Vorberichte

UFC Boston: Dillashaw, Cruz, Alvarez und Pettis in Aktion

T.J. Dillashaw trifft in der Nacht von Sonntag auf Montag auf seinen Rivalen Dominick Cruz (Foto: Zuffa LLC).

Ein Titelkampf für lau? Nicht nur amerikanische UFC-Fans haben an diesem Wochenende Grund zur Freude: Auch in Deutschland kann man, zumindest als Fight-Pass-Abonnent, das Duell zwischen T.J. Dillashaw und Dominick Cruz ohne zusätzliche Kosten verfolgen. In Boston werden die beiden Rivalen in der Nacht von Sonntag auf Montag aufeinandertreffen und dürften einige Fragen klären, auf deren Antworten wir seit Jahren warten. Außerdem sind bekannte Gesichter wie Anthony Pettis, Edie Alvarez, Travis Browne und Ross Pearson mit von der Partie.

Das Hauptprogramm der 81. UFC Fight Night wird in Deutschland auf dem UFC Fight Pass und ran Fighting gezeigt.
Während die Übertragung für Fight Pass-Kunden (ab 5,99 Euro monatlich) kostenlos ist, verlangt ran Fighting 9,99 Euro, dafür ist jedoch keine Anmeldung nötig.
Das Vorprogramm wird ausschließlich auf dem UFC Fight Pass gezeigt.

Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Montag, 18. Januar, 0 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Montag, 18. Januar, 2 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass oder ran Fighting): Montag, 18. Januar, 4 Uhr

Hauptkampf

Kann er es noch? Kann er es wieder? Seit Oktober 2011 haben wir Dominick „The Dominator“ Cruz (20-1) eine ganze Minute lang im Octagon gesehen, letztlich warf seine 61 Sekunden lange Zerstörung von Takeya Mizugaki im September 2014 aber mehr Fragen auf als sie beantwortete.

Er kann es noch, haben wir damals gelernt, aber reicht das noch für den Gürtel? Hat der Sport ihn eingeholt? Kann Cruz überhaupt seinen Körper fit halten oder werden brillante Momentaufnahmen auch weiterhin alles bleiben, was wir von ihm zu sehen kriegen? 

1092 Tage war er vor Mizugaki außen vor, und dieser Kampf ist eineinhalb Jahre her. Vertrauen kann Cruz seinem Körper immer noch nicht, eine weitere Knieverletzung zerstörte sein neues Momentum so plötzlich, wie es gekommen war. An diesem Wochenende bekommt er schlussendlich doch noch die Chance, seinen Titel zurückzuerobern, den er nie verloren hat.

Als Cruz im Oktober 2011 einen Herausforderer namens Demetrious Johnson dominant besiegte, bereitete T.J. Dillashaw (12-2) sich gerade auf das Finale der 14. „The Ultimate Fighter“-Staffel vor.

Dillashaw wurde dort von John Dodson ausgeknockt, seitdem aber hat er einen Lauf, der seinesgleichen sucht.  Mit vier Profi-Kämpfen im Gepäck startete Dillashaw im „The Ultimate Fighter“-Haus, mittlerweile stand er zehnmal im Octagon der UFC.

Neben Dodson gelang es nur Raphael Assuncao ihn zu schlagen, und das nur denkbar knapp nach Punkten. Hugo Viana, Mike Easton, Joe Soto und gleich zwei Mal Ex-Champion Renan Barao scheiterten seitdem an Dillashaw, dessen erster Sieg gegen Barao als eine der größten Überraschungen in 2014 gilt. Vor allem, seit der einstige Ringer-Spezialist mit Thaibox-Experte Duane Ludwig arbeitet, sieht Dillashaw im Käfig unaufhaltbar aus.

Dominick Cruz überzeugt das nicht. Dillashaws schicke Beinarbeit, ungewöhnliche Angriffswinkel und effektive Kombinationen kommen dem Ex-Champ bekannt vor – laut Cruz versucht Dillashaw, seinen Kampfstil zu kopieren, habe sich aber neben Barao nie gegen Top-Gegner behauptet. Cruz dagegen wurde für seinen unorthodoxen Stil in der Vergangenheit oft kritisiert, hat damit aber allein in der UFC bereits Top-Leute wie Urijah Faber und Demetrious Johnson geschlagen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag wird sich herausstellen, wer es besser macht. Ist Cruz so gut, wie er mal war? Ist Dillashaw so gut, wie er behauptet? Etwas Besseres als das hier gibt es im Bantamgewicht momentan nicht.

Co-Hauptkampf

Der zweite Hauptkampf verspricht Action und dem Sieger möglicherweise eine Chance auf den Leichtgewichtstitel.

Ex-Champion Anthony „Showtime“ Pettis (18-3) wird hier zum ersten Mal ins Octagon zurückkehren, seit Rafael dos Anjos mit ihm vor fast einem Jahr fünf Runden lang den Boden gewischt hat. Das will Eddie Alvarez (26-4) am Sonntag wiederholen, der sich nach einer erfolgreichen Karriere bei Bellator MMA ebenfalls rechtmäßig als Champion bezeichnen kann.

Ende 2014 sah es noch ganz danach aus, als wenn Pettis der nächste große Star der UFC werden würde. Mit dem Gürtel um seine Hüfte und seinem Gesicht auf einer Cornflakes-Box schien „Showtime“ eine Zukunft vorherbestimmt zu sein, die seinem Spitznamen angemessen war. Jemand muss allerdings vergessen haben, Rafael dos Anjos davon zu erzählen, der dem Hype als massiver Underdog bei UFC 185 ein Ende bereitete.

Eine Verletzung hielt Pettis anschließend davon ab, im vergangenen Sommer sein Comeback zu geben, und so verschwand er sang- und klanglos aus dem Rampenlicht. An diesem Wochenende bekommt er die Chance, sich wieder genau dort zu positionieren, und einen besseren Gegner als Eddie Alvarez hätte Pettis sich für seine Rückkehr kaum wünschen können.

Alvarez verlässt sich im Käfig weniger auf eingesprungene Kniestöße und fliegende Tritte, sondern mehr auf harte Schläge und beachtliche Nehmerfähigkeiten. Das Resultat läuft aber meist aufs Gleiche hinaus: Fan-freundliche Schlachten, die Alvarez bei Fans und Gegnern gleichermaßen eine Menge Respekt einbrachten – einen Namen hat er als ehemaliger Bellator-Champion ohnehin.
Schlägt er einen Mann wie Alvarez, ist Pettis wieder obenauf in der hart umkämpften 70-Kilo-Klasse.

Ob für Alvarez das gleiche gilt, ist nicht ganz so klar. In seinem Debüt bei UFC 178 legte er einen guten Kampf hin, verlor nach drei Runden aber trotzdem gegen einen abgebrühteren Donald Cerrone. Im Juni gewann Alvarez dann zwar gegen Gilbert Melendez, ob die geteilte Punktentscheidung bei UFC 188 an den richtigen Mann ging, wurde im Anschluss jedoch heftig diskutiert.

Ganz angekommen ist Alvarez also noch nicht im Octagon, an diesem Wochenende muss er das ändern, wenn er auch in der UFC einen Titelgürtel halten will.

Restlicher Event

Ein nettes Programm, das die UFC da für ihre Rückkehr nach Boston auf die Beine gestellt hat.

Zwar haben die Absagen von Mairbek Taisumov, Jimy Hettes, Dennis Bermudez und einigen anderen geschmerzt und besonders interessanter Ersatz dafür wurde ebenfalls kaum herangekarrt, trotzdem bleiben vor allem auf dem Vorprogramm noch einige Ansetzungen übrig, die ein paar Vorschusslorbeeren verdient haben.

So könnte sich auch hier die neue Strategie der UFC auszahlen, einen Kampf mit Action-Potential als „Fight Pass-Hauptkampf“ an die Spitze von Teil eins des Vorprogramms zu setzen.

Ob Paul „The Irish Dragon“ Felder (10-2) oder Daron „Detroit Superstar“ Cruickshank (16-7-0(1)) jemals einen UFC-Titel um die Hüften geschnallt bekommen, bleibt zwar trotzdem fraglich, für harte Kicks und explosive Schlagwechsel sind die zwei Leichtgewichte aber meist zu haben.

Beide haben zuletzt jeweils zwei Mal hintereinander verloren und stehen daher an diesem Wochenende unter Erfolgsdruck – das könnte entweder zu einem Feuerwerk oder einer Schlafpille von Kampf führen, das K.o.-Potential und die Aussicht auf spektakuläre Kicks und Schläge und sonstigen ‚Spinning Shit‘ rechtfertigt es allemal, schon vor den wirklich wichtigen Kämpfen einzuschalten.

Ebenfalls im ersten Teil des Vorprogramms und damit hierzulande noch zu halbwegs christlicher Uhrzeit werden im Halbschwergewicht die schwedische Dampframme Ilir „The Sledgehammer“ Latifi (10-4-0(1)) und Kämpfer/Moderator/Autor/Charity-Arbeiter Sean „The Real OC“ O’Connell (17-6, mehr zu O’Connell in der nächsten Ausgabe des GNP1-Magazins) aufeinandertreffen.

Beide haben ihre jeweils letzten beiden Siege durch spektakuläre Knock-outs eingefahren und keiner von ihnen legt größeren Wert auf lückenlose Deckung oder systematische Kampfstrategien – auch hier dürfte es sich lohnen, einzuschalten.

Bekannte Gesichter wie Travis Browne, Ross Pearson, Patrick Coté, Ed Herman und Tim Boetsch runden das Programm ab.

Anbei das gesamte Programm im Überblick

UFC Fight Night 81: Dillashaw vs. Cruz
Sonntag, 17. Januar 2016
TD Garden in Boston, Massachusetts, USA


Titelkampf im Bantamgewicht (UFC Fight Pass / ran Fighting)
T.J. Dillashaw (c) vs. Dominick Cruz

Hauptprogramm (UFC Fight Pass / ran Fighting)
Anthony Pettis vs. Eddie Alvarez
Travis Browne vs. Matt Mitrione
Ross Pearson vs. Francisco Trinaldo

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Patrick Coté vs. Ben Saunders
Tim Boetsch vs. Ed Herman
Chris Wade vs. Mehdi Bagdhad
Maximo Blanco vs. Luke Sanders

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)

Paul Felder vs. Daron Cruickshank
Charles Rosa vs. Kyle Bochniak
Ilir Latifi vs. Sean O’Connell
Rob Font vs. Joey Gomez
Francimar Barroso vs. Elvis Mutapcic