Vorberichte

UFC 190 mit Rousey, Shogun, Nog(s) und Skyscraper

Ronda Rousey ist extra für Bethe Correia nach Brasilien gereist (Foto: Zuffa LLC).

Da ist er also. Der langerwartete TV-Deal. Nach monate-, eigentlich sogar jahrelangem hin und her, unzähligen Verschiebungen und Vertröstungen ist er endlich da, und die deutsche UFC-Fangemeinde tobt. Der Grund: Das Octagon wird ab 1. August nicht wirklich im TV zu sehen sein, sondern zunächst lediglich auf maxdome.de, dem Online-Streamingdienst der ProSiebenSat1-Gruppe. Und für diesen Dienst muss der geneigte Fan nun gleich noch mal seine Taschen öffnen, denn für Vorkämpfe und bestimmte Fight Nights ist immer noch der ebenfalls kostenpflichtige UFC Fight Pass vonnöten.

Völlig untergegangen ist im allgemeinen Aufschrei die eigentliche Veranstaltung: Mit Ronda Rousey ist bei UFC 190 in Rio de Janeiro ein Superstar zu sehen, der in Form von „Shogun“ Rua und den Nogueira-Brüdern außerdem zwar in die Jahre gekommene, aber dennoch prominente Unterstützung mitbringt.

Das Hauptprogramm von UFC 190 kann in Deutschland erstmalig lediglich über maxdome verfolgt werden – dazu ist ein kostenloser Account notwendig, über den dann nach einer kurzen Altersüberprüfung der 14,99 Euro teure Videostream bestellt werden kann. Das Vorprogramm ist im Abo des UFC Fight Pass enthalten. Der Service ist ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 2. August, 1 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 2. August, 2 Uhr
Hauptprogramm (maxdome): Sonntag, 2. August, 4 Uhr

Hauptkampf
Hat die UFC noch echte Stars? Kaum, möchte man meinen, nachdem Kassenschlager wie Georges St. Pierre, Anderson Silva oder Brock Lesnar dem Sport in den letzten Jahren entweder ganz oder nur ganz vielleicht den Rücken gekehrt haben. Nüchtern betrachtet sind 2015 nur noch zwei Sternchen übrig: Conor McGregor und Ronda Rousey sind Zuschauermagnete, die im Alleingang Hallen füllen und Pay-per-Views verkaufen können. „Rowdy“ Rousey (11-0), die charismatische Bantamgewichts-Championesse, wird an diesem Wochenende erstmals in Brasilien antreten, und das gegen ihre den Wettquoten nach bisher schwächste Herausfordererin: Bethe „Pitbull“ Correia (9-0).

Die Erwartungshaltung gegenüber diesem Kampf ist derart einseitig, dass eine überraschende Niederlage schon fast die logische Folge zu sein scheint – immerhin sind es ja meist die vermeintlich einfachsten Siege, in denen der Underdog dann allen eine lange Nase zieht. Auf der anderen Seite scheint es fraglich zu sein, wo genau Correia diese Überraschung hernehmen soll? Die Brasilianerin hat nirgends eklatante Schwächen, aber eben auch keine besonderen Stärken. Rousey dagegen hat ihre Judo-Basis, einen Armbar, dem man scheinbar nur durch eine rechtzeitige K.o.-Niederlage entkommt, und sich stetig verbesserndes Boxen. Eine weltmeisterliche Aura und Selbstbewusstsein für zwei gar nicht erst mit eingerechnet.

Der einzige Ansatz für die in den Medien provokante, im Käfig dagegen eher unauffällige Correia scheint es zu sein, Rousey irgendwie von Beginn an derart unter Druck zu setzen, dass sie ihre Stärken gar nicht erst ausspielen kann. Aber wird ihr das gelingen? Correia hat mit neun Kämpfen recht wenig Erfahrung und strotzt nicht gerade vor Power – sieben Punktsiege in neun Kämpfen, teils gegen sehr schwache Kontrahentinnen, lassen ihre K.o.-Chancen gegen Rousey nicht gerade rosig erscheinen. Ein sicherer Sieg also für Rousey? Wir werden sehen – die Schockwellen, die jedes andere Resultat durch die MMA-Welt schicken würde, wären sicherlich ebenfalls spektakulär…

Co-Hauptkampf
Zehn Jahre ist es her, dass Mauricio „Shogun“ Rua (22-10) und Antonio Rogerio „Little Nog“ Nogueira (21-6) zum letzten Mal zusammen im Ring standen. Damals legten die beiden Landsmänner bei Pride FC in Japan einen heißen Anwärter auf den Kampf des Jahres hin, den Rua nach Punkten für sich entscheiden konnte.

Seitdem ist viel passiert, und zwar in den letzten Jahren wenig Gutes für die beiden Veteranen. Beide stehen seit einigen Jahren bei der UFC unter Vertrag, wo sie allerdings nie so richtig in Fahrt gekommen sind. Rua holte sich mit einem Knockout gegen Lyoto Machida noch 2010 den Halbschwergewichtstitel, gab den Gürtel aber schon in seiner ersten Titelverteidigung wieder an Jon Jones ab. Drei von acht Kämpfen hat der gelernte Thaiboxer seitdem gewonnen, zuletzt wurde er nacheinander von Dan Henderson und Ovince Saint Preux brutal ins Reich der Träume geschickt.

Rogério Nogueira, Zwillingsbruder von Rodrigo Nogueira, der gegen Stefan Struve ebenfalls in Rio auf dem Programm steht, erging es im Octagon bisher ähnlich. Mit einem Knockout und einem knappen Punktsieg legte er in der UFC noch einen mehr oder weniger gelungenen Start hin und konnte außerdem Tito Ortiz und Rashad Evans besiegen, letztere Erfolge werden jedoch eingerahmt von Niederlagen gegen Ryan Bader, Phil Davis und Anthony Johnson. Um viel geht es hier also nicht mehr, was Ranglisten und Titelchancen angeht. Interessant ist eher die Frage, ob die beiden zum zehnjährigen Jubiläum noch einmal eine Schlacht wie die im Pride-Ring hinlegen können…

Restlicher Event
Maxdome sendet, Rousey kämpft – da geht alles andere schnell mal unter. Eine handvoll relevanter Kämpfe gibt es aber trotzdem noch bei UFC 190: Zum einen wäre da der potentielle Titeleliminator im Strohgewicht der Frauen zwischen Claudia „Claudinha“ Gadelha (12-1) und Jessica „JAG“ Aguilar (19-4), zum anderen ein aus welchem Grund auch immer auf das Vorprogramm verbanntes Weltergewichtsduell zwischen Demian Maia (20-6) und Neil Magny (15-3).

Claudia Gadelha – eine 1,60 Meter große Abrissbirne, ist bis dato die einzige Kämpferin, die UFC-Strohgewichts-Championesse Joanna Jedrzejczyk mit einer Mischung aus harten Händen, dominanter Physis und kraftvollen Takedowns an den Rand einer Niederlage gebracht hat, nach Ansicht vieler Zuschauer ihres sogar darüber hinaus. Seit der geteilten Punktniederlage gegen die Polin im vergangenen Dezember war Gadelha nicht mehr im Käfig zu sehen, da eine Rückenverletzung ein Duell mit Aisling Daily im April in Krakau verhinderte. Dafür bekommt die Brasilianerin nun auf dem Hauptprogramm einer PPV-Veranstaltung mit Jessica Auguilar den deutlich größeren Kampf – Aguilar, eine Bellator- und WSOF-Veteranin, ist seit 2010 in sieben Kämpfen ungeschlagen. Eine Siegesserie, während der die ehemalige WSOF-Championesse u.a. Carla Esparza und Megumi Fujii (2x) schlagen konnte. Nun debütiert sie im Octagon und will sich mit einem Sieg gegen Gadelha direkt zu einem Titelkampf durchboxen.

Im letzten Kampf des Vorprogramms wird außerdem BJJ-Experte Demian Maia ins Octagon steigen. Seit 2007 in der UFC unterwegs, generierte der Brasilianer schnell eine Menge Hype, indem er seine ersten fünf Gegner nacheinander zur Aufgabe zwang, darunter Nate Quarry und Chael Sonnen. Danach lief es nicht immer rund für Maia, der 2012 runter ins Weltergewicht wechselte und dort u.a. Dong Hyun Kim, Rick Story, Jon Fitch und Ryan LaFlare schlagen konnte.

Der perfekte Test also für Neil Magny, der in der UFC zunächst zwei von drei Kämpfen verlor, dann jedoch richtig loslegte und ganze sieben Mal hintereinander gewann, u.a. gegen Tim Means und Alex Garcia. Wenn er jetzt auch noch einen Demian Maia auf diese Liste setzen kann, könnten wir von Magny in den nächsten Monaten noch einiges hören.  

Anbei das gesamte Programm:

UFC 190: Rousey vs. Correia
Samstag, 1. August 2015
HSBC Arena in Rio de Janeiro, Brasilien


Titelkampf im Bantamgewicht der Frauen (maxdome)
Ronda Rousey (c) vs. Bethe Correia

Hauptprogramm (maxdome)
Maurício Rua vs. Rogério Nogueira
Glaico Franca vs. Fernando Bruno
Reginaldo Vieira vs. Dileno Lopes
Stefan Struve vs. Rodrigo Nogueira
Antonio Silva vs. Soa Palelei
Cláudia Gadelha vs. Jessica Aguilar

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Demian Maia vs. Neil Magny
Rafael Cavalcante vs. Patrick Cummins
Warlley Alves vs. Nordine Taleb
Iuri Alcantara vs. Leandro Issa

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Vitor Mirana vs. Clint Hester
Hugo Viana vs. Guido Cannetti