Vorberichte

Next Generation

Am kommenden Samstag wird World Boxing Organization Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck bereits zum dritten Mal in diesem Jahr in den Ring steigen. Sein Gegner ist der argentinische „Riese“ Rogelio Rossi. Mit den Nachwuchstalenten Dominik Britsch und Kubrat Pulev steht der Kampfabend zudem im Zeichen der neuen Garde bei Sauerland Event, die den Stall auf ihren Schultern in die Zukunft führen soll.

Rogelio Rossi (l.) und Marco Huck. Foto: Photo Wende.

Marco Huck (33-1-0, 24 KO) wird seinen Gürtel am Samstag zum achten Mal aufs Spiel setzen und bekommt es mit dem 1,92 Meter großen Argentinier Rogelio Rossi (17-2-1, 11 KO) zu tun. Der 30-jährige Rechtsausleger wurde im Vorfeld als Riese angekündigt und war in der Box-Enzyklopädie BoxRec mit 2,00 Meter Körpergröße registriert. Beim ersten Aufeinandertreffen von Huck und Rossi stellte sich aber heraus, dass dem Herausforderer dafür noch gute acht Zentimeter fehlen und er Huck gar nicht um so viel überragt, wie zunächst angenommen. Mit 89,6 Kilo ist er sogar ein ein wenig leichter als Huck, der 90 Kilo auf die Waage brachte.

„Der ist wohl vor Angst geschrumpft“, lachte der 26-jährige Titelverteidiger. „Ob er nun groß oder klein ist, Rossi wird von mir im Ring klein gemacht.“

Rossi konterte prompt: „Wenn man Angst hat, kommt einem der Gegner immer größer vor, als er ist. […] Ich gewinne, das ist doch logisch! Wahrscheinlich durch KO, denn es ist schwer, in Deutschland einen Punktsieg zu erkämpfen. Ich glaube an mich.“

Huck zu schlagen wäre für ihn nach eigener Aussage, als ob er „den Himmel berühren würde“. Ohne Frage wäre ein Sieg über den deutschen WBO Champion der ganz große Wurf für Rossi. Ob es dazu kommt, ist jedoch fraglich. Entschlossenheit, Herz und Gerissenheit gehören laut Selbsteinschätzung zu seinen größten Stärken. Gute Defensivarbeit allerdings nicht, was fatal gegen einen offensiven Puncher wie Marco Huck enden kann.

„Ob groß oder klein, ich schlage sie alle KO“, verkündete der selbstbewusst auf der Eröffnungspressekonferenz. Die deutlichen Lücken in Rossis Deckung und das fehlende Vermögen, seine Reichweitenvorteile zu nutzen, deuten darauf hin, dass Huck damit Recht behalten wird.

Dominik Britsch (r.) vs. Billy Lyell. Foto: Photo Wende

Den ersten Co-Hauptkampf seiner Karriere bestreitet Sauerland-Jungtalent Dominik Britsch (25-0-0, 9 KO). Er trifft auf den Amerikaner Billy Lyell (24-9-0, 5 KO), der deutschen Fans noch von seinem Kampf gegen Ex-Weltmeister Sebastian Sylvester, im Januar vergangenen Jahres, ein Begriff sein dürfte. Gegen Sylvester war er kurzfristig eingesprungen und verlor durch TKO in Runde zehn. Ein Kampfausgang, den sich auch Britsch zum Ziel gesetzt hat:

„Ich kämpfe gerne gegen Amerikaner, sie liegen mir irgendwie“, erklärte er. „Die meisten meiner KO-Siege habe ich gegen Amerikaner geholt."

Seit der Niederlage gegen Sylvester stand Lyell weitere vier Mal im Ring und gab davon einen Kampf ab. Dem jetzigen World Boxing Council-Weltmeister Julio Cesar Chavez Jr. unterlag er diesen Januar einstimmig nach Punkten.

Der bislang ungeschlagene Britsch wird derweil von Sauerland Event behutsam aufgebaut. Ganze fünf Mal stand er in diesem Jahr bereits im Ring und konnte so gehörig Ringerfahrung sammeln. Im Juli sicherte er sich gegen den Amerikaner Ryan Davis den International Boxing Federation Interkontinental-Titel, den er hier zum ersten Mal verteidigen wird.

Sein Trainer Ulli Wegner macht sich über den Erfolg dieser Mission keine Gedanken: „(Dominik Britsch) ist der Beste, den wir im deutschen Boxen haben“, schwärmte er.

Ein solches Urteil mag zwar noch ein wenig verfrüht erscheinen, Britsch ist aber in der Tat ein extrem disziplinierter und lernwilliger Sportler, dem bei richtigem Aufbau alle Türen offen stehen sollten. Ein Sieg über Lyell ist hier Pflicht.

Eine von Deutschlands Schwergewichtshoffnungen ist der bereits 30-jährige Kubrat Pulev (13-0-0, 6 KO). Der ist zwar erst seit zwei Jahren Profi, bestritt seitdem allerdings schon dreizehn Kämpfe – und fuhr dreizehn Siege ein. Unerfahren im Ring ist Pulev zudem beileibe nicht, er gewann 2008 Gold bei den Europameisterschaften der Amateure in Liverpool.

Am Samstag trifft er auf den 32-jährige Amerikaner Travis Walker (38-6-1, 30 KO). Der vakante Interkontinental-Titel der IBF wird dabei auf dem Spiel stehen. Es wäre der erste Titel bei den Profis für Pulev, der bereits jetzt von WBO und IBF in den Top 15 geführt wird.

Ebenfalls auf Titeljagd befindet sich Enad Licina (20-3-0, 11 KO). Der will nämlich den nun vakanten EM-Gürtel im Cruisergewicht, den Stallkollege Alexander Frenkel aufgrund diverser geplatzter Titelverteidigungen niederlegen musste. Die European Boxing Union hat den 31-Jährigen als EM-Anwärter eingestuft, sein Gegner soll der Russe Alexander Alekseev werden. Bevor es jedoch zu diesem Duell kommt, muss sich Licina am Samstag in einem Testlauf gegen den 25-jährigen Briten Hari Miles (6-3-0, 2 KO) beweisen.

„Er ist genau wie Alekseev Rechtsausleger“, erklärte Licina. „Das ist eine gute Generalprobe.“

Nachdem er im Februar eine Punktniederlage gegen Steve Cunningham einstecken musste, kehrte Licina im Mai in den Ring zurück und konnte dort den Italiener Michele De Meo in der ersten Runde ausknocken.

„Das Jahr verlief bisher abwechslungsreich für mich“, erzählt Licina. „Ich glaube, dass ich mein Ziel vom WM-Titel vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch verwirklichen kann.

Next Generation
22. Oktober 2011
Arena in Ludwigsburg, Baden-Württemberg

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck vs. Rogelio Omar Rossi

IBF Interkontinental-Meisterschaft im Mittelgewicht
Dominik Britsch vs. Billy Lyell

IBF Interkontinental-Meisterschaft im Schwergewicht
Kubrat Pulev vs. Travis Walker

Vorprogramm
Enad Licina vs. Hari Miles
Marcos Nader vs. Lorenzo Cosseddu
Robert Woge vs. John Waldron