Vorberichte

UFC 197: Die beiden besten Kämpfer der Welt in Aktion

Nach 16 Monaten wird Jon Jones wieder in den Käfig steigen (Foto: Zuffa LLC).

Die beiden besten Kämpfer der Welt werden an diesem Wochenende in den Käfig steigen, und niemanden interessiert’s. Conor McGregor hat mit einem einzigen Tweet wieder einmal sämtliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und darin ist UFC 197 beinahe völlig untergegangen. Dabei ist die Veranstaltung eigentlich gar nicht mal übel: Jon Jones und Demetrious Johnson sind auf den meisten Ranglisten gewichtsübergreifend die Nummern eins und zwei der Welt, und an diesem Wochenende werden sie nacheinander im Octagon zu sehen sein.

Das Hauptprogramm von UFC 197 wird in Deutschland für einmalig 14,99 Euro von ran Fighting gezeigt. Das Vorprogramm wird auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 24. April, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 24. April, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 24. April, 4 Uhr

Hauptkampf: Jon Jones vs. Ovince St. Preux

Noch vor einem Jahr wäre ein Kampf zwischen Jon „Bones“ Jones (21-1) und Ovince „OSP“ St. Preux (19-7) um den Interimstitel im UFC-Halbschwergewicht utopisch gewesen. 

Jetzt kehrt Jones in den Käfig zurück, wenn auch völlig anders als erwartet. Jones ist kein Champion mehr, und er wird auch nicht um seinen Titel kämpfen. Natürlich hätte er eigentlich auf Erzrivale und Nachfolger Daniel Cormier treffen sollen, dank einer Verletzung Cormiers wird es jetzt aber zunächst gegen Ovince St. Preux und um einen Interimstitel gehen.

Dass der vorläufige Gürtel nichts als Marketingmasche ist, dürfte klar sein, viel interessanter ist die Frage, in welcher Form Jones von seiner skandaldurchtränkten Zwangspause zurückkehrt? Nach eigener Aussage hat der jüngste UFC-Champion aller Zeiten bisher zwischen seinen Kämpfen mit angesichts seiner erfolgreichen Karriere schockierend häufigen Partynächten sein Potential verschenkt – und seine Gewichtsklasse trotzdem weitestgehend dominiert. Was also kann ein jetzt, ebenfalls nach eigener Aussage, fokussierter und nüchterner Jones anrichten?

Aus erster Hand wird das Ovince St. Preux erfahren dürfen. Selbst mitnichten ein schlechter Kämpfer, geht der ehemalige Football-Spieler als krasser Außenseiter in diese Begegnung. Athletisches Talent, Knockoutpower und ein unorthodoxer Kampfstil sorgen auf dem Papier für eine interessante Ansetzung gegen Jones, aber wird das reichen gegen den besten Kämpfer der Welt, der um jeden Preis seinen Gürtel zurück haben will? Oder wird gerade dieser Fokus auf den Titel Jones am Ende noch zum Verhängnis?

Ein Blick auf die Bilanz zumindest lässt kaum hoffen für „OSP“. Während Jones mit Namen wie Lyoto Machida, Vitor Belfort, Alexander Gustafsson und Daniel Cormier seit Jahren die Elite der Gewichtsklasse einen nach dem anderen besiegt, hat St. Preux bisher hauptsächlich gegen Leute vom Kaliber eines Gian Villante und Ryan Jimmo gewonnen – und mit Ryan Bader und Glover Teixeira in der UFC bisher gegen Kämpfer verloren, die Jones seinerseits beide zerlegt hat.

Ist ein fokussierter Jones ein noch beängstigenderes Monster? Wird die lange Pause ihm zusetzen? Kann Ovince St. Preux eine der größten Überraschungen in der Geschichte der UFC schaffen? Ohne Daniel Cormier hat der Hauptkampf eine Menge Starpower eingebüßt, aber nicht viel an Faszination.

Co-Hauptkampf: Demetrious Johnson (c) vs. Henry Cejudo

Demetrious “Mighty Mouse” Johnson (23-2-1) in den Co-Hauptkampf eines UFC-Events zu stellen, verheißt meist nichts Gutes. Zwei Mal hat die UFC das in den letzten zwei Jahren versucht, beide Male sorgte eine Verletzung im Hauptkampf dafür, dass “Mighty Mouse” an die Spitze des Programms rückte.

Auch vor UFC 197 hat wieder eine Verletzung im Hauptkampf zugeschlagen, dieses Mal jedoch wird der Champ jedoch weiterhin die zweite Geige spielen. Marketingtechnisch sinnig, denn die letzten vier PPV-Events mit Johnson an der Spitze sind an der Kasse allesamt vor die Wand gefahren. Trotz den aktuell sieben und meist überaus dominanten Titelverteidigungen des Champions.

Johnson, der den neu eingeführten Titel 2012 gegen Joseph Benavidez gewann und ihn seitdem u.a. gegen Benavidez, John Dodson (2x), Ali Bagautinov und Kyoji Horiguchi verteidigte, hat mit den Fans mehr Probleme als mit seinen Gegnern.

Das mag zum einen daran liegen, dass Johnson sich nicht darum schert, seine Kämpfe mit großen Sprüchen zu bewerben und viele Fans sich grundsätzlich nicht für das Fliegengewicht begeistern können. Zum anderen hat „Mighty Mouse“ seine Gewichtsklasse weitestgehend leergefegt. Mittlerweile ist er an einem Punkt angelangt, an dem Rückkämpfe gegen Leute, die er schon geschlagen hat, die sinnigsten Alternativen darstellen, weil die jungen Talente noch nicht weit genug sind.

Und hier kommt Henry „The Messenger“ Cejudo (10-0) ins Spiel. Der 29-Jährige ist Olympiasieger im Ringen, ungeschlagen im MMA und aktuell Johnsons letzte große Herausforderung vor dem endgültigen Bankrott der Gewichtsklasse. Schlägt Johnson auch Cejudo, bleibt außer Rück- und Superkämpfen in höheren Gewichtsklassen nicht mehr viel. Da ist auch fraglich, ob Johnson in Zukunft das Plus an Aufmerksamkeit helfen wird, dass er an diesem Wochenende dank der Kombination mit Jones wohl bekommen wird.

Vermutlich ist es ihm egal, denn mit Cejudo steht ihm noch einmal ein veritabler Test bevor. Zumindest theoretisch bringt der Olympionike einige interessante Probleme für den dominanten Champion mit. Cejudo ist athletisch, schlagstark, unbesiegt, mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein ausgestattet und gehört offensichtlich zur Weltelite im Ringen. Ob das gegen Johnson reichen wird?

Der jedenfalls hat andere Pläne: Den Rekord von Anderson Silva einzustellen, der seinen Mittelgewichtstitel insgesamt zehn Mal verteidigt hat. Ob er das schaffen kann? Gewinnt er an diesem Wochenende, stände nicht mehr viel zwischen Johnson und Silva.

Die weiteren Kämpfe von UFC 197

UFC 197 ist nach den Titelkämpfen im Vergleich zu den nächsten Pay-per-View-Veranstaltungen ein wenig schwach auf der Brust, ein paar bekannte Gesichter und vielversprechende Ansetzungen gibt es aber dennoch.

So dürfte es auf dem Hauptprogramm in jedem der verbliebenen drei Kämpfe zur Sache gehen. Im Leichtgewicht wird Ex-Champion Anthony „Showtime“ Pettis (18-4) in einem Duell zweier spektakulärer Standspezialisten auf Edson „Junior“ Barboza (16-4) treffen.

Beide sind vor allem für ihre zerstörerischen Kicks berüchtigt – während Pettis dabei gerne kreativ wird und schon mal den Käfigzaun als Absprungrampe nutzt, verlässt Thaiboxmaschine Barboza sich lieber auf seine bewährte Basis aus Low- und diversen Drehkicks. Beide haben außerdem zuletzt den einen oder anderen Kampf verloren und stehen bei UFC 197 mit dem Rücken zur Wand.

Außerdem steht im Mittelgewicht der australische Bomber Robert Whittaker (15-4) auf dem Programm, der zuletzt Uriah Hall einstimmig nach Punkten schlagen konnte und zuvor mit wilden Knockouts gegen Clint Hester und Brad Tavares beeindruckt hat. Ihm gegenüber wird der brasilianische Veteran Rafael „Sapo“ Natal (21-6-1) stehen, der ebenfalls einen Punktsieg gegen Hall vorweisen kann.

Eröffnet wird das Hauptprogramm im Federgewicht mit zwei aufstrebenden Talenten. Mexikos Yair „El Pantera“ Rodríguez (6-1) und “Team Alpha Male”-Kämpfer Andre „Touchy“ Fili (15-3) gelten mit 22 bzw. 25 Jahren beide als vielversprechende Newcomer. Vor allem Rodríguez, der seit einiger Zeit in New Mexiko mit Greg Jackson trainiert und den UFC-Kommentator Joe Rogan gerne mit Anthony Pettis vergleicht, wird jede Menge Potential zugeschrieben. UFC-Siege gegen Leonardo Morales, Charles Rosa und Dan Hooker zeigen, warum das so ist.

Fili stand bereits fünf Mal für die UFC im Käfig und musste sich dort Godofredo Pepey und Max Holloway geschlagen geben. Unterhaltsam sind seine Kämpfe für gewöhnlich so oder so – ein Headkick-K.o. gegen Gabriel Benitez hat das erst in seinem letzten Kampf wieder gezeigt.

Auf dem Vorprogramm wird außerdem die ehemalige Championess im Strohgewicht, Carla „Cookie Monster“ Esparza (10-3), zum ersten Mal seit ihrer bitteren Niederlage gegen Joanna Jedrzejczyk ins Octagon zurückkehren. Dort wird sie auf Juliana „Ju Thai“ Lima (8-2) treffen, die in ihrem UFC-Debüt ebenfalls Jedrzejczyk unterlag, seitdem aber zwei Mal gewonnen hat.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 197: Jones vs. St. Preux
Samstag, 23. April 2016
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA


Hauptprogramm (ran Fighting)
Jon Jones vs. Ovince St. Preux
Demetrious Johnson (c) vs. Henry Cejudo
Anthony Pettis vs. Edson Barboza
Robert Whittaker vs. Rafael Natal
Yair Rodriguez vs. Andre Fili

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Sergio Pettis vs. Chris Kelades
Danny Roberts vs. Dominique Steele
Carla Esparza vs. Juliana Lima
Glaico Franca vs. James Vick

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Walt Harris vs. Cody East
Marcos Rogério de Lima vs. Clint Hester
Efrain Escudero vs. Kevin Lee