Vorberichte

UFC 193: Rousey, Jedrzejczyk, Hunt und Sobotta Down Under

Frauenpower an der Spitze: UFC 193 steht ganz im Zeichen der Damen (Foto: Zuffa LLC).

Es ist noch gar nicht so lange her, da schwor UFC-Präsident Dana White, dass niemals Frauen in seiner Liga kämpfen würde. Ende 2015 führen nun die einzigen beiden weiblichen Weltmeister der MMA-Champions-League den größten Event in der Geschichte der Organisation an – wer hätte das gedacht. Neben Ronda Rousey und Joanna Jedrzejczyk ist UFC 193 aus dem 70.000 Zuschauer fassenden Etihad Stadium für deutsche Zuschauer vor allem wegen Peter Sobottas Kampf interessant.  

Das Hauptprogramm von UFC 193 wird in Deutschland auf maxdome übertragen. Nach einer kostenlosen Anmeldung kann die Veranstaltung dort für einmalig 14,99 Euro bestellt werden. Das Vorprogramm läuft auf dem UFC Fight Pass, der ab 5,99 monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 15. November, 0 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 15. November, 2 Uhr
Hauptprogramm (maxdome): Sonntag, 15. November, 4 Uhr

Hauptkampf
Das letzte Mal, als Ronda „Rowdy“ Rousey (12-0) einen Pay-per-View-Event angeführt hat, wurde die Veranstaltung knapp 900.000 Mal verkauft – ohne große Namen zur Unterstützung an der Kasse. Ihr Nebenjob beim Film sowie diverse, hochkarätige Werbedeals und TV-Auftritte sowie ihre kürzlich erschienene Autobiographie scheinen sich ausgezahlt zu haben für das laut Dana White „am härtesten arbeitende“ Mitglied des UFC-Kaders – immerhin hat sie in ihrem Kampf nicht nur Rivalin Bethe Correia in deren Heimatland besiegt, sondern gleich auch Conor McGregor in dessen Lieblingsdisziplin: Den Zahlen.

Rousey, eine ehemalige Judo-Olympionikin, ist auch nach zwölf Profi-Kämpfen noch ungeschlagen, ihr Erfolg im Käfig ist aber wohl nur einen Teil ihrer Superstar-Aura verantwortlich – immerhin haben ihre letzten drei Kämpfe zusammen ganze 64 Sekunden gedauert. Obwohl es bei ihr seit Jahren wenig Kampf fürs Geld gibt, schalten die Leute ein, wenn Rousey ins Octagon steigt. Die 28-Jährige hat das Frauen-MMA im Alleingang in ungeahnte Höhen befördert und nebenbei noch Kaliber wie Miesha Tate, Sara McMann und Cat Zingano aus dem Käfig gejagt.

Kann Holly „The Preacher’s Daughter“ Holm (9-0) dem Höhenflug ein Ende bereiten? Als die ehemalige Profi-Boxerin 2011 ihre ersten Gehversuche im MMA unternahm und sich 2013 schließlich ganz dem Kampf im Käfig verschrieb, war die Erwartungshaltung jedenfalls groß.

Trotz sechs Knockouts in ihren ersten sieben Kämpfen ist der Hype mittlerweile allerdings größtenteils abgestorben – in der UFC kann Holm bisher lediglich zwei Punktsiege vorweisen, und das mit Raquel Pennington und Marion Reneau gegen ein anderes Gegner-Kaliber als das, was Rousey in den letzten Jahren innerhalb von Sekunden zerstört hat.

Ob Holm am Wochenende länger als 34 Sekunden durchhält?

Co-Hauptkampf
Finger hoch: Wer hat dazugehört? Kein halbes Jahr ist es her, da hat ein nicht unerheblicher Teil der deutschen MMA-Community lautstark über den „Witz“ hergezogen, einen Frauenkampf an die Spitze von UFC Berlin zu stellen. Jetzt wird Joanna Jedrzejczyk (10-0) vor knapp 60.000 Menschen in den Käfig steigen und ist auch sonst auf dem besten Weg, ein echter Star in der UFC zu werden.  

Dabei hat die polnische Ex-Thaiboxerin ihren Titel erst ein Mal verteidigt, seit sie im März Ex-Champion Carla Esparza ausgeknockt hat. Ihr T.K.o. in der dritten Runde gegen Jessica Penne war jedoch genau die Art von Sieg, die die Hype-Maschine in Gang setzt – mit einer Mischung aus Coolness und einem scheinbar unerschütterlichen Selbstbewusstsein hat sich Jedrzejczyk innerhalb weniger Monate zum Fanliebling gemausert. Ihr extrem aggressiver Kampfstil und die Knockouts auf der großen Bühne haben dem Ruf sicher ebenfalls nicht geschadet.

Nachdem sie mit Esparza und Penne, sowie davor mit Claudia Gadelha eher im Grappling versierten Gegnerinnen gegenübergestanden hat, kämpft „Joanna Champion“ am Samstag zum ersten Mal seit langem wieder gegen jemanden, der im Stand zuhause ist. Valerie „Trouble“ Létourneau (8-3) mag niemanden mit Rang und Namen geschlagen haben, noch selbst jemand mit einem solchen sein, bietet aber zumindest stilistisch eine interessante Herausforderung.

Die gebürtige Kanadierin, die jetzt in Vollzeit beim American Top Team in Florida trainiert, hat ihre ersten drei Kämpfe in der UFC gewonnen – gegen Elizabeth Phillips, Jessica Rakoczy und Maryna Moroz, und 2012 eine geteilte Punktentscheidung an Top-Strohgewicht Cláudia Gadelha abgegeben. Per geteiltem Punktentscheid schlug Jedrzejzyk keine zwei Jahre später eben jene Gadelha, in einem Kampf, der genauso gut andersherum hätte ausgehen können.

Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen für eine der beiden Kämpferinnen ist? In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden wir es erfahren…

Restlicher Event
Angesichts bis zu 70.000 zu verkaufender Tickets kann UFC 193 mit überraschend wenigen großen Namen aufwarten, eine handvoll interessante Kämpfe hat Melbournes UFC-Debüt aber dennoch zu bieten.

Für deutsche Fans ist selbstverständlich Peter Sobottas (15-4-1) Kampf von großer Bedeutung. Gegen 3 Uhr deutscher Zeit wird der Balinger auf dem Vorprogramm gegen den Lokalmatadoren Kyle Noke (21-7-1) ins Octagon steigen. Noke, ein erfahrener Mann mit acht UFC-Kämpfen in der Bilanz, wird die Unterstützung von mehreren zehntausend Fans mit in den Käfig nehmen – ob das aber den Abwärtstrend seiner Karriere aufhalten wird, bleibt aber fraglich.

Noke hat sich Anfang des Jahrzehnts mit drei aufeinanderfolgenden UFC-Siegen einen kleinen Namen gemacht, seit 2011 allerdings rapide abgebaut. Drei Niederlagen in fünf Kämpfen musste der mittlerweile 35-Jährige Schützling von Greg Jackson zuletzt einstecken. Dem gegenüber stehen Peter Sobottas sieben Siege, seit er 2010 von der UFC entlassen wurde. Nach zwei Erfolgen in Berlin kann sich der 28-Jährige daher mit Momentum im Rücken in die – in diesem Fall ziemlich überdimensionale – Höhle des Löwen wagen.

Action verspricht außerdem der Rückkampf zwischen Mark „Super Samoan“ Hunt (10-10-1) und Antonio „Bigfoot“ Silva (19-7-1). Die beiden Schwergewichte standen sich bereits Ende 2013 im Octagon gegenüber und lieferten einen der besten Kämpfe des Jahres ab, der nach fünf harten Runden in einem Unentschieden endete. Seitdem haben beide den einen oder anderen Kampf gewonnen und verloren, die Aura ihrer Schlacht vor zwei Jahren aber werden sie sicherlich auch in ihren Rückkampf mitnehmen.

Ebenfalls auf dem Hauptprogramm werden sich außerdem Uriah „Prime Time“ Hall (12-5) und Robert Whittaker (14-4) gegenüberstehen. Hall geriet 2013 mit einer Reihe brutaler Knockouts in der 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel in die Schlagzeilen, konnte die Vorschusslorbeeren später in der „echten“ UFC aber nur teilweise rechtfertigen – der New Yorker verlor Kämpfe gegen Kelvin Gastelum, John Howard und Rafael Natal, die er angesichts seines Potentials allesamt hätte gewinnen können.

In Melbourne muss „Prime Time“ jedenfalls seinem Spitznamen alle Ehre machen, denn ansonsten könnte Robert Whittaker den mühsam wieder aufgebauten Hype endgültig in alle Winde zerstreuen. Der Australier bringt einen aggressiven, nicht immer bedachten Kampfstil und harte Hände mit ins Octagon – eine Kombination, die der B-Level-Version von „Prime Time“ arge Probleme bereiten, einem fokussierten Hall aber genau in die Karten spielen könnte. Beides hätte für die Zuschauer seine Reize…


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 193: Rousey vs. Holm
Samstag, 14. November 2015
Etihad Stadium in Melbourne, Victoria, Australien

Titelkampf im Bantamgewicht der Frauen (maxdome)
Ronda Rousey (c) vs. Holly Holm

Titelkampf im Strohgewicht der Frauen (maxdome)
Joanna Jedrzejczyk (c) vs. Valerie Létourneau

Hauptprogramm (maxdome)
Mark Hunt vs. Antonio Silva
Uriah Hall vs. Robert Whittaker
Stefan Struve vs. Jared Rosholt

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Jake Matthews vs. Akbarh Arreola
Kyle Noke vs. Peter Sobotta
Anthony Perosh vs. Gian Villante
Richie Vaculik vs. Danny Martinez

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Dan Kelly vs. Steve Montgomery
Richard Walsh vs. Steve Kennedy
James Moontasri vs. Anton Zafir
Ben Nguyen vs. Ryan Benoit