Vorberichte

Respect.FC 9: Die Titelkämpfe

Respect.9

Respect.FC 9 lockt bereits im Vorfeld mit einem äußerst imposanten Kampfprogramm, das es deutschen MMA-Fans nahezu unmöglich macht, sich diesem zu entziehen. Die Veranstalter Ben Helm und Sebastian Tlatlik haben sich Woche für Woche überboten, und so entstand ein Titel-Quintett, welches die Zuschauer am Samstag, dem 13. April in der Bayerhalle in Dormagen mit Sicherheit von den Stühlen reißen wird.

Titelkampf im Mittelgewicht: Nicolas Penzer (c) vs. Marcin Naruszczka

Der Pole Marcin Naruszczka (11-2 )verdiente sich den Titelkampf gegen Nicolas Penzer (7-0) bei Respect.8 mit einem Sensations-Comeback gegen die Kölner Eisenfaust Abu Azaitar. Dieser schickte Naruszczka gleich im ersten Durchgang fünfmal auf die Bretter, vergaß aber einen entscheidenden Fakt, was den Polen angeht: Naruszczkas Schädel ist aus Granit.

Wie ein Golem richtete der Warschauer sich wieder und wieder auf, um gegen Ende der Runde noch den Spieß zu drehen und Azaitar einen tiefen Cut zuzufügen, dank dem er schlussendlich noch den schon verloren geglaubten Kampf gewann. Naruszczkas bisherige Kämpfe bei Respect.FC haben eins gezeigt: Seine Gelenke und Knochen mit Kraft zu verbiegen, bringt nichts, er gibt nicht auf. Ihn zu Boden zu schlagen bringt nichts, er steht wieder auf. Er ist die unaufhaltsame Kraft. 

Um da überhaupt etwas gegen ausrichten zu können, benötigt es schon des unbewegbaren Objekts. Nicolas Penzer aus Stuttgart sieht mit seinem schlaksigen Äußeren nur leider nicht wirklich danach aus, und der Spitzname „Panda“ trägt ebenfalls nicht dazu bei. Dass man den jungen Brazilian-Jiu-Jitsu-Experten aber niemals unterschätzen darf, weiß spätestens seit Respect.7 jeder.

Sein damaliger Gegner tat dies und musste nach nur 60 Sekunden Kampf in einem schmerzhaften Armhebel abklopfen. Penzers Raffinesse im Bodenkampf könnte sich sehr wohl als Kryptonit für Naruszczkas Materialschlacht-Kampfstil herausstellen, in einem spannenden Duell, bei dem zu Recht Penzers Titel auf dem Spiel steht.

Titelkampf im Weltergewicht: Djamil Chan vs. David Zawada

Der Düsseldorfer David Zawada (7-0) geht mit einer lupenreinen Bilanz, davon allein vier Siege im letzten Jahr, in das Duell. Dieser Titelkampf wird die große Chance für den „kleineren“ Bruder des MMA-Veteranen Martin Zawada sein, das Prädikat „talentiert“ gegen „etabliert“ zu tauschen.

Zawadas große Stärke ist sein Kämpferherz sowie sein Striking, was er bei seinem kurzfristig angenommenen Respect.FC-Debüt im April 2011 mit einem wunderschönen Kniestoß-Knock-out gegen einen physisch überlegenen Gegner unter Beweis stellte.

Inwiefern sich Zawadas Teamwechsel, weg vom Pride Gym, hin zu McBox und seinem alten Trainer Kemal Sivil, auf die Leistung des Jungspunds auswirkt, wird sich am 13. April zeigen, wenn es für ihn im Titelkampf gegen Djamil Chan um alles oder nichts geht.

Die Turnier-Finalniederlage des Bremers Sebastian Risch bei No Compromises FC hatte im Februar zur Folge, dass Risch aus dem Titelkampf gegen Zawada genommen wurde. Rischs Pech ist das Glück des Rotterdamers Djamil Chan (6-2). Der dynamische Jungspund vom Oosterbaan Gym bekommt nun die Chance, gegen Zawada um den Titel im Weltergewicht zu kämpfen.

Chan ist den Respect.FC-Fans von der letzten Gala bekannt, wo er sich einen hochklassigen Standkampf mit Sparta Essens Box-Bomber Michael Erdinc lieferte. Ein unglücklicher Cut stoppte Chan im September 2012. 2013 hat er wieder ordentlich Fahrt aufgenommen und glänzte zuletzt bei GMC 3 bei seinem Blitz-Sieg gegen Eisenschädel Angelos Zampakikas. 

Für den im MMA-Sport noch ungeschlagenen Düsseldorfer Zawada wird die Aufgabe mit dem Gegnerwechsel nicht leichter. Im Gegensatz zu Risch, der auf knallharte Muay-Thai-Attacken im Infight setzt, greift Chan bevorzugt mit schnellen und unglaublich harten Schlagkombinationen an, die ihm schon den Spitznamen „Paul Daley jr.“ eingebracht haben.

Titelkampf im Halbschwergewicht: Stephan Pütz vs. Alexander Neufang

Vom Nobody zum Top-3-Kämpfer. Das ist das Resümee des Kalenderjahrs 2012 für Stephan Pütz (6-0). Sechs Kämpfe, fünf vorzeitige Siege stehen in der Bilanz des 25-Jährigen, dessen Jahreshighlight ohne Zweifel der Gewinn des Superior-FC-Halbschwergewichtstitels am 24. November in Mainz war. Im Februar legte er mit dem Gewinn des Halbschwergewichtstitels von Kombat Komplett nach.

Mit einem guten Allround-Spiel und harten Fäusten kämpfte der Münchner sich in nur acht Monaten in der Gunst der „German Top Ten“-Experten derart hoch, dass er mittlerweile als Deutschlands zweitbester Kämpfer in der 93kg-Klasse gilt. Dem bayrischen Modellathleten wurde bei seinem Titelkampf, der gleichzeitig sein Debüt im Respect.FC-Ring ist, ein schweres Los zugeteilt.

Er trifft auf Alexander Neufang (3-1), der sich mit seinem Comeback-Sieg bei Respect.8 in die Herzen der Zuschauer kämpfte. Der damals mit einer mageren 2-0-Profibilanz kaum beachtete Brazilian-Jiu-Jitsu-Experte wurde in den ersten Sekunden von seinem Gegner schwer zu Boden geschlagen, kämpfte sich aber zurück und schaffte noch das Kunststück, mit einem Armhebel vorzeitig zu gewinnen. 

Nur einen Monat nach dem Erfolg bestritt er – im Nachhinein wohl verfrüht – sein Debüt auf internationaler Ebene und wurde in Belgien K.o. geschlagen. Der Saarbrücker sinnt nun auf Revanche und kehrt bei Respect.9 mit seinen gefährlichen Submissions zu den Wurzeln seines bislang größten sportlichen Erfolgs zurück.

Titelkampf im Bantamgewicht: Robert Scott Westerman vs. Stefan Hoss

Im Titelduell im Bantamgewicht trifft Robert Scott Westerman, Deutschlands Nummer eins im Bantamgewicht, auf den frischgebackenen No Compromises FC-Bantamgewichtsturnier-Gewinner Stefan Hoss.

Westerman (11-10) konnte vier seiner letzten fünf Kämpfe mit vorzeitigen Siegen beenden und befindet sich damit zu Recht an der Spitze der Nahrungskette der German Top Ten. Zuletzt stand er im Dezember des letzten Jahres im Ring, wo er Enes Bafra bereits nach 25 Sekunden in der ersten Runde T.K.o. schlug. Sein Gegenüber war jedoch am letzten Samstag in Aktion und konnte in Bremen für Furore sorgen.

Stefan Hoss (8-3) siegte im Bantamgewichtsturnier von No Compromises FC, nachdem er zwei Kämpfe an einem Abend für sich entscheiden konnte. Der German Top Team-Kämpfer besiegte Ali Selcuk Ayin und Eddie Pobivanez, um damit vier Siege in Folge auf dem Papier vorzeigen zu können. Der selbsternannte „Boss“ ist dafür bekannt, außerhalb des Rings ein Mann weniger Worte zu sein, der dafür im Ring seine Fäuste sprechen lässt.

Man darf gespannt sein, wer sich bei Respect.FC 9 zum neuen Champion krönen wird.

Titelkampf im Federgewicht: Max Coga vs. Duane van Helvoirt

Der amtierende Federgewichtschampion von Respect.FC, Ben Boekee, musste den Titel niederlegen, nachdem er wegen seines Studiums und seiner eigenen Kampfsportschule nicht genug Zeit hat, sich auf seine Karriere als aktiver Sportler zu konzentrieren.

In die Fußstapfen des mit einer Profibilanz von 13-1 äußerst erfolgreichen Champions aus den Niederlanden will Max Coga (6-1) vom MMA Spirit aus Frankfurt treten. Der 23-jährige Allrounder aus der Frankfurter Erfolgsschmiede verbindet mit Respect.FC pikanterweise nicht die besten Erinnerungen.

Im September 2011 trat Coga bei seinem zweiten Profikampf im Rahmen von Respect.6 gegen den Polen Marian Ziolkowski an. Den knappen Kampf werteten die Punktrichter mehrheitlich für ihn, doch der Großteil der Fans buhte das Urteil und damit den Sieger Coga gnadenlos aus. 

Mit drei gewonnenen Kämpfen im vergangenen Jahr und einem schnellen T.K.o.-Sieg in diesem Jahr gelang es dem Teamkollegen von Daniel Weichel, sich als einer der drei besten Federgewichtler des Landes zu etablieren. Trotz nur sieben Profi-Kämpfen ist Coga nicht zu unterschätzen, da er vier Kämpfe im Ausland absolviert hat und dabei drei vorzeitige Siege verbuchen kann.

Duane van Helvoirt (11-5) aus den Niederlanden steht Coga als Gegner gegenüber. Dem brandgefährlichen Grappler vom Gracie-Barra-Team wurde bei seinem letzten Kampf im Respect-Ring deutlich aufgezeigt, dass er im Leichtgewicht nichts zu suchen hat. Ruben Crawford war nicht nur sprichwörtlich eine Nummer zu groß.

Im Federgewicht ist der 26-Jährige jedoch ungeschlagen. Bei einem USA-Aufenthalt Anfang 2012 gelang es ihm sogar, zwei Kämpfe in einem Monat mit Triangle Chokes zu gewinnen. Doch auch sein Striking hat in den letzten Jahren einen deutlichen Feinschliff erhalten.  

Verantwortlich dafür ist Striking-Koryphäe Marco van den Broek von der Combat Sports Academy aus den Niederlanden, bei dem UFC-Kämpfer wie Duane Ludwig und Amir Sadollah regelmäßig zu Gast sind. Er hat van Helvoirts Thaiboxen auf ein anderes Level gebracht und aus ihm einen waschechten Mixed-Martial-Artist gemacht.