Vorberichte

UFC Rotterdam: Overeem, Arlovski, Bigfoot und Struve in Aktion

Teamkollegen und Gegner: Alistair Overeem und Andrei Arlovski vor UFC Rotterdam (Foto: Florian Sädler).

Schon vier Monate vor dem gerade angekündigten Debüt des Octagons in Hamburg schlägt die UFC nahe deutscher Grenzen ihre Zelte auf: Vor allem für Fans aus Nordrhein-Westfalen dürfte Rotterdam sogar näher sein als die Hansestadt. Ob sich ein Wochenendtrip zu unseren Nachbarn lohnt? Wir werfen einen kurzen Blick auf die wichtigsten Kämpfe von UFC Rotterdam.

Update: UFC Rotterdam wird in Deutschland sowohl von ran Fighting (3,99 Euro pro Monat für den Black Pass) als auch auf dem UFC Fight Pass (5,99 Euro monatlich auf ufc.tv) gezeigt.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 8. Mai, 16:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 8. Mai, 18 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 8. Mai, 20 Uhr

Hauptkampf: Alistair Overeem vs. Andrei Arlovski

Teamkollege vs. Teamkollege heißt es am Sonntag, wenn Ex-Strikeforce-Champion Alistair „The Reem“ Overeem (40-14-0(1)) und Ex-UFC-Champion Andrei „The Pitbull“ Arlovski (25-11-0(1)) im Hauptkampf von UFC Rotterdam aufeinandertreffen.

Daraus schließt in diesem Fall allerdings nicht, dass hier zwei Freunde gegeneinander im Käfig stehen werden. Overeem und Arlovski, wie beide in den letzten Wochen immer wieder betont haben, sind keine Freunde und haben in weiser Voraussicht auch kaum miteinander trainiert, seit Overeem 2014 dem renommierten Team beigetreten ist.

Am Sonntag geht es ums Geschäft, und da dieses für beide in letzter Zeit ausgesprochen gut lief, steht dabei einiges auf dem Spiel. Arlovski, ehemaliger UFC-Champion und ehemaliges altes Eisen, lieferte zwischen 2014 und 15 eines der überraschendsten Karriere-Comebacks seit langem ab: Nachdem er zwischenzeitlich vier Mal hintereinander verloren hatte, arbeitete sich der Weißrusse zurück in die UFC vor und gewann dort vier Mal hintereinander, u.a. gegen Travis Browne und Frank Mir.

Zwar setzte es Anfang des Jahres eine schnelle K.o.-Niederlage gegen den jetzigen Titelherausforderer Stipe Miocic, in der Rangliste hat sich der „Pitbull“ trotzdem auf Rang fünf festgebissen und will nun gegen seinen Teamkollegen zurück in unmittelbare Titelnähe.

Dort schwirrt Overeem seit Dezember im Vakuum herum, als er Ex-Champion Junior dos Santos spektakulär ausknocken und sich damit seinen bis dato imposantesten UFC-Sieg holen konnte. Nach schockierenden K.o.-Niederlagen gegen Antonio Silva, Travis Browne und Ben Rothwell hat Overeem zuletzt mit drei aufeinanderfolgenden Siegen gegen Stefan Struve, Roy Nelson und dos Santos das Potential wahrgemacht, das er als ehemaliger K1- und Strikeforce-Champion seit jeher innehatte.

Kann Overeem am Sonntag auch Arlovski schlagen, dann dürfte der Titelkampf der nächste logische Schritt sein – dass er ihn nicht schon nach seinem letzten Sieg bekam, liegt wohl vor allem am Timing, denn eine Woche nach Rotterdam wird Stipe Miocic bei UFC 198 um Fabricio Werdums Gürtel antreten. Stattdessen wird Andrei Arlovski nun seine Chance bekommen, im Titelrennen wieder aufzuholen.

Eine brandgefährliche Beschäftigungstherapie also, der sich der „Demolition Man“ da am Wochenende in Holland stellen wird. Ob er sich eine Chance auf die einzige noch fehlende Trophäe in seinem Schrank sichern kann? Ausnahmsweise mal zu humaner Uhrzeit werden wir es erfahren…

Co-Hauptkampf: Antonio Silva vs. Stefan Struve

Auch im zweiten Hauptkampf wird es zwischen zwei schweren Jungs zur Sache gehen, hier allerdings mit nicht weniger hohem, aber dennoch völlig anders geartetem Einsatz: Antonio „Bigfoot“ Silva (19-8-1) und Stefan „Skyscraper“ Struve (26-8) waren beide bereits in Griffweite des UFC-Titels, haben aber zuletzt einen Rückschlag nach dem anderen einstecken müssen und brauchen in Rotterdam unbedingt einen Sieg, um weiter relevant zu bleiben.

Beide haben die letzten Jahre über vergleichbare und doch ganz unterschiedliche Schwierigkeiten überstehen müssen – vor allem gesundheitlich. Während „Bigfoot“ mit einer Akromegalie der vermutlich einzige Kämpfer der UFC ist, der eine Testosteron-Ersatz-Therapie wirklich braucht und diese nach dessen Verbot nun nicht mehr nutzen kann, wurde bei Struve 2013 ein angeborener Herzfehler entdeckt, der ihn lange außer Gefecht setzte.

Seit dem TRT-Verbot hat „Bigfoot“ lediglich einen Kampf gewonnen, im vergangenen August bei UFC 190 gegen Soa Palelei. Auf der gleichen Veranstaltung konnte auch Struve seinen einzigen Sieg seit 2012 holen. Während Silva seit einem K.o.-Sieg gegen Alistair Overeem bei 1-4-1 in der UFC steht, steckt Struve mit 1-3 ähnlich tief in der Misere.

In Rotterdam wird es nun für einen von ihnen endlich wieder bergauf gehen, während der andere noch weiter auf den persönlichen Karrieretiefpunkt zusteuern wird.

„Ich habe mich entschieden, mich durchzukämpfen, und hier bin ich“, verriet uns Struve erst kürzlich im Interview, und für „Bigfoot“ dürfte das gleiche gelten. Allein die Tatsache, dass sie in Rotterdam in den Käfig steigen, verdient Respekt.

Trotzdem: Auch, wenn beide in der Vorbereitung alles richtig gemacht haben, dieser Kampf ist einer von der Art, bei der ein einzelner Fehler alle guten Vorsätze zunichtemachen kann. Weder „Bigfoot“ noch Struve sind bekannt dafür, über die volle Distanz zu gehen und sowohl auf den Beinen als auch auf der Matte gefährlich – Silva mit seinen Backsteinfäusten vor allem im Stand (14 Knockouts), Struve mit seinen langen Beinen besonders auf dem Boden (16 Submissions).

Wenn schon nicht für die Kämpfer, dann sollte das zumindest für die Fans bereits im Vorhinein einen sicheren Sieg bedeuten.

Die weiteren Kämpfe von UFC Rotterdam

Auch, wenn UFC Rotterdam star-technisch nicht übermäßig viel zu bieten hat – ein Duell sollte man neben den beiden Hauptkämpfen nicht verpassen, und das ist im Weltergewicht das Aufeinandertreffen von Albert „Einstein“ Tumenov (18-2) und Gunnar „Gunni“ Nelson (14-2-1).

Grappling-Guru Nelson ist seit jeher allein wegen seiner glaubwürdig lässigen Art beliebt – nach außen getragen durch einen konsequent stoischen Gesichtsausdruck – und arbeitete sich in der UFC seit 2012 mit fünf Siegen nach oben. Zuletzt setzte es jedoch in zweien seiner letzten drei Auftritte Niederlagen, seinen letzten Kampf verlor der Isländer im Dezember überdeutlich nach Punkten gegen den anderen Jiu-Jitsu-Experten der UFC, Demian Maia.

Ein Aufbaugegner wird ihm nach diesem Rückschlag in Rotterdam aber keineswegs gegenüberstehen. Albert Tumenov, obwohl noch immer nicht sonderlich bekannt, dürfte eines der vielversprechendsten Talente der extrem hart umkämpften 77-Kilo-Klasse sein.

Der Kickboxexperte aus Russland hat in der UFC bisher lediglich sein Debüt knapp nach Punkten verloren und seitdem eine Schneise der Verwüstung durch das Weltergewicht gezogen: Fünf Siege, darunter sehr harte Knockouts gegen Anthony Lapsley, Matt Dwyer und Alan Jouban, sprechen ihre eigene Sprache.

Zuletzt hatte Albert „Einstein“ bei UFC 195 gegen Lorenz Larkin zwar mehr Probleme als sonst, konnte sich aber trotzdem einen knappen Punktsieg sichern. Kann er auch gegen den populären Nelson gewinnen, dürfte ihn das in Richtung der Grenze zur Top Ten schicken. Nelson dagegen braucht einen Erfolg gegen Tumenov, um nicht gänzlich aus dem relevanten Teil der Gewichtsklasse abzustürzen.

Ebenfalls nicht verpassen sollte man den Hauptkampf des auf dem Fight Pass übertragenen Teils des Programms, in dem Ex-Titelherausforderer Kyoji „The Supernova“ Horiguchi (16-2) im Fliegengewicht auf den Iren Neil „2Tap“ Seery (16-11) treffen wird.

Horiguchi gilt als eines der größten Talente in der immer noch recht schwachen Fliegengewichtsklasse und wurde als solches früh gegen den dominanten Champion Demetrious Johnson verheizt – dem er zu Beginn ihres Kampfes vor einem Jahr sogar zeitweise Probleme machte, bevor Johnson schließlich einen Rekord aufstellte, indem er Horiguchi eine Sekunde vor Kampfende zum Abklopfen brachte.

Gegen den 36 Jahre alten Seery wird der 24-Jährige Japaner ins Rennen um seinen fünften UFC-Sieg gehen, seinen Kontrahenten allerdings stört das wenig.

Seery hat schon oft betont, keine Angst davor zu haben, getroffen und ausgeknockt zu werden, und das sieht man seinem Kampfstil an: Seery ist ein Arbeiter – sowohl im Käfig als auch außerhalb – und nutzt eine Mischung aus schnellen Händen, Kämpferherz und Kondition, um seine Gegner auszustechen. Drei UFC-Siege in fünf Versuchen geben ihm recht mit seinem Ansatz.

Trotzdem: Mit 36 weiß Seery, dass seine Karriere bald zu Ende sein wird, wie er uns im Vorfeld von UFC Rotterdam im Interview verriet – was bleibt, ist der Stolz, es in diesem Alter noch immer mit den jungen Wilden aufnehmen zu können: „Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass ich den Weg bis heute weitergegangen bin – dass ich mich nach all diesen Jahren noch immer auf dem Weltniveau bewege.“


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC Fight Night 87: Overeem vs. Arlovski
Sonntag, 8. Mai 2016
Ahoy Rotterdam in Rotterdam, Niederlande


Hauptprogramm (ran Fighting)
Alistair Overeem vs. Andrei Arlovski
Antonio Silva vs. Stefan Struve
Albert Tumenov vs. Gunnar Nelson
Germaine de Randamie vs. Anna Elmose
Nikita Krylov vs. Franicmar Barroso
Karolina Kowalkiewicz vs. Heather Jo Clark

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Rustam Khabilov vs. Chris Wade
Magnus Cedenblad vs. Garreth McLellan
Josh Emmett vs. Jon Tuck
Yan Cabral vs. Reza Madadi

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Kyoji Horiguchi vs. Neil Seery
Leon Edwards vs. Dominic Waters
Ulka Sasaki vs. Willie Gates