Vorberichte

Mehr Herz als Huck?

Die detaillierte Vorschau zum Marco Huck (r.) vs. Hugo Hernan Garay.

Am kommenden Samstag steigt World Boxing Organization-Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck im Münchner Olympia-Eisstadion zu seiner siebenten Titelverteidigung in den Ring. Sein Gegner ist der frühere Halbschwergewichtsweltmeister der World Boxing Association Hugo Hernan Garay.Wir werfen einen detaillierten Blick auf die wichtigsten Kämpfe des Abends.

Huck vs. Garay

Nach dem Titelverlust von Sebastian Sylvester und den zuletzt enttäuschenden Leistungen von Arthur Abraham ist Marco Huck (32-1, 23 KO) in den Reihen von Europas größtem Boxstall Sauerland Event momentan Kassenmagnet und Hoffnungsträger Nummer eins. Eine Menge Druck, die der gebürtige Jugoslawe am kommenden Samstag mit in den Ring nimmt, wenn er seinen Weltmeistertitel zum bereits siebenten Mal verteidigen wird.

Gewohnt selbstbewusst wiegelt der 26-Jährige aber ab: „Den Druck verspüre ich schon, aber für mich ist das gleichzeitig auch eine große Motivation. Es macht mich stolz, das Aushängeschild eines so bedeutenden Box-Stalls zu sein. Und da will ich natürlich auf alle Fälle glänzen.“

Was das angeht ist sein Trainer Ulli Wegner jedoch skeptisch. Er schätzt Gegner Hugo Hernan Garay (34-5, 18 KO) durchaus als gefährlichen Herausforderer ein: „Die Argentinier sind zähe Burschen, das hat Marco bei seinem Titelgewinn gegen Victor Emilio Ramirez zu spüren bekommen. Damals hat er sich sehr gut an die taktischen Vorgaben gehalten. Um Garay zu schlagen, bedarf es wieder einer sehr, sehr konzentrierten Leistung.“

Huck besiegte Ramirez vor zwei Jahren in Halle/Westfalen und sicherte sich so den WBO-Gürtel im Cruisergewicht. Nach sechs erfolgreichen Verteidigungen hat er sich nun neue Ziele gesteckt: "Ich […] will unbedingt einen Vereinigungskampf bestreiten“, so Huck. „Dazu ist es nötig, in München zu gewinnen.“

Garay hielt zwischen 2008 und 2009 für ein Jahr den Halbschwergewichtsgürtel der WBA und wechselt Ende vergangenen Jahres vom Halbschwer- ins Cruisergewicht. Bisher lebte der Argentinier von seiner hohen Schlagfrequenz, Schnelligkeit und der Fähigkeit, sich in Schlagabtauschen gut zu behaupten. Ob er sich auf diese Stärken auch in der höheren Gewichtsklasse verlassen kann, wird sich zeigen. Für Garay kam der Wechsel zumindest sehr gelegen: „Ich fühle mich im Cruisergewicht viel besser. Es war nicht so einfach für mich, das Halbschwergewicht auf die Waage zu bringen. Ich finde, ich habe durch den Gewichtsklassenwechsel auch nichts von meiner Schnelligkeit eingebüßt.“

Deutschen Zuschauern könnte Garay im Übrigen noch von seinem Sieg über Jürgen Brähmer, im November 2008, bekannt sein. Auch Marco Huck hat dieses Duell nicht vergessen: „Natürlich habe ich seinen Kampf gegen Jürgen Brähmer im Jahr 2008 gesehen. Den hat er sehr schlecht aussehen lassen.“ Gedanken, dass es ihm ähnlich ergehen könnte wie dem Universum-Boxer macht er sich aber nicht: „Garay ist zwar sehr kampfstark, doch er kommt unter die Räder“, versichert Huck. Seine Taktik ist dabei offenbar keine andere als sonst auch: „Ich denke, ich habe das Glück, dass mir Mutter Natur so viel Kraft gegeben hat.“

Garay entgegnet: "(Huck) ist inzwischen ein großer Champion, der seinen WM-Titel schon einige Male verteidigt hat. Aber ich bin besser als er. […] Ich habe mehr Herz als Huck! Außerdem bin ich schneller als er.“

Zumindest bei der Schnelligkeit hat der Argentinier Recht. Ob er jedoch mit Mutter Naturs enormer Schlaggewalt zurecht kommen kann, wird Marco Huck am Samstag testen.

Gutknecht vs. Di Giacomo

Den Co-Hauptkampf des Abends bestreiten der frischgebackene EBU-Europameister im Halbschwergewicht, Eduard Gutknecht (21-1, 9 KO), und sein italienischer Herausforderer Lorenzo Di Giacomo (41-4, 19 KO). In München gab Gutknecht vor fünf Jahren sein Debüt als Berufsboxer – nun kehrt er als Europameister in die Isar-Metropole zurück. Der 29-Jährige sicherte sich den Gürtel am 07. Mai in Neubrandenburg, im Vorprogramm von Sebastian Sylvester vs. Daniel Geale. Damals stoppte er den Briten Danny McIntosh in der achten Runde eines actiongeladenen Fights.

„Ich habe mir den Titel hart erarbeitet und werde ihn so schnell nicht wieder aus der Hand geben“, so Gutknecht. „Er ist für mich eine Zwischenstation. Mein Ziel ist es, auf kurz oder lang Weltmeister zu werden, aber dafür muss ich den Titel erst einmal gegen Leute wie Di Giacomo verteidigen.“

Di Giacomo ist nur vier Jahre älter als Gutknecht, aber der deutlich erfahrenere Mann. Er hat den Europameister bereits entsprechend analysiert: „Er ist jemand, der gerne aus der Distanz heraus boxt. Bei allem Respekt muss ich sagen, dass er einen gewissen Stil hat, den er gut umsetzt - doch mehr kommt da nicht“, so der Herausforderer. Geht es nach ihm, wird „Gutknecht nicht in der Lage sein, mir seinen Stil aufzuzwingen. Er kann seine Taktik nicht konsequent gegen mich durchhalten. Er ist zwar ein bisschen größer als ich, aber ich denke, das wird kein entscheidender Faktor sein.“

Auch Di Giacomo ist deutschen Fans eventuell noch ein Begriff. Er unterlag Sebastian Sylvester im November 2005 in Hamburg nach Punkten. Gutknecht hätte aber Sylvesters damaligen „Top-Level noch nicht erreicht“, so der Italiener. Daher sei nun ein „guter Zeitpunkt, um gegen ihn zu boxen.“

Das Vorprogramm

Erst kürzlich hatte GroundandPound die bulgarische Schwergewichtshoffnung Kubrat Pulev (12-0-0, 6 KO) als künftigen Titelkandidaten vorgestellt. Am Samstag möchte er den nächsten Schritt in Richtung Weltmeistschaft beschreiten und trifft auf den Ukrainer Maksym Pediura (13-1-1, 11 KO).

„Maksym Pediura ist kein schlechter Gegner. Er hat oft vorzeitig gewonnen. Da muss ich aufpassen“, so Pulev, der erst vor zwei Jahren ins Profilager gewechselt ist. Zuvor konnte er als Amateur die Europameisterschaft im Super-Schwergewicht gewinnen.

„Kubrat ist auf dem richtigen Weg“, so Trainer Trainer Otto Ramin „Wir müssen zukünftig daran arbeiten, dass die Kräfte für zwölf Runden reichen. […]. Dann ist er im nächsten Jahr so weit, dass er nach dem WM-Gürtel greifen kann.“

Pediura ist ein technisch limitierter, brachialer Puncher. Verlässt sich Pulev auf seine Beweglichkeit und Schnelligkeit, sollte er hier keine Probleme bekommen und ein EM- oder WM-Kampf wäre tatsächlich „nur noch eine Frage der Zeit", wie Sauerland-Sportdirektor Hagen Doering prophezeit.

Auch Nachwuchstalent Dominik Britsch (23-0, 8 KO) steht am Samstag im Ring. Der GroundandPound Journal „Star von morgen“ trifft auf den US-Amerikaner Ryan Davis (23-8, 9 KO) und boxt um die vakante Intercontinental Meisterschaft der International Boxing Federation.

„Mit einem Sieg kann ich einen großen Sprung nach vorne machen“, so Britsch. „Das ist noch einmal eine zusätzliche Motivation. Ich habe hart gearbeitet, um nach oben zu kommen. Jetzt wird es langsam richtig ernst. Ich bin bereit für große Kämpfe.“

Die komplette Fightcard im Überblick:

Marco Huck vs. Hugo Hernan Garay
16. Juli 2011
Olympia-Eisstadion in München, Bayern


WBO-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht

Marco Huck vs. Hugo Hernan Garay

EBU-Europameistschaft im Halbschwergewicht

Eduard Gutknecht vs. Lorenzo Di Giacomo

Vorkämpfe

Dominik Britsch vs. Ryan Davis
Kubrat Pulev vs. Maksym Pediura
Marcos Nader vs. Gaetano Nespro
Mario Daser vs. Dietfried Konnerth
Robert Woge vs. Sam Couzens
David Graf vs. Steffan Hughes