Vorberichte

TUF: Live Finale plus Ellenberger vs. Kampmann

Am Freitag wird ein neuer Ultimate Fighter ermittelt.

Die Teilnehmer der ersten live übertragenen The Ultimate Fighter-Staffel werden sicherlich froh gewesen sein, nach zwölf Wochen Isolation endlich aus dem TUF-Haus ausziehen und wieder mit der Außenwelt in Kontakt treten zu dürfen. Ganz zu Ende ist dieses Kapitel ihres Lebens allerdings noch nicht, denn am nächsten Freitag muss der Großteil von ihnen noch einmal die Zähne zusammenbeißen: Zwölf Cast-Mitglieder werden dann ihren letzten TUF- und gleichzeitig ersten "richtigen" UFC-Kampf bestreiten.

Die beiden Finalisten, Mike Chiesa und Al Iaquinta, werden am Freitag gar zum zweiten Mal innerhalb einer Woche im Octagon stehen. Diese Strapazen werden sich für einen von ihnen allerdings lohnen, denn in der immer noch dichtbesetzten Leichtgewichtsklasse der UFC kann der Gewinn einer TUF-Staffel zweifellos nicht schaden.

Die beiden Finalisten haben ihre Kämpfe am letzten Freitag ohne größere Verletzungen überstanden, der waghalsige Zeitplan des neuen Live-Formats hat aber dennoch Spuren hinterlassen. Mike Rio, Andy Ogle und James Vick sind nicht in der Lage, nach ihren Kämpfen während der Show an diesem Freitag schon wieder in den Käfig zu steigen. Vinc Pichel wird aufgrund der Absage seines Gegners, James Vick, ebenfalls nicht zu sehen sein.

Neben den Teilnehmern der TUF-Staffel werden am Wochenende außerdem zwei etwas schwerere Kämpfer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen: Jake Ellenberger und Martin Kampmann sind zwei der am meisten respektierten Mitglieder der Weltergewichtsklasse der UFC und der Gewinner ihres Kampfes am Freitag wird wahrscheinlich den nächsten Titelkampf bis 77 Kilo bekommen und gegen Georges St. Pierre oder Carlos Condit antreten dürfen.

Das TUF Live Finale wird in Amerika auf FX und Fuel TV zu sehen sein; Fans in Deutschland werden den gesamten Event auf ufc.tv verfolgen können.

Jake Ellenberger vs. Martin Kampmann

Die Klasse bis 77 Kilo in der UFC ist derzeit so stark wie schon lange nicht mehr und Jake Ellenberger und Martin Kampmann stehen fast ganz oben in der Nahrungskette der insgesamt 61 Weltergewichtler im Kader. Ein weiterer Sieg wird einem von ihnen aller Voraussicht nach einen Titelkampf einbringen, den der Gewinner dieses Kampfes entweder gegen Georges St. Pierre oder gegen Carlos Condit bestreiten wird, die im November dieses Jahres aufeinandertreffen sollen.

Dieses Datum zeigt allerdings auch die große Problematik auf, denn Ellenberger oder Kampmann müssten wohl mindestens bis Anfang 2013 auf ihre Titelchance warten. Ein weiterer Kampf um den Status des nächsten Herausforderers, womöglich gegen den ebenfalls gerade sehr erfolgreichen Johny Hendricks, wäre aus diesem Grund ebenfalls denkbar.

Jake "The Juggernaut" Ellenberger (27-5) kam im Jahr 2009 mit 21 Siegen und nur vier Niederlagen in die UFC. Für sein Debüt kurzfristig gegen jemanden wie Carlos Condit einspringen zu müssen, ist sicherlich nicht der angenehmste Kampf, um sich an die große Bühne zu gewöhnen, Ellenberger nahm ihn damals aber dennoch an. Unerwarteterweise dominierte er Condit dann zu Beginn ihrer Begegnung und knockte ihn sogar beinahe aus - nach drei harten Runden zog der UFC-Debütant auf den Punktzetteln allerdings trotzdem den Kürzeren.

Viele Fans waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, Ellenbergers UFC-Karriere hat sie allerdings kaum geschadet; der Kampf brachte ihm eine Menge Respekt ein und seitdem geht es für ihn in der UFC nur noch steil bergauf: TKO-Siegen über Mike Pyle und John Howard folgten eine geteilte Punktentscheidung über Carlos Eduardo Rocha und ein krachender Erstrundenknockout gegen Sean Pierson.

All dies brachte Ellenberger im letzten Herbst einen Platz im Hauptkampf der 25. UFC Fight Night in New Orleans ein, wo er gegen den ehemaligen Titelherausforderer Jake Shields antreten durfte.
53 Sekunden brauchte Ellenberger gegen Shields, um ihn aus dem Clinch mit Kniestößen KO zu schlagen und sich den Bonus für den Knockout des Abends zu sichern.

Dieser überraschende Sieg war der endgültige Durchbruch für Ellenberger, der seine Position mit einem Sieg gegen Diego Sanchez Anfang des Jahres weiter stärken konnte. Falls er sich am Freitag auch gegen Martin Kampmann (19-5) durchsetzen sollte, würde das Ellenberger wohl seinen Titelkampf einbringen.

Das gleiche Ziel hat allerdings auch Kampmann vor Augen, der Condit einige Monate vor dessen Kampf gegen Ellenberger eine geteilte Punktentscheidung abnahm. Nach diesem Sieg wurde er zwar von Paul Daley in der ersten Runde KO geschlagen, seitdem konnte er dafür Jacob Volkmann, Paulo Thiago, Rick Story und Thiago Alves bezwingen.

Der einzige Wermutstropfen aus dieser Zeit sind zwei knappe Punktniederlagen, gegen Jake Shields und Diego Sanchez. Da diese beiden Kämpfe aber sehr eng waren und besonders der Sanchez-Kampf von großen Teilen der Öffentlichkeit als Fehlentscheidung angesehen wird, konnte sich Kampmann mit seinen beiden letzten Siegen schnell wieder ganz nach oben arbeiten.

Jetzt fehlt auch ihm möglicherweise nur noch ein weiterer Sieg, um zum ersten Mal in seiner Karriere um den UFC-Titel kämpfen zu dürfen und damit nach Dan Hardy erst der zweite Europäer zu werden, der es so weit gebracht hat.

Michael Chiesa vs. Al Iaquinta

Dieser Leichtgewichtskampf markiert das Ende der ersten live übertragenen The Ultimate Fighter-Staffel. Michael Chiesa (7-0) wird am Freitag auf Al Iaquinta (5-1) treffen, um den insgesamt fünften TUF-Sieger im Leichtgewicht zu ermitteln.

Nachdem er sich mit einem Rear-Naked Choke seinen Weg ins Haus gebahnt hatte, begann die Zeit dort für Mike Chiesa denkbar katastrophal: Während einer Trainingseinheit wurde er von Urijah Faber zur Seite genommen, um einen Anruf seiner Mutter anzunehmen. Diese teilte ihm mit, dass sein Vater einer Krankheit erlegen sei, an der er schon lange gelitten hatte. Für Chiesa kam die Nachricht aus diesem Grund zwar nicht gänzlich aus dem Nichts, ein solcher Schicksalsschlag ist aber natürlich dennoch nur sehr schwer zu verkraften.

Chiesa verließ das Haus nach dieser Nachricht, um an der Beerdigung seines Vaters teilzunehmen, kehrte zwei Tage später zurück und schlug seither Justin Lawrence und James Vick (T)KO, was ihm einen Platz im Finale der Staffel einbrachte.

Dort wird er mit Al Iaquinta auf einen Trainingspartner aus Urijah Fabers Team treffen. Iaquinta ist ein Protegé von Ray Longo und dem ehemaligen Weltergewichtschampion Matt Serra und trainiert in deren Gym auf Long Island. Laut Serra ist Iaquinta ein sehr hart arbeitender Kämpfer, der seinen Job äußerst ernst nimmt und sich voll darauf konzentriert.

Diese Einschätzung passt zumindest zum bisherigen Verlauf von Iaquintas Karriere, denn bis auf eine Niederlage durch Aufgabe und ein Unentschieden konnte er alle seine sieben Profi-Kämpfe sowie die vier Kämpfe im TUF-Haus gewinnen.

Sein wichtigster Kampf wird allerdings zweifellos der am kommenden Freitag sein, wenn er gegen Michael Chiesa die Möglichkeit bekommt, seine langjährige Arbeit mit dem Gewinn des The Ultimate Fighter-Titels erste international beachtete Früchte tragen zu lassen.

Jonathan Brookins vs. Charles Oliveira

In diesem Federgewichtskampf treffen mit Jonathan Brookins (13-4) und Charles "Do Bronx" (15-2-0 (1)) zwei ehemalige Leichtgewichte aufeinander.

Brookins wird am Freitag an den Ort des bisher größten Erfolgs seiner Karriere zurückkehren: Im Dezember 2010 gewann er im Pearl at the Palms in Las Vegas mit einer einstimmigen Punktentscheidung gegen Michael Johnson die zwölfte TUF-Staffel im Leichtgewicht.

Nach diesem Kampf wechselte Brookins zurück in die Federgewichtsklasse und wurde dort auf den aktuellen Titelherausforderer Erik Koch angesetzt. Gegen diesen musste er zwar eine Punktentscheidung abgeben, im vergangenen Februar konnte er aber doch seinen ersten UFC-Sieg bis 66 Kilo einfahren, indem er Vagner Rocha in Runde eins KO schlug.

An diesem Freitag wird Brookins versuchen, seine erste Siegesserie in der UFC zu starten, dazu muss er jedoch an Charles Oliveira vorbei. Oliveira galt schon als der nächste Star im Leichtgewicht, bis er Ende 2010 bei UFC 124 von Jim Miller in der ersten Runde mittels eines Kniehebels abgefertigt wurde und der Hype um seine Person merklich abschwächte.

Das Jahr 2011 lief dann nicht besser für den jungen Brasilianer, denn ein ursprünglicher Sieg gegen Nik Lentz wurde im Nachhinein in einen nichtgewerteten Kampf umgewandelt, da Oliveira seinen Gegner mit einem nicht erlaubten Kniestoß getroffen hatte. Kurze Zeit später sprang er für einen Kampf gegen Donald Cerrone ein, der ihn nach drei Minuten TKO schlug.

Das langerwartete Comeback gelang Oliveira dann schließlich vor erst vier Monaten, dafür war es ein umso beeindruckenderes: Bei UFC on Fox 2 brachte er Eric Wisely nach nicht einmal zwei Minuten mit einem Reversed-Calf Slicer zur Aufgabe, einer selten angewandten Technik, bei der ein immenser Druck auf das Knie des Gegners ausgeübt und er so zum Abklopfen gezwungen wird.

Brookins und Oliveira befinden sich momentan innerhalb der UFC-Federgewichtsklasse in einer ähnlichen Position, denn ein Sieg würde sie auf einen Schlag weit voran bringen, während eine Niederlage für beide einen herben Rückschlag bedeuten würde.

Max Holloway vs. Pat Schilling

In diesem Federgewichtskampf wird es für Max Holloway (4-1) und Pat Schilling (5-1) höchstwahrscheinlich um ihren Platz in der UFC gehen.

Holloway sprang bei UFC 143 kurzfristig gegen Dustin Poirier ein und verlor in der ersten Runde spektakulär durch einen Triangle Armbar, was Poirier eine Bonuszahlung für die "Submission of the Night" einbrachte. Vor seinem UFC-Debüt konnte der erst 20-jährige Hawaiianer allerdings trotz drei Punktentscheidungen in vier Kämpfen viele Kritiker überzeugen, die ihm großes Potential einräumen. Gegen Pat "Thrilling" Schilling wird sich an diesem Freitag entscheiden, ob er dieses Potential im Octagon entwickeln kann oder ob er zunächst Kampferfahrung in kleineren Organisationen sammeln müssen wird.

Das gleiche gilt allerdings für Schilling selbst, der trotz dessen Erstrundenniederlage nur halb so viel Zeit im Octagon verbracht hat, wie Max Holloway: Bei UFC on FX im Januar dieses Jahres erwischte Daniel Pineda ihn nach nur 97 Sekunden mit einem Rear-Naked Choke und brachte ihn zum Abklopfen.

Vorprogramm

Das sechs Kämpfe umfassende Vorprogramm besteht größtenteils aus Teilnehmern dieser TUF-Staffel, die jedoch vor Erreichen des Finales ausgeschieden sind.

Im Gegensatz zum Finalkampf werden hier keine Teammitglieder gegeneinander antreten, stattdessen wird es noch fünf Mal Team Cruz vs. Team Faber zu sehen geben. Von diesen fünf Kämpfen darf man einiges erwarten, denn einen UFC-Vertrag werden hier wohl nur die Sieger der jeweiligen Begegnungen erhalten.

Als letzter Kampf des Vorprogramms wird Justin Lawrence (3-0) vom Team Cruz auf John Cofer (7-1, Team Faber) treffen, nachdem Myles Jury (9-0, Team Cruz) und Chris Saunders (9-2, Team Faber) sowie Daron Cruickshank (10-2, Team Faber) und Chris Tickle (7-4, Team Cruz) einen Sieger ermittelt haben.

Zuvor kollidieren außerdem Cristiano Marcello (12-3, Team Faber) und Sam Sicilia (10-1, Team Cruz) sowie Jeremy Larsen (8-2, Team Cruz) und Joe Proctor (7-1, Team Faber).

Im ersten Kampf des Abends wird John "Prince" Albert (7-2), ein TUF-Veteran aus der letzten Staffel, im Bantamgewicht auf den kurzfristig eingesprungenen UFC-Neuling Erik "El Goyito" Perez (10-4) treffen.

Das komplette Programm lautet wie folgt:

The Ultimate Fighter: Live Finale
1. Juni 2012
The Pearl at the Palms in Las Vegas, Nevada, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Jake Ellenberger vs. Martin Kampmann
Mike Chiesa vs. Al Iaquinta
Jonathan Brookins vs. Charles Oliveira
Max Holloway vs. Pat Schilling

Vorprogramm (ufc.tv)
Justin Lawrence vs. John Cofer
Daron Cruickshank vs. Chris Tickle
Myles Jury vs. Chris Saunders
Cristiano Marcello vs. Sam Sicilia
Jeremy Larsen vs. Joe Proctor
John Albert vs. Erik Perez