Vorberichte

UFC 235: Stolpert Jon Jones auf dem Weg in den Olymp über Anthony Smith?

Jon Jones und Anthony Smith (Foto: ZUFFA LLC)

Jon Jones will Geschichte schreiben. 50 Siege hat er sich als Marke gesetzt, die er gerne erreichen möchte. 27 fehlen noch bis dahin und der erste von ihnen soll in der Nacht zum Sonntag gegen Herausforderer Anthony Smith erzielt werden. Auch wenn der Hauptkampf von UFC 235 nicht die Spannung sonstiger Hauptkämpfe verspricht, muss man sich nach Jahren voller Ablenkungen darüber freuen, dass Jon Jones nun wieder ausschließlich im Käfig Schlagzeilen schreiben will. Mit einem zweiten Titelkampf, dem Debüt von Ben Askren und vielen namhaften Kämpfern hat UFC 235 jetzt schon Potenzial zum UFC-Event des Jahres zu werden.

Das Vorprogramm von UFC 235 wird auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm wird vom UFC Fight Pass als iPPV und außerdem von DAZN übertragen. Ein Abo kostet dort monatlich 9,99 Euro, der erste Monat ist gratis. Für UFC-Events fallen keine weiteren Kosten an.

Anbei die Startzeiten: 
Vorprogramm Teil 1 (ufc.tv): Sonntag, 03. März, 00:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (ufc.tv): Sonntag, 03. März, 02:00 Uhr
Hauptprogramm (ufc.tv/DAZN): Sonntag, 03. März, 4 Uhr

Der Main-Event: Jon Jones vs. Anthony Smith

Vier Mal will Jon Jones (23-1 (1)), der möglicherweise beste Kämpfer des Planeten, in diesem Jahr antreten. Ein seltener Vorsatz heutzutage, gerade von einem Champion. Der erste Auftritt von „Bones“ findet daher auch gegen einen eher unscheinbaren Herausforderer in Anthony „Lionheart“ Smith (31-13) statt.

Für Jones geht es mittlerweile nur noch darum, seinen Platz in der MMA-Geschichte zu zementieren. Bereits vor den ganzen Problemen abseits des Käfigs gehörte Jones zum erweiterten Kreis eines fiktiven Mount Rushmore des MMA-Sports. Zwar hat die Dopingproblematik und der Umgang der UFC damit an seinem Ruf Kratzer hinterlassen, seine kämpferischen Leistungen haben auch durch zusätzliche Dopingtests kaum, wenn überhaupt, gelitten. Auch mit 31 Jahren sieht man immer noch Verbesserungen im Gesamtpaket des Amerikaners und wenn er so fokussiert in den Käfig steigt, wie er gerade den Anschein macht, dürfte er im Halbschwergewicht unbezwingbar sein.

Doch wie Mike Tyson schon wusste, jeder Gameplan fliegt aus dem Fenster, wenn man erstmal einen harten Treffer einstecken musste und genau das will Smith schaffen. Der Texaner war Zeit seines Lebens ein gutes, aber nicht sehr gutes Mittelgewicht. Der Wechsel in die höhere Gewichtsklasse scheint nun neue Kräfte beim 30-Jährigen freigesetzt zu haben. Smith geht selbstbewusst in die Begegnung mit Jones, sein Spitzname „Lionheart“ kommt nicht von ungefähr. Aber werden K.o.-Power, Kondition, Herz und Selbstbewusstsein reichen, um seine Schwächen, insbesondere die nicht vorhandene Takedown-Defense, zu kaschieren und für die größte Überraschung seit Holly Holm zu sorgen?

Der Co-Main Event: Tyron Woodley vs. Kamaru Usman

Deutlich ausgeglichener geht es im Weltergewicht zwischen Champion Tyron Woodley (19-3-1) und Kamaru Usman (14-1) zu. Das liegt nicht nur daran, dass sich Usman mit dominanten Siegen über echte Top-Konkurrenten in den Titelkampf einer umkämpften Gewichtsklasse vorgearbeitet hat, sondern auch daran, dass sich die beiden Kontrahenten hier sehr ähnlich sind.

Woodley hat seine Regentschaft zwar auf einem brachialen Knockout gegen Robbie Lawler begründet, fiel in den anschließenden Kämpfen aber eher dadurch auf, dass er sich damit begnügte, die Stärken seiner Gegner zu neutralisieren und Risikominimierung zu betreiben. Kritik gab es dabei von allen Seiten, sowohl Chefetage als auch Fans kritisierten den Champion für seine Herangehensweise, die ihn möglicherweise auch hochkarätige Superfights gekostet hat. Mit dem Sieg über Darren Till holte Woodley dann einige Verprellte wieder zurück auf seine Seite und zeigte klar, dass er mehr ist, als ein auf Sicherheit bedachter Champion, der einfach nur seinen Titel behalten will.

Nun geht es gegen TUF-Champion Kamaru Usman. Der Nigerianer ist in der UFC immer noch unbesiegt, den Titelkampf bekam er jedoch vor allem dadurch, dass man sich erneut nicht mit Colby Covington einigen konnte, der Usmans namhafteste Gegner zuvor bereits besiegt hatte. Der GAU für Woodley, denn Usman ist gefährlicher als Covington, gleichzeitig aber auch nicht sonderlich spannend im Käfig. Ein undankbarer Gegner, der einen zermürben will, ohne Highlights zu produzieren oder einen sonderlich großen Namen mitzubringen. Genau deswegen dürfte Woodley noch vorsichtiger als sonst kämpfen. Usman ist kein natürlicher Standkämpfer, macht dabei aber von Kampf zu Kampf Fortschritte. Auf ein Ringer-Duell sollte sich Woodley beim nigerianischen Kraftpaket ebenfalls nicht einlassen, sodass die taktische Komponente der beiden äußerst spannend sein wird. Ob der Kampf darüber hinaus etwas fürs Auge wird, darf bezweifelt werden.

Die weiteren Kämpfe von UFC 235

Bereits bei UFC 235 kommt es zum UFC-Debüt des Jahres mit „Funky“ Ben Askren (18-0 (1)), der sich „Ruthless“ Robbie Lawler (28-12) entgegenstellt. Askren, Olympia-Ringer und einstiger Bellator- und ONE-Champion, ist immer noch unbesiegt und kann auch Siege über aktuelle Bellator-Spitzenkämpfer vorweisen, doch nun kann er endlich beweisen, dass er auch auf der größten Bühne mit seinem Ringen punkten kann und seine perfekte Bilanz nicht nur das Ergebnis unausgewogener Kampfansetzungen ist. Eine schlechte Situation für Lawler. Der Ex-Champion ist natürlich jedem aufgrund seiner harten Fäuste und seiner spektakulären Kämpfe ein Begriff, doch seine Schwäche war zuletzt die Kondition und Askren ist ein aggressiver Kämpfer, der einem keine Ruhe lässt. Zudem kehrt Lawler auch zum ersten Mal seit seiner Knieoperation und der ersten schweren Verletzung seiner Karriere in den Käfig zurück. Ist der 36-Jährige noch der gleiche Lawler wie früher oder kann Askren seine UFC-Karriere gleich mit einem großen Sieg beginnen?

Mit Cody „No Love“ Garbrandt (11-2) steht ein weiterer Ex-Champion bei UFC 235 im Käfig. Der Kalifornier unterlag zuletzt zwei Mal TJ Dillashaw im Titelkampf, zwei Mal auf die gleiche Art und Weise. Nun muss der 27-Jährige neuen Anlauf auf den Titel nehmen und beweisen, dass er vor allem strategisch an sich gearbeitet hat. Glücklicherweise hat er im Brasilianer Pedro Munhoz (17-3 (1)) einen Gegner vor der Brust, der trotz harter Kicks und starkem Jiu-Jitsu nicht auf dem Level eines Dillashaws ist. Gefährlich bleibt der Brasilianer trotzdem, auch wenn Garbrandt mit deutlichem Geschwindigkeitsvorteil in den Kampf geht.

Zum Ende des Vorprogramms wird Top-Talent Zabit Magomedsharipov (16-1) seinen ersten echten Härtetest gegen Jeremy Stephens (28-15) bestreiten. Der kreative Magomedsharipov hat in seinen ersten vier UFC-Kämpfen schon bleibenden Eindruck hinterlassen, gegen Stephens soll er sich nun endgültig in die vorderen Regionen vorkämpfen können, doch der Amerikaner ist ein zäher Widersacher, der bis an die Schmerzgrenze geht und will sich nun, da er mental befreit scheint, mit seinen Fäusten selbst doch noch einmal eine Titelchance verdienen.

Noch nicht ganz so weit ist Johnny Walker (16-3). Der Brasilianer springt nach seinem 15-Sekunden-K.o. gegen Justin Ledet kurzfristig gegen Misha Cirkunov (14-4) ein. Die Punktrichter werden sich bei diesen beiden Action-Fightern ausruhen können. Dazu stehen im Vorprogramm gleich mehrere TUF-Champions im Käfig.

Dabei der Urvater der TUF-Champions Diego Sanchez (28-11), der es im Generationenduell mit Mickey Gall (5-1) zu tun bekommt. Als Sanchez damals Kenny Florian bezwang und 2005 TUF-Champion wurde, war Gall gerade einmal 13 Jahre alt. Seitdem stand Sanchez insgesamt 28 Mal im Octagon und will nun, wo er wieder im Weltergewicht kämpft, zeigen, dass er noch nicht ganz zum alten Eisen gehört.

TUF-Lateinamerika-Sieger Alejandro Perez (21-6-1) will seinen Weg an die Spitze des Haifischbeckens im Bantamgewicht gegen Cody Stamann (17-2) fortsetzen, zuvor wird Macy Chiasson (3-0), die im Dezember die letzte TUF-Staffel gewann, gegen Gina Mazany (5-2) ihren ersten echten UFC-Kampf machen.

Das Programm von UFC 235 im Überblick:

UFC 235
2. März 2019
T-Mobile Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Titelkampf im Halbschwergewicht
Jon Jones vs. Anthony Smith

Titelkampf im Weltergewicht
Tyron Woodley vs. Kamaru Usman

Hauptprogramm
Ben Askren vs. Robbie Lawler
Tecia Torres vs. Weili Zhang
Cody Garbrandt vs. Pedro Munhoz

Vorprogramm Teil 2 (UFC.tv)
Jeremy Stephens vs. Zabit Magomedsharipov
Johnny Walker vs. Misha Cirkunov
Alejandro Perez vs. Cody Stamann
Diego Sanchez vs. Mickey Gall

Vorprogramm Teil 1 (UFC.tv)
Charles Byrd vs. Edmen Shahbazyan
Macy Chiasson vs. Gina Mazany
Hannah Cifers vs. Polyana Viana