Vorberichte

UFC Phoenix: Cains Comeback-Tour beginnt gegen Ngannou

Francis Ngannou gegen Cain Velasquez (Foto: ZUFFA LLC)

Zweieinhalb Jahre stand Cain Velasquez nicht mehr im Octagon der UFC. Auch wenn man beim dauerverletzten Schwergewicht nie mit absoluter Sicherheit davon ausgehen kann, wird diese Auszeit aller Voraussicht nach in der Nacht zum Montag enden, wenn er bei der UFC-Premiere auf dem großen Sportsender ESPN den Hauptkampf von UFC Phoenix gegen Francis Ngannou bestreitet.

Das Vorprogramm der UFC Fight Night on ESPN+ 2 wird auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm wird vom UFC Fight Pass und außerdem von DAZN übertragen. Ein Abo kostet dort monatlich 9,99 Euro, der erste Monat ist gratis. Für UFC-Events fallen keine weiteren Kosten an.

Anbei die Startzeiten: 
Vorprogramm (ufc.tv): Sonntag, 17. Februar, 23:30 Uhr
Hauptprogramm (ufc.tv/DAZN): Montag, 18. Januar, 3 Uhr

Der Hauptkampf: Cain Velasquez vs. Francis Ngannou

Cain Velasquez (14-2) ist zurück. Der 35-jährige Ex-Champion hat sich nach mehreren Rücken-Operationen wieder fit gemacht, um noch einmal einen Anlauf auf den Titel zu versuchen und wird sich im ersten Schritt mit dem schlagkräftigen Francis Ngannou (12-3) messen.

Es ist die wohl größte „Was wäre, wenn“-Geschichte des MMA-Sports. Was wäre wohl passiert, wenn Cain Velasquez fit geblieben wäre? Wenn er nach dem zweiten Sieg über Junior dos Santos nicht lange ausgefallen wäre? Hätte er den Titel gegen Fabricio Werdum behalten? Hätte er den Rekord für Titelverteidigungen im Schwergewicht aufgestellt, den nun Stipe Miocic hält? Wäre er zum besten Schwergewicht der MMA-Geschichte geworden? Wir werden es nie herausfinden.

Nun will es der einstige Champion, der bereits mit der WWE liebäugelte, noch einmal wissen. Wenn gesund, war Velasquez eine unaufhaltsame Maschine im Octagon. Unglaublich gutes Ringen gepaart mit schnellen Fäusten und einer Kondition, die im Schwergewicht ihresgleichen suchte, machten Velasquez zu einem unüberwindbaren Hindernis für die Konkurrenz. Nun bleibt abzuwarten, wie viel vom damaligen Cain nach einer derart langen Pause noch vorhanden ist und Ngannou ist dabei ein echter Härtetest.

Der Kameruner ist immer noch der härteste Puncher der Gewichtsklasse und hat nach zwei Niederlagen gegen Miocic und Derrick Lewis, in denen er gar nicht gut aussah, zuletzt wieder seinen Killerinstinkt gefunden, als er Curtis Blaydes in 45 Sekunden besiegte. Der „Predator“ hofft, an den richtigen Stellschrauben gedreht zu haben und sich ein weiteres Mal für einen Titelkampf in Stellung zu bringen. Gegen Velasquez dürften schon die ersten Minuten eine klare Marschrichtung für das Duell vorgeben. Ist Velasquez ansatzweise der alte, dürfte er Ngannou mit seinem Ringen zermürben. Ist er nur noch eine Hülle, hat Ngannou gute Chancen, den Ex-Champion auszuknocken. Egal in welche Richtung, der Ausgang des Kampfes wird in jedem Fall deutlich.

Der Co-Main Event: James Vick vs. Paul Felder

Das kann man über das Leichtgewichts-Duell zwischen James Vick (13-2) und Paul Felder (15-4) nicht sagen, denn die beiden Amerikaner stellen eine auf dem Papier ausgeglichene Begegnung dar, die auch im Käfig in einem engen Kampf münden sollte, den die UFC mittlerweile zum dritten Mal angesetzt hat.

Für Felder war 2018 ein verlorenes Jahr. Der Kämpfer aus Philadelphia war eigentlich nach Siegen über Stevie Ray und Charles Oliveira auf dem besten Weg in die Top-Regionen des Leichtgewichts und hätte beinahe an Stelle von Al Iaquinta gegen Khabib Nurmagomedov um den Titel kämpfen dürfen. Dann wurde ihm sein eigenes Kämpferherz und seine UFC-freundliche Mentalität zum Verhängnis. Denn als Vick vom geplanten Juli-Termin abgezogen wurde, war Felder sofort bereit, eine Gewichtsklasse höher gegen Mike Perry zu kämpfen. Der 33-Jährige verlor dabei seinen einzigen Kampf im letzten Jahr nach Punkten und will nun wieder zeigen, dass er nicht nur ein vorzüglicher Analyst und Kommentator ist, sondern sein Wissen auch noch im Octagon anwenden kann.

Dabei trifft er in Vick auf einen Kämpfer, der mit seiner Körpergröße eigentlich schon längst bei den Weltergewichten kämpfen müsste. Denn die Länge, die er immer besser zu nutzen weiß, reicht gegen die Elite der Gewichtsklasse nicht aus, wie er zuletzt schmerzhaft gegen Justin Gaethje erkennen musste. Vick hat immer noch Probleme, wenn er in den Rückwärtsgang muss und unter Druck gesetzt wird. Das zeigte ihm zuerst Beneil Dariush auf, der ihn ebenfalls K.o. schlug. Der Texaner hat nach jeder seiner Niederlagen eine Serie von vier oder fünf Siegen gestartet. Gegen den geradlinig und vorhersehbar attackierenden Felder könnte es wieder soweit sein.

Die weiteren Kämpfe von UFC Phoenix

Auch die weiteren Kämpfe in Phoenix können überzeugen. So gibt Rickson Gracies jüngster Sohn Kron Gracie (4-0) nach einer zweijährigen Pause sein UFC-Debüt gegen Alex Caceres (14-11). Gracie, der bei Rizin bereits die Ringer Tatsuya Kawajiri und Erson Yamamoto sowie den Grappler Hideo Tokoro besiegen konnte, hat bereits vollmundig getönt, er hätte sich einen besseren Gegner für sein UFC-Debüt gewünscht, mehr Motivation gegen den Ausnahme-Grappler wird Caceres in seinem 20. UFC-Kampf nicht brauchen.

Sportlich hochklassig wird es zum Ende des Vorprogramms, wenn die beiden Top-Bantamgewichte Aljamain Sterling (16-3) und Jimmie Rivera (22-2) aufeinandertreffen. Beide wurden in den letzten 15 Monaten durch einen Head Kick von Marlon Moraes ausgeknockt, kamen im Anschluss zurück auf die Siegerstraße. Rivera besiegte John Dodson, Sterling setzte sich gegen Brett Johns und einem Suloev-Stretch gegen Cody Stamann durch. Sterling hat auf der Matte die Nase vorn, sich in der Vergangenheit jedoch oft in seinen Standkampf verliebt und sich so unnötig um Siege gebracht. Im defensivstarken Rivera bekommt er einen weiteren Härtetest vorgesetzt.

Nicht zu unterschätzen sind zudem die ersten beiden Kämpfe des Hauptprogramms. Der für seine Toughness bekannte Bryan Barberena (14-5) darf erneut seine Nehmerfähigkeiten zur Schau stellen, wenn er von Vicente Luque (14-6-1) gefordert wird, der vor allem in der ersten Runde gefährlich ist. Und in einem Kandidaten für den Kampf des Abends stehen sich die Federgewichte Andre „Touchy“ Fili (18-6) und Myles „Fury“ Jury (17-3) gegenüber.

Das Programm in der Übersicht:

UFC on ESPN 1
17. Februar 2019
Talking Stick Resort Arena in Phoenix, Arizona, USA

Hauptprogramm (UFC.tv/DAZN)
Cain Velasquez vs. Francis Ngannou
Paul Felder vs. James Vick
Cynthia Calvillo vs. Cortney Casey
Alex Caceres vs. Kron Gracie
Bryan Barberena vs. Vicente Luque
Andre Fili vs. Myles Jury

Vorprogramm (UFC.tv)
Jimmie Rivera vs. Aljamain Sterling
Manny Bermudez vs. Benito Lopez
Ashlee Evans-Smith vs. Angela Lee
Scott Holtzman vs. Nik Lentz
Jodie Esquibel vs. Jessica Penne
Renan Barao vs. Luke Sanders
Alexandra Albu vs. Emily Whitmire