Vorberichte

Vorschau auf UFC 112

Ihre weltweite Expansion hat die UFC schon nach Großbritannien, Kanada, Deutschland und Australien geführt. An diesem Samstag, dem 10. April, machen Dana White & Co. erstmals in den Vereinigten Arabischen Emirate Halt. UFC 112 wird nicht nur die erste Veranstaltung der UFC im Nahen Osten sein, sondern auch die erste unter freiem Himmel. Nicht einer, sondern gleich zwei Gürtel werden in Abu Dhabi auf dem Spiel stehen – Anderson Silva und BJ Penn, zwei der Gewichtsklassen übergreifend besten Kämpfer der Welt, werden versuchen, ihre Regentschaft fortsetzen.

UFC Mittelgewichtschampion Anderson Silva trifft auf einen Herausforderer, den bis zur Bekanntgabe des Kampfes kaum jemand auf der Rechnung hatte: Demian Maia. Maia wurde im August 2009 von Nate Marquardt in 21 Sekunden böse ausgeknockt und kehrte im Februar dieses Jahres mit einem einstimmigen Punktsieg über Dan Miller erfolgreich zurück. Dies rechtfertigt noch lange keinen Titelkampf, aber da die ursprünglichen Herausforderer Chael Sonnen und Vitor Belfort verletzungsbedingt absagen mussten, war Maia die vertretbarste Wahl. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Über Silva braucht man keine großen Worte mehr zu verlieren. Er hält in der UFC die Rekorde für die meisten Siege hintereinander (zehn) und die meisten Titelverteidigungen hintereinander (fünf). Zweimal machte er bereits Ausflüge ins Halbschwergewicht, die beide mit KO-Siegen in der ersten Runde endeten. Und Silva gehört zu den besten Strikern der Welt. Maia hingegen ist zweifelsohne einer der besten Bodenkämpfer der Welt. Er gewann nicht nur unzählige Turniere auf höchstem Niveau, sondern versteht es auch, seine Fähigkeiten auf der Matte in den Käfig zu übertragen. Viermal holte er sich in der UFC bereits den Bonus für den „Besten Aufgabegriff des Abends“. Sollte es ihm gelingen, Silva zu Boden zu bringen, darf er sich durchaus Chancen auf einen Upset ausrechnen. Doch dazu muss er erst an den variablen Kicks, den schnellen Schlagkombinationen und dem mörderischen Thaiclinch Silvas vorbei.

Auch UFC Leichtgewichtschampion BJ Penn geht gegen seinen Herausforderer Frank Edgar als haushoher Favorit ins Rennen. Der Hawaiianer hat seit acht Jahren keinen Kampf mehr im Leichtgewicht verloren und liebäugelt schon wieder mit einem Wechsel hoch ins Weltergewicht. Was kann Edgar besser als Diego Sanchez, Kenny Florian und Sean Sherk, die alle von Penn deklassiert wurden? Boxen, reines Boxen. Das ist aber auch alles und dürfte eigentlich nicht ausreichen, um einen Weltklassekämpfer wie Penn zu stoppen.

18 Jahre nach seinem ersten MMA-Kampf hat Renzo Gracie endlich seinen Weg in die UFC gefunden. Er kehrt nach einer dreijährigen Pause zurück und trifft bei seinem Comeback gleich auf den dominantesten Weltergewichtschampion in der Geschichte der UFC – Matt Hughes. Etwas Brisanz ist bei diesem Duell zweier Legenden des Sports gegeben, denn Hughes besiegte in seinem letzten Kampf Gracies Musterschüler Matt Serra und demontierte vor vier Jahren Gracies Cousin Royce. Gracie hingegen besiegte Hughes’ ehemaligen Trainer Pat Miletich im selben Jahr – einer von vier UFC-Champions, die dem Brasilianer bereits zum Opfer fielen.

In seinem achten Kampf in der UFC steht Terry Etim, Englands Hoffnung im Leichtgewicht und die Nr. 1 unserer European Top Ten, endlich im Hauptprogramm. Etim ist eigentlich ein Striker, gewann aber elf seiner Kämpfe durch Aufgabe. Diese Vielseitigkeit macht ihn auch für Rafael dos Anjos zu einem gefährlichen Gegner. Der Brasilianer gewann nach einem holprigen Start zwei Kämpfe in Folge und scheint sich immer besser in der UFC einzufügen.

Komplettiert wird das Hauptprogramm von Mark Munoz und dem schlaksigen TUF 3-Gewinner Kendall Grove. Munoz wurde in seinem Debüt von Matt Hamill ausgeknockt, wechselte anschließend ins Mittelgewicht runter und fuhr dort unter Anleitung der Nogueira-Brüder zwei Siege ein. Mit Grove wird der Philippine nun wieder langsam an ernstzunehmendere Gegner herangeführt.

In den Vorkämpfen wimmelt es nur so von Auseinandersetzungen zwischen Engländern und US-Amerikanern, den Abschluss bestreitet aber ein junger Schwede: Alexander Gustafsson, die Nr. 1 unserer European Top Ten im Halbschwergewicht und in neun Kämpfen ungeschlagen, trifft nach seinem fulminanten Debütsieg auf den ebenfalls unbesiegten Phil Davis. Davis ist einer der besten Ringer, die in den letzten Jahren zum MMA-Sport übergegangen sind.

Der stets unterhaltsame Kickboxer Paul Taylor, Gewinner von drei Boni für den „Besten Kampf des Abends“, debütiert bei UFC 112 im Leichtgewicht. Dort begrüßt ihn John Gunderson, der seinen ersten Kampf in der UFC Anfang des Jahres gegen Rafaello Oliveira verlor. TUF 9-Teilnehmer Nick Osipczak vom Team Rough House, noch immer ungeschlagen, kämpft nach seinem Sieg über Matt Riddle auf einen weiteren kräftigen Ringer – Rick Story.

TUF 9-Finalist DaMarques Johnson tritt gegen Brad Blackburn an, der mit einer Kampfbilanz von 3-1 im Octagon zu den besseren Vertretern aus der ehemaligen International Fight League gehört. Paul Kelly kehrt nach seiner Niederlage gegen Dennis Siver zurück, um sich dem Ringer Matt Veach zu stellen, der beim Ultimate Fighter 10 Finale gegen Frank Edgar die erste Niederlage seiner Karriere einstecken musste. Und Mostapha Al Turk bekommt nach Niederlagen gegen Cheick Kongo und Mirko Cro Cop ein kleines Zuckerl von der UFC – den TUF 10-Teilnehmer Jon Madsen, neben Veach ein weiterer Kämpfer aus der HIT Squad von Matt Hughes.