Vorberichte

Vitali Klitschko vs. Dereck Chisora

Fotos: klitschko.com

Während die Liste gescheiterter Klitschko-Gegner immer länger und länger wird, schrumpft der Pool potentieller Herausforderer für die beiden Schwergewichtskönige zusehends. Bevor Multi-Champion Wladimir sich im März dem ausgemusterten Cruisergewicht Jean-Marc Mormeck stellt, verteidigt sein großer Bruder Vitali am Samstag seinen WBC-Gürtel gegen den Briten Dereck Chisora. Steht auch hier das Ergebnis schon vorher fest?

Vermutlich, Chisora ist gut 15 Zentimeter kleiner als Klitschko und passt somit perfekt in das Beuteschema des ukrainischen Brüderpaars, das seit Jahren die Schwergewichtsszene mit langen Jabs und krachenden rechten Geraden leerräumt. Im Gegensatz zu Wladimir-Gegner Mormeck ist Chisora aber wenigstens ein junger und aufstrebender Boxer, kein Auslaufmodell.

Ein Blick auf seine Bilanz lässt einen trotzdem die Stirn runzeln, mit welcher Berechtigung, „Del Boy“ hier in einem Weltmeisterschaftskampf steht. Bis zum Juli vergangenen Jahres war er noch ungeschlagen, im Dezember 2010 sollte deshalb schon eine WM-Chance winken, damals gegen Vitalis Bruder Wladimir. Der verletzte sich jedoch kurz vor dem Kampf, das Duell wurde auf April verschoben – und erneut abgesagt. Als nach langem Hin und Her endlich der lang erwartete Fight zwischen Wladimir Klitschko und Großmaul David Haye zustande gekommen war, musste Chisora sich wieder hinten anstellen.

Nach der unfreiwillig langen Pausen stieg Chisora im Juli gegen Tyson Fury in den Ring, eines der vielversprechendsten Schwergewichte von der Insel. Gegen den deutlich größeren Fury zeigte sich Chisora überfordert, schien in der langen Auszeit einiges an Form eingebüßt zu haben und wirkte übergewichtig und träge. Er verlor einstimmig und deutlich nach Punkten.

Nach einem Aufbausieg im November, bekam Chisora die Chance, für den verletzten Alexander Dimitrenko einzuspringen und gegen Sauerland-Hoffnung Robert Helenius um den vakanten EM-Gürtel der EBU zu boxen. Dabei war er wie ausgewechselt, hatte einige Kilos verloren, war schnell, spritzig und ließ sich von dem Reichweitenvorteil Helenius’ nichts anhaben. Immer wieder passierte er dessen Führhand und landete am Mann harte Treffer. Die Punktrichter gaben den Kampf jedoch umstritten an den Zwei-Meter-Finnen Helenius.

Aber der Kampf hat gezeigt: Chisora kann, wenn er will. Auch gegen größere Gegner.

Ein solcher Gegner ist auch Vitali Klitschko, der den 1,87 Meter großen Briten mit 2,02 Meter um ein ganzes Stück überragt. Der WBC-Champion stand zuletzt im vergangenen September in Warschau im Ring, wo er den Polen Tomasz Adamek deklassieren und in Runde zehn vorzeitig besiegen konnte. Seit 2003 hat es niemand mehr geschafft, Klitschko anzutasten. Es ist fraglich, ob es Chisora gelingen wird.

„Dereck Chisora ist jung, hungrig, wild, er marschiert nach vorne und hat einen harten Punch“, so Klitschko auf der Eröffnungspressekonferenz zum Kampf. „Meiner Meinung nach ist er im Moment der stärkste Herausforderer im Schwergewicht.“

Ist er das? Zwar zeigte der 28-Jährige Normalausleger gegen „Nordic Nightmare“ Helenius, dass er durchaus weiß, wie er mit seinem Reichweitennachteil umgehen muss, doch Klitschko ist kein Helenius. Trainer Fritz Sdunek hat den ukrainischen „Dr. Eisenfaust“ über die Jahre zu einer methodischen Jab-Maschine umgebaut, die sich keine Fehler erlaubt und dementsprechend schwer zu knacken ist.

„Ich fürchte mich nicht vor alten Männern“, erklärte Chisora trotzdem selbstbewusst. „Ich verspreche, dass ich von der ersten Runde an mit 100 Meilen marschieren werde, bis zur achten Runde. Und in der geht Vitali K.O.“

Am Samstag wird man sehen, ob er damit Recht behält. Oder ob er sich stattdessen zu der langen Liste der Klitschko-Opfer gesellen wird und wir weiter auf einen Kampf zwischen Vitali und David Haye warten.

Anbei die gesamte Fightcard im Überblick:

Klitschko vs. Chisora
18. Februar 2012
Olympiahalle in München, Bayern

WBC Weltmeisterschaft im Schwergewicht (ab 22:10 live auf RTL)
Vitali Klitschko vs. Dereck Chisora

Vorprogramm
Johnathon Banks vs. Nicolai Firtha
Stephen Smith vs. Arpad Vass
Serhiy Fedchenko vs. Laszlo Fazekas
Timo Schwartzkopf vs. Andre Deobald
Tony Harrison vs. Andrei Rimer