Vorberichte

Zwei Turniere und Superfights en masse

Die Teilnehmer des MMA-Turniers: Martin Zawada, Davit Koberidze, Krzysztof Jotko und Florian Loewke (v.l.n.r.). (Alle Fotos: Mark Bergmann/GroundandPound)

Am Samstag ist es soweit: Die Merseburger Fightnight geht in die fünfte Runde. Was Veranstalter Ingo Baberski hier in den letzten Jahren aufgebaut hat, sucht seinesgleichen. Praktisch aus dem Nichts hat er die Region zum Anlaufpunkt für Kampfsportfans aus ganz Deutschland umfunktioniert, mit Fightcards, die sich sehen lassen können. Auch in diesem Jahr ist das nicht anders.

Gago Drago vs. Baker Barakat
Den großen Hauptkampf des Abends bildet das K-1-Duell zweier spektakulärer Kickboxer. Der Deutsch-Syrer Baker Barakat und der armenisch-holländische K-1 MAX-Veteran Gago Drago werden einem Event mit insgesamt 23 Kämpfen die Krone aufsetzen. Für Drago soll der Kampf ein Neuanfang werden, er hatte zuletzt fast ausschließlich Niederlagen einstecken müssen. Gut für die Zuschauer ist dabei aber seine Einstellung:

„Ich versuche, bei jedem Kampf eine harte Schlacht zu liefern. Wenn ich gewinne, dann ist das gut. Wenn ich verliere, ist das aber auch okay. Hauptsache ich liefere eine gute Show ab und die Zuschauer sind glücklich“, so Drago im Interview mit GroundandPound.

Baker Barakat hatte sich gemeinsam mit Ex-WBO-Boxweltmeister Robert Stieglitz vorbereitet und erst vor wenigen Wochen einen WBU-WM-Kampf in Malta bestritten. Dort unterlag er dem Briten Scott Dixon jedoch knapp, geteilt nach Punkten. Es wird sich zeigen, ob er den Kopf nun frei hat, für seinen Kampf gegen Drago.

„Ich betrachte und betreibe beide Sportarten und Stile völlig getrennt voneinander“, erklärte er im GroundandPound-Interview. „Meine Kämpfe waren und sind nie langweilig und ich habe aufgrund meines Stils schon immer für Action im Ring gesorgt. Das wird diesmal nicht anders, eher noch spektakulärer!“

Baker Barakat vs. Gago Drago
Das K-1-Turnier
Im Fokus des gesamten Events steht ein großes, mit acht Kämpfern besetztes K-1-Turnier, dessen glücklicher Gewinner nach drei Siegen an einem Abend mit 10.000 US-Dollar nach Hause gehen wird. Dabei kommt es bereits im Viertelfinale zu einem brisanten Rückkampf: Danyo Ilunga trifft auf Wendell Roche, dem er im März 2011 überraschend den Schwergewichtstitel von It’s Showtime! abnehmen konnte. Ob ihm der Sieg über Roche auch im Rückkampf gelingen kann?

„Ich denke schon, dass (Roche) anders an den Kampf herangehen wird, aber auch ich habe mich weiterentwickelt“, so Ilunga gegenüber GroundandPound. „Meine Strategien sind nun auch auf die aktuellen Situationen der Gegner angepasst. Mittlerweile haben wir einen richtig guten Gameplan. Ist alles sehr professionell geworden.“

Danyo Ilunga vs. Wendell Roche
Die weiteren Turnierpaarungen können sich ebenfalls sehen lassen: Golden Glory Berlin-Fighter Uguz Övgür trifft, ebenfalls im Pool von Ilunga und Roche, auf den Duisburger Vladimir Toktasynov. Der sieht sehr gute Chancen für sich im Turnier:

„Keine Frage, Danyo Ilunga ist ein sehr starker Kämpfer. Aber im Schwergewicht stehen für jeden Kämpfer die Chancen offen. Sollten wir im Halbfinale aufeinander treffen, dann wird das ein sehr interessanter Kampf werden“, erklärte er GroundandPound.

In Gruppe eins bekommt es Martin Jahn mit Senad Hadzic zu tun, im zweiten Viertelfinale treffen sich das Schweizer „Eisenknie“ Slavo Polugic und Superkombat-Fighter Utley Meriana. Interessant hier: Polugic stand im vergangenen Jahr sowohl mit Hadzic als auch mit Toktasynov im Ring – beide Kämpfe konnte er gewinnen. Kommt er an Meriana vorbei, wären hier zwei interessante Rückkämpfe möglich.

Auch die beiden Reservekämpfe für das Turnier können sich sehen lassen. Im ersten Duell kämpft der sympathische Puncher „Machine Gun“ Steven Kitzing auf den Dortmunder Fight Lounge-Fighter Romano Romasco. Den zweiten Reservekampf bestreiten der Magdeburger „Bomber“ Jerry Otto und Marco Piques Bruder Sergio.

Das MMA-Turnier
In den Vergangenen Monaten hat GroundandPound häufig über dieses Vier-Mann-Turnier berichtet. Es ist zweifelsohne das bestbesetze deutsche Mittelgewichts-MMA-Turnier der vergangenen Jahre. Zwar ist von der Originalbesetzung nur Martin „King Kong“ Zawada übriggeblieben, der Qualität der Kämpfe hat dies aber sicher nicht geschadet. Die deutsche Nummer drei im Mittelgewicht bekommt nämlich starke Konkurrenz, mit dem ungeschlagenen Polen Krzysztof Jotko, dem Dortmunder Shootingstar Fabian Loewke sowie dem Georgier Davit Koberidze. Der Turniersieger erhält 3.000 US-Dollar.

Während Zawada im Halbfinalkampf mit Koberidze einen vermeintlich einfachen Gegner zugelost bekommen hat, steht Loewke mit Jotko vor dem bislang schwersten Fight seiner Karriere.

“Kryzstof Jotko ist ein sehr starker Typ”, stimmt Loewke im Interview zu. “Der bislang stärkste, dem ich im Ring gegenüberstand. Er geht klar als Favorit in den Kampf, aber in einem Turnier ist alles möglich. Ich bin dadurch nur noch motivierter, weil ich seine Siegesserie brechen will.”

Kryzstof Jotko vs. Fabian Loewke
Martin Zawada ist der einzige im Starterfeld, der bereits Turniererfahrung vorweisen kann, stand bereits zweimal in einem Turnierfinale – und scheiterte beide Male.

„Das ist auch der Grund, warum mich dieses Turnier motiviert hat“, verriet er GroundandPound. „Als erstes möchte ich natürlich eine bessere Leistung als im letzten Kampf (gegen Abu Azaitar, d. Red.) zeigen, ich war damit sehr unzufrieden und will es mir jetzt beweisen. Und vor allem ist es an der Zeit, auch mal ins Finale zu kommen und dieses zu gewinnen, denn wenn man im Finale knapp nach Punkten verliert, ist das schlimmer, als wenn man vorher ausscheidet.“

„Als Favorit sieht sich der Düsseldorfer dennoch nicht: "Ich sehe mich nie als Favorit. Wenn die Leute das so sehen, dann bestimmt, weil ich schon viele Kämpfe und einige Turniere hinter mir, und auch gegen europäische Top-Leute gefightet habe. Aber persönlich betrachte ich mich nie als Favorit. Es ist ein Tournament - und das hat eigene Regeln. Es kann alles passieren.“

Martin Zawada vs. Davit Koberidze
Den Reservekampf für das Turnier bestreiten der Lokalmatador Thomas Wichmann und der bulgarische Ringer aus der Fightfabrik Bremerhaven, Veselin Dimitrov.

Die Superfights
Zusätzlich zum großen Hauptkampf und den beiden Turnieren befinden sich noch vier weitere Superfights im Kickboxen auf der Fightcard. Den Beginn machen der Geraer Peter Bäumler und der Kölner Türke Mahmut Yesilat.

Anschließend trifft der Merseburger Lokalmatador Peter Chobanov auf den aktuellen I.K.B.O. Thaibox-Europameister Mikail Bajramov – seine bisher schwerste Aufgabe. Wer Chobanov schon einmal gesehen hat weiß, was ihn erwartet: brutale Ellenbogenattacken und dauerhafter Vorwärtsgang. Mit Bajramov ist jedoch nicht zu spaßen, er hat klare Vorteile in Sachen Erfahrung und ist ebenfalls dafür bekannt, im Ring brandgefährlich zu sein.

Mikail Bajramov vs. Peter Chobanov
Hochklassig wird es auch im Duell zwischen dem unglaublich erfahrenen Alban Ahmeti, der fast schon Dauergast bei der Merseburger Fightnight ist, und dem aggressiven Golden Glory Berlin-Fighter Onur Karaoglan.

Der vierte und vielleicht spannendste Superfight des Abends ist die Begegnung zwischen dem Berliner Hoffnungsträger und WKA-Weltmeister Max Baumert sowie dem erfahrenen „Scharfschützen“ Marco Pique – ein klassisches Duell Alt gegen Jung.

„(Pique) ist ein bekannter Kämpfer und es wird auch meinen Bekanntheitsgrad vergrößern, wenn ich ihn besiegt habe, deswegen freue ich mich auf den Kampf“, erklärte der 20-jährige Baumert GroundandPound. „Er ist ein erfahrener Thaiboxer, ich werde also viel Druck nach vorne machen.“

Pique sieht all das gelassen. Kein Wunder, mit über 80 Kämpfen im Startbuch. Er erklärte im Interview: „Verglichen mit Baumert bin ich in diesem Kampf der deutlich erfahrenere Mann, und diese Erfahrung werde ich nutzen, um den Kampf zu gewinnen.“

Zuletzt lief es für den 32-jährigen „Sniper“ jedoch wenig erfolgreich. Am Samstag hat er dennoch keinesfalls vor, die Fackel an den jüngeren Baumert zu übergeben. Stattdessen will er noch einmal voll durchstarten: „So ist das eben im Kampfsport: Mal gewinnt man, mal verliert man. Am 08. September werde ich damit beginnen, eine neue Siegesserie zusammenzustellen.“

Marco Pique vs. Max Baumert
Das Vorprogramm
Auch das Vorprogramm hat es in sich. Drei Paarungen im K-1 und zwei MMA-Fights eröffnen die 5. Merseburger Fightnight. Besondere Erwähnung finden hier vor allem drei Namen:

Erstens, Ali Hassan aus Rathenow, der im März überraschend Phillip Schranz im Hauptkampf von Superior FC in der ersten Runde durch T.k.o. besiegen konnte. Er trifft auf den Dortmunder Nicolas Villalon, der im dritten MMA-Kampf endlich seinen ersten Sieg einfahren möchte.

Zweitens, das blutjunge Merseburger K-1-Nachwuchstalent Ronny Kiolbasa, der mit bezaubernder Technik und eiserner Disziplin sicher eine vielversprechende Karriere vor sich haben dürfte. Kiolbasa steigt gegen Anh Pham Hoang in den Ring.

Und nicht zuletzt Christopher Grolle, ein Knock-out-Garant vom Martial-Arts-Team-Schiller, der im Mai, bei der III. la familia Fightnight, den Lokalmatador Phillip Müller, und nur zwei Monate später bei der Ludus Magnus Fightnight Stephan Tempelhof spektakulär K.o. schlagen konnte. Grolle ist Deutscher Meister der WAKO und trifft am Samstag im Vorprogramm auf Hozan Mohammed aus Leipzig.

Die 5. Merseburger Fight Night wird präsentiert von Top League Germany und findet am 8. September in der Rischmühlenhalle Merseburg statt. Eurosport überträgt ausgewählte Kämpfe des Events am 27. September 2012. Das Streaming-Portal Blustop überträgt den gesamten Event live im Internet. Weitere Informationen zur Show und Anfahrt, findet sich unter www.merseburger-fight-night.de.

Die gesamte Fightcard, inklusive des offiziellen Gewichts der Kämpfer (in Kilogramm), im Überblick:

5. Merseburger Fightnight
8. September 2012
Rischmühlenhalle in Merseburg, Sachsen-Anhalt

Einlass: 16:00 Uhr
Beginn: 18:00 Uhr

K-1-Turnier Finalkampf
Sieger Halbfinale 1 vs. Sieger Halbfinale 2

K-1-Superfight
Gago Drago (73,9) vs. Baker Barakat (74,2)

MMA-Turnier Finalkampf
Sieger Halbfinale 1 vs. Sieger Halbfinale 2

K-1-Superfights
Max Baumert (72,6) vs. Marco Pique (72,7)
Alban Ahmeti (*) vs. Onur Karaoglan (74,3)
Peter Chobanov (71,0) vs. Mikail Bajramov (71,4)

K-1-Turnier Halbfinalkämpfe
Sieger Viertelfinale 1 vs. Sieger Viertelfinale 2
Sieger Viertelfinale 3 vs. Sieger Viertelfinale 4

K-1-Superfight
Peter Bäumler (78,9) vs. Mahmut Yesilat (*)

MMA-Turnier Reservekampf
Thomas Wichmann (83,0) vs. Veselin Dimitrov (*)

K-1-Turnier Reservekämpfe
Jerry Otto (*) vs. Sergio Pique (+91)
Steven Kitzing (*) vs. Romano Romasco (91,0)

MMA-Turnier Halbfinalkämpfe
Martin Zawada (84,4) vs. Davit Koberidze (82,7)
Fabian Loewke (84,7) vs. Krzysztof Jotko (83,6)

K-1-Turnier Viertelfinalkämpfe
Gruppe 2
Danyo Ilunga (96,9) vs. Wendell Roche (102)
Uguz Övgür (108) vs. Vladimir Toktasynov (104)

Gruppe 1
Martin Jahn (100,9) vs. Senad Hadzic (112)
Slavo Polugic (103,9) vs. Utley Meriana (93,8)

Vorprogramm K-1
Ali El Saleh (*) vs. Maik Brändel (62,8)
Hozan Mohammed (*) vs. Christopher Grolle (87,2)
Ronny Kiolbasa (60,8) vs. Anh Pham Hoang (59,8)
Felix Schmidt (81,0) vs. Maik Mittasch (*)

Vorprogramm MMA
Ali Hassan (71,0) vs. Nicolas Villalon (68,4)

* Die Kämpfer reisen erst am Kampftag an und werden unmittelbar vor dem Event gewogen.