Vorberichte

UFC on Fox 2: Evans vs. Davis

Mit diesem Event startet die UFC endgültig auf dem Fernsehsender Fox durch. Anders als beim ersten Abstecher im letzten November, bei dem nur ein Kampf auf Fox selbst zu sehen war, stehen dieses Mal drei Kämpfe auf dem Hauptprogramm: Nach Mittelgewichtskämpfen zwischen Demian Maia und Chris Weidman sowie zwischen Chael Sonnen und Michael Bisping, werden im Halbschwergewicht Rashad Evans und Phil Davis den Hauptkampf bestreiten.

Davor werden sieben weitere Kämpfe im Octagon ausgetragen, das zum ersten Mal im United Center in Chicago aufgebaut wird. Und obwohl das Vorprogramm unter vielen Verletzungen zu leiden hatte, ist es den Matchmakern Joe Silva und Sean Shelby gelungen, einige spannende Kämpfe zusammenzustellen.

Unter Anderem werden Evan Dunham, Jon Olav Einemo und Charles Oliveira zu sehen sein, aber auch einige Newcomer werden dieses Wochenende ihr Debüt geben. Die Vorkämpfe werden in den USA auf dem Fox-Ableger Fuel TV übertragen und hierzulande wie üblich auf ufc.tv zu sehen sein.

Rashad Evans vs. Phil Davis

Rashad Evans und Phil Davis werden am Samstag den Hauptkampf bestreiten. Die beiden sollten ursprünglich schon im August letzten Jahres bei UFC 133 aufeinandertreffen, allerdings verletzte sich Davis und wurde von Tito Ortiz ersetzt.

Für Evans (16-1-1) steht bei diesem Kampf einiges auf dem Spiel. Schon im Mai 2010 wurde er zum Titelherausforderer, als er Quinton "Rampage" Jackson nach Punkten besiegen konnte. Damals hieß der Champion der Halbschwergewichtsklasse noch Mauricio "Shogun" Rua, und obwohl dieser eine ernste Knieverletzung auskurieren musste, entschied sich Evans, seinen Status nicht aufs Spiel zu setzen und auf Ruas Genesung zu warten. Dieser brauchte allerdings unerwartet lange, um wieder einsatzbereit zu sein, und konnte nur einem Kampf Ende März 2011 zustimmen.

Wenige Wochen vor dem angepeilten Datum verletzte sich "Suga Rashad" dann allerdings selbst im Training und musste die Titelchance zähneknirschend absagen. Für Evans sprang dessen damaliger Trainingspartner Jon Jones ein, besiegte Rua äußerst überzeugend und ist seitdem Champion der Halbschwergewichtsklasse.

Die Tatsache, dass Jones in Interviews im Vorfeld des Kampfes einem möglichen Kampf gegen Evans nicht so abgeneigt war, wie es wohl zwischen den beiden Trainingspartnern abgemacht wurde, ließ einen öffentlich geführten Streit zwischen den beiden ausbrechen, der schnell in offene Rivalität umschlug. Verletzungen beiderseits verhinderten bisher einen Kampf zwischen Evans und Jones, falls Evans am Samstag allerdings, nach seinem Sieg gegen Tito Ortiz letzten August, auch Phil Davis schlagen sollte, wird es voraussichtlich in den nächsten Monaten zum Kampf der beiden Streithähne kommen.

Phil Davis (9-0) wird auf dieser Veranstaltung seinen ersten Kampf seit zehn Monaten bestreiten. Das letzte Mal war der talentierte Ringer der Pennsylvania State University gegen Rogerio Nogueira zu sehen, den er einstimmig nach Punkten bezwang. Zuvor konnte er sich gegen Tim Boetsch, Rodney Wallace und Alexander Gustafsson durchsetzen sowie Brian Stann eine Gewichtsklasse tiefer schicken.

Gegen Nogueira überzeugte er allerdings nicht alle Zuschauer; im Stand schien sich der gelernte Ringer nicht besonders sicher zu fühlen und besonders in der ersten Runde gelang es ihm nur mit äußerster Mühe, seinen Gegner zu Boden zu bringen.

Gegen den weitaus erfahreneren Evans könnten solche Schnitzer ein ernstes Problem werden, allerdings hatte Davis seit diesem Kampf trotz seiner Verletzung viel Zeit, um an solchen Schwächen zu arbeiten. Sollte er sich stark genug verbessert haben und Evans besiegen, wird er zwar aller Voraussicht nach keinen sofortigen Titelkampf bekommen, aber einen riesigen Schritt in diese Richtung gemacht haben.

Michael Bisping vs. Chael Sonnen

Anstelle des polarisierenden Engländers Bisping sollte eigentlich Mark Munoz auf den ehemaligen Titelherausforderer Chael Sonnen treffen, dieser verletzte sich allerdings am Ellbogen und musste vom Kampf zurücktreten. Michael Bisping, der sowieso auf dem Programm stand und gegen Demian Maia kämpfen sollte, wurde daher hochgezogen und bekommt nun die Chance, sich gegen Chael Sonnen seinen langersehnten Titelkampf zu verdienen.

Bisping (22-3) hat sich in der UFC bisher ein ansehnliches Resumee von 12 Siegen bei nur drei Niederlagen erarbeitet. Aufgrunddessen stand er schon mehrere Male in Reichweite eines Titelkampfes, scheiterte aber immer auf den letzten Metern.

In der gleichen Position befindet sich der selbstbewusste Engländer momentan schon wieder, es wird also interessant zu sehen sein, ob Bisping sich letztendlich gegen einen als Topkämpfer eingestuften Gegner durchsetzten kann.

Nach Niederlagen gegen Rashad Evans, Wanderlei Silva und einem vernichtenden, von Dan Henderson herbeigeführten KO ist das nämlich der größte Kritikpunkt, mit dem Bisping sich auseinandersetzen muss: Seine Siege kamen hauptsächlich gegen Gegner zustande, die in den Rankings unter ihm stehen.

Zur Zeit befindet er sich nichtsdestotrotz auf einer Siegesserie, während der er Dan Miller, Yoshihiro Akiyama, Jorge Rivera und Jason Miller überzeugend besiegte, und falls er auch Chael Sonnen zu dieser Liste hinzufügen kann, wird er schlussendlich doch noch den schon lange von ihm geforderten Titelkampf bekommen.

Mit Sonnen (26-11-1) trifft Michael Bisping auf einen Kämpfer, der schon an diesem Punkt angelangt war. Nach Siegen u.a. gegen Dan Miller, Yushin Okami und Nate Marquardt sollte Sonnen im August 2010 auf Anderson Silva treffen, was zunächst nur wenige Fans begeistern konnte; kaum jemand gab dem erfolgreichen Ringer eine reelle Chance gegen den seit Jahren dominanten Silva, den Sonnen in einer in der UFC bis dato nie gesehenen Trash Talk-Kampagne monatelang provozierte und damit die größtmögliche Aufmerksamkeit und Kontroverse erreichte, die diese Paarung generieren konnte.

Was auch immer man von Sonnen hielt, den tatsächlichen Kampfverlauf hätte wohl niemand so erwartet. Sonnen gelang es, den für sein Muay Thai bekannten Silva im Stand mehrfach zu treffen, wieder und wieder den Takedown zu bekommen, und den Champion Runde für Runde mit seinem Ringen zu kontrollieren. Nur wenige Minuten vor Ende des Kampfes kam dann allerdings die Wende: Silva gelang es, Sonnen in einem Triangle Choke zu erwischen und brachte ihn zum Abklopfen.

Die MMA-Welt war geschockt, und aufgrund des Kampfverlaufes wurde Sonnen ein sofortiger Rückkampf zugesprochen. Dieser musste allerdings abgesagt werden, da Sonnen aufgrund rechtlicher Schwierigkeiten und einer nicht ordnungsgemäß angemeldeten Testosterontherapie seine Lizenz verlor, die er erst Mitte 2011 wiederbekam. Seinen ersten Kampf nach der Sperre gewann er dann im Oktober gegen Brian Stann, der Sonnens Ringen nichts entgegenzusetzten hatte und schließlich in der zweiten Runde getappt wurde.

In diesem Kampf wird sich entscheiden, ob Sonnen letztendlich doch seine zweite Chance gegen Silva gewährt wird, oder ob Michael Bisping die Möglichkeit bekommen wird, der erste englische UFC-Champion zu werden.

Demian Maia vs. Chris Weidman

Das Trainingscamp des 34-jährigen Brasilaners Demian Maia war eigentlich auf den eben erwähnten Michael Bisping ausgelegt, da dieser aber nun gegen Chael Sonnen antreten wird, muss Maia, gegen den kurzfristig eingesprungenen Chris Weidman, mit einem starken Ringer zurecht kommen.

Seine UFC-Karriere begann Maia im Jahr 2007 und hinterließ in seinen ersten fünf Kämpfen regelmäßig offene Münder, da er jeden seiner Gegner vorzeitig durch Aufgabegriffe besiegen konnte, unter anderem fielen Jason MacDonald und Chael Sonnen diesen Griffen zum Opfer.

Einen desaströsen 21-Sekunden KO gegen Nate Marquardt in seinem sechsten UFC-Auftritt verdaute Maia recht gut und bezwang Anfang 2010 Dan Miller nach Punkten, was ihm einen Titelkampf gegen Anderson Silva einbrachte.

Gegen diesen ging er zwar über die Distanz, gab aber nach fünf Runden die Punktentscheidung an den Champion ab. Seitdem erkämpfte sich der BJJ-Schwarzgurt eine Statistik von 3-1; unter anderem brachte er sich mit einem Sieg über Jorge Santiago wieder zurück auf Erfolgskurs, nachdem er sich zuvor in einem sehr knappen Kampf Mark Munoz nach Punkten geschlagen geben musste.

Chris Weidman wird mit weniger als zwei Wochen Vorbereitungszeit gegen Maia ins Octagon steigen, allerdings scheinen ihm solche Umstände wenig auszumachen. Für sein Debüt in der Organisation hatte er im März 2010 ebenfalls nur zwei Wochen zuvor als Ersatz für Rafael Natal unterschrieben, was ihn jedoch nicht daran hinderte, den italienischen Veteranen Alessio Sakara drei Runden lang zu dominieren.

Seinen nächsten Kampf bestritt er ebenfalls als Ersatz, doch auch hier konnte er seinen Gegner besiegen. Dieses Mal traf es Jesse Bongfeldt, der wenige Sekunden vor Ende der ersten Runde mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe gebracht wurde. Seinen ersten regulär angesetzten Kampf gewann Weidman anschließend letzten November nach zwei Minuten der ersten Runde, indem er Tom Lawlor mit einem D'arce Choke Schlafen schickte.

Falls er am Samstag auch Demian Maia besiegen kann, würde das Weidman in den Rankings ein gutes Stück weiter nach oben hieven, während für Maia ein Sieg gegen den aufstrebenden Newcomer Pflicht ist, wenn er in näherer Zukunft noch einmal in Richtung Titelkampf blicken möchte.

Vorprogramm (Fuel TV)

Die Vorkämpfe werden von einem Leichtgewichtsduell zwischen Evan Dunham und Nik Lentz angeführt. Dunham (12-2) galt lange als eines der vielversprechendsten Talente im Leichtgewicht der UFC, zwei aufeinanderfolgende Niederlagen ließen seinen Stern jedoch wieder etwas sinken. Im September 2011 gelang ihm gegen Shamar Bailey dann das Comeback.

Für Nik Lentz (21-4-2(1)) lief es in letzter Zeit weniger gut. Nachdem es in seinen ersten sechs UFC-Kämpfen niemandem gelungen war, ihn zu schlagen, verließ er das Octagon im Jahr 2011 zwei Mal als Verlierer, gegen Mark Bocek und Charles Oliveira. Da die Niederlage gegen Oliveira aber zum großen Teil durch ein unerlaubtes Knie verursacht wurde, ist dieser Kampf inzwischen zu einem No Contest erklärt worden. Dennoch konnte Lentz im letzten Jahr nur einen seiner Kämpfe gewinnen, und sollte er in Chicago erneut verlieren, könnte seine UFC-Karriere vorerst zuende gehen.

Vor den beiden Leichtgewichten werden mit Mike Russow und Jon Olav Einemo zwei Schwergewichte versuchen, sich die Rankings emporzuarbeiten. Russow (14-1(1)) könnte als der Aufräumer in der Schwergewichtsklasse bezeichnet werden - er ist in der UFC noch unbesiegt und jeder seiner Gegner wurde nach der Niederlage gegen ihn entlassen. Dieses Schicksal traf sowohl Justin McCully, als auch Todd Duffe und Jon Madsen. Mit etwas Pech könnte es dem norwegischen Grappling-Experten John-Olav Einemo (6-2) ähnlich gehen, da er sein UFC-Debüt im Juni 2011 verlor. Danach wurde er schon einmal entlassen, was allerdings auf Unstimmigkeiten zwischen der UFC und Einemos Management, Golden Glory, zurückzuführen war und inzwischen revidiert wurde.

Vor dem Schwergewichtskampf sollte eigentlich Johnny Bedford auf den kanadischen Newcomer Mitch Gagnon treffen, diese Begegnung musste am Mittwoch allerdings aufgrund von Visa-Problemen abgesagt werden.

In der Federgewichtsklasse sind dafür zwei Männer aufeinander angesetzt, für die ihr Kampf nicht nur "business as usual" ist. Sowohl George Roop (12-8-1), als auch Cub Swanson (15-5) feuern seit Wochen über Twitter verbale Breitseiten aufeinander ab. Das beide ihren letzten Kampf verloren haben, dürfte die Intensität am Samstag noch ein Stück weiter hochtreiben.

In der gleichen Gewichtsklasse wird auch der Brasilianer Charles Oliveira (14-2-(1)) versuchen, seine Statistik wieder in den grünen Bereich zu befördern. Nach einigen vielversprechenden Siegen kann er in seinen letzten drei Kämpfen nur zwei Niederlagen und den bereits erwähnten No Contest gegen Nik Lentz vorweisen. Gegen den Debütanten Eric Wisely (19-6) muss daher nach einem Gewichtsklassenwechsel wieder ein Erfolg her. Für Wisely ist dieser Kampf natürlich eine enorme Chance; ein Sieg würde ihn sofort in der Federgewichtsklasse etablieren.

Ähnlich unter Zugzwang wie Oliveria, stehen auch die beiden Leichtgewichte Michael Johnson (9-6) und Shane Roller (10-5). Sowohl der WEC-Veteran Roller, als auch TUF-Finalist Johnson gingen in ihrer bisherigen UFC-Karriere 1-2 und könnten nach einer weiteren Niederlage vor die Tür gesetzt werden.

Der zweite Kampf des Abends wird ein weiteres Mal in der Schwergewichtsdivision ausgetragen: Joey Beltran (13-6) begrüßt dabei Strikeforce-Veteran Lavar Johnson (15-5) in der UFC.

Im Eröffnungskampf kämpfen die Mittelgewichte Chris Cammozi (15-5) und Dustin Jacoby (6-1) um ihren Job, die beide ihre jeweiligen Kämpfe im Vorprogramm von UFC 137 verloren haben

UFC on Fox 2: Evans vs. Davis
28. Januar 2012
United Center in Chicago, Illinois, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rashad Evans vs. Phil Davis
Chael Sonnen vs. Michael Bisping
Demian Maia vs. Chris Weidman

Vorprogramm (ufc.tv)
Evan Dunham vs. Nik Lentz
Mike Russow vs. Jon Olav Einemo
Cub Swanson vs. George Roop
Charles Oliveria vs. Eric Wisely
Michael Johnson vs. Shane Roller
Joey Beltran vs. Lavar Johnson
Chris Camozzi vs. Dustin Jacoby