Vorberichte

„The Ultimate Fighter“ 24-Finale: „Mighty Mouse“ auf dem Weg zum Weltrekord?

Dominant: Demetrious Johnson wird sich als nächstes gegen den besten der 16 TUF-Teilnehmer behaupten müssen (Foto: UFC).

Nach 23 Staffeln plus diversen Ablegern in Brasilien, Kanada oder Australien schien die Luft raus zu sein aus dem „The Ultimate Fighter“-Format, das die UFC einst vor dem Bankrott rettete. Um nach elf Jahren frischen Wind in die Reality-Serie zu bringen, kam den Machern eine Idee: Die sechzehn besten Fliegengewichts-Champions anderer Ligen wurden von der UFC eingekauft und schlugen sich in Las Vegas sieben Wochen lang um die Chance, gegen den wohl besten Kämpfer der Welt antreten zu dürfen. Gewonnen hat Tim Elliott, ein UFC-Veteran, der vergangenes Jahr aus der Liga geflogen war. Ob er in der Nacht von Samstag auf Sonntag die größte Überraschung des Jahres aus dem Hut zaubern kann?

Das „The Ultimate Fighter 24“-Finale wird in Deutschland vom UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm wird zusätzlich von ran Fighting im Black Pass gezeigt, der monatlich 3,99 Euro kostet.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 4. Dezember, 1 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 4. Dezember, 2 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass / ran Fighting): Sonntag, 4. Dezember, 4 Uhr

Hauptkampf: Demetrious Johnson (c) vs. Tim Elliott

Zwei noch. Dann hat Demetrious „Mighty Mouse“ Johnson (24-2-1) den Rekord von Anderson Silva gebrochen. Zehn Mal hat der ehemalige UFC-Mittelgewichtschampion seinen Gürtel verteidigt, sein Kollege im Fliegengewicht hängt zwei Siege hinterher.

Den vorletzten Schritt auf dem Weg zur endgültigen Legende kann Johnson an diesem Wochenende gehen, und wenn man der allgemeinen Ansicht folgt, dann wird es kein allzu schwerer. Nachdem Johnson seit seinem Titelgewinn 2012 die Gewichtsklasse im Grunde gleich zweimal geleert hat, fehlen dem Champion ernstzunehmende Herausforderer: Top-Kämpfer wie Joseph Benavidez (2x), John Dodson (2x), Kyoji Horiguchi oder Henry Cejudo sind bereits an „Mighty Mouse“ gescheitert. Der Mix aus Athletik, Technik und Kampf-IQ war schlicht zu viel für den Rest der Gewichtsklasse.

Die Reaktion der UFC darauf ist entweder genial oder verzweifelt. In Las Vegas versucht man, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen, durch ein Turnier der weltbesten Fliegengewichte den nächsten Herausforderer auf Johnsons Titel zu küren und durch dieses Konzept gleich noch das schwächelnde TUF-Format wieder interessant zu machen. Als Sieger aus dieser Idee ist Tim Elliott (13-6-1) hervorgegangen, der, natürlich, als haushoher Underdog gegen Johnson in den Käfig steigen wird.

Elliott debütierte bereits 2012 in der UFC, als kurzfristiger Ersatzkämpfer gegen John Dodson. Entgegen der öffentlichen Erwartung lieferte der damals 25-Jährige einen tollen Kampf ab und verlor nur knapp nach Punkten. Eine 5-4-Bilanz in der UFC kegelte Elliott zwar drei Jahre später aus der Liga, sein Potential aber blieb dabei stets deutlich sichtbar.

Drei Siege bei Titan FC später – den Titelgewinn und zwei Verteidigungen – klopft Elliott wieder an der Spitze an. Und zwar direkt: Die Chance, auf den TUF-Sieg einen Titelgewinn folgen zu lassen, hatte zuletzt Matt Serra. Und wie dessen erstes Duell mit dem scheinbar übermächtigen Georges St-Pierre ausgegangen ist, wissen wir ja...

Ob Elliott am Wochenende eine ähnlich gigantische Überraschung gelingen wird? Zumindest den Kampfstil des TUF 24-Siegers hatte Johnson bisher in dieser Form noch nicht vor den Fäusten. Elliotts vollkommen unorthodoxer, aggressiver Ansatz hat schon einige Gegner aus der Rolle fallen lassen. Wenn überhaupt, dann ist der Kampf also unter diesem Aspekt interessant. Elliott selbst hat längst zugegeben, niemand könne Johnson in einem Technik-Duell schlagen, er wolle ihn daher stattdessen in eine handfeste Schlägerei verwickeln. Ob ihm das gelingen wird? Es scheint mehr als fraglich.

Co-Hauptkampf: Joseph Benavidez vs. Henry Cejudo

Joseph „Joe B-Wan Kenobi“ Benavidez (24-4) und Henry „The Messenger“ Cejudo (10-1) finden sich hier in einer merkwürdigen Position wieder. Als zwei der besten Fliegengewichte der Welt kämpfen sie eventuell um den nächsten Titelkampf, während der Sieger der von ihnen gecoachten TUF-Staffel bereits am gleichen Abend die Chance gegen den Champion bekommt.

Das Problem der beiden Elite-Kämpfer: Sie beide haben bereits gegen Johnson verloren. Bei Benavidez weiß man, dass er trotzdem zur Weltspitze gehört – der 32-Jährige hat in seiner MMA-Karriere lediglich gegen Johnson und Dominick Cruz verloren und seit seiner letzten Niederlage fünf deutliche Siege geholt.

Cejudo dagegen muss erst noch zeigen, wie er von der ersten Niederlage seiner Karriere zurückkommt. Im April war er von Johnson in der ersten Runde ausgeknockt worden, bis dahin hatte der ringende Olympia-Sieger jeden seiner Gegner besiegen können.

Am Wochenende wird die Geschwindigkeit und technische Finesse von Benavidez also auf Cejudos Weltklasse-Ringen und seine sich stetig verbessernden Fäuste treffen. Ob der Sieger tatsächlich noch einmal gegen Johnson ran darf? Egal, wie die Antwort darauf letztendlich ausfallen wird, der Kampf zwischen den beiden Top-Talenten dürfte am Samstag erst einmal für eine MMA-Demonstration auf dem höchsten Level sorgen. Wobei: beinahe auf dem höchsten Level trifft es besser…

Die restlichen Kämpfe des TUF 24-Finales

Ein Großteil der TUF 24-Teilnehmer hat es anscheinend nicht in die UFC geschafft, zumindest auf der Final-Veranstaltung am Wochenende sind sie kaum zu finden.

Dafür wird es im Weltergewicht einen potentiellen Kracher zwischen Jake „The Juggernaut“ Ellenberger (31-11) und Jorge „Gamebred“ Masvidal (30-11) zu sehen geben. Ellenberger schlug sich vor Jahren mit harten Fäusten bis kurz vor einen Titelkampf vor, bevor eine K.o-Niederlage gegen Martin Kampmann eine Abwärtsspirale einläutete. Nur drei von acht Kämpfen gewann der „Juggernaut“ seitdem bis Anfang dieses Jahres. Daraufhin eigentlich bereits entlassen, bat Ellenberger UFC-Präsident Dana White um eine letzte Chance. Die bekam er und nutzte sie prompt, als er im Juli Matt Brown in der ersten Runde ausknockte.

Jetzt trifft er auf Jorge Masvidal, einmal mehr kein leichter Gegner. „Gamebred“ war bis 2015 erfolgreich im Leichtgewicht unterwegs, seit dem Wechsel hoch in die 77-Kilo-Klasse dagegen steht Masvidal 2-2. Das mag auf den ersten Blick wie ein Misserfolg aussehen, tatsächlich aber hat Masvidal im Weltergewicht gute Kämpfe gezeigt und gegen Ben Henderson sowie Lorenz Larkin lediglich geteilte Punktentscheidungen an äußerst starke Gegner abgeben müssen.

Action verspricht auch der Fliegengewichtskampf zwischen Brandon „The Assassin Baby“ Moreno (12-3) und Ryan „Baby Face“ Benoit (9-4). Moreno schied bei TUF 24 in der Vorrunde aus, bekam allerdings im Oktober als Ersatzkämpfer seine Chance in der UFC. Eigentlich nach der Verletzung des Original-Gegners als Kanonenfutter gedacht, damit Top-Fliegengewicht Louis Smolka überhaupt kämpfen konnte, zwang der Debütant den aufstrebenden Hawaiianer mit einem Guillotine Choke nach zweieinhalb Minuten zum Abklopfen.

In Las Vegas trifft er nun auf Ryan Benoit. „Baby Face“ steht 2-2 in der UFC, der größte Sieg des texanischen Thaiboxers ist ein Knockout gegen Sergio Pettis aus dem vergangenen Jahr. Jetzt wird er versuchen, das Momentum Morenos mit einem weiteren imposanten Sieg auf sich selbst zu übertragen.

Auf dem Vorprogramm wird der TUF-Sieger des letzten Jahres, Ryan „The Wizard“ Hall (5-1) zum ersten Mal seit seinem Staffel-Sieg gegen Artem Lobov ins Octagon zurückkehren. Der BJJ-Guru mit den brandgefährlichen Beinhebeln wird in Las Vegas von Gray „The Bully“ Maynard (12-5-1) willkommen geheißen.

Der 37-jährige Veteran hat seit seiner Titelniederlage gegen Frankie Edgar vor fünf Jahren nie wieder richtig in die Spur gefunden, im Juli sicherte der Ringer-Experte sich mit einem Punktsieg gegen Fernando Bruno aber zumindest den ersten Erfolg seit 2012.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

The Ultimate Fighter 24 Finale: Johnson vs. Elliott
Samstag, 3. Dezember 2016
The Pearl at the Palms in Las Vegas, Nevada, USA


Titelkampf im Fliegengewicht (UFC Fight Pass / ran Fighting)
Demetrious Johnson (c) vs. Tim Elliott

Hauptprogramm (UFC Fight Pass / ran Fighting)
Joseph Benavidez vs. Henry Cejudo
Jake Ellenberger vs. Jorge Masvidal
Ion Cutelaba vs. Jared Cannonier
Sara McMann vs. Alexis Davis
Brandon Moreno vs. Ryan Benoit

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Gray Maynard vs. Ryan Hall
Rob Font vs. Matt Schnell
Kailin Curran vs. Jamie Moyle
Josh Stansbury vs. Devin Clark

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Elvis Mutapcic vs. Anthony Smith
Dong Hyun Kim vs. Brendan O‘Reilly