Vorberichte

UFC 196: Kann Nate Diaz die McGregor-Show beenden?

McGregor vs. Diaz: Das Duell der Großmäuler? (Foto: Zuffa LLC).

Die McGregor-Show überrollt wieder einmal Las Vegas: Obwohl der Kampf Champion vs. Champion nach der Verletzung von Leichtgewichtsweltmeister Rafael dos Anjos kurzfristig ausfallen musste, hat Conor McGregor sich wieder ins Zeug gelegt, um eine Show abzuliefern: Der Champion im Federgewicht wechselt kurzerhand gleich zwei Gewichtsklassen nach oben, um im Weltergewicht gegen Nate Diaz anzutreten. Der jetzt einzige Titelkampf zwischen Miesha Tate und Rousey-Bezwingerin Holly Holm geht in dem Spektakel stillschweigend unter.

Das Hauptprogramm von UFC 196 wird in Deutschland auf ran Fighting gezeigt – der Stream kostet einmalig 14,99 Euro. Das Vorprogramm wird auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 6. März, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 6. März, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 6. März, 4 Uhr

Hauptkampf: Conor McGregor vs. Nate Diaz

Es ist wieder so weit: Mystic Mac ist in der Stadt, und nur drei Monate nach dem großen Aldo-Kampf sind schon wieder zig tausend Iren in Sin City eingefallen. Die Stimmung im MGM Grand Garden dürfte am Samstag also wieder einmal hochkochen, wenn Conor „The Notorious“ McGregor (19-2) sich auf den Weg zum Octagon macht. Mit Nate Diaz (18-10) hat McGregor an diesem Wochenende zwar einen Ersatzmann vor den Fäusten, dem Hype hat das aber kaum Abbruch getan.

Diaz braucht man langjährigen Fans des Sports selbstverständlich nicht mehr vorzustellen. Der Bad Boy aus Stockton, Kalifornien hat sich zusammen mit seinem Bruder Nick über die Jahre eine gewaltige Fan-Basis aufgebaut – mit einer Mischung aus Kampfgeist, Scheißegal-Mentalität und einem filterlosen Mundwerk. Im Duett mit McGregor hat das schon vor dem Kampf eine Menge Feuerwerke produziert –  endlose Schimpftiraden auf diversen Medien-Terminen und eine Beinahe-Schlägerei nach der letzten Pressekonferenz sprechen Bände.

Ob der Kampf ähnlich interessant wird? McGregor reitet momentan auf einer Welle des Erfolgs: Ein Knockout nach dem anderen gegen die Elite des Sports – Dustin Poirier, Chad Mendes, José Aldo – und gewaltige Erfolge an der Kasse haben nicht nur den Iren selbst, sondern gleich den ganzen Sport auf ein neues Level gehievt. Diaz dagegen konnte erst im Dezember mit einem Punktsieg gegen Michael Johnson eine Negativ-Serie von drei Niederlagen in Folge abwenden.

Die Frage ist, in welcher Form Diaz nach seinem elf Tage starken „Trainingscamp“ aufläuft? Zwar hat er scheinbar ohnehin hart für einen Triathlon trainiert, aber elf Tage bleiben elf Tage. Ein vollgepackter PR-Terminkalender macht das nicht besser. Dabei ist die Ansetzung stilistisch sogar durchaus interessant. Diaz hat äußerst effektives, wenn auch nicht übermäßig explosives Boxen, und ist auf der Matte brandgefährlich – von seiner Furchtlosigkeit im Angesicht von Schlägen und Tritten ganz zu schweigen.

Bleibt nur die Frage, ob all das an diesem Wochenende reichen wird, um den riesigen Hype um Conor McGregor in sich zusammenbrechen zu lassen?

Co-Hauptkampf: Holly Holm vs. Miesha Tate

Zum ersten Mal seit UFC 51 im Februar 2005 steht ein Titelkampf nicht an erster Stelle des Programms. Wenig verwunderlich, immerhin war Miesha „Cupcake“ Tates (17-5) zweite Titelchance in der UFC von Anfang an lediglich Plan B. Nachdem Holly „The Preacher’s Daughter“ Holm (10-0) im vergangenen November die vermeintlich unantastbare Ronda Rousey nach Strich und Faden vorführte und schließlich spektakulär mit einem Headkick ausknockte, schien ein Rückkampf unausweichlich.

Rousey allerdings verschwand nach dem Debakel in Melbourne erst einmal in der Versenkung, dachte nach eigener Aussage über Selbstmord nach. Wann oder ob sie ins Octagon zurückkehren wird, bleibt damit bis auf weiteres pure Spekulation. Das hat die Tür für Tate geöffnet: Der ehemaligen Strikeforce-Championess wurde bereits im Sommer ein Titelkampf versprochen, nachdem sie sich mit einer Punktentscheidung gegen Jessica Eye den vierten Sieg in Folge gesichert hatte.

Der wurde dann zugunsten Holly Holms hintenangestellt, die nach uninspirierten Punktsiegen gegen Raquel Pennington und Marion Reneau am 15. November vor 56.000 Zuschauern in der Halle und angeblich 1,1 Millionen vor den Bildschirmen sämtliche Kritiker mit der Leistung ihres Lebens zum Schweigen brachte.

Bevor ein potentieller Mega-Rückkampf gegen Rousey ins Spiel kommt, muss Holm nun an Tate vorbei. Das Duell bietet dabei einen starken Kontrast zu der McGregor/Diaz-Schimpfparade: Holm und Tate sind Freundinnen, die noch vor wenigen Monaten zusammen für den Film „Fight Valley“ vor der Kamera standen und im Vorfeld von UFC 196 kein schlechtes Wort übereinander verloren haben. Ob nun Holms präzise Schläge und Kicks oder Tates Ringen, Erfahrung und Zähigkeit sich durchsetzen werden – nach dem Kampf wird man die beiden wohl zusammen bei einem Bier irgendwo im riesigen MGM-Komplex finden können.

Die weiteren Kämpfe von UFC 196

Wenn Conor McGregor auf dem Programm steht, dann ist meist auch der Rest des Events von hochkarätigen Namen durchzogen. Nicht so hier – hinter den beiden Titelkämpfen fällt der Bekanntheitsgrad stark ab, direkt vor Tate und Holm werden Gian Villante (14-6) und der Schwede Ilir „The Sledgehammer“ Latifi (11-4-0(1)) ins Octagon steigen. Nicht unbedingt die größten Namen im Kader, wenn das Halbschwergewichtsduell auch Action verspricht.

Außerdem werden im Anfang des Jahres neu geschaffenen „Fight Pass-Hauptkampf“ in Form von Jim Miller (25-7-0(1)) und Diego „The Nightmare“ Sanchez (25-8) zwei Veteranen auf Abwegen aufeinandertreffen, die mit einem Sieg am Samstag wieder einen Schritt zurück in Richtung Relevanz gehen wollen. Sanchez kämpfte sich 2009 bis zu einem Titelkampf gegen BJ Penn vor, nur um dann mit fliegenden Fahnen unterzugehen – auch zuletzt hagelte es Niederlagen für den Veteranen, der seit seinem Titelkampf gegen Penn lediglich Paulo Thiago im Oktober 2010 deutlich schlug – anschließend folgten hagelte es vier Niederlagen und hoch umstrittene Punktsiege gegen Martin Kampmann, Takanori Gomi und Ross Pearson.

Miller erging es zuletzt kaum besser – nach sieben Siegen zwischen 2009 und 2014 folgten zuletzt drei Niederlagen in vier Kämpfen, gegen Donald Cerrone, Beneil Dariush und Michael Chiesa. Stilistisch passen er und Sanchez aber trotzdem noch bestens zusammen – beide haben im Octagon die meiste Zeit über den Vorwärtsgang eingelegt und scheuen sich nicht vor harten Schlagwechseln und riskanten Aktionen.

Action verspricht darüber hinaus der Weltergewichtskampf am Ende des Vorprogramms zwischen der Thaibox-Brechstange Brandon „Rukus“ Thatch (11-3) und dem nach zwei Jahren Abstinenz zurückkehrenden Niederländer Siyar „The Great“ Bahadurzada (21-6-1). Beide haben ihre Stärken im Stand und beide haben zuletzt zwei Mal hintereinander verloren, was dem Duell noch eine zusätzliche Prise Biss verleihen dürfte.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 196: McGregor vs. Diaz
Samstag, 5. März 2016
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA


Hauptprogramm (ran Fighting)

Conor McGregor vs. Nate Diaz
Holly Holm (c) vs. Miesha Tate
Gian Villante vs. Ilir Latifi
Corey Anderson vs. Tom Lawlor
Amanda Nunes vs. Valentina Shevchenko

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Brandon Thatch vs. Siyar Bahadurzada
Erick Silva vs. Nordine Taleb
Vitor Miranda vs. Marcelo Guimaraes
Darren Elkins vs. Chas Skelly

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Diego Sanchez vs. Jim Miller
Justin Salas vs. Jason Saggo
Julian Erosa vs. Teruto Ishihara