pierson